Präsidentschaftswahl in Sri Lanka Zweikampf unter Nationalisten

Ex-Armeechef gegen Amtsinhaber: In Sri Lanka ist Präsidentenwahl. Ausgerechnet der harte einstige General wurde zum Hoffnungsträger der Liberalen.

Buhlen um die Stimmen der Tamilen: Amtsinhaber Rajapaksa (l.) und sein Herausforderer General Fonseka

Buhlen um die Stimmen der Tamilen: Amtsinhaber Rajapaksa (l.) und sein Herausforderer General Fonseka

Die Wähler auf Sri Lanka können einem Leid tun. Bei den Präsidentschaftswahlen am 26. Januar haben sie die Wahl zwischen zwei Kandidaten, die sich gegenseitig öffentlich der Kriegsverbrechen beschuldigen.

Die Vorwürfe zwischen dem pensionierten General Sarath Fonseka und dem gegenwärtigen Präsidenten Mahinda Rajapaksa sind für die Sri Lanker sicherlich verwirrend. Viele singhalesische Sri Lanker sind der Meinung, dass es eben diesen beiden zu verdanken ist, dass der terroristischen Rebellengruppe Tamil Tigers ein Ende gesetzt wurde, auch wenn dies hohe menschliche Verluste in den letzten Monaten des lang andauernden Bürgerkrieges mit sich brachte. In ihren Augen sind beide Kriegshelden, nicht Kriegsverbrecher. 

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Da sich die Stimmen nationalistischer singhalesischer Wähler gleichmäßig auf beide Lager verteilen, konzentrieren sich die Kandidaten auf den Stimmenfang innerhalb der tamilischen Minderheit. Dies ist ohne Zweifel eine der verwunderlichsten politischen Ironien des Jahres. Denn sowohl General Fonseka als auch Rajapaksa haben den 30-jährigen blutigen Konflikt auf Kosten der tamilischen Zivilbevölkerung beendet.


Anfang Mai 2009, als der Krieg zu Ende war, waren laut Schätzungen der Vereinten Nationen rund 7.000 Zivilisten gestorben und mehr als 10.000 verwundet worden. Allein in den letzten zwei Wochen des Krieges starben Tausende Zivilisten, sowohl durch die Hände der Armee als auch der Rebellen.

Doch die Misere der Tamilen war nach dem Krieg nicht zu Ende. Die Regierung internierte über 250.000 vertriebene Tamilen in Flüchtlingslagern und missachtete damit sowohl sri-lankisches Recht als auch internationales Völkerrecht. Die Bedingungen in den Lagern waren entsetzlich, der Zugang für Internationale Organisationen stark eingeschränkt, und unabhängigen Journalisten wurde der Zutritt verwehrt. Stacheldraht und militärische Wachen stellten sicher, dass die Menschen die Lager nicht verlassen oder mit jemanden über ihre Situation sprechen konnten.

Bis Ende 2009 wurden die meisten der Vertriebenen umgesiedelt, doch noch immer befinden sich fast 100.000 Tamilen in den vom Militär geleiteten Lagern. Immerhin steht ihnen nun eine gewisse Bewegungsfreiheit zu - ein wichtiger Schritt, der dank internationalen Drucks und dem Streben nach den Stimmen der Tamilen in der kommenden Wahl zustande kam. Dennoch, ein Großteil der mehr als 150.000 Menschen, die vor Kurzem aus den Lagern entlassen wurden, konnte nicht wirklich nach Hause zurückkehren, sondern wird in sogenannten "Übergangszentren" in ihren Heimatbezirken festgehalten.


Nun versetzen Sie sich in die Lage eines Tamilen, der entscheiden muss, für wen er bei der Präsidentschaftswahl stimmen wird: Wählen Sie entweder den Regierungschef, der die Angriffe gegen Sie und Ihre Familie befahl, oder lieber den Armeechef, der diese Befehle durchführte.


Am 4. Januar hat die Tamil National Alliance, die wichtigste tamilische politische Partei, ihre Wahl getroffen und sich für General Fonseka ausgesprochen. Die Entscheidung kam, nachdem Fonseka einem 10-Punkte-Programm der Versöhnung, Entmilitarisierung und ‚Normalisierung’ des weitgehend tamilischen Nordens zugesagt hatte. Sein Plan ist hoffentlich ein Zeichen dafür, dass nach den Jahrzehnten eines brutalen ethnischen Konflikts Sri Lankas Eliten nun einsehen, dass dauerhafter Frieden nur entstehen kann, sofern die singhalesisch dominierten Parteien größere Schritte in Richtung eines demokratischeren Staats für alle Bewohner Sri Lankas unternehmen.

