Verdacht auf Kindesentführung US-Baptisten in Haiti angeklagt

Zehn US-Bürger wollten in Haiti Waisenkinder retten. Doch sie taten das inoffiziell und manche waren auch keine Waisen. Zumindest die Leiterin der Gruppe hat das gewusst.

Laura Silsby (M.), Leiterin von "New Life Children's Refuge ", am Donnerstag in Port au Prince nach der offiziellen Verkündung der Anklage

Laura Silsby (M.), Leiterin von "New Life Children's Refuge ", am Donnerstag in Port au Prince nach der offiziellen Verkündung der Anklage

Sie seien alle gute Christen und wollten nur helfen, ließen sie verlauten. Doch nun sind jene zehn US-Bürger, die in der vergangenen Woche versucht haben sollen, 33 haitianische Kinder ohne Genehmigungen aus dem erdbebengeschädigten Land zu bringen, offiziell angeklagt worden. Wie ihr Anwalt Edwin Coq am Donnerstag weiter mitteilte, sollen sich die Mitglieder einer Baptistenkirche aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Idaho wegen Entführung vor einem haitianischen Gericht verantworten. Ihnen drohen im Falle einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.

Kindesentführungen sind ein schweres Vergehen. Doch scheint dieser seltsame Fall, zumindest nach dem jetzigen Stand, beim Gros der beteiligten Amerikaner mit einer gehörigen Portion Naivität verbunden zu sein. Was ist genau geschehen? In Malpasse an der Grenze zur Dominikanischen Republik stoppte die Polizei am 31. Januar den Bus mit den Amerikanern sowie 33 Kindern im Alter von zwei Monaten bis zwölf Jahren. Die fünf Frauen und fünf Männer konnten keine Dokumente vorweisen, die sie zur Obhutnahme der Kinder berechtigte.

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Die Leiterin der christlichen Hilfsorganisation, die sich New Life Children's Refuge nennt, behauptete, sie habe eine offizielle Erlaubnis der Dominikanischen Republik, die Kinder in ein dort von der Gruppe betriebenes Waisenhaus zu bringen. Doch bis heute ist unklar, ob und wo die Organisation die Unterbringung der Kinder in der Dominikanischen Republik geplant hat. Online heißt es bei New Life Children's Refuge, man wolle ein Hotel mit 45 Zimmern mieten und plane den Erwerb und Bau von Grundstücken und Gebäuden in Magante im Norden des Landes.

Zahlreiche haitianische Kinder wurden durch das Beben zu Waisen, sie sind schutzlos und haben von allen Menschen dort wohl die meiste Hilfe nötig. Gerade das macht die vermeintliche Hilfsaktion der Christengemeinde heikel. New Life Children's Refuge hat sich der Rettung von Waisenkindern verschrieben und hofft dabei auch auf Adoptionen über US-amerikanische Agenturen. Doch waren einige der 33 Kinder keine Waisen. Vielmehr sollen die Baptisten den Eltern eine kostenlose Schulbildung ihrer Kinder im Nachbarland und die Möglichkeit von Heimatbesuchen versprochen haben. So haben einige der Angehörigen der Kinder inzwischen auch ausgesagt, den Amerikanern ihre Kinder freiwillig übergeben zu haben, um sie aus dem Elend in Haiti herauszubringen. Zur Adoption hätten sie diese jedoch nicht freigegeben.

Im Mittelpunkt der Affäre steht die Leiterin der Gruppe, die Geschäftsfrau und selbsternannte Missionarin Laura Silsby. Sie hatte anfangs behauptet, es handele sich um Waisen und sie habe wegen der eilbedürftigen Not der Kinder bei den haitianischen Behörden nicht um entsprechende Dokumente ersucht. Übersetzter der Gruppe berichteten jedoch, das Laura Silsby bekannt gewesen sei, dass zumindest einige der Kinder keine Waisen sind, denn sie habe selbst mit Eltern, die ihre Kinder der Organisation gaben, Gespräche geführt.

Leser-Kommentare
  1. US-amerikanische christliche Fundamentalisten stehen also im Verdacht, Kinder entführen zu wollen. Was wäre wohl los, wenn das moslemische Fundis gewesen wären?

  2. Mein ausdrücklicher Dank an alle, die sich in Haiti und für Haiti engagiert haben.

  3. Mir scheint besonders gläubigen Menschen sollte man generell den Umgang mit Kindern verbieten. Ob das die lieben Katholiken sind die Ihre Nächtenliebe immer wieder mit sexueller Belästigung von Kindern zum Ausdruck bringen, Islamisten die Ihren Kinder das sich in die Luft sprengen als Lebensziel einbläuen, Kinderschändersekten die es zu Hauf gab und sicher gibt, oder bibeltreue Eltern die Ihren Kindern durch Verweigerung des Schulbesuches eine normale Jugend verwehren. Amerikanische Baptisten scheinen Ihr Weltbild auch für so vorzüglich zu halten, daß es praktisch jedem Kind eingetrichtert werden muss, selbst wenn man es dazu den Eltern entreisst.
    Kinder sollte man bis zur Volljährigkeit vor Religion und deren Verbreitern wie vor Pornographie und Drogenhändlern schützen.

  4. diese "Gutmenschen" hätten wirklich nichts Kriminelles im Sinn gehabt, und handelten nach bestem Wissen und Gewissen, so wäre dies doch wieder ein beindruckendes Beispiel für die eklatante Dummheit mancher streng gläubiger Kirchenanhänger im Hinterland der USA.

