Präsidentschaftswahl Ukraine Janukowitsch kehrt zurück an die Macht
Das Comeback des einst entmachteten Viktor Janukowitsch ist perfekt. Nach einem spannenden Wahlkampf unterliegt Julia Timoschenko aus dem Reformlager.
Die Ukraine hat in einer Stichwahl über ihren Präsidenten entschieden. Kurz nach Schließung der Wahllokale meldete der TV-Sender ICTV in Kiew auf der Grundlage von Wählerbefragungen, dass der pro-russische Oppositionsführer Viktor Janukowitsch aus der Stichwahl knapp als Sieger hervorgegangen sei. Der 59-Jährige kam diesen Prognosen zufolge auf 49,8 Prozent der Stimmen. Janukowitsch lag auch in zwei weiteren Umfagen, für die Wähler beim Verlassen der Wahllokale befragt wurden, um drei bis fünf Prozent vor Ministerpräsidentin Julia Timoschenko.
Noch vor fünf Jahren wurde der NATO-Gegner Janukowitsch beim Sieg der prowestlichen Demokratiebewegung auch vom Westen als Wahlfälscher verdammt. Nun zwang der 59-Jährige in einem echten Wahlkrimi die Heldin der Revolution von 2004, die prowestliche Regierungschefin Julia Timoschenko, in die Knie – wie zuvor in der ersten Runde den russlandkritischen Amtsinhaber Viktor Juschtschenko. Dass in der krisengeschüttelten Ukraine nun aber alles ganz schnell ganz anders wird, glaubt keiner. Janukowitschs Vorsprung war denkbar knapp.
Auch wenn beide Kontrahenten sich gegenseitig Wahlmanipulationen vorwarfen, so lobten Wahlbeobachter doch den weitgehend ordnungsgemäßen Ablauf. Auch die Europäische Union dürfte nun aufatmen, weil das für sie wichtigste Transitland künftig zuverlässiger russisches Gas weiterleiten will.
Ukrainische Kommentatoren mokierten sich aber schon seit langem darüber, dass die Wähler in der Ex-Sowjetrepublik eigentlich nur "zwischen zwei Grundübeln, zwischen Pech und Schwefel" wählen konnten. Das Land mit rund 46 Millionen Einwohnern leidet seit Jahren darunter, dass immer dieselben politischen Akteure auf dem Karussell der Macht sitzen. Zudem sind die Machtbefugnisse in Kiew zwischen Präsident und Regierungschef durch die umstrittene Verfassung so konfus geregelt, dass Streit programmiert ist.
Die machtbewusste Timoschenko bleibt als Regierungschefin im Amt. Und sie wird nach Einschätzung von Beobachtern keine Gelegenheit auslassen, dem Präsidenten das Leben zur Hölle zu machen. Dass es
aber zu einem "zweiten Maidan" – zu Massendemonstrationen wie 2004 auf dem Kiewer Platz der Unabhängigkeit – kommt, galt als ausgeschlossen.
Vielmehr hat sich der Drittplatzierte der ersten Runde der Präsidentenwahl Mitte Januar, der schwerreiche Bankier Sergej Tigipko, als Alternative und Regierungschef angedient. Auch der Westen befürwortet diesen Führungswechsel. Ob sich Timoschenko in die Oppositionsrolle drängen lässt, ist aber fraglich. Die Verhältnisse im ukrainischen Parlament sind so kompliziert, dass auf die Wähler weiter lange Grabenkämpfe zukommen. Die ersehnte Stabilität und der Anti-Korruptions-Kampf dürften weiter auf sich wartenlassen.
Das Land kämpft mit fallendem Lohnniveau, etwa zehn Prozent Arbeitslosigkeit, hoher Inflation von mehr als zehn Prozent und drastischer Abwertung der Nationalwährung Griwna. Der Durchschnittslohn lag Ende 2009 bei 2000 Griwna (rund 170 Euro). Das zunächst mit einem Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds IWF vor dem Staatsbankrott gerettete Land steckt in der schwersten Krise seit dem Zerfall der Sowjetunion vor 20 Jahren.
Große Sprünge wird sich der neue ukrainische Präsident, dessen Land 2012 mit Polen die Fußball-Europameisterschaft austragen will, nicht erlauben können. Der IWF forderte als Gegenleistung für die Auszahlung der letzten Tranche des 16,4-Milliarden-Dollar-Pakets (11,9 Mrd Euro) etwa die Senkung der Sozialausgaben, die Erhöhung von Gaspreisen für die Bevölkerung sowie eine Begrenzung des Haushaltsdefizits auf vier Prozent.
Hinzu kommt, dass das Land weiter tief gespalten ist: in einen in die EU strebenden Westteil und einen Ost- und Südteil mit starken russischen Traditionen. Janukowitsch galt bisher nicht als Politiker mit einer einigenden Wirkung. Dass er Russisch wieder als zweite offizielle Sprache zulassen und mit Moskau etwa über die längere Stationierung der Schwarzmeerflotte auf der ukrainischen Halbinsel Krim über 2017 hinaus verhandeln will, hören die Nationalisten im Westen nicht gern. Timoschenko kündigte schon am Wahltag Rache an.
