Nato Pentagon-Chef Gates lässt Frust über Europäer ab

Schwere Vorwürfe hat US-Verteidigungsminister Gates gegen die europäischen Nato-Partner erhoben. Sie schwächten das Bündnis und misstrauten dem Militär. Dies schade dem Frieden.

Prangert ein europäisches Misstrauen gegen das Militär an: US-Verteidigungsminister Robert Gates

Prangert ein europäisches Misstrauen gegen das Militär an: US-Verteidigungsminister Robert Gates

Deutliche Worte aus Washington: US-Verteidigungsminister Robert Gates hat den europäischen Nato-Verbündeten vorgeworfen, die Allianz durch unzureichende Rüstungsausgaben und allgemeine Vorbehalte gegen den Einsatz von Streitkräften zu schwächen. Die Probleme der Nato zeigten sich derzeit akut an dem fortwährenden Mangel an Helikoptern und Transportflugzeugen, der den Einsatz in Afghanistan erschwere, sagte Gates auf einem Nato-Strategieforum in Washington. Hinter der unzureichenden Ausstattung stünden "sehr ernste, langfristige und systematische Probleme", die das Bündnis schwächten.

Gates wurde grundsätzlich: Es gehe generell um das Misstrauen der Europäer gegen das Militär. "Die Entmilitarisierung von Europa, wo große Teile der Öffentlichkeit und der politischen Klasse den Einsatz von Militär und die einhergehenden Risiken scheuen, war im 20. Jahrhundert noch ein Segen", sagte er. "Im 21. Jahrhundert aber wird dies zu einem Hindernis für die Erlangung wirklicher Sicherheit und dauerhaften Friedens." Das schwache Bild, das die Nato abgebe, könnte gegnerische Staaten "zu Fehlkalkulationen und Aggressionen verleiten".

Anzeige

Der Minister zeigte sich frustriert über die seiner Absicht nach mangelnde Bereitschaft der europäischen Partner zur finanziellen Absicherung des Bündnisses. "Seit Jahren wissen wir schon, dass die Nato mehr Transportflugzeuge und mehr Helikopter benötigt, und trotzdem fehlen uns diese Ressourcen immer noch", kritisierte er. Die mangelhafte Ausstattung habe "direkte Auswirkungen auf den Einsatz in Afghanistan".

Obwohl das neue Jahr erst zwei Monate alt sei, fehlten der Nato jetzt schon mehrere hundert Millionen Euro. Das sei die Folge unterbliebener Investitionen in den vergangenen Jahren, kritisierte Gates. Nur fünf der 28 Nato-Staaten erfüllten das Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung auszugeben.

Ausdrücklich zufrieden zeigte sich der Minister mit der Bereitstellung von Soldaten für den Nato-Einsatz in Afghanistan. Die Alliierten müssten sich generell aber mehr bemühen, "harte Entscheidungen zu treffen", sagte er. Dies gelte auch für die bevorstehende Strukturreform, die das Bündnis effizienter und schlagkräftiger machen müsse.
 

 
Leser-Kommentare
    • Fifty4
    • 23.02.2010 um 17:52 Uhr

    Misstrauen gegenüber dem Militär ist immer angebracht. Das wussten schon die alten Griechen. Nicht ohne Grund werden sie in Deutschland nicht im Innern eingesetzt. Welchen Unfug besonders die amerikanischen Soldaten machen, kann man seit Jahren im Irak und Afghanistan bewundern. Mehr Geld sollten sie nur bekommen, wenn auch Erfolge vorzuweisen sind.

  1. ...findet sich doch keiner mehr bereit ihre Kriege in aller Welt mitzutragen..zu dumm fuer sie! Muessen sie eben alleine versuchen die Weltoelherrschaft aufrechtzuerhalten, sollen sie mal machen...die Chinesen werden sich schon bald melden!

    2011 ist wohl das letzte Jahr mit steigenden Militaerausgaben fuer die USA, alles weiter koennen die sich nicht mehr leisten.

    • farn
    • 23.02.2010 um 17:59 Uhr

    Wenn ich so etwas lese, bekomme ich gerade Lust, die Rüstungsausgaben zu verdoppeln, um sie postwendend in Raketenform zu Gates zu schicken - scharf!

    Sofern Amerika auf der ganzen Welt Soldaten haben will - sollen sie doch machen! Aber sie sollen sich nicht bei uns beschweren, dass ihnen dafür der Fuhrpark zu klein ist!

