Die Zeugen verbargen ihre Identität hinter Decknamen oder Abkürzungen. Das Thema zu dem sie befragt wurden, hat die oberste Geheimhaltungsstufe. Im Reichstag geht es am Donnerstag um die Spezialkräfte der Bundeswehr, vor allem um die Taskforce 47. Hinter diesem Namen steckt eine Eliteeinheit der Bundeswehr, die in Afghanistan eingesetzt wird. Was die Einheit Anfang September in Kundus machte, das versucht der Untersuchungsausschuss herauszufinden.

Das Gremium hat gestern die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Erneut tagte es unter höchster Geheimhaltungsstufe – hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Um die Zeugen vor dem erwarteten Blitzlichtgewitter zu schützen, zog der Ausschuss in das Reichstagsgebäude in einem Raum auf der Präsidialebene um. Dort haben Journalisten keinen Zugang.

Fünf Zeugen waren geladen, von denen der Brigadegeneral Jörg Vollmer der Höchstrangigste ist – und wohl der Einzige, der nicht zur Taskforce 47 oder anderen Eliteeinheiten gehörte. Anfang September war Vollmer Regionalkommandeur Nord in Afghanistan und damit Vorgesetzter von Oberst Georg Klein, der den Luftschlag befahl. Den General wird der Ausschuss jedoch wohl erst im Herbst hören. Denn zunächst stand nicht die Aufklärung, sondern das Verfahren auf der Tagesordnung. Und die dafür vorgesehene halbe Stunde reichte bei weitem nicht aus. Hauptstreitpunkt war die Frage, wann Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg befragt wird. Bisher stand dafür der 18. März fest. Mit ihrer Mehrheit verschoben Union und FDP die Anhörung um eine Woche und änderten die Reihenfolge der Zeugen.

Der dritte Block des Untersuchungsausschuss, der sich mit den politisch Verantwortlichen beschäftigt, beginnt nach dem Willen der Regierungsparteien mit der Befragung des entlassenen Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan. Danach wird Peter Wichert gehört, ehemaliger Staatssekretär, der ebenfalls wegen der Kundus-Affäre sein Spitzenamt verlor.

In der Woche darauf wird der frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung geladen, auf ihn folgt Guttenberg. SPD, Grüne und Linkspartei sind damit überhaupt nicht einverstanden. Das Untersuchungsausschussgesetz sieht bei Streit vor, dass ein Reißverschlussverfahren greift und die Fraktionen abwechselnd Zeugen benennen dürfen. Da die Koalitionsparteien sich nicht daran gehalten haben, drohte die Opposition mit rechtlichen Schritten – vielleicht sogar mit einem Gang nach Karlsruhe vor das Bundesverfassungsgericht.

"Wir haben einen intensiven Konflikt mit der Koalition", sagt Rainer Arnold, Obmann der SPD im Verteidigungsausschuss. "Union und FDP haben unserer Meinung nach geltendes Recht gebrochen." Offenbar habe die Union Angst, dass Guttenberg schwer beschädigt werden. "Wir haben uns gar nicht mehr an der Abstimmung beteiligt, weil wir uns nicht an einem Rechtsbruch beteiligen wollen", sagt Jan van Aken von der Linkspartei.

Den Vorwurf des Rechtsbruchs wies Ernst-Reinhard Beck, Obmann der Union, entschieden zurück. Er und Hellmut Königshaus von der FDP betonten, dass Guttenberg nicht Verteidigungsminister war, als die Bombardierung stattfand. "Herr zu Guttenberg hat von dem Luftangriff aus der Zeitung erfahren", sagte Königshaus. Beck ergänzte, dass es in der Geschichte des Bundestages noch keinen Fall gegeben hätte, in dem ein Minister vor seinen Mitarbeitern gehört wurde. Der richtige Weg sei, erst die beiden Spitzenbeamten zu hören und dann die Minister.