- Datum 07.02.2010 - 19:59 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, reuters, dpa
- Kommentare 9
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... genug, dass überhaupt jemand scharf darauf ist, dieses desolate Gebilde zu regieren.
Aber Spass bei Seite:
Kein Regierungschef kommt daran vorbei, sich allein schon aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus um das Verhältnis zum Westen zu bemühen.
Genau so wenig kann man aber mit dem Nachbarn im Norden im Dauerstreit liegen.
Vielleicht trägt das Wahlergebnis ein bisschen dazu bei, dass alle Seiten sich etwas mehr den raelitäten stellen.
"Seltsam genug, dass überhaupt jemand scharf darauf ist, dieses desolate Gebilde zu regieren."
Seltsam? Mitnichten ... auch in Zeiten der Wirtschaftskrise ist das immer noch einer der lukrativsten Jobs der Welt. Kaum irgendwo auf der Welt sind die staatlichen Institutionen derart ausgehöhlt und von Partikularinteressen kolonisiert wie hier.
Es geht nicht darum, "dieses desolate Gebilder zu regieren", sondern darum, die Kuh irgendwie am Leben zu halten, solange sie genug Milch gibt.
"Seltsam genug, dass überhaupt jemand scharf darauf ist, dieses desolate Gebilde zu regieren."
Seltsam? Mitnichten ... auch in Zeiten der Wirtschaftskrise ist das immer noch einer der lukrativsten Jobs der Welt. Kaum irgendwo auf der Welt sind die staatlichen Institutionen derart ausgehöhlt und von Partikularinteressen kolonisiert wie hier.
Es geht nicht darum, "dieses desolate Gebilder zu regieren", sondern darum, die Kuh irgendwie am Leben zu halten, solange sie genug Milch gibt.
"Auch die Europäische Union dürfte nun aufatmen, weil das für sie wichtigste Transitland künftig zuverlässiger russisches Gas weiterleiten will." Es kann man echt schwer nachvolziehen! Ist es Gas Alles was EU braucht? Is es nicht traurig das jezt kann Ukraine von westen wegdrehen.. Ist es nich wichtig möglichst freundliches Nachbarn zu haben..Und Russen spielen schon seit langem ein Spiel mit EU und versucht es zu spalten... Also echt traurig das solche Ideen immer offters in Der Zeit kommt. Wo sind die Werten der EU und der Zeit-journalisten!!!!!!!!?????
Leider ja. Was hat die Ukraine denn ausser die Transitpipelines? Die Ukraine ist ein Importland. Kaum etwas kommt aus der Ukraine in die EU. Etwas Stahl, sonst kaum etwas. Die Strukturen sind noch immer fast die gleichen wie vor 20 Jahren, ein Land ausgerichtet der Sowjetunion zu dienen. Darum gehen die meisten Geschäftsbeziehungen auch heute noch Richtung Russland.
Das wird sich auch in den nächsten Jahren kaum ändern, schon gar nicht unter dem Profffessor. Es sei denn er erweist sich als Pragmatiker. Meine Frau (sie kommt aus dem Poltava Oblast) hat schon über mich gelacht als ich das sagte!! ;-)
Es kann nur besser werden! Fragt sich nur wann?
Hast du e-mail?
Leider ja. Was hat die Ukraine denn ausser die Transitpipelines? Die Ukraine ist ein Importland. Kaum etwas kommt aus der Ukraine in die EU. Etwas Stahl, sonst kaum etwas. Die Strukturen sind noch immer fast die gleichen wie vor 20 Jahren, ein Land ausgerichtet der Sowjetunion zu dienen. Darum gehen die meisten Geschäftsbeziehungen auch heute noch Richtung Russland.
Das wird sich auch in den nächsten Jahren kaum ändern, schon gar nicht unter dem Profffessor. Es sei denn er erweist sich als Pragmatiker. Meine Frau (sie kommt aus dem Poltava Oblast) hat schon über mich gelacht als ich das sagte!! ;-)
Es kann nur besser werden! Fragt sich nur wann?
Hast du e-mail?
Leider ja. Was hat die Ukraine denn ausser die Transitpipelines? Die Ukraine ist ein Importland. Kaum etwas kommt aus der Ukraine in die EU. Etwas Stahl, sonst kaum etwas. Die Strukturen sind noch immer fast die gleichen wie vor 20 Jahren, ein Land ausgerichtet der Sowjetunion zu dienen. Darum gehen die meisten Geschäftsbeziehungen auch heute noch Richtung Russland.
Das wird sich auch in den nächsten Jahren kaum ändern, schon gar nicht unter dem Profffessor. Es sei denn er erweist sich als Pragmatiker. Meine Frau (sie kommt aus dem Poltava Oblast) hat schon über mich gelacht als ich das sagte!! ;-)
Es kann nur besser werden! Fragt sich nur wann?
