Dubai-Affäre Mord an Hamas-Führer beschäftigt nun auch deutsche Behörden

Neue Details im Agentenkrimi: Der deutsche Pass, den einer der Mörder verwendete, war offenbar echt und wurde in Köln ausgestellt. Die dortige Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Mord an Mahmud al-Mabhuh, eines führenden Funktionärs der palästinensischen Hamas, beschäftigt nun auch die Kölner Staatsanwaltschaft. In Köln soll sich einer der mutmaßlichen Mörder mit gefälschter Identität einen Pass erschlichen haben. Im Frühsommer 2009 habe ein Mann namens Michael Bodenheimer den Pass beantragt. Er habe einen israelischen Pass von 2008 sowie die Heiratsurkunde seiner Eltern vorgelegt. Seine Familie habe deutsche Wurzeln, sie sei von den Nationalsozialisten verfolgt worden. Mit dem Pass reiste am 19. Januar einer der mutmaßlichen Mossad-Agenten nach Dubai ein.

In Köln lebt nach Spiegel-Recherchen unter der angegebenen Adresse kein Mann dieses Namens. Dagegen ist im israelischen Telefonbuch ein Michael Bodenheimer verzeichnet. Es handelt sich um einen Rabbiner aus dem Tel Aviver Vorort Bnei Brak. Der Mann wies jegliche Beteiligung an der Affäre zurück. Bodenheimer sagte der israelischen Zeitung Maariv, er habe niemals einen deutschen Pass beantragt. "Es ist wahr, dass meine Eltern in Deutschland geboren wurden, aber ich bin in den USA geboren und dort habe ich meinen Pass her", sagte Bodenheimer, der auch Leiter einer Religionsschule in der jüdischen Siedlung Kiriat Sefer im Westjordanland ist.

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Israels stellvertretender Außenminister Danny Ayalon vertrat am Wochenende derweil die Auffassung, die diplomatischen Beziehungen zwischen seinem Land und seinen europäischen Verbündeten blieben trotz des Falles solide: "Ich sehe keine Krise in den Beziehungen zu unseren europäischen Verbündeten voraus." Zugleich bekräftigte er, es gebe keinerlei Hinweise auf eine Verstrickung seines Landes in die Mordaktion. Über den Mordfall wollen mehrere Außenminister der EU am Montag am Rande eines Treffens in Brüssel mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman sprechen. Im Kreis der EU-Außenminister steht der Mord zwar nicht offiziell auf der Tagesordnung, doch könne keineswegs ausgeschlossen werden, dass darüber geredet werde, hieß es.

Die britische Sunday Times berichtete unterdessen, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu höchstpersönlich habe den Mord genehmigt. Der Premier habe sich dazu Anfang Januar mit dem Mossad-Chef Meir Dagan getroffen. Bei der Einsatzbesprechung seien auch Mitglieder des Mordkommandos dabei gewesen. Die Zeitung Gulf News schrieb unter Berufung auf Dubais Polizeichef Dahi Chalfan Tamimi, in den Mord sei auch ein Mitglied der Hamas verwickelt gewesen. Der Palästinenser habe Informationen über Al-Mabhuhs Aufenthaltsort an die Killer weitergegeben und bei der Verschwörung eine "bedeutende Rolle" gespielt.

Das Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), zu denen Dubai gehört, hat die Botschafter der europäischen Staaten einbestellt, aus denen sich die Mörder des Hamas-Funktionärs Mahmud al-Mabhuh Pässe beschafft hatten. Die Reisedokumente und Mobilfunkkarten der elf Angehörigen des Mordkomplotts stammen nach Erkenntnissen der Polizei in Dubai aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich und Irland.

Die staatliche Nachrichtenagentur der Emirate, WAM, meldete, der Staatsminister im Außenministerium, Anwas Kurkasch, habe den Diplomaten am Sonntag in Abu Dhabi erklärt, es sei sehr bedauerlich, dass es den Mördern gelungen sei, sich Pässe aus Staaten zu beschaffen, zu denen die VAE freundschaftliche Beziehungen unterhielten, weshalb die Bürger dieser EU-Staaten ohne Visum einreisen dürfen. Für die Regierung der Emirate sei es enorm wichtig, dass die Täter vor Gericht gestellt würden. Deshalb hofften sie weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit den Europäern, um die Ermittlungen voranzutreiben.

Mabhuh, der von Israel unter anderem für die Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten verantwortlich gemacht wird, wurde am 20. Januar in einem Luxushotel in Dubai ermordet aufgefunden. Die internationale Polizeibehörde Interpol leitete eine Fahndung nach elf Verdächtigen ein, die kurz vor der Tat mit britischen, irischen sowie einem deutschen und einen französischen Pass eingereist waren. Die Polizei des Golfemirats forderte einen Haftbefehl gegen Mossad-Chef Meir Dagan. Israel weist die Anschuldigungen zurück.

