Getöteter Atomforscher Iran wirft USA und Israel politischen Mord vor

Neues Kapitel im Atomstreit: Iran sieht den Mord an einem Teheraner Atomforscher als Komplott des Westens. Washington und Jerusalem hätten den Mann gezielt getötet.

Die Ermordung des iranischen Atomwissenschaftlers Massud Ali Mohammadi schürt die Spannungen zwischen der Islamischen Republik und dem Westen. Die Regierung in Teheran beschuldigte die USA und Israel, hinter dem Bombenanschlag auf den Forscher zu stecken. Beide Staaten würden Atomwissenschaftler des Landes aus Angst vor einer iranischen Atombombe gezielt "eliminieren".

"Der Terroranschlag deutet auf das Dreieck der Bösartigkeit", erklärte das Außenministerium in Teheran. Erste Ermittlungen hätten gezeigt, "dass die USA, das zionistische Regime und deren Söldner in diesen terroristischen Akt verwickelt sind". Doch die "Ausschaltung unserer Atomwissenschaftler wird den technologischen Fortschritt unseres Landes bestimmt nicht negativ beeinflussen, eher beschleunigen", fügte ein Sprecher hinzu.

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Ähnliche Vorwürfe erhob das iranische Regime bereits im Juni. Damals war der am Atomprogramm beteiligte Wissenschaftler Schahram Amiri während einer Pilgerfahrt nach Mekka verschwunden. Die Führung in Teheran warf Saudi-Arabien vor, den Forscher an die USA ausgeliefert zu haben. Experten zufolge sei es aber höchst unwahrscheinlich, dass die USA oder Israel zum Mittel der gezielten Tötung von Wissenschaftlern greifen würden. Dazu sei die Zahl der qualifizierten Forscher und Ingenieure mittlerweile zu groß. Allerdings habe Israel in der Vergangenheit Atomwissenschaftler getötet, deren Arbeit der jüdische Staat als gefährlich eingestuft habe.

Iran beschuldigte die USA, Israel und "ihre Agenten" immer wieder für Anschläge und Angriffe oder unliebsame Vorkommnisse im eigenen Land verantwortlich zu sein. Beweise konnte die Regierung nie liefern. Als "Söldner" oder "Agenten" wird meist die iranische Oppositionsgruppe Volksmudschahedin bezeichnet, die das Mullah-Regime bekämpft.

Die Volksmudschahedin dementierten jede Verantwortung für den Anschlag auf Mohammadi. In einer Erklärung hieß es, der "in Iran regierende Faschismus" verfolge seine eigenen politischen Ziele und versuche "nicht zum ersten Mal", dem Widerstand die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Die Volksmudschahedin hätten mit diesem Mord "nichts zu tun".

Die Vorwürfe seien absurd, heißt es auch aus dem US-Außenministerium. Der israelische Handelsminister Benjamin Ben-Elieser wiederum sagte voraus, dass sein Land sicherlich mit dem Anschlag in Verbindung gebracht werden würde. "Aber ich habe keine Ahnung, was passiert ist, wer es getan hat, aber ich nehme auch an, dass wir es nicht waren", sagte er im israelischen Rundfunk. Die internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien wollte sich zu dem Mord nicht äußern.

Der Wissenschaftler Massud Ali-Mohammadi war bei einem Bombenanschlag in der iranischen Hauptstadt getötet worden. Medienberichten zufolge war der an einem Motorrad versteckte Sprengsatz in der Nähe seines Hauses explodiert. Der Tatort im Norden Teherans wurde zur Spurensuche von der Polizei abgeriegelt, die Leiche Mohammadis zur Untersuchung in die Gerichtsmedizin gebracht. Anwohner berichteten, dass ihnen zunächst untersagt worden sei, ihre Häuser zu verlassen. Festnahmen gab es nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst nicht.

Unklar war, ob der Atomforscher am umstrittenen iranischen Atomprogramm arbeitete. Nach Angaben des Teheraner Chefanklägers Abbas Dschafari Dolatabadi war der 50-Jährige an der Universität der Hauptstadt tätig. Dort arbeitete er nach Einschätzung westlicher Experten als theoretischer Physiker. In seinen Publikationen befasste er sich demnach überwiegend mit Kosmologie, Hochenergie-Physik und Quantenphysik. Diese Arbeiten zeigen keinen direkten Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm.

Widersprüche tauchten im Zusammenhang mit der politischen Orientierung des getöteten Professors auf. Ali-Mohammadi wurde von der Staatsanwaltschaft als loyal und regierungstreu und im staatlichen Fernsehen als glühender Anhänger der Islamischen Revolution eingestuft. Laut halbamtlicher Nachrichtenagentur Fars hat Ali-Mohammadi bis 2003 mit den regimetreuen Revolutionsgarden zusammengearbeitet. Zudem habe er an zwei Hochschulen unterrichtet, die den Garden nahe gestanden hätten. Die oppositionelle Website Jaras beschrieb ihn dagegen als Gefolgsmann von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi. Mohammadi habe zusammen mit Hunderten anderer Kollegen einen Wahlaufruf für den Politiker unterschrieben.

