Einen "once in a lifetime evening " hatte der Moderator versprochen, einen Abend, wie es ihn im Leben nur einmal gebe. Und damit übertrieb er nur milde. Denn es war wahrlich eine illustre Runde, die sich da am Mittwochabend in der American Academy am Berliner Wannsee traf. Vier Amerikaner und drei Deutsche: die ehemaligen Außenminister George P. Shultz und Henry Kissinger, Ex-Verteidigungsminister William Perry und der frühere Senator Sam Nunn auf der einen Seite; Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker und Hans-Dietrich Genscher auf der anderen. Nur Egon Bahr, der achte im Bunde, fehlte krankheitshalber.

Wie sie da in den knarzenden braunen Ledersesseln in der Villa am See Platz nahmen, zusammengenommen geschätzte 350 Jahre Erfahrung in der Außen- und Sicherheitspolitik, da präsentierten sich diese "elder statesmen" ("Staatsmänner" wollte der 89 Jahre alte George Shultz gelten lassen, "ältere" passte ihm nicht!) in einer Gelassenheit und Altersweisheit, dass einem ganz warm ums Herz wurde: In diesen Händen müsste die Welt ein sicherer Ort sein!

Die atomare Abrüstung hat die acht zusammengeführt. Sie stehen im Zentrum einer wachsenden internationalen Bewegung für Global Zero, für das Ziel, die Atomwaffen in der Welt auf Null zu reduzieren. Shultz, Perry, Kissinger und Nunn hatten im Januar 2007 den Anstoß gegeben mit einem Artikel im Wall Street Journal. Ausgerechnet diese eisenharten Realpolitiker forderten ausgerechnet im Zentralorgan der konservativen Finanzelite eine "Welt ohne Nuklearwaffen". Seither hat die Debatte weltweit an Fahrt aufgenommen; die "Viererbande" der ehemaligen amerikanischen Kalten Krieger hat ihr Glaubwürdigkeit gegeben.

Die Zeit ist nicht auf unserer Seite. Die Dinge könnten uns entgleiten.
George Shultz, ehemaliger US-Außenminister

Es waren Schmidt, Weizsäcker, Genscher und Bahr, die von deutscher Seite aus im Januar 2009 mit einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ("Für eine atomwaffenfreie Welt") auf die Initiative antworteten. Mit ihrem Treffen in Berlin wollten sie der Debatte neuen Schwung verleihen. Und sie wollten ihr Anliegen den heute Regierenden nahebringen. Also trafen sie sich mit Kanzlerin Merkel, aßen mit Außenminister Westerwelle zu Mittag. Den Segen von Barack Obama haben sie schon länger. Der amerikanische Präsident hat sich in einer großen Rede in Prag schon im vergangenen April für eine Welt ohne Nuklearwaffen ausgesprochen.

Und die Zeit drängt. "Die Verbreitung nuklearer Waffen ist die größte Gefahr, vor der die Welt heute steht", sagte Henry Kissinger, der in der American Academy als erster das Wort ergriff. Gehe die Entwicklung weiter wie bisher, dann werde ein Nuklearkrieg "unausweichlich".

Seit Abschluss des Nichtverbreitungsvertrages im Jahr 1967 sind zu den fünf damals existierenden Atommächten (USA, Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und China) drei weitere hinzugekommen: Israel, Indien, Pakistan. Nordkorea hat zwei Atomwaffen getestet und verfügt schätzungsweise über ein halbes Dutzend Sprengköpfe. Iran bastelt an der Bombe. Was aber den Sicherheitspolitikern die größte Sorge bereitet: Dass sich auf dem Schwarzmarkt für atomwaffenfähiges Material der internationale Terrorismus bedienen könnte. Gegen al-Qaida funktioniert das Prinzip der gegenseitigen Abschreckung nicht.