Kritik an Obama Ein ganz normaler Präsident

Inkompetent, naiv, schwach: Seit dem Anschlagsversuch von Detroit prügelt Amerikas Rechte auf Barack Obama ein – und verliert dabei jedes Maß.

Barack Obama auf dem Weg zur Pressekonferenz am 5. Januar. Gleich wird er den Geheimdiensten des Landes Versagen vorwerfen.

Barack Obama auf dem Weg zur Pressekonferenz am 5. Januar. Gleich wird er den Geheimdiensten des Landes Versagen vorwerfen.

Barack Obama kriegt seit Weihnachten Dresche, weil Amerikas Rechte glaubt, ihn ertappt zu haben. Ertappt bei der Nachsichtigkeit gegenüber Gewalttätern, überführt der Naivität gegenüber Dschihadisten und der Schwäche gegenüber Landesfeinden. Wusste man nicht längst, dass diese Linksliberalen in Wahrheit Weicheier und Warmduscher sind? Dass man denen Amerika nicht anvertrauen darf in Zeiten des Krieges? Da sprengt ein Unterhosen-Terrorist beinahe ein Passagier-Flugzeug über einer Millionenstadt, und der Präsident tritt im Urlaubs-Look vor die Kamera und nennt den Täter einen "Verdächtigen"? Da greift ein Gotteskrieger amerikanische Zivilisten feige an, und der Präsident lässt dem Angreifer das Recht zu schweigen, statt ihn als Kriegsgefangenen nach Hinterleuten befragen zu lassen? Da organisieren ehemalige Guantánamo-Häftlinge vom Jemen aus einen Anschlag, und der Präsident will weiterhin Guantánamo schließen lassen?

Es ist Material von der Sorte, wie es sich jeder Berufskritiker wünscht. Nicht nur die "Inkompetenz" der Obama-Mannschaft spüre nunmehr das Volk, schreibt der Kolumnist Charles Krauthammer, sondern das "Nichtbegreifen". Obama "kapiert den Terror-Krieg einfach nicht", klagt die Dallas Morning News. Die Antiterror-Politik sei "naiv", will der Kommentator Jack Kelly wissen. 

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Durch das Fegefeuer der konservativen Kritik ist Obama jetzt schon ein Jahr lang gegangen. Zu Obamas Verbrechen zählt, dass er den Sozialismus einführte, indem er eine allgemeine Krankenversicherung durchsetzte sowie die Autoindustrie und die Finanzwirtschaft quasi verstaatlichte. Das Klimagesetz werde der nächste Akt staatlicher Bevormundung sein. Sobald er das Land verlasse, beginne er, sich für Amerika zu entschuldigen und vor den Europäern auf die Knie zu sinken. Er falle dem Verbündeten Israel in den Rücken und kuschele stattdessen mit den Arabern.

Klar, diese Kritik zeichnet eine Karikatur Barack Obamas. Sie nimmt Obama übel, dass er tut, was er angekündigt hat: das Land zu verändern. Aber das Trommelfeuer hinterlässt doch langsam Spuren. Die Zahl derer, die seine Amtsführung für erfolgreich halten, ist binnen 12 Monaten von 65 auf 50 Prozent gesunken.

Einen typischen Fall von "kognitiver Dissonanz" nennt der Kolumnist Richard Cohen das Phänomen der brutalen Obama-Kritik. Er zählt auf: "Kein einziger amerikanischer Soldat ist im vergangenen Monat im Irak umgekommen; die Arbeitslosenrate ist leicht gefallen; der Aktienmarkt beendete das Jahr mit Gewinnen; das Finanzsystem kollabierte nicht; die großen Autokonzerne kommen wieder auf die Beine." Man könnte weitermachen: Obama hat Amerika und vielleicht die ganze Welt vor der Weltwirtschaftskrise gerettet und ist nun dabei, dem Finanzmarkt neue Regeln beizugeben. Er hat seinem Land ein innenpolitsches Reformprogramm verordnet. Und er hat amerikanische Außenpolitik in neuem geopolitischen Umfeld auf eine neue konzeptionelle Grundlage gestellt. Was Deutschland seit dem Fall der Mauer versucht, hat Obama in seinem Land binnen eines Jahres erledigt. Während die Liste seiner Taten wächst, sinken seine Umfragewerte.

