Bei einem Selbstmordanschlag in Pakistans unruhiger Nordwest-Grenzprovinz sind am Neujahrstag mindestens 70 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter viele Kinder. Wie Polizeisprecher Mohammad Ayub Khan mitteilte, wurden mehr als 100 weitere Menschen verletzt, als der Täter sein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug neben einem Sportplatz im Distrikt Lakki Marwat zur Explosion brachte.

Den Angaben zufolge hatten sich dort Hunderte Menschen zu einem Volleyballspiel versammelt. Sicherheitskräfte machten radikal-islamische Extremisten für die Tat verantwortlich. Zu Attentate auf Sportereignisse sei es nach Angaben pakistanischer Behörden bislang erst sehr selten gekommen. Allerdings haben die islamistischen Taliban kürzlich verstärkt Märkte und andere Orte angegriffen, an denen sich viele Zivilisten aufhalten.

Ein Vertreter einer örtlichen Behörde berichtete, Augenzeugen hätten den Attentäter dabei beobachtet, wie er mit einem Fahrzeug auf den Sportplatz gefahren sei und sich dort in die Luft gesprengt habe. In der Nähe der Stadt Lakki Marwat haben die Taliban mehrere Hochburgen.

Der Distrikt grenzt an die Taliban-Hochburg Süd-Waziristan. In dem Stammesgebiet an der Grenze zu Afghanistan führt das pakistanische Militär seit Mitte Oktober ein Großoffensive gegen Taliban-Kämpfer und Al-Qaida-Terroristen. Dabei wurden nach Angaben der Armee bislang mehr als 600 Extremisten getötet.

Im Gegenzug verüben die Aufständischen landesweit immer wieder blutige Anschläge gegen Einrichtungen der Sicherheitskräfte und zivile Ziele, bei denen in den vergangen zwei Monaten mehr als 500 Menschen ums Leben kamen.  Erst in dieser Woche wurden 43 Pilger in der Stadt Karachi getötet. Das Leben in der Wirtschaftsmetropole stand am Freitag nahezu still und die Börse war geschlossen, nachdem Politiker und Geistliche als Protest gegen die Gewalt zu einem Generalstreik aufgerufen hatten.

Bei einem Besuch in der Stadt im Südwesten des Landes sagte Innenminister Rehman Malik, die bewaffneten Gruppen schadeten Pakistan: "Sie sind Söldner. Sie sind Feinde Pakistans, sie sind Feinde des Islam."

Die Extremisten haben zuletzt ihre Angriffe auf die Regierung verstärkt. Sie sind nicht mehr nur in den Grenzgebieten zu Afghanistan aktiv, sondern machen immer wieder mit Anschlägen im Landesinneren auf sich aufmerksam. Die Vereinten Nationen wollen aus Sorge um die Sicherheit einen Teil ihrer Mitarbeiter aus Pakistan abziehen, sagte eine UN-Sprecherin am Donnerstag.