 
Leser-Kommentare
  1. Einer hatte einen deutschen Pass! Na toll! Bin sehr gespannt, was da passieren könnte, wenn die arabischen Behörden auch vor jeder Einreise ein ähnliches Prozedere- wie in Deutschland- auf ihren Ausländerbehörden einführen würden, sodass jeder Europäer ein Formular ausfüllen muss, um zu beweisen, dass er zu keiner Terrorgruppe gehört!!! Also eine Sicherheitsbefragung für Europäer!!!!! Es wird wirklich eine Erniedrigung sein.

    • Fifty4
    • 21.02.2010 um 20:09 Uhr

    Ich fordere ein Einreiseverbot für Israelis bis der Mord an dem Hamas-Führer aufgeklärt ist. Es ist eine Schande, wenn Frau Merkel betont, dass Deutschland mit Israel befreundet sei. Meine Freunde sind das nicht, ich habe kein Mörder Regime als Freunde.
    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Polemik. Die Redaktion /ft)

  2. Liebe Zeit, warum wird Fifty4 veröffentlicht.

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    auf freie Meinungsäußerung noch nicht abgeschafft ist.

    auf freie Meinungsäußerung noch nicht abgeschafft ist.

  3. 4. Hass?

    Wo bitte ist der Hass? Sie interpretieren ihn rein. Das sind die Totschlagargumente, wenn nichts anderes mehr einfällt.

    "Antisemitismus!" Mit der Keule kriegt man kaum Gegenwehr, möchte sich doch niemand damit abstempeln lassen und das ist keine Polemik.
    Einfach lächerlich.

    Würde die Hamas ein Killerkommando nach z.B. München in irgendein Hotel schicken, wo dann ein Israelischer Waffenlobbyist (ja, auch die gibt es!) ermordet wird, wäre "der Teufel los".

    Das ganze müsste lückenlos aufgeklärt werden, wird es aber niemals. Viel zu stark ist der Mossad und die dahinterstehende Regierung und viel zu stark die "Freundschaft" mit anderen Staaten. Siehe dazu meinen zweiten Absatz.

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    "Würde die Hamas ein Killerkommando nach z.B. München in irgendein Hotel schicken, wo dann ein Israelischer Waffenlobbyist (ja, auch die gibt es!) ermordet wird, wäre "der Teufel los"."

    Das haben die doch schon gemacht -- statt Waffenlobbyisten allerdings mit israelischen Olympiateilnehmern.

    "Würde die Hamas ein Killerkommando nach z.B. München in irgendein Hotel schicken, wo dann ein Israelischer Waffenlobbyist (ja, auch die gibt es!) ermordet wird, wäre "der Teufel los"."

    Das haben die doch schon gemacht -- statt Waffenlobbyisten allerdings mit israelischen Olympiateilnehmern.

  4. Der Mossad hat schon immer und überall gemordet, wo er es für richtig hielt und wen er eben als Mordopfer auserkoren hatte.
    Die Souveränität anderer Staaten spielte nie eine Rolle,
    die westlichen Staaten sahen bisher grosszügig darüber
    hinweg, auch wenn es um Morde an eigenen Staatsbürgern oder
    um Morde auf dem eigenen Staatsgebiet ging.
    Der Mossad wurde (und wird immer noch) sogar noch von den
    eigenen Diensten unterstützt, offensichtliche Verstöße des
    Mossad gegen Menschenrechte, Völkerrecht und die Souveränität anderer Staaten wurden nie zur Sprache gebracht.

    Das die Mord-Tätigkeit des Mossad jetzt, beim aktuellem Fall, nicht mehr wie früher selbstverständlich stillschweigend akzeptiert wird, macht Hoffnung.

    • wp
    • 21.02.2010 um 21:08 Uhr

    Der Mossad mordet wieder und Moral-Merkel wird beide Augen zudrücken. Wetten?

