Atomstreit mit Iran Ahmadineschad überrascht mit neuem Atom-Angebot

Bewegung im Atomstreit: Irans Präsident erklärte, das iranische Uran könne im Ausland angereichert werden. Doch das Angebot könnte auch eine Finte sein.

Bietet er einen Kompromiss oder verzögert er die Verhandlungen? Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad

Bietet er einen Kompromiss oder verzögert er die Verhandlungen? Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad

Der iranische Präsident klang, als sei alles ganz einfach. Die Urananreicherung im Ausland, zu der die westlichen Verhandlungspartner und Russland seit Jahren drängen, sei ohne Weiteres möglich. Es müsse nur ein entsprechender Vertrag abgeschlossen werden, dann könne das iranische Uran von 3,5 auf atomkraftfähige 20 Prozent angereichert werden. "Damit gibt es wirklich kein Problem", sagte er in die Kameras des iranischen Fernsehens.

Im seit 2003 andauernden Atomstreit mit Iran ist die Frage nach angereicherten Uran zentral. Der Westen verdächtigt die Islamische Republik, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten. Um die herzustellen, braucht man bis auf 85 Prozent angereichertes Uran. Hierfür wiederum benötigt man Zentrifugen, die Iran seit Jahren in großer Zahl baut und betreibt. In der Stadt Natanz sollen nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA inzwischen 8.000 Stück laufen.

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Es ist also von Bedeutung, wenn Irans Präsident nun beiläufig behauptet, die Urananreicherung im Ausland sei "kein Problem". Denn wenn das stimmt, wäre der Atomstreit einer Lösung nahe.

Allerdings hat Iran Verhandlungen mit angekündigten oder scheinbaren Zugeständnissen immer wieder verzögert. Denn das Land besitzt zwar Uran, für den Bau einer Atomwaffe aber bräuchte es einen anderen Faktor noch viel dringender: Zeit. Einige Jahre nur, um ein Raketenträgersystem zu entwickeln. Einige Jahre, um genügend Uran anzureichern. Dann wäre die atomare Bewaffnung Irans unumkehrbar. Eben hat Iran hat eine neue, im eigenen Land gebaute Satelliten-Trägerrakete vom Typ Kawoschgar 3 getestet.

Andererseits gibt es auch genügend rationale Gründe, die aus Sicht Irans für die Suche nach einem Kompromiss mit der Weltgemeinschaft sprechen. Die UN-Sanktionen schwächen die einheimische Wirtschaft, es gibt kaum Treibstoff, das Land ist dringend auf Auslandsinvestitionen angewiesen. Russland und China, die die Islamische Republik bisher im Sicherheitsrat in Schutz nahmen, könnten in Iran irgendwann eine Bedrohung sehen. Und was außer Prestige hätte Iran von der Atomwaffe? Wahrscheinlich ein von den USA gerüstetes, ebenfalls atomar bewaffnetes Saudi-Arabien in seiner Nähe. Bei dem strategischen Potenzial, dass das Land schon heute besitzt – es könnte mit der Sperrung des Persischen Golfs den weltweiten Ölhandel fast zum Erliegen bringen – braucht es eigentlich keine Atomwaffe.

Die US-Regierung verhält sich einstweilen zurückhaltend. "Wenn der Iran etwas Neues zu sagen hat, sind wir bereit, zuzuhören", sagte ein Regierungsbeamter dem US-Onlinemagazin Politico.com. "Wenn Herrn Ahmadineschads Kommentare eine aktualisierte Position widerspiegeln, freuen wir uns darauf, wenn er die (Internationale Atomenergiebehörde) IAEA darüber informiert", sagte Mike Hammer, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat zurückhaltend reagiert. Er forderte das Land auf, seine Ankündigung zu untermauern. "Wir werden den Iran nicht an seinen Worten messen, sondern an seinen Taten", sagte Westerwelle. "Es ist am Iran, das Ende seiner Verweigerungshaltung mit Fakten zu unterlegen." Die internationale Gemeinschaft werde nur bei einer ernsthaften Rückkehr des Iran zu Verhandlungen auf weitere Maßnahmen und Sanktionen verzichten.

