Honduras Zelaya im Exil

Der gestürzte Staatschef Manuel Zelaya hat Honduras verlassen, nachdem der neue Präsident Porfirio Lobo vereidigt wurde. Damit beginnt für das Land eine neue Ära.

Toncontin-Flughafen in Tegucigalpa: Anhänger Zelayas verabschieden den gestürzten Präsidenten

Toncontin-Flughafen in Tegucigalpa: Anhänger Zelayas verabschieden den gestürzten Präsidenten

Fast auf den Tag genau sieben Monate nach dem weltweit kritisierten Putsch in Honduras hat der gestürzte honduranische Präsident Manuel Zelaya am Mittwoch das Land verlassen und ist ins Exil in die Dominikanische Republik gegangen. Damit beendete er kurz nach der Vereidigung des konservativen Geschäftsmanns Porfirio Lobo zum neuen Präsidenten die seit Monaten dauernde Krise des lateinamerikanischen Landes.

Zelaya war am 28. Juni vergangenen Jahres vom Militär gestürzt und ins Ausland gebracht worden. Nachdem er heimlich in seine Heimat zurückgekehrt war, versuchte er mehr als vier Monate von der brasilianischen Botschaft in Honduras Hauptstadt Tegucigalpa aus, sein Amt wiederzuerlangen. Der Staatsstreich war vom Obersten Gerichtshof und dem Kongress angeordnet worden, die damit eine von Zelaya geplante Volksabstimmung über Verfassungsänderungen verhindern wollten. Ende November wählten die Honduraner Lobo zum neuen Präsidenten.

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Tausende Anhänger Zelayas waren zum Flughafen gekommen, um ihren Favoriten zu verabschieden. Sie jubelten ihm mit roten Fahnen und Cowboyhüten, auf die sein Spitzname "Mel" geschrieben war, zu. "Sie lassen ihn nie wieder zurück", sagte die 30-jährige Carla Lopez unter Tränen. Viele seiner Anhänger rechnen jedoch fest mit einer Rückkehr Zelayas.

In Lobos Antrittsrede rief der neue Präsident die bisherigen Widersacher auf, sich gegenseitig zu vergeben. Noch am Rednerpult unterzeichnete er eine vom Parlament in der Nacht zuvor beschlossene Amnestie für alle politischen Verbrechen im Zusammenhang mit dem Putsch. Damit erfüllte das mittelamerikanische Land eine der Forderungen der internationalen Gemeinschaft. Von der Amnestie profitieren vor allem Zelaya und sein Widersacher, der Putschist Roberto Micheletti, der bis Mittwoch de facto Staatschef war.

Lobo äußerte sich zuversichtlich, dass er die internationale Isolierung seines Landes überwinden werde. Unter dem konservativen Politiker, der die international nicht anerkannte Präsidentenwahl im November gewonnen hatte, hofft das verarmte Land auf Aussöhnung und einen Neuanfang. Unterdessen mehrten sich Hinweise, dass die internationale Gemeinschaft die nach dem Putsch verhängten Sanktionen aufheben und die eingefrorene Finanzhilfe wieder freigeben könnte.

 
Leser-Kommentare
  1. Nun beendet also Manuel Zelaya laut ZEIT mit seiner Ausreise die Krise in Honduras, die er Ende Juni vergangenen Jahres mit seinem eignen Putsch begonnen hat, der Störenfried.
    Nachdem die USA in Form von Barack Obama anfangs dem Putschisten Micheletti die Legitimation abgesprochen haben, kehrten sie kurz darauf in Form von Hillary Clinton schon wieder zu Business as usual zurück. Schliesslich sind die USA ja der grösste Ausbeuter, Verzeihung, Wirtschaftspartner, des mittelamerikanischen Landes. Und nun kann endlich auch Europa und der Rest der Welt zur Normalität zurückkehren. Zelaya ist weg. Damit ist zwar immernoch keine Legitimität der Herrschenden entstanden, aber wer kümmert sich schon ernsthaft um solche Details. Die ZEIT hat schon nach dem Vertrag von Tegucigalpa die politische Krise als beendet erklärt. Auch wenn der Vertrag nie eingehalten wurde.
    Auch wenn viele unabhängige Medien stets geschlossen sind. Auch wenn das Honduranische Kommittee zur Verteidigung der Menschenrechte erst im Dezember - also nach der Wahl - politische Morde an der Führung der Opposition beklagt. http://www.agenciapulsar....
    Auch wenn selbst das Oberste Gericht Wahlfälschung eingestehen muss und nachträglich die Wahlbeteiligung von 61% auf 48% korrigieren muss. http://www.monde-diplomat...
    Aber wen interessieren schon Wahlfälschung, Menschenrechte, Pressefreiheit. Im Iran vielleicht. In Honduras nicht. Bei der Zeit ist Business as usual eingekehrt.

  2. als nur die Abreise von Zelaya ins Exil in die Dominikanische Republik und dass die Krise damit beendet sei, so als sei der Putsch damit legitimiert. Und eine Amnestierung der Putschisten war ja wohl nicht die Forderung der internationalen Gemeinschaft.

    Es gäbe eine Menge interessanter Details zu dem Putsch zu berichten, die man in den deutschen Mainstream-Medien vergebens sucht: die Rolle der Friedrich Naumann Stiftung ("für die Freiheit"), die Rolle der USA... aber die Zeit beschränkt sich lieber auf eine vordergündig "objektive" Berichterstattung. Was für ein dröhnendes Presse-Echo hätte es gegeben, wäre es ein Putsch durch eine linke Guerrilla-Bewegung gewesen. Da hätte auch die Zeit keine Mühe gescheut, jedes kleine Detail darzustellen und den Aufschrei von Empörung in wohlgesetzte Worte zu formen.

    Aber es waren ja nur ein paar rechtgerichtete Putschisten, kein Grund sich aufzuregen...

  3. 3. Helfen

    Jetzt sollte die EU die Sanktionen aufheben. Der neue Präsident sollte international eine Chance erhalten und die EU insbesondere Spanien sollte sich vehemt einsetzten.

    • xpol
    • 28.01.2010 um 20:56 Uhr

    ... hat mit ausländischer Unterstützung gegen die Verfassung seines Landes einen Putsch versucht - und ist gescheitert.
    Die das vereitelt haben, verzichteten auf die Ausübung der Regierungsgewalt und organisierten eine Wahl, zu der sie selbst nicht antraten.
    Das wirft ein eher positives Licht auf die Verhältnisse in Honduras.

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