Hast du e-mail?
"Seltsam genug, dass überhaupt jemand scharf darauf ist, dieses desolate Gebilde zu regieren."
Seltsam? Mitnichten ... auch in Zeiten der Wirtschaftskrise ist das immer noch einer der lukrativsten Jobs der Welt. Kaum irgendwo auf der Welt sind die staatlichen Institutionen derart ausgehöhlt und von Partikularinteressen kolonisiert wie hier.
Es geht nicht darum, "dieses desolate Gebilder zu regieren", sondern darum, die Kuh irgendwie am Leben zu halten, solange sie genug Milch gibt.
Habe als privat Nachricht geschikt.
Liebe Grüße
Was ich in westlicher Presse nicht verstehe, ist diese Blockbildung in prowestliche Westukraine und prorussische Ost- und Südukraine. Das bildet überhaupt nicht die Realität in der Ukraine ab. Westukraine ist eine Hochburg von Neonazis. Es ist Ostdeutschland der Ukraine. Westukraine ist nur antirussisch, antipolnisch, antijüdisch aber keineswegs prowestlich. Und in der Ostukraine gibt es genauso viele Menschen die einen EU-Beitritt anstreben, da kann man keinen Unterschied zwischen Ost und West feststellen. Einziger auffallender Unterschied ist nur die größere Anzahl von rechtsradikalen in der Westukraine, ansonsten ist das Land gar nicht so gespalten wie es hier oft dargestellt wird.
Endlich hat die Ukraine die Chance, sich vom chaotischen "Regieren" der beiden orangen Hasardeure zu erholen.
Nachdem Juschtschenko schon im ersten Wahlgang politisch pulverisiert wurde, hat nun auch die korrupte Timoschenko den Griff nach der Macht verpasst.
Zwar ist Janukowitsch wohl nicht weniger korrupt als die blonde Julia, aber er ist politisch weniger fanatisch und hinter ihm stehen die wirtschaftlich maßgeblichen Oligarchen aus dem Osten. Gegen die geht auf Dauer gar nichts. Eine Tatsache, gegen die sich die "Maidan-Helden" 5 Jahre lang vergeblich gestemmt und darüber das Land vollends ruiniert haben.
Falls es nun Janukowitsch gelingt, Timoschenkos Wirken einzudämmen oder noch besser zu beenden, kann es mittelfristig wieder aufwärts gehen mit der Ukraine.
Der Westen des Landes hat außer irrationalem Nationalismus ohnehin kaum etwas beizutragen, also muss es der Donbas richten. Das bedeutet, Wiederherstellung der existenziell wichtigen Beziehungen zu Russland, Schluss mit den gefährlichen NATO-Spielereien, Gesundung der Wirtschaft, Ende der Diskriminierung des russischsprachigen Bevölkerungsteils usw.
Es gibt viel zu tun.
Sollte es auch Janukowitsch nicht gelingen, einen weiteren Absturz des Landes zu verhindern, rückt die Spaltung des Landes als Zukunftsoption immer näher. Das hätte aber unabsehbare Konsequenzen...
In vielen Ländern der ehemaligen UdSSR wird die russische Bevölkerung diskriminiert, als Beispiele fallen mir da die baltische Länder ein. Mir sind aber keine Diskriminierung der Russen in der Ukraine bekannt. Juschenko hält zwar oft rechtsradikale Reden, auch die Taten waren oft zweifelhaft. Es ist natürlich schwer nachzuvollziehen, wie man aus Bandera einen Freiheitskämpfer sehen kann. Nicht dass der Mann nicht nur mit Nazideutschland zusammenarbeiten wollte, der hat auch eigenständig Russen, Polen, Ungarn, Juden vertrieben und umgebracht. Was das mit Freiheitsbewegung zu tun hat, das muss Juschenko erstmal erklären. Aber ich kenne keinen Fall, wo Juschenko auf die dort lebende russische Bevölkerung abgesehen hat.
In vielen Ländern der ehemaligen UdSSR wird die russische Bevölkerung diskriminiert, als Beispiele fallen mir da die baltische Länder ein. Mir sind aber keine Diskriminierung der Russen in der Ukraine bekannt. Juschenko hält zwar oft rechtsradikale Reden, auch die Taten waren oft zweifelhaft. Es ist natürlich schwer nachzuvollziehen, wie man aus Bandera einen Freiheitskämpfer sehen kann. Nicht dass der Mann nicht nur mit Nazideutschland zusammenarbeiten wollte, der hat auch eigenständig Russen, Polen, Ungarn, Juden vertrieben und umgebracht. Was das mit Freiheitsbewegung zu tun hat, das muss Juschenko erstmal erklären. Aber ich kenne keinen Fall, wo Juschenko auf die dort lebende russische Bevölkerung abgesehen hat.
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