Die Verbündeten wissen, was dieser kleine Nebensatz bedeuten kann, den Ahmadineschad in dem Interview einflocht. "Wir sind nicht dagegen, unser niedrig angereichertes Uran ins Ausland zu senden, weil wir jederzeit das niedrig angereicherte Uran wieder im Iran produzieren können." Der iranische Präsident hat darauf geachtet, den politischen Spielraum zu behalten, das Angebot bei Bedarf gleich wieder zurückziehen zu können. Ähnlich das iranische Außenministerium: Man sei bereit für den Brennstoffaustausch, hieß es dort. Allerdings müssten die Bedingungen des Landes erfüllt werden. Schließlich sei die eigene Urananreicherung das Recht Irans.

Die Frage ist: Will Iran wirklich einlenken? Oder schindet die Regierung ein weiteres Mal Zeit? Ahmadineschad hat noch im Dezember 2009 alle Verhandlungen über das iranische Atomprogramm für beendet erklärt. Brüsk wies er damals jenen Verhandlungspunkt zurück, den er jetzt selbst wieder ins Spiel bringt: Die Anreicherung iranischen Urans im Ausland.

 
Leser-Kommentare
  1. Und das Spielchen geht in die nächsten Runde. Merken denn die Herrschaften hierzulande nicht, dass Herr A. sie an der Nase herumführt? Das Affentheater dient doch lediglich dazu, vom Abschlachten der Opposition und den massiven innenpolitischen Problemen abzulenken. Mit Terroristen und Diktaturen sollte man nicht verhandeln. Das sollte doch endlich hier verstanden sein.

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    ...und mit wem kann man dann verhandeln? Alle platt machen? Gerade bei den "Terroristen" versucht das Amerika und Israel und Russland und wer weiß noch, doch schon ewig. Die wachsen, auch Dank der Gewalt, schneller nach als man sie erwischt.

    Und den Iran anzugreifen wäre Wahnsinn, nicht nur dass das die Opposition zu einem Burgfrieden zwingen würde und deren Arbeit um Jahrzehnte zurückwerfen, der Iran ist auch alles andere als der wehrlose Primitivlingsstaat, als der er gerne dargestellt wird.

    Auch hat der Iran, Diktatur oder nicht, ein Recht auf Atomwaffen, so wie alle anderen Länder auch. Taliban-Pakistan hat schliesslich auch welche, ohne dass deswegen jetzt Heerscharen an Atomterroristen durch die Lande ziehen.

    ...und mit wem kann man dann verhandeln? Alle platt machen? Gerade bei den "Terroristen" versucht das Amerika und Israel und Russland und wer weiß noch, doch schon ewig. Die wachsen, auch Dank der Gewalt, schneller nach als man sie erwischt.

    Und den Iran anzugreifen wäre Wahnsinn, nicht nur dass das die Opposition zu einem Burgfrieden zwingen würde und deren Arbeit um Jahrzehnte zurückwerfen, der Iran ist auch alles andere als der wehrlose Primitivlingsstaat, als der er gerne dargestellt wird.

    Auch hat der Iran, Diktatur oder nicht, ein Recht auf Atomwaffen, so wie alle anderen Länder auch. Taliban-Pakistan hat schliesslich auch welche, ohne dass deswegen jetzt Heerscharen an Atomterroristen durch die Lande ziehen.

  2. Es ist klar, dass Ahmadineschad jetzt reagiert. Obama muss jetzt auch mit dem Mittel der sog. Letzten Frist arbeiten. Danach lassen wir(?) dann den IRAN am ausgestreckten Arm verhungern.

    Schert China und Russland aus der Front aus, dann hat Obama hier auch entsprechende Druckmittel anzuwenden. Dann kommt es eben zu einer Einfuhrsperre von Chinawaren.

    Irgendwann muss klar sein, das die USA auf diesem "verkrachten" Planeten eine Supermacht ist (12 Billionen $ BSP), weil wir sonst in globale Anarchie.

