Islamdebatte Lernen von der Entwicklungspolitik
Die Wertedebatte wird allzu selbstgerecht geführt, der Streit um den Islam zeigt es deutlich. Die Entwicklungspolitik kann aus dieser Sackgasse herausführen helfen.
© Friedemann Vogel/Getty Images

Das Minarett-Verbot in der Schweiz hat die Debatte um den Islam angeheizt. Im Bild die Ditib-Merkez-Moschee in Duisburg
Ende November 2009 wird in der Schweiz per Volksentscheid der Bau von Minaretten verboten. An Weihnachten entkommen die Passagiere eines Flugzeuges über Detroit nur mit großem Glück dem Bombenanschlag eines muslimischen Terroristen. Und am Neujahrstag dringt in Dänemark ein Mann in das Haus des Zeichners der Mohammed-Karikaturen ein und versucht ihn mit einer Axt anzugreifen. Alles Fälle, die in Deutschland erneut eine Diskussion angefacht haben, die die Höhen und Tiefen der hiesigen Wertedebatte aufdeckt. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem Islam, doch das ist in den meisten Beiträgen eigentlich nur eine Chiffre. Im Kern geht es darum, wie wir innenpolitisch, aber auch in unseren Beziehungen zu anderen Ländern, mit unterschiedlichen Werten, Kulturen und Rechtsbegriffen umgehen, und welche Wege uns langfristig offenstehen, um jenen Werten Geltung zu verschaffen, die wir als grundlegend für eine offene und gerechte Gesellschaft ansehen.
Für die Entwicklungspolitik ist diese Debatte von höchster Relevanz, denn sie berührt zentrale Aspekte des Politikfelds. Das wird zum Beispiel deutlich, wenn wir am 3. Januar 2010 in der Süddeutschen Zeitung lesen: "Im Westen geht die Wertedebatte prinzipiell davon aus, dass der Wertekanon von Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Menschenrechten etwas ist, das der gesamte Rest der Menschheit herbeisehnt. (…) Ein Moslem ist jedoch kein Unterdrückter, der unter einer Diktatur leidet, bis ihn endlich die Flucht oder ein Befreier von seinem Schicksal erlöst." Oder zwei Tage später im Berliner Tagesspiegel: "Und naiv wirkt eine deutsche Bischöfin, die vielleicht glaubt, mit einer Männergesellschaft, die ihren Frauen weniger Rechte gewährt als einer Hausziege, friedlich und brunnenbohrend über eine menschenwürdige Zukunft verhandeln zu können."
Welche Lehren sollen wir ziehen? Müssten wir, wie einige meinen, endlich damit aufhören, vor den Drohungen gewalttätiger Islamisten einzuknicken und unsere Grundwerte in vorauseilender Selbstzensur feige aufzugeben? Oder besteht unser zentraler Fehler darin, unsere westlichen (christlichen) Werte als alleinigen Maßstab für eine gute Gesellschaft in alle Welt zu exportieren, ohne auf andere Kulturen und Werteordnungen Rücksicht zu nehmen? Auf diesem Niveau bewegt sich die Diskussion über weite Strecken, und sie ist zuweilen von erschreckender Selbstgerechtigkeit und Ahnungslosigkeit.
Die aktuelle Diskussion zielt am Kern des Problems vorbei, weil sie auf einer falschen Gegenüberstellung beruht. Man muss kein Islamistenfreund sein, um den Abdruck der Mohammed-Karikaturen als unsensiblen oder sogar provozierenden Akt zu empfinden. Man muss aber auch kein westlicher Zivilisationskrieger sein, um zu erkennen, wie wichtig Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit für unsere Gesellschaft sind. Diese beiden Haltungen widersprechen sich nicht. Der zentrale Streitpunkt besteht nicht in der Frage, ob wir Meinungsfreiheit für wichtiger halten als Respekt vor den religiösen Ansichten anderer, sondern in der Frage, ob wir die Auseinandersetzung über Wertepräferenzen und Gesellschaftskonzepte monologisch oder dialogisch führen wollen.
