Im sogenannten Clearstream-Prozess hat das Pariser Strafgericht den frühreren Premierminister Dominique de Villepin freigesprochen. Villepin war beschuldigt worden, 2004 in eine Verschwörung gegen Präsident Nicolas Sarkozy und andere Persönlichkeiten verwickelt gewesen zu sein. Villepin und Sarkozy waren Rivalen um das Amt des Staatspräsidenten.

Sarkozy war unterstellt worden, er habe in seiner Zeit als Innenminister Schwarzgeldkonten beim Finanzhaus Clearstream in Luxemburg gehabt. Dazu wurden Kontolisten gefälscht, durch die er und weitere Politiker und Industriemanager unter Verdacht gerieten, Schmiergeld aus einem Waffengeschäft erhalten zu haben. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Villepin nicht gewusst habe, dass die Belege gefälscht waren. Der Politiker habe "ohne böse Absicht" gehandelt, als er die Ermittlungen gegen Sarkozy anlaufen ließ. Die Staatsanwaltschaft hatte für Villepin 18 Monate auf Bewährung und 45.000 Euro Geldstrafe gefordert.

Das Urteil bedeutet eine Niederlage für Sarkozy, der in dem Prozess als Nebenkläger auftrat. Sarkozy hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er seinen härtesten innerparteilichen Rivalen Villepin als Anstifter der Verschwörung verurteilt sehen wollte.

Villepin, der von 2005 bis 2007 Premierminister war, hat dem Staatschef vorgeworfen, einen politischen Prozess gegen ihn zu führen. Beide Politiker hatten sich jahrelang bei Frankreichs Konservativen einen erbitterten Machtkampf um die Nachfolge des damaligen Präsidenten Jacques Chirac geliefert. Villepin hat angekündigt, bei einem Freispruch bei der nächsten Wahl im Jahr 2012 Sarkozy die Präsidentschaftskandidatur streitig machen zu wollen.

Als Haupttäter der weitverzweigten Verschwörung verurteilte das Gericht den früheren Vizepräsidenten des Airbus-Konzerns EADS, Jean-Louis Gergorin. Gergorin wurde der Verleumdung und des Missbrauchs gefälschter Dokumente schuldig gesprochen. Er hatte die ominösen Listen anonym an einen Untersuchungsrichter weitergegeben, wodurch die Schmiergeldvorwürfe ans Licht der Öffentlichkeit kamen.

Ein Strafmaß gegen Gergorin wurde zunächst nicht verkündet. Die Staatsanwaltschaft hatte für ihn drei Jahre Haft gefordert.

Der Fälscher der Clearstream-Kontolisten, der frühere EADS-Informatiker Imad Lahoud, wurde als Mittäter schuldig gesprochen. Ziel der Verleumdung waren ursprünglich Flugzeugbau-Manager gewesen. Sarkozys Name war erst später hinzugefügt worden.