Der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Kai Eide, hat Vertreter der radikalislamischen Taliban getroffen. Bei dem Treffen, das im Laufe des Januars stattgefunden habe, ging es darum, Friedensverhandlungen vorzubereiten, wie ein UN-Vertreter sagte. Die Initiative ergriffen demnach die Taliban. Die UN hofften, dass die afghanische Regierung davon profitiere. Präsident Hamid Karsai strebt eine Rückkehr gemäßigter Taliban in das zivile Leben an und hatte dafür ein Aussteigerprogramm angekündigt, das gemäßigte Islamisten mit Geld ins zivile Leben holen soll.

Parallel tagten Vertreter von etwa 70 Staaten in London: Auf einer Afghanistan-Konferenz beschlossen Vertreter und Organisationen, schrittweise Sicherheitsaufgaben und politische Verantwortung an die afghanische Armee zu übertragen. Parallel zum Ausstieg aus dem internationalen Afghanistan-Militäreinsatz sollen sich die verfeindeten Kräfte im Lande versöhnen. In fünf Jahren schließlich sollen die afghanischen Soldaten und Polizisten für die Sicherheit des Landes verantwortlich sein. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte auch die Taliban auf die internationale Afghanistan-Konferenz in London zu Gesprächen eingeladen.

Die Taliban entschieden noch nicht über mögliche Friedensverhandlungen mit der afghanischen Führung. Die Führer würden darüber aber bald befinden, sagte ein Sprecher der Extremistenorganisation. Abgelehnt haben Vertreter aber bereits das Angebot Karsais, gemäßigte Kräfte mit Geld ins zivile Leben zurückzuholen. "Das ist gegenstandslos und ohne Aussicht", hieß es in einer Internet-Erklärung der Taliban laut dem US-Unternehmen SITE, das auf die Auswertung islamistischer Websites spezialisiert ist.

Zugleich kritisierten die Taliban die Londoner Afghanistan-Konferenz als Schauveranstaltung und Zeitverschwendung. Die USA und ihre Verbündeten wollten die ganze Welt täuschen, indem sie den Eindruck erweckten, dass sie in ihrem Vorgehen unterstützt würden. Wenn die "Besatzung" Afghanistans weitergehe, werde sich die Konferenz als "Augenwischerei" erweisen, so wie die vorangegangenen Treffen auch.