Mehr als jedwedes Wahlversprechen zählt jedoch, was der Gewinner tatsächlich machen wird, wenn er einmal im Amt ist. Angesichts ihrer bisherigen Leistungen ist es im Falle beider Kandidaten schwer vorstellbar, dass sie die erforderlichen Verfassungsänderungen vornehmen werden, um die Marginalisierung der Tamilen und anderer Minderheiten, also die Wurzeln des seit Jahrzehnten andauernden Konfliktes, wirklich zu beenden. Werden die Demütigung und die Frustration der Tamilen nicht adressiert, könnte das zu erneuter Radikalisierung führen.


Während der sri-lankische Wähler vor einer schwierigen Entscheidung steht, muss die Wahl der internationalen Gemeinschaft eindeutig sein. Wer auch immer gewinnt, die Außenwelt muss alle vorhandenen Instrumente einsetzen, um die Regierung davon zu überzeugen, die grundlegenden Probleme richtig anzugehen. Nur so kann ein Wiederaufflammen der Massengewalt vermieden werden. Im Interesse eines dauerhaften Friedens und der Stabilität sollten Geberländer und Internationale Institutionen ihre Hilfeleistungen nutzen, um Reformen zum Schutz demokratischer Rechte zu unterstützen, ihre Hilfe von der ordnungsgemäßen Umsiedlung der Vertriebenen abhängig machen und den Sri Lankern bei der Ausarbeitung eines Wiederaufbauplans für den vom Krieg verwüsteten und stark militarisierten Norden beratend zur Seite stehen. Sowohl UN- als auch Nichtregierungsorganisationen müssen uneingeschränkten Zugang zu den Projekten bekommen, um sicherstellen zu können, dass das internationale Geld an richtiger Stelle ankommt und dass die grundlegenden Freiheiten derjenigen, denen geholfen wird, respektiert werden.

Kurz gesagt: Colombo sollte kein Geld für Wiederaufbau und Entwicklung bekommen, wenn nicht klar ist, wofür dieses Geld ausgegeben wird. Werden die Hilfen nicht wie versprochen eingesetzt, müssen sie eingestellt werden.


Auch wenn es zwischen den Kandidaten nicht viel zu wählen gibt, hat die Kluft zwischen ihnen zumindest die Möglichkeit für Reformen auf die Agenda gesetzt. Internationaler Druck kann, wenn korrekt eingesetzt, dazu beitragen, dass es zu einem Wandel kommt, der die Demokratisierung und Entmilitarisierung herbeiführt. Nur dann kann Sri Lanka endlich seinen schrecklichen Krieg und bitteren Frieden bewältigen.

Chris Patten ist Co-Vorsitzender der International Crisis Group und Kanzler der Universität Oxford. Zuvor war er EU-Kommissar für Außenbeziehungen, Gouverneur von Hongkong und Kabinettsminister Großbritanniens.

 
Leser-Kommentare
    • zd
    • 25.01.2010 um 13:11 Uhr

    lasst uns mal die berichterstatung ueber den nahostkonflikt und dem konflikt auf sri lanka vergleichen.

    etwa zur selben zeit tobte an beiden orten ein krieg. waehrend man bei gazaoperationen praktisch life zwischen verschiedenen kameraperspektiven wechseln konnte, blieb der andere konflikt fast ungeachtet. bei dem gazakonflikt starben etwa 1400 menschen, davon mehrheit hamaskaempfer oder hamaspolizei(falls jemand sie fuer zivilisten halten sollte), waehrend in sri lanka 7000 zivilisten umgekommen sind.

    wieso empoeren wir uns mehr ueber den israel als ueber sri lanka, waehrend israel humantaere hilfe und journalisten zugelassen hat und in sri lanka dagegen ngo's und der presse gedroht wurde? waehrend es in dem nahostkonflikt darum geht, ob die palaestinenser 95 oder 100 prozent der gebieten bekommen sollten und sie schon eine autonomie haben, goennt die regierung in sri lanka den tamilen nicht mal eine kleine teilautonomie. ueber solche luxusforederungen wie teile jerusalems als hauptstadt zu bekommen, koennten die tamilen nur den kopf schuetteln, denn sie haben kein aussicht auf nichts.

    und wir koennen weitermachen. waehrend der israelische antiterrorkampf von un-vollversammlung immer verurteilt wird, wurden die sri lanker nach dem krieg von der vollversammlung beglueckwunsch, weil sie gegen die terroristen gewonnen haben.

    wieso spricht man in sri lanka von rebellentoeten, waehrend schon zwei mit einem schlag getoetete palaestinenser als ein massaker bezeichnet werden?

