Besuch in China Westerwelle und der nette Herr Yang

Hart an der Grenze zur Unfreundlichkeit hat Außenminister Westerwelle seinen China-Besuch beendet. Doch seinen Amtskollegen Yang ließ das kalt. Von Jörg Lau, Peking

Guido Westerwelles zahlreiche Hinweise auf Deutschlands "Differenzen" mit China ertrug der chinesische Außenminister Yang Jiechi mit Fassung

Guido Westerwelles zahlreiche Hinweise auf Deutschlands "Differenzen" mit China ertrug der chinesische Außenminister Yang Jiechi mit Fassung

Wenn der deutsche Außenminister in Tokio darauf hinweist, mit Japan verbinde Deutschland eine "Wertepartnerschaft", so ist das nichts Außergewöhnliches. Wenn er derartiges aber gezielt äußert, bevor er zu seinem Antrittsbesuch in Peking eintrifft, dann liegt darin schon ein gewisses Provokationspotenzial. Denn im Umkehrschluss heißt dies für China, dass Deutschland sich offenbar nicht in einer Wertegemeinschaft mit dem aufstrebenden jungen Riesen auf der Weltbühne sieht.

Wie denn auch? Nach der Verurteilung des Dissidenten Liu Xiaobo, nach der Hinrichtung eines britischen Bürgers trotz Protesten Gordon Browns, nach dem programmierten Scheitern von Kopenhagen, und jüngst erst nach dem Streit um Google!

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Besuchsrouten und Protokollfragen sind die Mittel der Diplomatie, um klarzumachen, wo man steht. Und hier in Asien, unter den sich ultrakritisch beäugenden Nachbarn, wird so etwas durchaus registriert: Wo fährt der Neue zuerst hin, wieviel Zeit verbringt er mit wie hochrangigen Gesprächspartnern.

Guido Westerwelle hat seinen Antrittsbesuch in Japan und China genutzt, um ungewöhnlich deutlich auf die Differenzen mit dem zweiten, größeren Partner hinzuweisen. Nach seinem Gespräch mit dem Außenminister Yang sprach er in seinem Statement gleich drei Mal von den "Meinungsverschiedenheiten", die er nicht verhehlen wolle. Das ist hart an der Grenze zur Unfreundlichkeit bei einem ersten Besuch – zumal der nette Herr Yang allgemein als einer der zugänglichsten unter den Machthabern in Peking gilt. Yang schien das geduldig zu ertragen – wohl wissend, dass der Deutsche vor allem von den mitgereisten Medien sehr genau daraufhin beobachtet wird, ob er sich nun etwa als bloßer Handelsvertreter deutscher Industrie-Interessen gibt.

Natürlich weiß Westerwelle auch, dass er unter solchem Verdacht steht. Er reagiert geschickt darauf: Es gebe keinen Grund zu verstecken, dass man als deutscher Außenminister hier auch die Interessen der prominent mitreisenden Wirtschaftsvertreter befördern wolle. Aber das stehe eben nicht im Gegensatz zu einem klaren Vertreten der deutschen Werte, was die Meinungs- und Religionsfreiheit, die Rechte kultureller Minderheiten und die allgemeinen Menschenrechte angehe.

Die bittere Wahrheit der derzeitigen Lage in China ist, dass das Regime eben doch einen solchen Widerspruch sieht. Zum vermeintlichen Wohl der Nation werden die Rechte der Menschen - vor allem was die Meinungs- und Pressefreiheit angeht - momentan heftig beschnitten. Um so besser, wenn westliche Politiker deutlich machen, dass sie dieser Logik keineswegs folgen wollen - und doch am Dialog mit China interessiert bleiben, ja ihn – wo es geht – noch vertiefen wollen. Westerwelle hat den Balanceakt zwischen Interessen und Werten gut hinbekommen.

Man kann sich allerdings fragen, ob's die chinesische Regierung noch interessiert. Sie ist seit den Olympischen Spielen zusehends im Bulldozer-Modus, wenn es um ihre Interessen geht. Sie nimmt in Kauf, dass der Deutsche sich vor dem eigenen Publikum als Menschenrechtler profiliert, und hat doch die Gewissheit, dass in China kaum jemand davon Notiz nehmen wird, wenn sie das nicht möchte.

Leser-Kommentare
    • wan888
    • 16.01.2010 um 9:40 Uhr

    Trägt der Außenminister nicht den Nachnamen Yang?
    Die Silbe Jang existiert im Chinesichen leider nicht.

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    Betrachtet man sich die Berichterstattung in der Zeit über China, dann ist die falsche Schreibweise eines Namens eher eine Kleinigkeit.

    ....ja, leider!

