Iran Unbekannte schießen auf Auto von Oppositionsführer Karrubi
In Iran wird die Lage für die Opposition immer kritischer: Nun wurde das Auto des iranischen Oppositionsführers Mehdi Karrubi unter Beschuss genommen.
© Abedin Taherkenareh/dpa

Oppositionsführer Mehdi Karrubi wurde in seinem Auto beschossen
Das Fahrzeug des iranischen Oppositionsführers Mehdi Karrubi ist von Unbekannten beschossen worden. Der Geistliche blieb bei dem Vorfall unverletzt, hieß es auf Internet-Seiten der iranischen Opposition. Bei dem Vorfall seien lediglich die Fensterscheiben beschädigt worden, da es sich um ein gepanzertes Fahrzeug handele.
Karrubi hatte demnach an einer Trauerfeier in der Stadt Quazvin, westlich der Hauptstadt Teheran, teilnehmen wollen. Zunächst hätten rund 500 Mitglieder der Bassidsch-Miliz und Bewohner von Nachbardörfern das Haus, in dem Karrubi sich aufgehalten habe, umstellt, mit Steinen beworfen und Fensterscheiben zertrümmert. Nach vier Stunden habe schließlich die Polizei eingegriffen, um den Oppositionsführer aus dem Haus zu geleiten. Von offizieller Seite gab es zunächst keine Informationen über den Zwischenfall.
Der Kleriker Karrubi, Vorsitzender der Etemad-Melli-Partei, übersetzt Partei des Nationalen Vertrauens, gilt als einer der schärfsten Kritiker des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad und trat als Reform-Kandidat bei den Präsidentenwahlen 2005 und 2009 gegen ihn an. Er beschuldigt Ahmadineschad des Betrugs bei der Wahl im vergangenen Sommer und erkennt dessen Wiederwahl nicht an.
Neue Demonstranten vor Revolutionsgericht
Erst am Donnerstag mussten sich fünf Demonstranten, die bei den jüngsten Protesten gegen die Regierung festgenommen worden waren, vor Gericht verantworten. Das berichtete die Nachrichtenagentur ISNA. Verantwortlich für die Verfahren werde das Revolutionsgericht sein, das sich mit Vergehen gegen die Staatssicherheit befasse.
Generalstaatsanwalt Gholam Hussein Mohseni-Edschei hatte am Montag erklärt, festgenommene Demonstranten, die während der Proteste Waffen benutzt oder den Islam sowie die Führung des Landes beleidigt hätten, müssten als "Gottesfeinde" angesehen werden. Im Falle einer Verurteilung drohe ihnen deshalb die Todesstrafe.
Nach offiziellen Angaben gab es bei den Protesten am 27. Dezember 300 Festnahmen. Die Opposition spricht von mehr als 900. Mindestens acht Demonstranten wurden bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Anhängern der Oppositionsbewegung in Teheran getötet. Die Proteste während des religiösen Aschura-Festes waren die schwersten seit Beginn der Demonstrationen gegen die von Betrugsvorwürfen überschattete Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadineschad im vergangenen Juni.
Verhaftung des iranischen Hermann-Hesse-Übersetzers
Derweil hat die deutsche Pen, die Verhaftung des iranischen Autors und Hermann-Hesse-Übersetzers Reza Najafi scharf verurteilt. Die Welle des Terrors habe in Iran jetzt alle erfasst, "die sich nicht den Wahnvorstellungen der iranischen Regierung ergeben", kritisierte die Schriftstellervereinigung in Darmstadt. Najafi, ein Brückenbauer zwischen der deutschen und iranischen Literatur, wurde laut Pen am 3. Januar inhaftiert. Von seiner Frau, der Schriftstellerin und Übersetzerin Parisa Rezaii, und seinem jungen Sohn fehle jede Spur.
Neben Hermann Hesse habe Najafi die Iraner mit Autoren wie Günter Grass und Franz Kafka vertraut gemacht. Er sei "kein politischer Aktivist, sondern ein Mann der Literatur", erklärte Pen-Vizepräsident Dirk Sager. Als Autor, Übersetzer und Literaturkritiker sei Najafi aber immer für die Freiheit des Wortes eingetreten. "Das Grauen der Verfolgung gegenüber allen, die sich nicht zu Propagandisten des Regimes machen lassen wollen, nimmt seinen Fortgang", heißt es in der Erklärung des Pen weiter.
- Datum 08.01.2010 - 19:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
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Unbekannte?? Wir wissen doch alle wer geschossen hat; wer fordert denn seit Wochen den Tod von Karrubi??
Wer profitiert von dem Tod Karrubis oder von einem Anschlag auf ihn? Die Antwort darauf führt wirklich weiter. Denn dies ist immer die richtige Frage. Wer vorher am lautesten schreit ist nie der Täter.
Die Logik "das wissen doch alle" ist die Strategie der Hintermänner.