  5. die Hilfsorganisationen hätten in den vergangenen Wochen Zeit und Muße gehabt, sich in Haiti mit dem Ausfüllen von Formularen und anderen Formalitäten zu befassen, dann sähe die Lage dort wahrscheinlich auch etwas weniger traurig aus. In Haiti gab es schon vor dem Beben einen Haufen Kinder, die irgendwie alleine in den Straßen der Slums vor sich dahinvegetiert haben - obwohl ihre Eltern lebten. Die soziale Situation in dem Land ist schon lange so zerrüttet wie die Hauptstadt nach dem Beben.

    Für mich sieht das Ganze doch sehr viel eher nach einem verzweifelten Versuch der in ihrer Hilflosigkeit restlos gedemütigten Haitianischen Behörden aus, sich durch eine Machtdemonstration zu vergewissern, dass man noch Herr im eigenen Lande ist. Diese Baptisten mögen naiv gehandelt haben. Aber im Gegensatz zu diversen Sprücheklopfern haben sie gehandelt! Solche Leute mit Kinderhändlern, islamischen Terroristen oder gar mit Scientology in einem Atemzug zu nennen, das ist ganz schlechter Stil.

    Grüße vom Gutmensch

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Diese Baptisten mögen naiv gehandelt haben. Aber im Gegensatz zu diversen Sprücheklopfern haben sie gehandelt!"

    Sie meinen das vermutlich auch noch ernst? Wenn Sie selbst sich als Sprücheklopfer einordnen - Sie waren doch nicht als Helfer in Haiti, oder etwa doch? - geht das ja in Ordnung. Aber aus Ihrem schlechten Gewissen solche Methoden gut zu heissen, wird Ihnen nicht weiter helfen.

    "Solche Leute mit Kinderhändlern, islamischen Terroristen oder gar mit Scientology in einem Atemzug zu nennen, das ist ganz schlechter Stil."

    Diese Leute stehen im Verdacht, Kinderhändler zu sein. Was ist daran schlechter Stil, mutmassliche Kinderhändler in einem Atemzug mit Kinderhändlern zu nennen?

    Kann es sein, dass Ihnen die ethischen Perspektiven ein bisschen verrutscht sind?

    jetzt sitzen 10 naive amerikaner in haiti fest und haben mit ihrer - bestenfalls! - naiven aktion eine situation geschaffen, die komplizierter ist als die ausgangslage - statt zu helfen, wurde es nur schlimmer - und das in einem land, das echt keine zusätzlichen komplikationen braucht.

    "Diese Baptisten mögen naiv gehandelt haben. Aber im Gegensatz zu diversen Sprücheklopfern haben sie gehandelt!"

    Sie meinen das vermutlich auch noch ernst? Wenn Sie selbst sich als Sprücheklopfer einordnen - Sie waren doch nicht als Helfer in Haiti, oder etwa doch? - geht das ja in Ordnung. Aber aus Ihrem schlechten Gewissen solche Methoden gut zu heissen, wird Ihnen nicht weiter helfen.

    "Solche Leute mit Kinderhändlern, islamischen Terroristen oder gar mit Scientology in einem Atemzug zu nennen, das ist ganz schlechter Stil."

    Diese Leute stehen im Verdacht, Kinderhändler zu sein. Was ist daran schlechter Stil, mutmassliche Kinderhändler in einem Atemzug mit Kinderhändlern zu nennen?

    Kann es sein, dass Ihnen die ethischen Perspektiven ein bisschen verrutscht sind?

    jetzt sitzen 10 naive amerikaner in haiti fest und haben mit ihrer - bestenfalls! - naiven aktion eine situation geschaffen, die komplizierter ist als die ausgangslage - statt zu helfen, wurde es nur schlimmer - und das in einem land, das echt keine zusätzlichen komplikationen braucht.

  6. 6. ?

    "Diese Baptisten mögen naiv gehandelt haben. Aber im Gegensatz zu diversen Sprücheklopfern haben sie gehandelt!"

    Sie meinen das vermutlich auch noch ernst? Wenn Sie selbst sich als Sprücheklopfer einordnen - Sie waren doch nicht als Helfer in Haiti, oder etwa doch? - geht das ja in Ordnung. Aber aus Ihrem schlechten Gewissen solche Methoden gut zu heissen, wird Ihnen nicht weiter helfen.

    "Solche Leute mit Kinderhändlern, islamischen Terroristen oder gar mit Scientology in einem Atemzug zu nennen, das ist ganz schlechter Stil."

    Diese Leute stehen im Verdacht, Kinderhändler zu sein. Was ist daran schlechter Stil, mutmassliche Kinderhändler in einem Atemzug mit Kinderhändlern zu nennen?

    Kann es sein, dass Ihnen die ethischen Perspektiven ein bisschen verrutscht sind?

    Antwort auf "Oder angenommen"
    • nfb
    • 06.02.2010 um 2:59 Uhr

    Irak laufen diese Baptisten auch in Massen rum um die Bevölkerung zu bekehren, normalerweise darf man das ja nicht aber was soll man von Busch auch erwarten können.

  7. jetzt sitzen 10 naive amerikaner in haiti fest und haben mit ihrer - bestenfalls! - naiven aktion eine situation geschaffen, die komplizierter ist als die ausgangslage - statt zu helfen, wurde es nur schlimmer - und das in einem land, das echt keine zusätzlichen komplikationen braucht.

    Antwort auf "Oder angenommen"

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