Afghanistan Pakistans Geheimdienst verstärkt Zugriff auf Taliban
Pakistans Sicherheitskräfte und die CIA haben den Taliban-Führer Mullah Baradar verhaftet. Islamabad will damit seinen Einfluss auf die Islamisten stärken.
© RIZWAN TABASSUM/AFP/Getty Images

Ein Zeitungskiosk in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi: Die Urdu-sprachigen Zeitungen melden die Festnahme von Taliban-Führer Mullah Baradar
Die Gefangennahme von Mullah Abdul Ghani Baradar, dem militärischen Anführer und Nummer zwei der Taliban, in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi kann weitreichende Folgen in der Auseinandersetzung mit den militanten Kräften in Afghanistan haben. Mullah Baradar steht dem Taliban-Gründer und geistlichem Anführer Mullah Mohammed Omar sehr nah. Von ihm erhielt er auch den Beinamen "Bruder" ("Baradar"). Beide hatten in den 1980er Jahren gegen die sowjetischen Besatzer gekämpft. Mullah Omar ist seit dem Sturz des Taliban-Regimes 2001 durch US-geführte Truppen untergetaucht.
Mullah Baradar ist der höchstrangige Taliban-Vertreter, der seitdem gefasst wurde. Seine Ergreifung dürfte die Radikalislamisten empfindlich treffen: Er gilt als charismatischer Führer, der die unterschiedlichen Fraktionen der Taliban zu vereinigen wusste. Seine Funktionen waren weitreichend, wie Newsweek berichtet: Er benannte und entließ militärische und zivile Befehlshaber, er saß dem Führungsrat der Taliban vor - der Quetta-Shura in der gleichnamigen westpakistanischen Stadt -, und er konnte unabhängig zentrale Verlautbarungen herausgeben. Zudem kontrollierte er die Finanzen der Taliban, hunderte Millionen an US-Dollar, gespeist aus Drogengeschäften, Schutzgeld und Spenden von Islamisten aus den reichen Golfstaaten.
Auf den ersten Blick erscheint die Festnahme Baradars im Kontext zur Offensive der Nato gegen die Taliban in Südafghanistan zu stehen. Doch seine Ergreifung hängt wahrscheinlich mehr mit einer Wende in der Haltung Pakistans gegenüber den Glaubenskriegern zusammen. Eine Wende, die dabei weniger aus Sorge Islamabads vor den Taliban im eigenen Land begründet ist.
Zwar stellten die Islamisten im pakistanischen Distrikt Swat kurzzeitig eine Lokalregierung, die sich vor allem durch Terror gegen die Bewohner hervortat. Zuvor waren sie bereits im Nachbardistrikt Dir, und als sie begannen, auch in den Distrikt Buner einzusickern, beendete das pakistanische Militär im Sommer 2009 das Taliban-Regime. Trotz einer riesigen Flüchtlingswelle, die die Militäraktion auslöste, wurde die Armee-Aktion seinerzeit im Land mit viel Sympathie aufgenommen. Der Rückhalt der Taliban in Pakistan ist insgesamt schwach, die Mehrheit der 190 Millionen Einwohner sieht sie als das, was sie sind: religiöse Extremisten aus dem bergigen Grenzgebiet zu Afghanistan.
Wahrscheinlicher ist daher, dass es Pakistan um sein Verhältnis zum afghanischen Zweig der Taliban geht, gegen den Islamabad bislang nicht vorgegangen ist. Trotz Drängens der USA. Mit einer gewissen Sorge sieht Islamabad nämlich den Versuch der afghanischen Regierung, Gespräche mit einzelnen Fraktionen der Aufständischen zu führen. Gleichzeitig hat in Islamabad das starke politische wie wirtschaftliche Engagement von Erzfeind Indien in Afghanistan in den vergangenen Jahren große Nervosität ausgelöst.
Um auf die Entwicklung in Afghanistan Einfluss zu nehmen, wirkte der pakistanische Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI) deshalb versteckt auf die paschtunischen Taliban im Nachbarland ein. Immerhin leben in Pakistan mehr Paschtunen - 27 Millionen - als in Afghanistan (ca. 12 Millionen). Indien dagegen steht dem Volk der Tadschiken näher, der zweitgrößten Gruppe in dem Land.
Die Festnahme Baradars kann daher als Signal an die Taliban-Führung verstanden werden, dass sie weiterhin vom Wohlwollen Pakistans abhängig sind. Zugleich wird ihnen damit bedeutet, dass sie in Afghanistan zukünftig auch die Interessen Islamabads vertreten und sie ein Gegengewicht zum Einfluss Indiens bilden sollen. Diese Sichtweise würde auch die überraschende Kooperation zwischen ISI und dem US-Geheimdienst CIA im Fall Baradars erklären.
Die afghanische Regierung und die Nato-Isaf-Truppen können hoffen, dass die Verhaftung einer zentralen Figur wie Baradar erst einmal Unruhe und Führungskämpfe innerhalb der einzelnen Taliban-Fraktionen auslösen. Streit, der der Bekämpfung der Taliban im Land hilfreich ist. Möglich ist zudem, dass die USA im Zusammenhang mit der Festnahme Konzessionen gegenüber Pakistan gemacht haben, indem sie beispielsweise zusätzliche finanzielle Hilfen anboten. So gesehen können die Gesprächsangebote des afghanischen Präsidenten Karsai an die Taliban im Land durchaus weitreichende Folgen gehabt haben.
- Datum 16.02.2010 - 15:11 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
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Ich habe mal ein wenig gegooglet: Wie es aussieht ist dieser Baradar tatsächlich nicht nur die übliche "Nr. 2", die den Amerikanern alle paar Monate ins Netz geht: Der Mann steht schon auf den Listen der Terrorverdächtigen nach 9/11 und er stammt anscheinend aus dem Nachbardorf von Mullah Omar. So jemand ist schwer zu ersetzen. Prima :-)
Es wäre allerdings schön, wenn seine Häscher jetzt die Menschenrechte ihres Gefangenen achten würden, aber das ist wohl ein frommer Wunsch.
Es wäre schön, wenn Pakistan, die Mutter aller Schurkenstaaten, endlich umschwenken würden. Pakistans Geheimdienst ISI betrachtet Terroristen als nützliche Idioten und haben uns deshalb die Taliban eingebrockt. Außerdem noch diverse Kaschmir-Terrorgruppen. Dann hat Pakistan Atomwaffenmaterial an Gott und die Welt verkauft. Und die ganze Zeit haben ihnen die Amerikaner das Händchen gehalten und noch kräftig Geld rübergeschoben. Leider ist noch nicht ausgemacht, ob korrupte Großgrundbesitzer, putschende Militärs oder islamistische Mullahs das Rennen machen.
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