Derzeit scheint das Monologische Überhand zu gewinnen. Aber welche Haltung ist eigentlich naiver – jene, die darauf setzt, reformwillige Kräfte in den Entwicklungsländern zu stärken und im Dialog gesellschaftliche Modernisierungsprozesse zu befördern, oder jene, die meint, der Rest der Weltbevölkerung wird schon irgendwann auf unsere Linie einschwenken, wenn wir nur möglichst konsequent "unsere Werte" verteidigen?
Entwicklungspolitik muss dazu beitragen, die hiesige Debatte aus solchen argumentativen Sackgassen herauszuführen. Sie weiß schon seit Langem, dass die universell gültigen Grundrechte und die Wertemaßstäbe einer urban-säkularen Gesellschaftsordnung sich nicht automatisch durchsetzen, sondern stattdessen in konfliktreichen, langwierigen Prozessen schrittweise zur Geltung gebracht werden müssen. Übrigens auch in unserer eigenen Gesellschaft, in der vieles, was wir heute als selbstverständlichen Teil unserer Kultur ansehen, erst gegen starke konservative Kräfte, darunter oft auch die Kirchen, durchgesetzt werden musste.
- Datum 19.01.2010 - 12:31 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE).
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Der Autor schreibt am Problem vorbei. Es ist naiv zu glauben, Entwicklungspolitik könnte "Menschen den Weg in eine gerechtere Gesellschaftsordnung ebnen", zumal dann, wenn ihr kein anderes Mittel als der vielberufene "Dialog" zur Verfügung steht. (der moderne Glaube an die Wunderwirkung des "Dialogs" würde selbst einen Platon sprachlos machen).
Solange er nicht begreift, worin der Unterschied zwischen dem Zeichnen von Karrikaturen und dem Ermorden von Menschen besteht, betreibt er selbst das Geschäft der Islamisten.
Solange jeder Muslim diese Religion nach eigenen Vorstellungen interpretieren und leben kann, das Steinigen von Frauen, das Abhacken von Gliedmaßen als Strafe zulässt, hat sie absolut keine Existenzberechtigung in Europa. Und schon gar nicht in Deutschland.
Die Türkei und die arabische Welt bieten ausreichend Platz und Möglichkeiten diese Religion suszuüben. Susserdem verfügen die Golfstaaten über immense Geldsummen, womit sie ihren Glaubensbrüdern helfen könnten. Aber bitte dort.
Solange jeder Muslim diese Religion nach eigenen Vorstellungen interpretieren und leben kann, das Steinigen von Frauen, das Abhacken von Gliedmaßen als Strafe zulässt, hat sie absolut keine Existenzberechtigung in Europa. Und schon gar nicht in Deutschland.
Die Türkei und die arabische Welt bieten ausreichend Platz und Möglichkeiten diese Religion suszuüben. Susserdem verfügen die Golfstaaten über immense Geldsummen, womit sie ihren Glaubensbrüdern helfen könnten. Aber bitte dort.
wäre, einzusehen, dass vielen Muslimen eine islamische Grundordnung wichtiger ist als das Gerede von Menschenrechten, Demokratie und Co (was nicht bedeuten muss, dass diese Begriffe keinen Platz in der Debatte haben sollten).
Von den Muslimen zu fordern, sie sollten sich doch bitte vom Kuran oder der Sunna distanzieren oder ihren Glauben (Ideologie) neu ordnen, ist ein Affront gegen alle gläubigen Muslime dieser Welt.
der anderen Seite wäre, einzusehen, dass vielen Europäern das Gerede um "Menschenrechte, Demokratie & Co." wichtiger ist, als die Toleranz gegenüber denen, die diese als weniger wichtig oder schädlich ansehen.