    "Die Entmilitarisierung von Europa, wo große Teile der Öffentlichkeit und der politischen Klasse den Einsatz von Militär und die einhergehenden Risiken scheuen, war im 20. Jahrhundert noch ein Segen. Im 21. Jahrhundert aber wird dies zu einem Hindernis für die Erlangung wirklicher Sicherheit und dauerhaften Friedens."
    - Ich möchte gerne wissen, wem bei solchen Aussagen nicht die Haare zu Berge stehen. Die Ansicht dieses Mannes von einer Welt in Frieden ist mir allzu martialisch.
    Nach zwei Weltkriegen und dem Kalten Krieg sollte man allmählich kapieren, dass Hochrüsten die Welt nicht sicherer macht.

    Daher: Werft bitte diesen Kriegstreiber aus dem Amt und gebt ihm die Geschichte Europas im 19. und 20. Jahrhundert zu lesen in der Hoffnung, dass in seiner Birne ein Licht aufgehen möge.

  2. Was wäre denn Herrn Gates lieber? Ein hochgerüstetes, kriegsgeiles Europa wie im 19.Jahrhundert?

    Das was hier bemängelt wird, ein friedliches, skeptisches Europa, ist eine Erungenschaft, kein Nachteil.

    Wenn wir die Amis damit beim Geld verdienen stören, ist mir das gerade mal egal.

  3. Er hat schon recht: Wenn sich ein Land an solch einem Einsatz beteiligt, dann soll es da auch konsequent tun. Wenn man sich das finanziell nicht leisten kann oder will, dann dann kann man's gleich lassen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Danke für ihre Logik !

    Danke für ihre Logik !

  4. Gates, ehemaliger Chef der CIA, führt uns vor Augen, dass der Iran momentan das kleinere Übel ist. Die USA haben Massenvernichtungswaffen in den Händen von Verrückten.
    Er betrachtet ein starkes Militär als Garant für Sicherheit und wahrscheinlich eine nordatlantische Militärdiktatur als Kirsche auf NATO-Sahnetorte.
    Sein Demokratieverständnis entspricht dem eines Pinochet, Somoza und Suharto.

    Das schwache Bild der NATO könnte noch schwächer sein, bis hin zur Nichtexistenz, was uns wesentlich mehr Sicherheit auf der Welt bescheren würde.

    MfG
    AoM

  5. ...so etwas wie ein 'new Pearl Harbor', um die europäische Bevölkerung zu 'sensibilisieren', nicht wahr, Herr Gates ?

    Im Inszenieren haben die Amerikaner ja beste Erfahrungen.

    Wie wär's mit ein paar Bömbchen in der Berliner U-Bahn ? London und Madrid hatten wir ja schon (Die Karawane zieht weiter).
    Danach noch knapp 10 Millionen Mal das Wort 'War on Terror und Osama Bin Laden' in den Massenmedien und schon klappts mit den europäischen Verteidigungshaushalten wieder.

    Notfalls kann er das ja dann im CIA Handbuch nachlesen.

    MfG

  6. Herr Gates spricht von Staaten, "die dazu verleitet werden, uns anzugreifen". Wen meint er denn damit? Schon der internationale Terrorismus ist, selbst nach Aussage von Kriegstreiber George W. Bush, nicht an bestimmten Staaten festzumachen. Auch sonst fühle ich meine Sicherheit nicht durch bestimmte Staaten bedroht (eher durch Verkehrsrowdies, Viren, Umweltverschmutzung). Der einzige ernstzunehmende Staat, der in letzter Zeit andere Staaten bedroht/erobert/annektiert hat, waren die USA im Irak.

    Ach, da fällt mir ein: Haben Bush, Cheney, Powell damals nicht etwas von Massenvernichtungswaffen geschwafelt? Und, wurden diese jemals gefunden?

    Schon damals gab es die Forderung der USA, die Verbündeten mögen bitte ihre Rüstungsausgaben erhöhen. Von solchen Kriegstreibern wie Bush & Co. konnte man auch nichts anderes erwarten. Dass aber ein Minister von Obama, dem Friedensnobelpreisträger(!), nun den gleichen Ton anschlägt, zeigt nur, dass die Amerikaner nichts aus der blutigen Geschichte der beiden vergangenen Jahrhunderte gelernt haben.

    Und dass die voreilige Verleihung des Nobelpreises ein Fehler war.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service