Gaza-Krieg Israel erwägt nun doch unabhängige Untersuchung
Bislang hatte sich Jerusalem gegen die Einsetzung einer unabhängigen Gaza-Kommission gewehrt. Nun aber beugt sich Israel offenbar dem internationalen Druck.
© Mohammed Abed/AFP/Getty Images

Während des 22 Tage langen Gaza-Krieges wurden mehr als 1400 Menschen getötet
Der Druck aus dem In- und Ausland hat Erfolg: Israel erwägt nun offenbar doch eine Untersuchungskommission zum Gaza-Krieg. Noch bis zum Beginn der Woche lehnte Israel dies strikt ab. Statt einer unabhängigen Kommission sollte die Armee selbst mutmaßliche Kriegsverbrechen prüfen. Allerdings soll der israelische Ausschuss nur begrenzte Vollmachten haben.
Über die Regierungspläne berichteten mehrere Medien. Regierungssprecher Mark Regev wies diese allerdings als Spekulation zurück. Zuvor hatte der scheidende Generalstaatsanwalt Menachem Masus in einem Interview mit der Tageszeitung Haaretz gefordert, dass Israel die Schande tilgen müsse, als Land beschuldigt zu werden, das Kriegsverbrechen begehe.
Eine UN-Kommission unter Vorsitz des südafrikanischen Richters Richard Goldstone warf Israel und der Hamas in einem umstrittenen Untersuchungsbericht vom 15. September Kriegsverbrechen vor. Darüber hinaus wurde Israel beschuldigt, gezielt palästinensische Zivilisten angegriffen und getötet sowie die Zivilbevölkerung im Gazastreifen absichtlich terrorisiert und gedemütigt zu haben. Israel wies dies empört zurück.
Die UN-Generalversammlung hatte am 5. November vergangenen Jahres Israel und die im Gazastreifen herrschende Hamas aufgefordert, innerhalb von drei Monaten Kommissionen zu bilden, die unabhängig und glaubwürdig den Vorwurf von Kriegsverbrechen überprüfen. Diese Frist läuft Freitag kommender Woche aus. Bereits an diesem Freitag sollten Israel und die radikal-islamische Hamas UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Bericht erstatten.
Das Dokument, das sich auf den sogenannten Goldstone-Bericht bezieht, soll noch am Nachmittag in New York übergeben werden. In dem Antwortschreiben wehren sich sowohl Israel als auch die Hamas gegen den Vorwurf von Kriegsverbrechen. Israel werde noch einmal darauf hinweisen, dass "absolut alles" getan worden sei, damit sich die Armee im Rahmen des internationalen Rechts bewegt habe, sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor.
Mit der Offensive habe Israel sein "Recht auf Selbstverteidigung" gegen "terroristische Angriffe" gegen sein Territorium wahrgenommen, heißt es Regierungskreisen zufolge demnach in dem Dokument weiter. Die UN-Vollversammlung hatte den Goldstone-Bericht mit großer Mehrheit angenommen.
Nach Angaben des israelischen Rundfunks will Israel in dem Schreiben nicht auf einzelne Vorwürfe aus dem Goldstone-Bericht eingehen, sondern die Prinzipien der Armee bei der Terrorbekämpfung erläutern. Nach Medienberichten bereitet die Armee derzeit eine 1000 Seiten lange Dokumentation vor, mit der alle Vorwürfe von Kriegsverbrechen entkräftet werden sollen.
Die radikal-islamische Hamas ist mit ihrem Bericht zum Gaza-Krieg bereits bei Menschenrechtlern auf Kritik gestoßen. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) in New York warf der Hamas-Führung vor, sich vom Vorwurf der Kriegsverbrechen reinwaschen zu wollen. Danach behaupte die Hamas, sie habe lediglich militärische Ziele in Israel angegriffen. Israelische Zivilisten seien, wenn überhaupt, rein zufällig von Raketen getroffen worden.
Nach israelischen Armeeangaben hatten militante Palästinenserorganisationen allein im Jahr vor Beginn des Gaza-Krieges rund 3300 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert. Rund 750.000 Israelis seien durch den Beschuss gefährdet worden. Die israelische Regierung hatte die Militäroperation im Gazastreifen unter anderem mit dem Raketenbeschuss begründet.
Während des 22 Tage langen Gaza-Krieges wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 1400 Menschen getötet, darunter auch 400 Frauen und Kinder. Weitere 5500 Palästinenser seien verletzt worden. Auch 13 Israelis kamen ums Leben.
Die am 18. Januar 2009 beendete Militäroperation im Gazastreifen hat aus israelischer Sicht zwar mehr Ruhe im Süden gebracht, aber das Ansehen im Ausland vielfach beschädigt. Darüber hinaus hält seit Monaten der Druck aus dem Ausland an, die Vorfälle unabhängig und nicht nur von der Armee untersuchen zu lassen. Eine weitere Folge des Gaza-Krieges ist, dass Offiziere Reisen ins Ausland aus Furcht vor Festnahmen abgesagt haben.
- Datum 29.01.2010 - 16:35 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 9
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"Eine weitere Folge des Gaza-Krieges ist, dass Offiziere Reisen ins Ausland aus Furcht vor Festnahmen abgesagt haben."
Bei diesem Satz gerate ich unweigerlich in Träumereien.Ist das der Anfang der so viel beschworenen internationalen Gemeinschaft? Wenn man gemeinsam der Hamas und Israel Feuer unterm A**** macht,wird sich etwas bewegen.
lautet wohl die zusammenfassung des artikels.
wenn ich überprüfen lassen möchte, ob fabrikzucker karies erzeugt, sollte ich ganz sicher nutella mit der durchführung der untersuchung beauftragen.
soviel dazu!
...klar machen, dass tödliche Übergriffe auf zivile Bevölkerungen durch Personen, die in einer Bevölkerung versteckt sind, zu massiven Kollateralschäden der versteckenden Bevölkerung führen können, müssen und dürfen. Dies zu klären wäre gut. Wenn eine Untersuchung dazu beiträgt wäre sie zu begrüßen.
Wenn man sieht, wie die muslimische Bevölkerung in Deutschland durch Pallywood-Filme verhetzt wird, dann nützt auch eine unabhängige Kommission nichts.
Es wird Zeit, dass sich die Führung der Grünen eindeutig vom Antisemitismus der Muslime in Deutschland distanziert.
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pallywood-filme! ... wieder was neues gelernt! ist ja wirklich übel!
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http://de.wikipedia.org/w...
uuuups: meine worte: wieder was gelernt, waren NICHT ironisch gemeint.
mit diesen meinte ich im grunde genommen das gleiche, wie sie.
auch ich bediene mich wikipedias, um mir bis dato unbekannte begriffe "nachzuschlagen".
dennoch herzlichsten dank! doppelt gemoppelt hält besser!
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tacheles - was ist einer armee erlaubt, die gezwungen ist in einem sehr bevoelkerungsreichem gebiete zu kaempfen? nicht zu kaempfen, ist keine alternative, da fast eine millionen menschen vor dem krieg taeglich (in machen orten, alle paar stunden) innerhalb 10 sekunden schutzraeume aufsuchen mussten. dass es eine nur unbeachtliche zahl von israelischen toten gab, ist nicht den "ungenauen und schwachen" raketen zu verdanken, sondern den ueberall stehenden schutzraeumen, sowie den menschen selbst, die sich zu diesen raeumen begeben haben.
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