    Dies ist - bei allem Respekt der Sprachkenntnisse - die überflüssigste Bemerkung zu dem Thema.

    Es ist an der Zeit, daß die EU und andere Länder, die die Menschenrechte respektieren, ihre gesamte Haltung gegenüber China überdenken. Es gibt Möglichkeiten, China gegenüber deutlich zu machen, welche menschenverachtende Politik nicht hinnehmbar ist. Wenn diese nicht geändert wird, müssen die Völker sich verständigen, China insgesamt aus der Völkergemeinschaft auszuschliessen. Dies gilt auch für andere despotisch regierte Länder in der Welt. Und Angst brauchen wir nicht haben. Was soll geschehen ? Drohung mit Krieg ? Lieber möchte ich physisch tot sein, als von solchen Konsorten ein Leben lang gegängelt und psychisch missbraucht zu werden. Erst wenn dies den Machthabern klar ist, dass sie keine Macht über uns haben können, wird sich etwas ändern.

    Die Silbe "Jang" existiert sehr wohl im Chineschen.
    Zugegeben, das Umschirftsystem kennt diese Art der Buchstabierung nicht. Doch sollte man bedenken, dass sich dieses stark an der englischen Aussprache von Buchstaben orientiert.
    Dieser Artikel enstammt keiner sinologischen Fachzeitschrift, und deshalb finde ich es begrüßenswert, wenn der Autor sich darum bemüht, dem deutschen Leser eine Brücke zur korrekten Aussprache seines Familiennamens zu bauen.
    Es würde ja auch niemand auf die obskure Idee kommen, in einer deutschsprachigen Zeitung die chinesischen Zeichen zu verwenden - diese sind wohl objektiv die einzige "korrekte" Schreibweise.

    Betrachtet man sich die Berichterstattung in der Zeit über China, dann ist die falsche Schreibweise eines Namens eher eine Kleinigkeit.

    ....ja, leider!

    Dies ist - bei allem Respekt der Sprachkenntnisse - die überflüssigste Bemerkung zu dem Thema.

    Es ist an der Zeit, daß die EU und andere Länder, die die Menschenrechte respektieren, ihre gesamte Haltung gegenüber China überdenken. Es gibt Möglichkeiten, China gegenüber deutlich zu machen, welche menschenverachtende Politik nicht hinnehmbar ist. Wenn diese nicht geändert wird, müssen die Völker sich verständigen, China insgesamt aus der Völkergemeinschaft auszuschliessen. Dies gilt auch für andere despotisch regierte Länder in der Welt. Und Angst brauchen wir nicht haben. Was soll geschehen ? Drohung mit Krieg ? Lieber möchte ich physisch tot sein, als von solchen Konsorten ein Leben lang gegängelt und psychisch missbraucht zu werden. Erst wenn dies den Machthabern klar ist, dass sie keine Macht über uns haben können, wird sich etwas ändern.

    Die Silbe "Jang" existiert sehr wohl im Chineschen.
    Zugegeben, das Umschirftsystem kennt diese Art der Buchstabierung nicht. Doch sollte man bedenken, dass sich dieses stark an der englischen Aussprache von Buchstaben orientiert.
    Dieser Artikel enstammt keiner sinologischen Fachzeitschrift, und deshalb finde ich es begrüßenswert, wenn der Autor sich darum bemüht, dem deutschen Leser eine Brücke zur korrekten Aussprache seines Familiennamens zu bauen.
    Es würde ja auch niemand auf die obskure Idee kommen, in einer deutschsprachigen Zeitung die chinesischen Zeichen zu verwenden - diese sind wohl objektiv die einzige "korrekte" Schreibweise.

    • uman
    • 16.01.2010 um 9:48 Uhr

    Hier kommt zum Ausdruck, dass China die westlichen Verlautbarungen zu den Menschenrechten als derem innenpolitische Imagepflege toleriert.
    Vergleicht man die Menschenrechtslage Chinas mit Ländern mit ähnlichen Wirtschaftsdaten je Einwohner, die unter westlichem Einfluss stehen, so hat sich darum in China eine gewisse Resistenz herausgebildet auch bei im Ausland lebenden Chinesen.
    Mal sehen, was sich in Haiti, Jemen, Somalia ... verbessern läßt.

  1. Betrachtet man sich die Berichterstattung in der Zeit über China, dann ist die falsche Schreibweise eines Namens eher eine Kleinigkeit.

    Antwort auf "Yang Jiechi"
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    @3. Sehr gut ausgedrueckt.

    @3. Sehr gut ausgedrueckt.

  2. 4. Re: @3

    @3. Sehr gut ausgedrueckt.

    Antwort auf "Die Zeit und China"
  3. Der Mann wird Yang Jiechi geschrieben. Bitte korrigieren, Yörg!

