Die Münchner Sicherheitskonferenz ist streckenweise eine Aneinanderreihung offizieller Statements, daheim von den Referenten vorbereitetet und mit der Aktenlage abgeglichen. Manchmal aber ist die Konferenz für eine Überraschung gut, aus der auch der abgebrühte Politiker lernen kann. Diesmal geht der Erste Preis für "Jetzt wissen wir's" an den iranischen Außenminister Manuschehr Mottaki, der eigentlich sofort zurück treten müsste – so heftig ist er von seinem Präsidenten Achmadineschad desavouiert worden.

Oder so: Was der Außenminister sagt, gilt nur 24 Stunden. Mottaki war nach München gekommen, um Agitprop vor elitärem Publikum zu betreiben. Vergangene Woche nämlich hatte Teheran sozusagen Weichspüler in die Uran-Anreicherungszentrifugen gespeist. Ja, man wolle nun doch – vielleicht, eventuell – Uran für den Teheraner Forschungsreaktor zur Anreicherung außer Landes schaffen, just, was das Regime im Oktober scheinbar angeboten, aber dann wieder zurückgezogen hatte.

Auf hastig anberaumten Nachtsitzung der Konferenz verkündete Mottaki mit weicher Stimme und milden Lächeln: "Wir haben keine nuklearen Ambitionen. Wir wollen Kernenergie nur friedlich nutzen." Also, so der Minister, habe sein Chef drei Tage zuvor angeboten, leicht angereichertes Uran (3,5 Prozent, allein für die Energie-Erzeugung zu gebrauchen) ins Ausland zu schaffen, etwa 1200 Kilo, um es von dort in höher angereicherter Form (20 Prozent) zurück zu importieren. Dies für den Teheraner Forschungsreaktor, der allein der Herstellung medizinischer Güter diene. Wann das sein würde? Das sagte er zwei Stunden lang nicht, obwohl ihn sein Gesprächspartner, der schwedische Außenminister Carl Bildt, immer wieder drängte, konkret zu werden.

Tags drauf höhnte der ehemalige saudische Geheimdienstchef, Prinz Turki: "Geschwätzigkeit ist eine persische Erfindung." Mottaki spielte auf der Bühne so hartnäckig auf Zeit wie Irans Diplomaten auf der größeren Weltbühne. Im Oktober hatten sie in Genf dem Austausch zugestimmt. Dann wurde das Angebot nicht einfach zurück gezogen. Die Teheraner behaupteten schlicht steif und fest, nie eine solche Konzession unterbreitet zu haben. Vergangene Woche hieß es aber wieder: Vielleicht machen wir's doch. In dieser Situation kam Mottaki nach München, um, wie er die Süddeutschen Zeitung wissen ließ, eine "Atmosphäre des Vertrauens" zu schaffen. Deshalb das "grundsätzliche Einverständnis" zum Austausch. Der Sinn der Operation, aus westlicher Sicht: Was als niedrig angereichertes Uran ins Ausland verbracht wird, kann logischerweise nicht daheim auf Waffenstärke angereichert werden.

Das gilt ab sofort nicht mehr. "Fangen Sie damit (mit der Anreicherung auf 20 Prozent) an", befahl Achmadineschad dem Chef der Iranischen Atomenergiebehörde. Der deutsche Außenminister Westerwelle behält also Recht mit seinem Spruch auf der Münchner Konferenz: Unsere "ausgestreckte Hand" greife "ins Leere."

Man darf annehmen, dass dieses Spiel weiter gehen wird. Ein halber Schritt nach vorn, einer zurück. Wird es härtere Sanktionen geben? Der chinesische Außenminister sagte dazu zum Beginn der Konferenz, sein Land glaube an "Dialog" und an die "friedliche Lösung" aller Konflikte mit dem Iran. Der iranische Außenminister aber wird etwas engeren Kontakt mit der Hauptstadt halten müssen, damit er nicht abermals andeutet, was sein Chef tags drauf konterkariert.