    Bei diesem Modell ist es auch richtig, regionale Konflikte auch regional lösen zu lassen durch betroffene Staaten. Die USA müssen sich auf die großen Konflikte konzentrieren - und dazu gehört auch der Palästina-Konflikt, in den sich der Schiitische IRAN zum Ärger der sunnitischen Araber häßlich einmischt.

  3. .
    Alles eine Frage des Standpunkts. Und der Medienpropaganda. Beidseitig!

    Und in Erinnerung an den Irak:

    Wer von uns weiß schon etwas Genaues über die geheimen Angriffspläne der USA auf den Iran?

    Oder über die der Israelis?

    Die Bush-Doktrin ist nach wie vor in den Köpfen des AIPAC...

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    • joG
    • 03.02.2010 um 9:53 Uhr

    ...zu wollen, dass das Militär keine Pläne macht, wo ein Einsatz sich abzeichnet. Und im Iran zeichnet sich eindeutig die Möglichkeit ab, dass die "alternativlosen" Verhandlungen der Kanzlerin, wie jeder ja immer erwartete und wovor Bush gewarnt hatte, scheitern. Sie waren ja auch idiotisch angelegt und wurden unprofessionell grob fahrlässig geführt.
    Wenn nun es zunehmend wahrscheinlich scheint und ein Einmarsch notwendig wird, so ist dieser leichtfertige Umgang mit der Verhandlungsführung ein gut Teil schuld. Da soll man sich an die eigene Nase langen und seine Politiker zur Verantwortung ziehen. Klagen sollte man aber nur die eigene Inkompetenz. Man wurde gewarnt und hat die Warnungen in den Wind geschlagen. Soll noch eine Pflichtverletzung dazu kommen? Da muss man doch Pläne machen. Oder wollen Sie ihre Buben in einen unvorbereiteten Krieg schicken?!

    • joG
    • 03.02.2010 um 9:53 Uhr

    ...zu wollen, dass das Militär keine Pläne macht, wo ein Einsatz sich abzeichnet. Und im Iran zeichnet sich eindeutig die Möglichkeit ab, dass die "alternativlosen" Verhandlungen der Kanzlerin, wie jeder ja immer erwartete und wovor Bush gewarnt hatte, scheitern. Sie waren ja auch idiotisch angelegt und wurden unprofessionell grob fahrlässig geführt.
    Wenn nun es zunehmend wahrscheinlich scheint und ein Einmarsch notwendig wird, so ist dieser leichtfertige Umgang mit der Verhandlungsführung ein gut Teil schuld. Da soll man sich an die eigene Nase langen und seine Politiker zur Verantwortung ziehen. Klagen sollte man aber nur die eigene Inkompetenz. Man wurde gewarnt und hat die Warnungen in den Wind geschlagen. Soll noch eine Pflichtverletzung dazu kommen? Da muss man doch Pläne machen. Oder wollen Sie ihre Buben in einen unvorbereiteten Krieg schicken?!

  4. Der Iran hat zentral gelegene Wüsten und könnte seinen gesamten Strom sauber durch Solarthermie beziehen - ganz sicher würden die westlichen Nationen nichts dagegen haben und den Iran bei Planung und Aufbau unterstützen.

    Allein daran zeigt sich, dass es dem Verrückten um mehr geht, als friedliche Stromerzeugung!

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    Wieso Atommacht?
    Die USA hat zentral gelegene Wüsten und könnte einen Großteil seines Stromes sauber durch Solarthermie beziehen - ganz sicher würden die westlichen Nationen nichts dagegen haben.
    Planung und Aufbau werden sogar schon unterstützt.
    ;)

    Allein daran zeigt sich, dass es den Verrückten um mehr geht, als um Frieden.

    Gruß Max Stockhaus

    Da stimme ich Ihnen zu. Atomkraft ist keine ernsthafte Perspektive zur kurzfristigen Lösung der Energieprobleme des Landes. Es müssten 10 Atomkraftwerke gebaut werden, um einen bedeutenden Anteil Atomenergie im Mix zu haben. Derzeitig läuft nicht mal Busher. Ein größeres Potential bestünde in der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie und vor allen Dingen auf Seiten der Steigerung der Energieeffizienz. Die Gebäude werden elektrisch beheizt und der Fuhrpark besteht aus Benzinschleudern, weil Benzin immer subventioniert war. Das sind die waren Ursachen der Energieproblematik.

