Sudan Wahl und Referendum rufen Kriegstreiber auf den Plan

Christlicher Süden gegen muslimischen Norden: Die Kriegsparteien im Sudan rüsten auf, neue Gewaltausbrüche drohen. Das Jahr 2010 ist entscheidend für das größte Land Afrikas.

Südsudanesische Proteste gegen die Regierung in Khartoum

Südsudanesische Proteste gegen die Regierung in Khartoum

Der Süden des Sudans könnte eine Region im Aufschwung sein, mit wohlhabenden Bürgern, mit Schulen und Krankenhäusern, geteerten Straßen und sauberem Trinkwasser. Dort fördern internationale Konzerne den Rohstoff, nach dem die Weltwirtschaft lechzt und der in anderen Regionen immer weniger wird: Erdöl.

Doch die Realität sieht ganz anders aus: Im Südsudan herrschen Hunger und Armut. Die Infrastruktur bleibt trotz Milliardeneinnahmen aus dem Ölverkauf katastrophal – ebenso das Gesundheits- und das Bildungssystem. Nur jeder Zweite hat Zugang zu Trinkwasser. In der Region, die in etwa so groß ist wie Frankreich, gibt es nur 50 Kilometer feste Straßen. Von den Öleinnahmen werden vor allem Gewehre und schweres Kriegsgerät gekauft, der Reichtum kommt einer kleinen Elite zu Gute – die Menschen auf dem Land profitieren davon nicht.

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"Der Südsudan droht 2010 zu einem zentralen Krisenherd in Afrika zu werden. Grund hierfür ist eine gefährliche Mischung aus chronischer Armut, zunehmender Gewalt, und politischen Spannungen“, lautet das Fazit einer Studie von zehn Hilfsorganisationen.  "Die Friedensbemühungen in der Region stehen kurz vor dem Scheitern", sagt Maya Mailer von Oxfam, eine der Autorinnen.

Das Erdöl, das der Region den Reichtum bringen könnte, ist das eigentliche Problem. Um die Ölfelder kämpften der muslimische Norden und der christliche Süden 22 Jahre lang. In dem brutalen Bürgerkrieg starben vier Millionen Menschen. Nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen schlossen die Regierung in Khartoum und die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA/M) des Südens am 9. Januar 2005 einen Friedensvertrag.  Er hielt länger als viele Experten glaubten. Er hielt, als es Streit um Ölgebiete gab. Und der Frieden hielt, als John Garang, der Anführer des Südens, mit einem Helikopter abstürzte und starb.

Doch wird der Friedensvertrag die kommenden zwölf Monate überdauern? Im April stehen Parlamentswahlen an – die ersten seit 1986. Und im Januar 2011 entscheiden die Menschen im Süden mit einem Referendum, ob ihre Region ein eigener Staat werden soll, ob sie die Unabhängigkeit wollen. Damit entscheiden sie auch, ob der Norden des Landes von den Ölquellen im Süden abgeschnitten wird.

Der Friedensvertrag sichert dem Süden eine weitgehende Autonomie und die Hälfte des Gewinns aus den Öleinnahmen zu. Es gibt eine eigene Armee und einen eigenen Präsidenten, der gleichzeitig Vize-Präsident des gesamten Sudans ist.

Das Misstrauen zwischen Nord und Süd sitzt tief. So wird der Regierung in Khartoum vorgeworfen, Stämme und Gruppen zum Widerstand gegen den Präsidenten im Süden anzustacheln und deren Kampf zu finanzieren. Konfliktexperten und Menschenrechtsgruppen befürchten, dass die alten Wunden wieder aufbrechen könnten, dass der Bürgerkrieg die Region in neues Elend stürzt und dadurch ein Flächenbrand ausgelöst wird.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 08.01.2010 um 18:29 Uhr

    ...tat Deutschland um diese seit Jahren heranreifenden Problematik zu lösen. Man sagt doch immer, man müsse die Probleme anders als mit militärischen Mitteln angehen und wirft mit moralisierendem Zeigefinger den Anderen vor sie machten es falsch. Wo also ist hier die deutsche Lösung?

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    Ich habe allerdings größte Bedenken, dass unser "Tourist in kurzen Hosen" da was hinbekommt... Würde mich freuen, wenn in einiger Zeit rauskommt, dass ich mich da geirrt habe.

    Ich habe allerdings größte Bedenken, dass unser "Tourist in kurzen Hosen" da was hinbekommt... Würde mich freuen, wenn in einiger Zeit rauskommt, dass ich mich da geirrt habe.

  1. Ich habe allerdings größte Bedenken, dass unser "Tourist in kurzen Hosen" da was hinbekommt... Würde mich freuen, wenn in einiger Zeit rauskommt, dass ich mich da geirrt habe.

    Antwort auf "Und was,..."

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