Wer profitiert von dem Tod Karrubis oder von einem Anschlag auf ihn? Die Antwort darauf führt wirklich weiter. Denn dies ist immer die richtige Frage. Wer vorher am lautesten schreit ist nie der Täter.
Die Logik "das wissen doch alle" ist die Strategie der Hintermänner.
Wer profitiert von dem Tod Karrubis oder von einem Anschlag auf ihn? Die Antwort darauf führt wirklich weiter. Denn dies ist immer die richtige Frage. Wer vorher am lautesten schreit ist nie der Täter.
Die Logik "das wissen doch alle" ist die Strategie der Hintermänner.
Das Regime steht leider nicht zur Disposition. Die westlichen Mainstream-Medien würden gut daran tun, die Situation im Iran nicht zu dramatisieren. Eine Minderheit kämpft für Bürgerrechte. Welche Alternativen sich auftun, ist unklar. Das Regime kann man nicht so einfach überwinden. Der militärisch-industrielle Komplex der Pasdaran kann nicht mit Demonstrationen überwunden werden. Karroubi mag eine tragische Figur sein, so wie Mousaivi. Es kann sehr lange dauern. Ich habe im Ohr den Aufschrei meiner Freundin auf der Kiaban Valiasr in Tehran, dieses Regime hat keine Zukunft. Wann? habe ich gefragt. Wenn nicht in dieser Generation, in der nächsten, antwortete sie mir.
Fahad
Lieber Fahad,
keine fünf Jahre. Was glauben Sie, was im nächsten Jahr zu Ashura auf den Straßen von Teheran los sein wird??
Nr. 4 war natürlich für Fahad!
EIN VERGLEICH BRINGT LICHT IN DIE GESCHEHNISSE IN IRAN 2009
DEMONSTRATIONEN IN EUROPA 1950 - 2010
Während der Demonstrationen in Iran Sommer 2009 wurden laut Opposition 72 Leute getötet, laut Regierungquellen 36.
‚KOMMUNISTISCHER‘ OSTBLOCK
Diese iranischen Zahlen sind aus europäischer Sicht ungewöhnlich. Auf die Periode der letzten 60 Jahre beschränkt, lassen sich größere Zahlen von Demonstrationstoten i.d.R. nur im ‚kommunistischen‘ Ostblock beobachten, wo Abteilungen von ausländischen Truppen (!) bei der Unterdrückung der öffentlichen Willensbezeugung der Bevölkerung involviert waren.
Während des Aufstands in Ostdeutschland in 1953 erwähnen Quellen 55 Todesfälle. [„Der Aufstand in Berlin wurde gewaltsamdurch Panzer der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und der `Volkspolizei' unterdrückt.“]
( http://en.wikipedia.org/w... ).
Während des Prager Frühlings, d.h. der Invasion der Warschauer Pakt-Truppen in die damalige Tschechoslowakei 1968 zwecks Beendigung der politischen Liberalisierung, wurden 72 Menschen getötet.
( http://en.wikipedia.org/w... )
WESTEUROPA
Todesfälle bei Polizeieinsätzen im Rahmen von Demonstrationen während der angegebenen 60-Jahr-Periode sind wahrscheinlich auf Grund der äußerst geringen Zahl vernachlässigenswert. Meine Vermutung ist, dass sich die Zahl der Todesfälle im Bereich unterhalb der Zahl 10 im gesamten westeuropäischen Bereich bewegt.
Der Exaktheit halber:
ZWEI STATISTISCHE AUSREISSER
Allerdings ergeben sich sowohl für Westeuropa als auch für den kommunistischen Ostblock zwei statistische Ausreßer für die genannte Periode.
‚Kommunistischer‘ Ostblock / UNGARN
Während des Ungarnaufstands wurden über 2.500 Ungarn und 700 sowjetischen Soldaten im Konflikt getötet, und 200.000 Ungarn flohen als Flüchtlinge.
( http://en.wikipedia.org/w... )
Westeuropa / FRANKREICH
Eine untypische Ausnahme hier ist Frankreich zur Zeit des Anti-Kolonialkampfes der Algerier, als in Frankreich ansässige Algerier, die i.d.R. nicht über die französische Staatsbürgerschaft verfügten, in Paris demonstrierten:
„Das Massaker von Paris 1961“, als auf Anordnung des Chefs der Pariser Polizei, Maurice Papon, französischen Polizeikräfte eine friedliche aber nicht genehmigte Demonstration von ca. 30.000 Algeriern attackierten. Nach 37 Jahren des Ableugnens bestätigte 1998 die französische Regierung 40 Todesfälle, obgleich Schätzungen sich auf 200 Todesfälle belaufen.
[Nebenbemerkung: Maurice Papon war für Verbrechen gegen Menschlichkeit für seine Teilnahme an der Zwangsverschickung von über 1600 Juden während des Zweiten Weltkrieges überführt worden, als er Generalsekretär für Polizei der Präfektur von Bordeaux war]
( http://en.wikipedia.org/w... )
Vielleicht wollten die Täter ihm auch eine Lehre erteilen und in Angst versetzen!
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