Obama ist wie eine Abziehfigur. Jeder kann seine eigene haben. So entstehen die unterschiedlichen Geschichten, die konkurrierenden Narrative über diese Präsidentschaft. Hätte Obama selbst nicht zugelassen, dass er zum Messias stilisiert wird, zum Erlöser der Welt, wäre die Kritik heute vielleicht nicht so harsch, so ungerecht. Aber maßlose Erwartungen führen zu schnellen Enttäuschungen. Gegenwärtig besteht die Kritik offenbar darin, dass Obama nicht durch Handauflegen den islamischen Extremismus beseitigen und die Sicherheitssysteme einer offenen Gesellschaft wasserdicht machen konnte. Am Ende ist Barack Obama wohl doch ein ganz normaler Präsident. Vielleicht sollte man anfangen, ihn entsprechend zu behandeln und zu beurteilen.

Thomas Kleine-Brockhoff ist Mitglied der Geschäftsleitung des German Marshall Fund of the United States in Washington DC.

 
Leser-Kommentare
  1. hat lediglich der Autor dieser PEINLICHEN Beweihräucherung Obamas mit Sätzen wie "Obama hat Amerika und vielleicht die ganze Welt vor der Weltwirtschaftskrise gerettet". Indem er die Staatsschulden in vollkommen exorbitante Höhen katapultiert..
    Der Kater auf dieser Obamania-Rausch wird kommen, garantiert!

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    Genauso ist es. Ein Künstlicher Obama Hype, ausgelöst durch die Medien.

    • joG
    • 07.01.2010 um 10:36 Uhr

    ...aber "Obama hat Amerika und vielleicht die ganze Welt vor der Weltwirtschaftskrise gerettet" ist eine der Sätze, die tatsächlich stimmen könnten.

    Genauso ist es. Ein Künstlicher Obama Hype, ausgelöst durch die Medien.

    • joG
    • 07.01.2010 um 10:36 Uhr

    ...aber "Obama hat Amerika und vielleicht die ganze Welt vor der Weltwirtschaftskrise gerettet" ist eine der Sätze, die tatsächlich stimmen könnten.

    • tower
    • 06.01.2010 um 21:22 Uhr

    Es scheint so,eigentlich müsste ein Großteil der Rechten Kriegstreiber und Erfinder des -War on Terror- vor ein Gericht,falls das in den USA nicht durchgeführt werden kann,evt.vor den int.Gerichtshof . Stattdessen treiben sie Obama nun vor sich her,das ist alles auch ein Versagen der US-Medien,die kein Interesse an einer wirklichen Aufklärung der Bevölkerung haben.So kommt es, dass die breite Mehrheit in den USA durch diese Alarmisten immer mehr verunsichert werden und in diesem Zustand,das falsche Spiel ihrer Politiker kaum durchschauen.

    • politz
    • 06.01.2010 um 21:28 Uhr

    Vollkommen richtig: ein ganz normaler, korrupter und die Agenda der Banken und Geheimdienste der USA vertretener Präsident. Wenn man es so sieht, eine ganz passende Beschreibung von Barack Obama.

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    Könnten Sie da konkreter werden?

    Im Vorfeld der Verabschiedung der Health Care Reform haben amerikanische Krankenversicherungen wie CIGNA und Aetna mehrere Millionen Dollar an "Lobbyarbeit" auf Washingtons Capitol Hill ausgegeben um diese Reform zu stoppen.

    Könnten Sie da konkreter werden?

    Im Vorfeld der Verabschiedung der Health Care Reform haben amerikanische Krankenversicherungen wie CIGNA und Aetna mehrere Millionen Dollar an "Lobbyarbeit" auf Washingtons Capitol Hill ausgegeben um diese Reform zu stoppen.

  2. 4. s

    Genauso ist es. Ein Künstlicher Obama Hype, ausgelöst durch die Medien.

    Antwort auf ""Jedes Maß verloren""
    • X12
    • 06.01.2010 um 21:56 Uhr

    Wir lernen, dass die Medien in den USA halt auch doof sind.