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    • Yroc
    • 25.01.2010 um 13:30 Uhr

    In dem Artikel geht es um Sri Lanka, nicht um das arme Israel.
    Sie beschweren sich das über Sri Lanka zuwenig berichtet wird. Das stimmt. Aber warum schwenken sie direkt zu Israel?

    Sie sind der beste Beweis, dass über den Nahostkonflikt zu wenig berichtet wird!
    Welche 95 bis 100 Prozent Autonomie meinen Sie denn? Ist Ihnen wohl das Komma verrückt?

    • Yroc
    • 25.01.2010 um 13:30 Uhr

    In dem Artikel geht es um Sri Lanka, nicht um das arme Israel.
    Sie beschweren sich das über Sri Lanka zuwenig berichtet wird. Das stimmt. Aber warum schwenken sie direkt zu Israel?

    Sie sind der beste Beweis, dass über den Nahostkonflikt zu wenig berichtet wird!
    Welche 95 bis 100 Prozent Autonomie meinen Sie denn? Ist Ihnen wohl das Komma verrückt?

    • Yroc
    • 25.01.2010 um 13:30 Uhr
    2. -

    In dem Artikel geht es um Sri Lanka, nicht um das arme Israel.
    Sie beschweren sich das über Sri Lanka zuwenig berichtet wird. Das stimmt. Aber warum schwenken sie direkt zu Israel?

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    • zd
    • 25.01.2010 um 13:51 Uhr

    ich wollte nur deutlich machen, dass die tamilen in wirklichkeit niemanden interessiert. es gab videos von massenerschiessungen in sri lanka, aber keiner hat sich aufgeregt. warum?

    • zd
    • 25.01.2010 um 13:51 Uhr

    ich wollte nur deutlich machen, dass die tamilen in wirklichkeit niemanden interessiert. es gab videos von massenerschiessungen in sri lanka, aber keiner hat sich aufgeregt. warum?

    • zd
    • 25.01.2010 um 13:51 Uhr

    ich wollte nur deutlich machen, dass die tamilen in wirklichkeit niemanden interessiert. es gab videos von massenerschiessungen in sri lanka, aber keiner hat sich aufgeregt. warum?

    Antwort auf "-"
    • obmesc
    • 25.01.2010 um 14:28 Uhr

    Ich denke, dass die europäische Gleichgültigkeit zum Thema Tamilen auf Sri Lanka vor allem auf eine fehlende Sensibilität beim Verständnis der Problematik, aber auf politischem Opportunismus beruht. Da Sri Lanka für Europa ein kleines unbedeutendes weit entferntes Inselchen ist, fehlt die Bereitschaft Verantwortung in diesem Konflikt zu übernehmen, da es sich für Europa schlichtweg nicht rechnen würde, dies zu tun. Gleichermaßen wollen die europäischen nicht Indien oder China vergraulen, zu deren militärisch-geopolitischem Spielball Sri Lanka längst geworden ist. Beide asiatischen Großmächte stützen die ultrarechte Regierung in Colombo, da sie sich die Perspektive erhoffen den Naturhafen von Trincomalee mittel- bis langfristig nutzen und dort u. U. auch Atomwaffen stationieren zu können. Die Abscheulichkeit dieses Konfliktes wird einfach unter den Tisch gekehrt, da Europa trotz aller Sonntagsreden zum Thema Menschenrechte sich davor scheut den v. a. chinesischen Bestrebungen entgegenzutreten: Hier gibt es erstaunliche Parallelen zum Umgang mit Tibet sowie mit den Uiguren.