Der Islam als ganzes kann sich nur in die westliche (nicht "christliche", denn die christlichen Werte stehen den Westlichen ebenso entgegen wie die Islamischen) Zivilisation eingliedern, nicht umgekehrt. Einen tragfähigen Kompromiss kann es im Namen der Menschlichkeit und der Vernunft nicht geben. Man sehe sich an, welchen Weg das Christentum eingeschlagen hat, sich an die humanistischen Werte des Westens anzupassen. Genau diesen Weg muss der Islam auch gehen, wenn es zu einer friedlichen Koexistenz kommen soll. Solange die westlichen Werte von einem Großteil der islamischen Welt nicht akzeptiert und/oder mitgetragen werden, wie es die bei weitem meisten hier lebenden Muslime tun, wird es immer wieder zu Reibereien kommen, die, aufgrund der asymmetrischen Kräfteverteilung, eher ungünstig für die islamische Seite ausfallen.
Kurz: Es wird Zeit, dass Europa einerseits seine stolze humanistische Tradition von ihrer Implikation mit dem Christentum löst, welches mit diesen ohnehin nichts zu tun hat, und diese andererseits mit dem ihnen zustehenden Elan verteidigt. Menschenrechte sind nicht verhandelbar, insbesondere nicht die des Anderen.
der anderen Seite wäre, einzusehen, dass vielen Europäern das Gerede um "Menschenrechte, Demokratie & Co." wichtiger ist, als die Toleranz gegenüber denen, die diese als weniger wichtig oder schädlich ansehen.
Der Islam als ganzes kann sich nur in die westliche (nicht "christliche", denn die christlichen Werte stehen den Westlichen ebenso entgegen wie die Islamischen) Zivilisation eingliedern, nicht umgekehrt. Einen tragfähigen Kompromiss kann es im Namen der Menschlichkeit und der Vernunft nicht geben. Man sehe sich an, welchen Weg das Christentum eingeschlagen hat, sich an die humanistischen Werte des Westens anzupassen. Genau diesen Weg muss der Islam auch gehen, wenn es zu einer friedlichen Koexistenz kommen soll. Solange die westlichen Werte von einem Großteil der islamischen Welt nicht akzeptiert und/oder mitgetragen werden, wie es die bei weitem meisten hier lebenden Muslime tun, wird es immer wieder zu Reibereien kommen, die, aufgrund der asymmetrischen Kräfteverteilung, eher ungünstig für die islamische Seite ausfallen.
Kurz: Es wird Zeit, dass Europa einerseits seine stolze humanistische Tradition von ihrer Implikation mit dem Christentum löst, welches mit diesen ohnehin nichts zu tun hat, und diese andererseits mit dem ihnen zustehenden Elan verteidigt. Menschenrechte sind nicht verhandelbar, insbesondere nicht die des Anderen.
Es freut mich, dass jemand der auf wichtigem Posten arbeitet und uns in der Welt vertritt, der so über seine Arbeit schreibt. Nicht die Hoffnung aufzugeben, sondern daran zu glauben, dass man mit seinen Arbeit etwas verändern kann, ist ein besonderes Gut an dem man festhalten muss.
[...](Bitte diskutieren Sie sachbezogen, Die Redaktion /ft)
Ich denke der Autor träumt so vor sich hin, möchte wohl in den Himmel kommen und lebt für mein Gefühl auf einem anderen Stern noch weit in der Vergangenheit. Denn was hat die Entwicklungspolitik wirklich gebracht, außer noch mehr Abhänigkeit der Entwicklungsländer?
Der Konflikt zwischen Ost und West ist auch ein Konflikt zwischen den Doppelten Standards des Westens und der unreifen, vernunftarmen Reaktionsfähigkeit des weniger entwickelten Ostens.
Die Standards, mit denen der Westen die weniger entwickelten Länder mißt, weichen in zentralen Punkten von dem Maßstäben ab, die man an sich selbst anlegt. Ein gutes Beispiel ist der Karikaturenstreit.
