US-Einsatz in Haiti Endlich wieder eine Macht des GutenSeite 2/2

Doch im Wettlauf gegen die Zeit hat die technische und organisatorische Überlegenheit der USA ihre Grenzen. 72 Stunden nach einer solchen Katastrophe sinken die Überlebenschancen der Verschütteten und der unversorgten Verletzten dramatisch, erklären professionelle Helfer immer wieder. Diese 72 Stunden liefen am Freitagnachmittag ab. Doch noch immer fehlt in den am schlimmsten betroffenen Vierteln von Port-au-Prince schweres Gerät, um Betonplatten anzuheben, unter denen Überlebende vermutet werden. „Wenn man auf Hilfe für das vermisste Kind wartet, fühlt sich ein Tag wie ein Jahr an“, klagt eine Frau, die in schwarzer Kleidung vor den Überresten einer Schule im Straßenstaub kauert.

In vielen Straßen liegen Leichen, um die Fliegen summen. Nach und nach werden sie mit Tüchern abgedeckt und auf Tragen zu Sammelpunkten gebracht. Aus Angst vor Seuchengefahr habe man 7000 Leichen in einem Massengrab beerdigen müssen, sagte Präsident Préval mit bedeckter Stimme am späten Donnerstag. Es blieb nicht einmal Zeit, um ihre Identität festzustellen. US-Sender zeigten grausige Bilder: Ein weißes Räumgerät mit breiter Schaufel kippte leblose Körper in die Mulde eines Lastwagens.

Fast übergangslos schaltet CNN von diesen Bildern zu einer Expertenrunde, die neben technischen Details der Hilfe auch Amerikas Bild in der Welt diskutiert. Haiti habe in seinem Unglück das große Glück, die USA zum Nachbarn zu haben, sagt einer. Amerika sieht sich bestätigt in seinem Selbstwertgefühl. Die größte Macht des Guten auf der Erde, so nennen Konservative ihr Land gerne.

Bei der Haiti-Hilfe sind die Meinungen freilich nicht einhellig. Die überwältigende Mehrheit zeigt Mitgefühl. Wie beim Tsunami in Asien 2004 spenden die Bürger auch jetzt viele Millionen Dollar – obwohl sie unter der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 70 Jahren leiden. Zwei Autoritäten der Erzkonservativen rieten hingegen von Spenden ab. Der Prediger Pat Robertson behauptet, das Erdbeben sei eine Strafe, weil Haiti einen „Pakt mit dem Teufel“ eingegangen sei: Er spielte auf den verbreiteten Voodoo-Glauben an und auf die gewaltsame Entwicklung der jüngsten 25 Jahre im Übergang von der Diktatur zur Demokratie. Der einflussreiche Radio-Talker Rush Limbaugh kritisiert, die Bürger hätten mit ihren Steuern, aus denen Präsident Obama die hundert Millionen Dollar Aufbauhilfe für Haiti bezahle, genug für die Insel getan. Tatsächlich liegt es wohl eher daran, dass Limbaugh Obama den Imagegewinn durch erfolgreiches Krisenmanagement nicht gönnt.

In ihrem Weltbild haben die USA die Nachbarn im Süden längst eingemeindet. „The Americas“ nennen die Medien den gemeinsamen Lebensraum. Das Beben hat das Zusammengehörigkeitsgefühl verstärkt. Zwei Millionen Haitianer leben in den USA, mehr als 50.000 US-Bürger auf Haiti. Aber beruht dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit? Am Donnerstag und Freitag mehrten sich auf den US-Sendern die Stimmen zorniger Haitianer, die sich in ihrer Not im Stich gelassen fühlen, weil die versprochene Hilfe in ihrem Viertel noch nicht angekommen ist.

 
Leser-Kommentare
    • tuxman
    • 15.01.2010 um 21:46 Uhr
    1. hmmh

    Ich will den eifrigen Hilfswillen ja nicht schlecht reden. Aner die Hilfe kommt nachdem Kuba 100 Ärzte nach Haiti geschickt hat, wovon man im Artikel leider nichts ließt.

    Ein Schelm wer böses dabei denkt...