Der Anschlag auf den Wissenschaftler ereignete sich zu einer Phase erhöhter Spannungen – sowohl innen- als auch außenpolitisch. Die Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition erreichten nach der umstrittenen Präsidentenwahl im Juni unlängst einen neuen Höhepunkt. Vor allem an den Universitäten formiert sich Widerstand gegen die Clique um Präsident Mahmud Ahmadineschad. Studenten bilden das Rückgrat der Reformbewegung.

Unterdessen drohen Iran im Atomstreit mit der Staatengemeinschaft neue Sanktionen. Am Wochenende wollen die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland darüber beraten. Zwischen den USA und China gibt es allerdings Streit darüber, ob die Zeit für neue Strafmaßnahmen reif sei.

Für Unmut sorgten auch die jüngsten Äußerungen des US-Generals David Petraeus über "Notfallpläne" für mögliche Militärschläge gegen iranische Nuklearanlagen. Noch vor dem Anschlag auf Mohammadi, hatte die iranische Führung Washington vorgeworfen, den Atomstreit gezielt eskalieren zu lassen. "Das ist unverantwortlich, das Gegenteil der neuen Politik, die die neue US-Regierung verspricht, und stattdessen eine Rückkehr zu früheren Fehlern", hieß es aus Teheran.

 
Leser-Kommentare
    • WIHE
    • 12.01.2010 um 20:38 Uhr

    "Allerdings habe Israel in der Vergangenheit Atomwissenschaftler getötet, deren Arbeit der jüdische Staat als gefährlich eingestuft habe."

    Ich würde das als Mord bezeichnen.
    Vorsatz, Heimtücke, Grausamkeit.

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    • leon1
    • 13.01.2010 um 5:37 Uhr

    alle anderen morden. Interessante Formulierung.
    Aber Spass beiseite: Wem nuetzt ein toter Atomwissenschaftler.
    Sicher nicht dem Iran und seinem Atomprogramm. Aber sicherlich
    Israel, den USA und Deutschland. In diesen Laendern wuerde ich nach den Taetern und Unterstuetzern suchen.

    • leon1
    • 13.01.2010 um 5:37 Uhr

    alle anderen morden. Interessante Formulierung.
    Aber Spass beiseite: Wem nuetzt ein toter Atomwissenschaftler.
    Sicher nicht dem Iran und seinem Atomprogramm. Aber sicherlich
    Israel, den USA und Deutschland. In diesen Laendern wuerde ich nach den Taetern und Unterstuetzern suchen.

    • hego5
    • 12.01.2010 um 20:42 Uhr
    2. So so

    sagt die also dpa & Co. Hat das auch jemand von der Zeit geprüft oder kommt der Text direkt von derren Pressestelle?

  1. Anscheinend ist dieser Anschlag ein geschickter Schachzug des Regimes. Die Regierung von Ahmadinejad ist mittlerweile innenpolitisch so instabil, dass sie mit allen Mitteln die Öffentlichkeit im Iran und auch im Ausland abzulenken versucht. Das umstrittene Atomprogramm bietet dieser Diktatur seit Jahren das geeignete Thema, Teile des Volkes zu täuschen und hinter sich zu einigen. Dass nach Angaben des Regimes schon nach wenigen Stunden der Westen und Israel als Täter feststehen, zeigt schon welche primitive Strategie hinter dieser Politik steht.

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    • hego5
    • 12.01.2010 um 21:13 Uhr

    so kann man das auch sehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wem ich da trauen soll!?

    genau das selbe, dachte ich als ich von diesem Tötungsdelikt erfuhr - ein spontanes Bauchgefühl, was gefühlsmässig in mir hoch kam, da ich seid Jahren, den Nah-Ost Konflikt, die Mentalität und das Problem Atomproblem, mit Sorge verfolge. Es würde als Teil eines Puzzels genau passen!

    • hego5
    • 12.01.2010 um 21:13 Uhr

    so kann man das auch sehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wem ich da trauen soll!?

    genau das selbe, dachte ich als ich von diesem Tötungsdelikt erfuhr - ein spontanes Bauchgefühl, was gefühlsmässig in mir hoch kam, da ich seid Jahren, den Nah-Ost Konflikt, die Mentalität und das Problem Atomproblem, mit Sorge verfolge. Es würde als Teil eines Puzzels genau passen!