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    ... der war gut!!!

    ... der war gut!!!

  4. Herr Yang kann freundlich bleiben, kennt er wohl das Sprichwort vom bellenden Hund.
    Herrn Yang geht es um China.
    Herrn Westerwelle um Herrn Westerwelle.

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    • upcno
    • 16.01.2010 um 18:33 Uhr

    so sehe ich das auch

    • upcno
    • 16.01.2010 um 18:33 Uhr

    so sehe ich das auch

    • joG
    • 16.01.2010 um 10:45 Uhr

    "Frage von ZEIT ONLINE, ob China bereit sei, bei einem eventuellen Scheitern der Atomdiplomatie auch über eine neue Runde von Sanktionen gegen Iran nachzudenken, antwortete der chinesische Außenminister mit einem Bekenntnis zur Diplomatie und zum Recht eines jeden Staates, im Rahmen des Nichtverbreitungsvertrages und unter Aufsicht der IAEO die Kernenergie friedlich zu nutzen."

    Für Peking scheint es willkommen, wenn man die Chance bekommt, eine durch Sanktionen entstandene Nische zu nutzen. Das kennen wir gut, nutzte Deutschland doch den Handelsnischen mit den Sowjets und später Iran und stärkte deren Regime damit, den die Amerikaner mit dem nichtmilitärischen Mittel der Handelsboykott bekämpften. Letztlich sind Sanktionen, so effektiv sie auch sinnvoll konstruiert sein können, nur sehr begrenzt wirksam, wenn sie umgangen werden. So fehlt ein nichtmilitärisches Instrument gegen internationale Verbrecher. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit der Notwendigkeit militärischer Einsätze.

  5. Interessiert es Chinas Machthaber denn überhaupt noch, wer im Westen was sagt?
    Die USA beerdigt sich als Supermacht im Milliardengrab Afghanistan selbst und der Wettlauf ums Öl scheint sich für China zu entscheiden, indem China den Iran beim "Atomprogramm" gewähren lässt - die arabische Welt wird China beliefern - und Russland der grinsende Dritte ist, der nun als "alleiniger" Erdöllieferant für den Westen verbleibt.
    Bei all der Kritik, die man an den USA äußern kann, eine Zukunft unter der Führungsmacht China, mag ich mir gar nicht vorstellen, ob sie noch zu verhindern ist?
    Wehe, Wehe, wenn ich an das Ende sehe!

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    • ziyou
    • 16.01.2010 um 12:14 Uhr

    Herrn Yang geht es um China.
    Herrn Westerwelle um Herrn Westerwelle.
    -> ja! auf den Punkt gebracht!

    was zum schmunzel (man betrachtet den Überschrift und das Bild)
    http://derstandard.at/126...

    "der Wettlauf ums Öl scheint sich für China zu entscheiden, indem China den Iran beim "Atomprogramm" gewähren lässt - die arabische Welt wird China beliefern -"
    Iran und die arabische Welt sind sind nicht das Selbe, sondern sich misstrauisch bis feindlich gesonnen (gerade die Erdölreichen Staaten Irak und Saui-Arabien). Den Arabern wäre eine iranische Bombe ein Graus, weshalb sie durchaus Druck auf China ausüben könnten, Druck auf Iran auszuüben.
    Es ist auch sonst keine Einbahnstraße, wenn die Chinesen sich zu sehr isolieren und sich damit vom Austausch von Hochtechnologie abschneiden, dann wird das ihren Interessen auf lange Sicht schaden. "Der Westen" und Verbündete müssten aber auch geschlossener auftreten.

    • ziyou
    • 16.01.2010 um 12:14 Uhr

    Herrn Yang geht es um China.
    Herrn Westerwelle um Herrn Westerwelle.
    -> ja! auf den Punkt gebracht!

    was zum schmunzel (man betrachtet den Überschrift und das Bild)
    http://derstandard.at/126...

    "der Wettlauf ums Öl scheint sich für China zu entscheiden, indem China den Iran beim "Atomprogramm" gewähren lässt - die arabische Welt wird China beliefern -"
    Iran und die arabische Welt sind sind nicht das Selbe, sondern sich misstrauisch bis feindlich gesonnen (gerade die Erdölreichen Staaten Irak und Saui-Arabien). Den Arabern wäre eine iranische Bombe ein Graus, weshalb sie durchaus Druck auf China ausüben könnten, Druck auf Iran auszuüben.
    Es ist auch sonst keine Einbahnstraße, wenn die Chinesen sich zu sehr isolieren und sich damit vom Austausch von Hochtechnologie abschneiden, dann wird das ihren Interessen auf lange Sicht schaden. "Der Westen" und Verbündete müssten aber auch geschlossener auftreten.

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