  3. Es gibt keine Attentatsversuche. Es gibt Attentate, die gelingen oder misslingen können. Wie wäre es mit einem Massakerversuch, oder einem Amoklaufversuch?
    1. Grundregel: erst einschalten, dann denken.
    2. Grundregel: wenn denken nach dem Einschalten Probleme bereitet, dann anderen Beruf suchen
    (Feuerzangenbowle: Suchen Sie sich einen Beruf, bei dem Sie wenig zu schreiben haben.. am besten werden Sie Zahnarzt.)

  4. Wäre diese Al-Quaida-Verbindung nicht, könnte man an Oppositionstaktik mit allen Mitteln denken. Die Rechte weiß, wie man Hysterien und falsche Erwartungen zum Einstürzen bringt. http://kallewestrich.blog...

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    in der "Zeit" hätte ich geistreichere Kommentare erwartet...

    in der "Zeit" hätte ich geistreichere Kommentare erwartet...

  5. Gut er ist nicht sonderlich kompetent, kann die Probleme nicht einfach mal knallhart im Kern anpacken, aber wie soll das auch möglich sein in Amerika?
    Ich mein, für einen amerikanischen Präsident ist er doch ganz gut, bis auf Guantanamo, Welten besser als der letzte!

    An der Finanzkrise und den damit verbundenen Schulden ist er ja kaum Schuld, oder?
    Solange er keinen Überwachungsstaat aufbaut, sinnlose Steuergeschenke für Besserverdiener verteilt etc. ist doch alles im grünen Bereich.
    Wer glaubt denn ernsthaft, dass in Amerika (gilt hier genauso) in 4 Jahren was besser wird?

    Bin neugierig auf eure Meinung!

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    Meiner Meinung nach hat Obama schon viel mehr erreicht als ich mir am Anfang zu erhoffen wagte. Schon die Beschränkung des Lobbyismus gleich zum Amtsantritt war seine Wahl wert.
    Inzwischen drängt sich mir leider der Verdacht auf, dass auch er es nicht schaffen wird, das anglo-amerikanische Gesellschaftskonzept auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen. Die rechten Hardliner sind ganz einfach zu skrupellos und hinterhältig! Da draengen sich mir mehrere Parallelen zum Ende der 80ziger Jahre in der Sowjetunion auf:
    1.Afghanistan geht verloren
    2.Die alten Hardliner starten Putschversuche (oder als was soll man es sonst bezeichnen, wenn die Geheimdienste just dann einen Terroristen durchkommen lassen, wenn die Guantanamoschliessung kurz bevor steht...)
    3.Die notwenigen Reformen können einfach nicht innerhalb des existierenden Systems umgesetzt werden, da die alten Machteliten noch zu viel Einfluss haben.
    etc. etc.
    Hoffentlich geht die Implosion des anglo-amerikanischen Wirtschafts-und Gesellschaftsmodells ähnlich friedlich vonstatten wie die Implosion des Ostblocks! - Ich bete dafür.

    Meiner Meinung nach hat Obama schon viel mehr erreicht als ich mir am Anfang zu erhoffen wagte. Schon die Beschränkung des Lobbyismus gleich zum Amtsantritt war seine Wahl wert.
    Inzwischen drängt sich mir leider der Verdacht auf, dass auch er es nicht schaffen wird, das anglo-amerikanische Gesellschaftskonzept auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen. Die rechten Hardliner sind ganz einfach zu skrupellos und hinterhältig! Da draengen sich mir mehrere Parallelen zum Ende der 80ziger Jahre in der Sowjetunion auf:
    1.Afghanistan geht verloren
    2.Die alten Hardliner starten Putschversuche (oder als was soll man es sonst bezeichnen, wenn die Geheimdienste just dann einen Terroristen durchkommen lassen, wenn die Guantanamoschliessung kurz bevor steht...)
    3.Die notwenigen Reformen können einfach nicht innerhalb des existierenden Systems umgesetzt werden, da die alten Machteliten noch zu viel Einfluss haben.
    etc. etc.
    Hoffentlich geht die Implosion des anglo-amerikanischen Wirtschafts-und Gesellschaftsmodells ähnlich friedlich vonstatten wie die Implosion des Ostblocks! - Ich bete dafür.

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