  5. Hallo
    Aus dem Text geht zum Teil bereits hervor das der Herr Mabhu alles andere als ein friedfertiges armes Opfer war, und wer immer ihn aus "dem Verkehr" gezogen hat, der wird seine Gründe gehabt haben.
    Der Herr Mabhu gehörte der Hamas an und die Hamas ist eine Terrororganisation die die das Recht herausnimmt zu töten wen immer sie als ihren Feind betrachtet. Und wer so etwas tut, der muss auch damit rechnen das es auf einen selber zurück schlägt.
    Gruss
    Rene

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    Besser kann man es nicht ausdrücken, wer an der Beschaffung von Präzisionsraketen beteiligt ist, wer einer Organisation angehört die den Mord als probates Mittel täglich einzusetzen gewillt ist. Wer die Zivilbevölkerung eines Landes massiv bedroht, der setzt sich zwangsläufig einer gewissen Gefahr aus und muss auch damit rechnen, dass er Feinde hat. Immer noch tarnt sich der Antisemitismus unter dem Deckmantel des Antizionismus. Keiner der hier auftretenden Hamasfreunde hat sich wohl beschwert , als Raketen auf Israel gefeuert wurden, egal auch die verschleppten und ermordeten Soldaten, man kann sich nur schwer auf ein Recht berufen, das man so fahrlässig missachtet. Wenn sie hier von Mörderregime Israel sprechen , dann sind wohl die Hamas und ihre Verwandten friedliche Freiheitskàmpfer in bester Ghandi Manier. Es ist doch interessant, dass sie nichts zu den terroristischen Aktivitàten der Hamas sagen. Wenn ein Nachbarland eine deutsche Großstadt mit Raketen bedrohen würde, würden sie die Situation sicherlich anders auslegen. Aber es sind ja nicht wir, es ist der jüdische Staat den hier so viele gerne verallgemeinernt als gesamtes Böses darstellen eine herrlich undifferenzierte Sicht in bester Nazimanier. Die Deutschen werden dem jüdischen Volk den Holocaust nie verzeihen, so einfach so wahr.

    Ehm:
    - Mord ist strafbar, wer auch immer ihn begeht.
    - Wer eine Straftat begeht, der muss in einem geregelten Strafprozess verurteilt werden und dann seine Strafe verbüßen. Selbstjustiz à la Mossad widerspricht jedem Rechtsstaatsgedanken.
    - Auch wenn Herr Mabhu ein Straftäter (Terrorist) sein sollte, gilt bei ihm immer noch das gleiche Recht.
    - Wo kommen wir hin, wenn wir unsere Grundsätze willkürlich außer Kraft setzen, weil es gerade einfacher ist, jemanden mit einem Killerkommando zu "eliminieren"?

    Besser kann man es nicht ausdrücken, wer an der Beschaffung von Präzisionsraketen beteiligt ist, wer einer Organisation angehört die den Mord als probates Mittel täglich einzusetzen gewillt ist. Wer die Zivilbevölkerung eines Landes massiv bedroht, der setzt sich zwangsläufig einer gewissen Gefahr aus und muss auch damit rechnen, dass er Feinde hat. Immer noch tarnt sich der Antisemitismus unter dem Deckmantel des Antizionismus. Keiner der hier auftretenden Hamasfreunde hat sich wohl beschwert , als Raketen auf Israel gefeuert wurden, egal auch die verschleppten und ermordeten Soldaten, man kann sich nur schwer auf ein Recht berufen, das man so fahrlässig missachtet. Wenn sie hier von Mörderregime Israel sprechen , dann sind wohl die Hamas und ihre Verwandten friedliche Freiheitskàmpfer in bester Ghandi Manier. Es ist doch interessant, dass sie nichts zu den terroristischen Aktivitàten der Hamas sagen. Wenn ein Nachbarland eine deutsche Großstadt mit Raketen bedrohen würde, würden sie die Situation sicherlich anders auslegen. Aber es sind ja nicht wir, es ist der jüdische Staat den hier so viele gerne verallgemeinernt als gesamtes Böses darstellen eine herrlich undifferenzierte Sicht in bester Nazimanier. Die Deutschen werden dem jüdischen Volk den Holocaust nie verzeihen, so einfach so wahr.

    Ehm:
    - Mord ist strafbar, wer auch immer ihn begeht.
    - Wer eine Straftat begeht, der muss in einem geregelten Strafprozess verurteilt werden und dann seine Strafe verbüßen. Selbstjustiz à la Mossad widerspricht jedem Rechtsstaatsgedanken.
    - Auch wenn Herr Mabhu ein Straftäter (Terrorist) sein sollte, gilt bei ihm immer noch das gleiche Recht.
    - Wo kommen wir hin, wenn wir unsere Grundsätze willkürlich außer Kraft setzen, weil es gerade einfacher ist, jemanden mit einem Killerkommando zu "eliminieren"?

  6. Wie Dumm oder wie Provokant ist der israelische Staat?
    Morgen sterben ihre Führer und die Begründung wird die gleiche sein! Wie steht es mit der Gefährlichkeit einiger Terrorbänker an der Wallstraße?

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