    Wieso Atommacht?
    Die USA hat zentral gelegene Wüsten und könnte einen Großteil seines Stromes sauber durch Solarthermie beziehen - ganz sicher würden die westlichen Nationen nichts dagegen haben.
    Planung und Aufbau werden sogar schon unterstützt.
    ;)

    Allein daran zeigt sich, dass es den Verrückten um mehr geht, als um Frieden.

    Gruß Max Stockhaus

    Da stimme ich Ihnen zu. Atomkraft ist keine ernsthafte Perspektive zur kurzfristigen Lösung der Energieprobleme des Landes. Es müssten 10 Atomkraftwerke gebaut werden, um einen bedeutenden Anteil Atomenergie im Mix zu haben. Derzeitig läuft nicht mal Busher. Ein größeres Potential bestünde in der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie und vor allen Dingen auf Seiten der Steigerung der Energieeffizienz. Die Gebäude werden elektrisch beheizt und der Fuhrpark besteht aus Benzinschleudern, weil Benzin immer subventioniert war. Das sind die waren Ursachen der Energieproblematik.

    • kkr
    • 03.02.2010 um 9:31 Uhr

    Ahmadineschad versucht wieder einmal mit einem rhetorischen Manöver die Fronten zum schwanken zu bringen, um drei Tage später wieder alles zu relativieren.

    Mit einer Regierung die Oppositionelle nach Schauprozessen hinrichtet, ist verhandeln nur Polittheater. Vielleicht sollte Westerwelle dort auftreten, um die Bühne angemessen auszustaffieren.

    Iran strebt nach der Atombombe und sucht die Konfrontation, eine andere Politik ist erst nach einem Regimewechsel faktisch blutigen Bürgerkrieg zu rechnen.

    Im Iran herrschen blutrünstige Wirrköpfe.

    • joG
    • 03.02.2010 um 9:38 Uhr

    ....könnte auch eine Finte sein."

    Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass es etwas Anderes ist. Jedenfalls sollte man die verschärften Sanktionen erst einmal einführen. Wenn dann ein Vertrag zustande kommt und die ersten Lieferungen abgewickelt sind, kann man sie ja aussetzen; das wird aber nicht notwendig werden.

    Ich bin eigentlich entsetzt, dass man die Grundregeln jeder erfolgreichen Verhandlung unbeachtet übergeht. Man kann nicht "alternativlose" Verhandlungen ohne endgültiges Ende und Konsequenz führen, wenn man seine Ziele erreichen will. Jeder weiß das, der in seinem Leben Nullsummenziele verhandeln musste.

    • colca
    • 03.02.2010 um 9:45 Uhr

    Der Kompromissvorschlag zum Austausch angereicherten Urans war nie ganz vom Tisch. Strittig waren stets die Rahmenbedingungen.
    So hat die 5 1Gruppe bislang verlangt, dass der Iran erst seinen ganzen Vorrat an LEU ins Ausland verschicken muss, bevor er später 20%angereichertes Uran zurück erhält. Der Iran sollte also komplett in Vorleistung gehen.
    Teheran andererseits verlangte, den Austausch komplett auf eigenem Territorium zu machen. Das heißt, zu einem bestimmten Zeitpunkt wäre sowohl das 20%angereicherte als auch das 3,5%angereicherte Uran im Iran gewesen - das wollte der Westen nicht.
    So ist das eben bei Verhandlungen, bei denen sich beide Seiten abgrundtief misstrauen.
    Sollte sich jetzt ein Kompromiss Zug um Zug, Teillieferung gegen Teillieferung, abzeichnen, so wäre es ein Segen.

    Es wird höchste Zeit, dass sich die Kontrahenten aus der kriegerischen Ecke herausbewegen, bevor noch jemand die Nerven verliert.

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