    • Mork77
    • 12.01.2010 um 21:11 Uhr

    Mossad oder CIA? Unwahrscheinlich. CIA unwahrscheinlich, da das Attentat dann wohl mißlungen wäre, Mossad unwahrscheinlich, da Ziel zu unbedeutend. Die Opposition. Das ist davon abhängig, auf wessen Seite der Physiker denn nun stand. Unabhängige Informationen sind nicht zu bekommen.
    Es kann tatsächlich sehr gut sein, daß der Physiker ermordet wurde, um die Bevölkerung gegen eine äußere Bedrohung zusammenzuschweißen, und damit die innenpolitischen Probleme zu überspielen. alte Taktik, lenke mittels außenpolitischer Probleme von innenpolitischen ab.

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    • K.Eh.
    • 12.01.2010 um 21:19 Uhr

    Muss man das verstehen? Der Iran ist ganz schrecklich gefährlich, weil er angeblich seine Atombombe schon fast fertig hat - und dann bringt er seine eigenen Atomwissenschaftler um??? Wahrlich eine raffinierte Taktik - oder vielleicht doch eine bizarre Unterstellung?

    • K.Eh.
    • 12.01.2010 um 21:19 Uhr

    Muss man das verstehen? Der Iran ist ganz schrecklich gefährlich, weil er angeblich seine Atombombe schon fast fertig hat - und dann bringt er seine eigenen Atomwissenschaftler um??? Wahrlich eine raffinierte Taktik - oder vielleicht doch eine bizarre Unterstellung?

    • hego5
    • 12.01.2010 um 21:13 Uhr
    5. re

    so kann man das auch sehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wem ich da trauen soll!?

    Antwort auf "Geschickter Schachzug!"
    • K.Eh.
    • 12.01.2010 um 21:19 Uhr

    Muss man das verstehen? Der Iran ist ganz schrecklich gefährlich, weil er angeblich seine Atombombe schon fast fertig hat - und dann bringt er seine eigenen Atomwissenschaftler um??? Wahrlich eine raffinierte Taktik - oder vielleicht doch eine bizarre Unterstellung?

    Antwort auf "Wer kommt in Frage?"
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    ...dass dieser Wissenschaftler überhaupt mit dem Atomprogramm zu tun hatte. Wenn man seine wissenschaftlichen Tätigkeiten anschaut scheint er ja andere Schwerpunkte gehabt zu haben daher kamen die Vorredner auf die Vermutung, dass die Iranische Regierung ihn getötet haben könnte um das Volk gegen einen gemeinsamen Feind zusammenzuschweißen.

    mensch, was ist denn daran unlogisch?! 3 und 4 trifft es doch. meint einen mord in den eigenen reien, um ihn dem westen zuzuschieben und wut zu schüren.

    genau so macht man Saulus zu Paulus - Kriegsstrategie! Ich bin eine Frau, finde dies Spiele widerlich und kann das ganze kaum noch ertragen. Frage mich auch was dt. Soldaten in diesen Ländern " helfen" sollen. Das Volk und die Gesellschaft wird sich dort in 100 Jahren noch nicht geändert haben. Fustrierend, aber esist so, der MENSCH ist so.

    ...dass dieser Wissenschaftler überhaupt mit dem Atomprogramm zu tun hatte. Wenn man seine wissenschaftlichen Tätigkeiten anschaut scheint er ja andere Schwerpunkte gehabt zu haben daher kamen die Vorredner auf die Vermutung, dass die Iranische Regierung ihn getötet haben könnte um das Volk gegen einen gemeinsamen Feind zusammenzuschweißen.

    mensch, was ist denn daran unlogisch?! 3 und 4 trifft es doch. meint einen mord in den eigenen reien, um ihn dem westen zuzuschieben und wut zu schüren.

    genau so macht man Saulus zu Paulus - Kriegsstrategie! Ich bin eine Frau, finde dies Spiele widerlich und kann das ganze kaum noch ertragen. Frage mich auch was dt. Soldaten in diesen Ländern " helfen" sollen. Das Volk und die Gesellschaft wird sich dort in 100 Jahren noch nicht geändert haben. Fustrierend, aber esist so, der MENSCH ist so.

    • hego5
    • 12.01.2010 um 21:23 Uhr
    7. @6

    Da geb K.Eh. Recht. Das macht kein Sinn.?.

    • zd
    • 12.01.2010 um 21:27 Uhr
    8. @6

    was haben sie nicht richtig gelesen? er war fuer atomprogramm unbedeutend. man kann nicht an atombomben forschen und gleichzweitig unterrichten. schon einfachere forschungen nehmen zu viel zeit in anspruch. somit waere er fuer israel oder usa unbedeutend. und israel reskiert nicht seine agenten um unbedeutende personen zu toeten.

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