    • Fokko
    • 15.01.2010 um 21:51 Uhr

    ... und ebenfalls ein Schelm ist, der Böses dabei denkt, dass die USA so eilfertig mit Militär zur Stelle sind - bei den, südlichen Nachbarn die "in ihrem Weltbild längst eingemeindet sind".

    Fokko vom Selbstversorger-Blog/Fantasy-Blog
    -------------------------------------------
    http://selbstversorger-bl...
    http://fokko.wordpress.com

  1. Da ich eine bestimmte Meinung zu den USA habe, möchte ich
    diese Situation nicht kommentieren.

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    halten Sie doch einfach die klappe

    • marxo
    • 16.01.2010 um 12:44 Uhr

    ihre "bestimmte Meinung" ist ja schon ein Kommentar.

    • marxo
    • 16.01.2010 um 12:46 Uhr

    USA! USA! USA! USA! USA! USA! USA! USA! USA!

    Come to where the freedom is at home!

    Die "Friedensmacht Deutschland" und "Old Europe" hängen mal wieder vor dem Fernseher rum.

    halten Sie doch einfach die klappe

    • marxo
    • 16.01.2010 um 12:44 Uhr

    ihre "bestimmte Meinung" ist ja schon ein Kommentar.

    • marxo
    • 16.01.2010 um 12:46 Uhr

    USA! USA! USA! USA! USA! USA! USA! USA! USA!

    Come to where the freedom is at home!

    Die "Friedensmacht Deutschland" und "Old Europe" hängen mal wieder vor dem Fernseher rum.

  2. "Die größte Macht des Guten" kann jetzt in Haiti unter pausenloser Live-Berichterstattung beweisen, dass Ihre Soldaten doch Gutes zu tun in der Lage sind.
    Anders als sein Vorgänger nutzt der Präsident die Lage. (Ein amerikanischer Deichgraf?)
    Was sind $500 Mio. gegen $800 Mrd.? (weniger als 1%)
    Frau Merkel hingegen spendierte gerade mal €1Mio (als Soforthilfe)

    Allerdings liegt Haiti auch nicht im "Vorhof" von Deutschland.

    In der Vergangenheit hat die USA vieles falsch gemacht bezüglich Haiti. Jetzt hat es die Chance wieder vieles Gut zu machen.

    Freunde gewinnt man nicht durch Krieg, Freunde kann man gewinnen indem man hilft.
    Herr Obama unterscheidet sich in dieser Hinsicht deutlichst von seinem Vorgänger, was sehr zu begrüßen ist.
    Allen Haitianern, besonders denen, die von der Naturgewalt jäh getroffen wurden, gilt mein Mitgefühl.
    Wenn jemand hier von einer „Bestrafung Gottes“ redet ist er ein Scharlatan!!

    Gruß Max Stockhaus

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    ordentlich was draufzusatteln, wenn Ihnen die € 1 Mio Soforthilfe, welche Frau Merkel bewilligt hat, zuwenig ist!

    • dsmo
    • 16.01.2010 um 3:16 Uhr

    Eine Million als "Soforthilfe" ist und bleibt ein komischer Tropfen auf den glühend heißen Stein. Das ist kein entschlossenes Handeln, sondern nur ein leichtes Zucken mit der Schulter. Man bekommt den Eindruck es wird erstmal die Stimmung der Wähler abgewartet und daraufhin entschieden mit wie viel Engagement geholfen wird. Persönlich empfand ich Guido Westerwelle's Auftritt als ein skurriles Schauspiel, Haiti bei "Wer wird Millionär", ich habe kurz und beschämt gelacht.

    ordentlich was draufzusatteln, wenn Ihnen die € 1 Mio Soforthilfe, welche Frau Merkel bewilligt hat, zuwenig ist!

    • dsmo
    • 16.01.2010 um 3:16 Uhr

    Eine Million als "Soforthilfe" ist und bleibt ein komischer Tropfen auf den glühend heißen Stein. Das ist kein entschlossenes Handeln, sondern nur ein leichtes Zucken mit der Schulter. Man bekommt den Eindruck es wird erstmal die Stimmung der Wähler abgewartet und daraufhin entschieden mit wie viel Engagement geholfen wird. Persönlich empfand ich Guido Westerwelle's Auftritt als ein skurriles Schauspiel, Haiti bei "Wer wird Millionär", ich habe kurz und beschämt gelacht.