Während westliche Medien den islamischen Religionsgründer Mohammed karikieren dürfen, dürfen Sie den christlichen Religionsgründer Jesus Christus aufgrund ausgeübter Selbstkritik nicht karikieren:
"Jyllands-Posten" lehnte Jesus-Satire ab
http://www.spiegel.de/pol...
Die Kritik des islamischen Ostens ist sicher berechtigt, nur die Art und Weise offenbart die mangelnde Reife.
Hier muss auf beiden Seiten etwas geschehen.
Es hätte den muslimischen Karrikaturisten, die Jesus karrikierten ja freigestanden, ihre Werke in anderen Zeitschriften zu veröffentlichen. So würden zivilisierte Menschen eine solche Debatte austragen. Würden.
hat die karikaturen veröffentlicht?
Gab es einen weltweiten Aufschrei, Boykott, verbrannte Flaggen, Tote und Verletzte, Axt-Attentate - und nicht zuletzt radikale Sektenführer, welche noch ein paar besonders schäbige Karikaturen hinzufügten und damit in christlichen Staaten hausieren gingen?
Natürlich wirft der Vorgang ein merkwürdiges Licht auf "Jyllandsposten" - an der grundsätzlichen Asymmetrie der Angelegenheit ändert dies aber nichts.
[Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]
Es hätte den muslimischen Karrikaturisten, die Jesus karrikierten ja freigestanden, ihre Werke in anderen Zeitschriften zu veröffentlichen. So würden zivilisierte Menschen eine solche Debatte austragen. Würden.
hat die karikaturen veröffentlicht?
Gab es einen weltweiten Aufschrei, Boykott, verbrannte Flaggen, Tote und Verletzte, Axt-Attentate - und nicht zuletzt radikale Sektenführer, welche noch ein paar besonders schäbige Karikaturen hinzufügten und damit in christlichen Staaten hausieren gingen?
Natürlich wirft der Vorgang ein merkwürdiges Licht auf "Jyllandsposten" - an der grundsätzlichen Asymmetrie der Angelegenheit ändert dies aber nichts.
[Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]
Es hätte den muslimischen Karrikaturisten, die Jesus karrikierten ja freigestanden, ihre Werke in anderen Zeitschriften zu veröffentlichen. So würden zivilisierte Menschen eine solche Debatte austragen. Würden.
Es waren keine muslimischen Karikaturisten, es war ein dänischer Zeichner, der seine Zeichnungen nebst der Absage dem Konkurrenzblatt zugeleitet hat.
Es ist nur so, dass der Jesus für die Muslimen ein genau so heiliger Mensch ist wie Mohammed!
D.h., dass das genau so schlimm für die ist!
Es waren keine muslimischen Karikaturisten, es war ein dänischer Zeichner, der seine Zeichnungen nebst der Absage dem Konkurrenzblatt zugeleitet hat.
Es ist nur so, dass der Jesus für die Muslimen ein genau so heiliger Mensch ist wie Mohammed!
D.h., dass das genau so schlimm für die ist!
UNSERE Menschenrechte und damit auch UNSERE Menschenbild als absolut zu setzen und andere Kulturen mit einem anderen Menschenbild per se für in UNSERE Richtung entwicklungsbedürftig zu halten verhindert doch gerade einen sinnvollen Dialog. Was will man denn mit jemandem bereden, der nicht bereit ist, seine Maßstäbe zu hinterfragen???? Eine buddhistische Geschichte erzählt, wie Mäuse im Dunkeln versuchen, einen Elefanten zu beschreiben. Die eine hält ihn für ein Seil (wegen des Schwanzes), die andere für einen Wald aus Baumstämmen (wegen der Beine) usw., keine hat eine Ahnung, wie der ganze Elefant aussieht. Was sollen sie jetzt machen? Sich den Schädel einschlagen? Oder vielleicht doch ihre Sichtweisen zusammenlegen? Was ist so schwer daran zu begreifen, dass ein interkultureller oder gar interreligiöser Dialog Elefanten-Dimensionen berührt, gegenüber denen wir alle Mäuse im Dunkeln sind?
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