Erdbeben in Haiti"Ein beispielloses Ausmaß der Zerstörung"

Mindestens 112.000 Menschen sind in Haiti ums Leben gekommen. Aufgrund von Überfällen mussten Helfer an manchen Orten bereits die Lebensmittelausgabe einstellen.

Kinder warten auf die Ausgabe einer warmen Mahlzeit in Port-au-Prince. Bei der Lebensmittelvergabe brach vielerorts das Chaos aus

Kinder warten auf die Ausgabe einer warmen Mahlzeit in Port-au-Prince. Bei der Lebensmittelvergabe brach vielerorts das Chaos aus  |  © Shawn Thew/dpa

Eineinhalb Wochen nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti erschweren Chaos und Zerstörung zunehmend die Hilfsbemühungen der ausländischen Rettungskräfte. Aufgrund zahlreicher Überfälle auf Hilfsgütertransporte stellte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen die Ausgabe von Lebensmitteln an mehreren Orten vorübergehend ein. Gleichzeitig wuchs die Kritik in der Bevölkerung, dass die vom Ausland versprochene Hilfe vielerorts zu spät oder gar nicht ankäme.

Das Erdbeben hat mindesten 112.000 Menschen das Leben gekostet und ist damit eine der zerstörerischsten Naturkatastrophen der vergangenen 100 Jahre. "Das Ausmaß der Zerstörung und die katastrophalen Folgen für die Menschen sind einfach beispiellos", sagte die Leiterin der US-Behörde für Internationale Entwicklung, Rajiv Shah, am Sonntag. "Wir werden die Not nie so schnell lindern können, wie wir es gerne tun würden."

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Bei der Lebensmittelausgabe in einem Zeltlager in der Hauptstadt Port-au-Prince brach am Samstag Chaos aus, als verzweifelte Überlebende einen Streit um Hilfsgüter begannen. Nur mit Warnschüssen konnte die Polizei die Menge davon abhalten, den Transporter zu plündern. Die Helfer der Organisation Plan International stellten ihre Lebensmittelausgabe daraufhin vorübergehend ein. Auch das Welternährungsprogramm sah sich gezwungen, die Lebensmittelausgabe zu drosseln, nachdem am Freitag zwei Konvois mit Hilfsgütern angegriffen worden waren, wie UN-Mitarbeiter Thiry Benoit erklärte.

Wegen der wachsenden Not und der zunehmenden Unsicherheit beschlossen UN-Truppen, in dem berüchtigten Elendsviertel Cite Soleil in Port-au-Prince Lebensmittel nur mit Hilfe von US-Soldaten zu verteilen. "Wir verteilen jetzt hier alles, was wir haben - aber die Not ist riesig", sagte der Leiter des US-Militäreinsatzes in Haiti, Ken Keen, vor Ort. Die Helfer verteilten Säcke mit Reis, Mehl und Bohnen. Die Lage blieb zunächst ruhig.

Obwohl die haitianische Regierung die Suche nach Überlebenden offiziell für beendet erklärte, zogen Rettungskräfte am Samstag einen 24 Jahre alten Mann lebend aus den Trümmern eines Hotels. "Die Hoffnung schwindet, aber wir könnten immer noch Wunder erleben", sagte UN-Sprecherin Elisabeth Byrs. Anderthalb Wochen nach dem Beben müsse nun aber die medizinische Versorgung der Verletzten in den Vordergrund rücken. Nach UN-Angaben haben die Hilfskräfte seit dem Beben mehr als 130 Menschen gerettet. Vermutlich sind bis zu 200.000 Menschen ums Leben gekommen.

Unter den Toten sind nach Angaben des Auswärtigen Amts mindestens zwei deutsche Staatsbürger. Zudem würden zwei weitere Deutsche vermisst, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums.

Angesichts der katastrophalen Bedingungen im Erdbebengebiet erhöhte die Bundesregierung ihre Haiti-Hilfe um weitere fünf Millionen Euro auf nun 15 Millionen Euro. Mit den zusätzlichen Mitteln verdopple das Entwicklungsministerium seinen bisherigen Anteil an der deutschen Hilfe, erklärte Entwicklungsminister Dirk Niebel am Sonntag. Nachdem das Ministerium fünf Millionen Euro für Lebensmittel bereitgestellt habe, sollten nun fünf Millionen Euro in den Aufbau von Notunterkünften fließen.

Leserkommentare
  1. Heute im ZDF-Morgenmagazin: "In Paris beginnen heute die langfristigen Beratungen über den Wiederaufbau in Haiti."
    Genauso ist es!
    Ich denke, dass viele Kinder in Haiti in diesen Tagen zum ersten Mal einen Arzt sahen oder richtig ordentlich zu essen bekamen und dass fuer viele Menschen die Naturkatastophe eine chte Chance bilden wird.
    Das waere schoen und den Menschen zu goennen.
    Fuer uns im Westen bleibt, das Hetzen gegen Cuba tc. geht weiter!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Dirk Niebel | Bundesregierung | Vereinte Nationen | Adoption | Chaos | Erdstoß
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