    • upcno
    • 15.01.2010 um 22:09 Uhr

    ich setze einen zehner das wir in 2 wochen nix mehr von Haiti hören, war letztes jahr(?) in China auch nicht anders.
    Ein weiteres (unnötiges) Medienspektakel, das jeder Politiker gerne Ausnutzt um sich zu profilieren und von Problemen daheim abzulenken.
    Es wäre ja nicht so das in Haiti erst seit gestern Chaos, Gewalt und Hunger regieren, hat bloß nie jemand interessiert.

  3. Zu Eins bis Drei:
    Ihnen fällt wohl gar nichts mehr Anderes ein, um irgend etwas madig zu machen.
    Tja, wenn man so in einem Fernsehsessel hockt und nicht betroffen ist, kann man leicht labern.
    Meine Empfehlung:
    Kneifen sie die entsprechenden flachgedrückten Backen zusammen, raffen Sie sich auf und helfen Sie mit.

  4. Macht des Guten - einfach lächerlich. Haiti wird nicht zum ersten Mal von den USA überfallen.

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    • Elpis
    • 15.01.2010 um 23:46 Uhr

    Bravo! Endlich jemand, der die ganze Sache durchschaut. Dieses Erdbeben wurde (wie der Einsturz des WTC) von Amerika inszeniert (man wird sicher wieder irgendwo Thermite finden), um unter dem Deckmantel der Hilfe Soldaten nach Haiti zu senden und diese Land zu überfallen.
    Es gibt kein Leid, das so groß ist, kein Elend, das so herzzerreißend ist, als daß nicht irgendein (hier bitte einsetzen, was dem Leser als passende Verbalinjurie gerade einfällt) die USA als Übeltäter, als satanischen Weltverschwörer "entlarvt" würde.
    O sancta simplicitas - Millionen Haitianer könnten diesen Ausruf des Jan Hus diesen dummdreisten Elendsgewinnlern entgegenschleudern, die die Helfer denunzieren, denen kein Schrecken schrecklich genug ist, um nicht noch ein ideologisches Süppchen daraus zu kochen.
    Sicherlich sind die USA nicht die Macht des Guten - aber die erschütternde Borniertheit solcher Diskussionsbeiträge ebnet alle Differenzen ein - es bleibt fassungslosen Kopfschütteln.

    • Elpis
    • 15.01.2010 um 23:46 Uhr

    Bravo! Endlich jemand, der die ganze Sache durchschaut. Dieses Erdbeben wurde (wie der Einsturz des WTC) von Amerika inszeniert (man wird sicher wieder irgendwo Thermite finden), um unter dem Deckmantel der Hilfe Soldaten nach Haiti zu senden und diese Land zu überfallen.
    Es gibt kein Leid, das so groß ist, kein Elend, das so herzzerreißend ist, als daß nicht irgendein (hier bitte einsetzen, was dem Leser als passende Verbalinjurie gerade einfällt) die USA als Übeltäter, als satanischen Weltverschwörer "entlarvt" würde.
    O sancta simplicitas - Millionen Haitianer könnten diesen Ausruf des Jan Hus diesen dummdreisten Elendsgewinnlern entgegenschleudern, die die Helfer denunzieren, denen kein Schrecken schrecklich genug ist, um nicht noch ein ideologisches Süppchen daraus zu kochen.
    Sicherlich sind die USA nicht die Macht des Guten - aber die erschütternde Borniertheit solcher Diskussionsbeiträge ebnet alle Differenzen ein - es bleibt fassungslosen Kopfschütteln.

  5. „The Americas“ dient wohl eher dazu sich abzugrenzen als sich irgendetwas einzugemeinden, denn „America“ ist gleichbedeutend mit USA. „The Americas“ ist schlicht der Rest des Kontinents.

    Man kann ja über die Ammis denken, was man will, aber wenn sie denn mal was Gutes tun, kann man das auch anerkennen. Nun mit Gewalt ein Haar in der Suppe zu suchen ist lächerlich. Besonders dann, wenn man die Hilfsleistungen der USA mit denen Deutschlands vergleicht.

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