    • obmesc
    • 25.01.2010 um 14:41 Uhr

    Selbstverständlich möchte ich hier nicht Europa als Kollektiv kritisieren, denn das Beispiel Chris Patten zeigt ja, dass ein sensibler Umgang mit dem Thema möglich ist. Hier muss ich auch Gordon Brown gute Arbeit bescheinigen, der sich von den wichtigsten europ. Akteuren am ehesten traut, die Wahrheit anzusprechen (ein anderes Beispiel hierfür ist auch seine offene scharfe Kritik an den Umtrieben des Mugabe-Regimes in Simbabwe). Doch es ist sehr bedrückend, dass ein großer Teil der europäischen Regierungen sowie der hiesigen Öffentlichkeit sich auf einige wenige Themen beschränkt, die in dien Medien breitgetreten werden. Dann wird auch dem Sonntagsredenprinzip entsprechend auf die Straße gegangen (Bsp. Irak-Krieg). Ich möchte nicht den Leuten generell die Fähigkeit zur Empathie in solchen Konflikten absprechen (die o. g. Demo war ja schließlich absolut legitim), allerdings wirken diese selektiven Auftritte nicht glaubwürdig und ehrlich, sondern hinterlassen eher einen opportunistischen Eindruck auf andere Opfer von Völkermorden und anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nicht diese Aufmerksamkeit bekommen haben. Nicht nur Sri Lanka ist hierfür ein Beispiel, sondern auch Ruanda, aber auch Jugoslawien, wo es v.a. wegen der bremsenden Einstellung europ. Akteure nicht gelang ein so abscheuliches Verbrechen wie Srebrenica zu verhindern und den Machenschaften Milosevics in Jugoslawien ein Ende zu bereiten.

    • obmesc
    • 25.01.2010 um 14:52 Uhr

    Und noch etwas zur Wahl:

    Die Tatsache, dass die tamilische Minderheit auf Sri Lanka die Wahl zwischen Rajapakse und Fonseka hat, ist eine Farce: Man stelle sich vor, in Bosnien würde ein Präsident gewählt und die Bosniaken müssten sich zwischen Radovan Karadcic (Präsident der bosnischen Serben) und Ratko Mladic (General der serbischen Truppen in Bosnien) entscheiden: Da ist doch auch aus einer objektiven Sicht heraus verständlich, dass das Wegschauen und die Zaghaftigkeit des Westens nicht nur fragwürdig ist, sondern auch geradezu enttäuschend und gefährlich. Genau diese Haltung hat nämlich dazu geführt, dass solche schrecklichen Dinge wie in Ruanda, dem Ex-Jugoslawien und mittlerweile auch auf Sri lanka (insg. über 80000 Tote) geschehen konnten.

  1. Sie sind der beste Beweis, dass über den Nahostkonflikt zu wenig berichtet wird!
    Welche 95 bis 100 Prozent Autonomie meinen Sie denn? Ist Ihnen wohl das Komma verrückt?

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    • zd
    • 25.01.2010 um 19:59 Uhr

    sie haben mich missverstanden. ich meinte, dass palaestinenser allgemein eine autonomie haben und dass es verhandlungen gab, die unter anderem daran gescheitert sind, dass die israelis nur 95% von der westbank bereit waren zu raeumen. auf der anderen seite stehen die tamilen mit denen ueberhaupt keiner reden will, keine autonomie, keine kompromisse, keine selbstbestimmung nichts.

    • zd
    • 25.01.2010 um 19:59 Uhr

    sie haben mich missverstanden. ich meinte, dass palaestinenser allgemein eine autonomie haben und dass es verhandlungen gab, die unter anderem daran gescheitert sind, dass die israelis nur 95% von der westbank bereit waren zu raeumen. auf der anderen seite stehen die tamilen mit denen ueberhaupt keiner reden will, keine autonomie, keine kompromisse, keine selbstbestimmung nichts.

  2. Es ist schon lächerlich einen langjährigen Repräsentanten britischer Politik wie Chris Patten als Propagandisten einer friedlichen Lösung zu hören.

    Großbritannien bot den Tamil Tiger, der tamilischen Terrororganisation ohne die der Konflikt schon lange zu Ende gewesen wäre, über Jahrzehnte einen Rückzugs- und Rekrutierungsraum. Dazu konnten die Tamil Tigers Geld sammeln und Geld waschen unter den Augen der britischen Regierung.

    Die Briten betreiben in alter Empire-Tradition ihr mieses Spiel von Teile und Herrsche, nicht nur auf Sri Lanka. Nicht umsonst fühlt sich fast jede Terror- oder Verbrecherorganisation unter den Fittichen der Queen wohl.

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