Kundus-Affäre Bomben, Lügen, Rücktritte

In der Kundus-Affäre wurde vieles vertuscht, manche Informationen fehlen bis heute. Der Untersuchungsausschuss versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Eine Chronologie

Bei dem Luftangriff in der Nacht zum 4. September wurden zwei Tanklaster zerstört und bis zu 142 Menschen getötet

Bei dem Luftangriff in der Nacht zum 4. September wurden zwei Tanklaster zerstört und bis zu 142 Menschen getötet


Die Vorgeschichte

5. April 2009

Oberst Georg Klein tritt seinen Dienst als Kommandeur des Wiederaufbauteams (PRT) Kundus an. Mit einem feierlichen Spatenstich beginnt der Bau der Mischa-Meier-Brücke über den Kundus-Fluss. Das Bauwerk ist nach einem deutschen Hauptfeldwebel benannt, der im August 2008 durch einen Sprengsatz getötet wurde. Bei der Fahrt zum Fluss kommt es zu einem Zwischenfall: Ein Dingo, ein leicht gepanzertes Fahrzeug der Bundeswehr, wird von Aufständischen mit einer an der Straße versteckten Bombe beschädigt.

Im April

Klein wird über feindliche Kämpfer informiert, die sich im Gebiet des PRT Kundus in einem Lehmhaus verbergen. Amerikanische F-15-Kampfjets sind in der Luft über dem möglichen Zielgebiet. Von einem Gefechtsstand im Feldlager Kundus lenkt Oberfeldwebel Markus W., der als Fliegerleitoffizier den Codenamen "Red Baron" trägt, den Lufteinsatz. Er schlägt Oberst Klein nach Informationen des Stern eine Bombardierung der Hütte vor, doch der lehnt ab.

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29. April

Eine deutsche Patrouille gerät in einen Hinterhalt der Taliban. Die Aufständischen setzen Sprengfallen ein und greifen dann an. Die Bundeswehrsoldaten feuern zurück. Ein 21-jähriger Soldat stirbt, weitere werden verletzt. Es ist der 36. Soldat der Bundeswehr, der seit Beginn des Afghanistaneinsatzes 2001 ums Leben gekommen ist.

Mitte Mai

Die Schnelle Eingreiftruppe der Bundeswehr, die Quick Reaction Force, wird vorübergehend komplett nach Kundus verlegt. Die 400 deutschen Soldaten mit Kampfauftrag sollen Anführer der Aufständischen festnehmen und die unruhige Region befrieden.

6. Juni

In einem Feuergefecht mit Aufständischen werden zwei deutsche Soldaten verletzt. Die Schnelle Eingreiftruppe kommt den Angegriffenen zur Hilfe. Innerhalb von zehn Tagen ist das der fünfte Hinterhalt, in den eine Bundeswehrpatrouille gerät.

Im Juni

Eine Delegation deutscher Verteidigungspolitiker besucht das Feldlager Kundus. Ein Abgeordneter, der dabei war, berichtet ZEIT ONLINE, dass einige Soldaten den Politikern durch martialisch Auftreten aufgefallen seien. Ein Leutnant wurde den Besucher stolz als erster deutscher Offizier vorgestellt, "der nach dem Zweiten Weltkrieg einen Trupp in ein Gefecht geführt hat". Oberst Klein schildern die Abgeordneten als "besonnenen Offizier". Andere Soldaten wirkten auf die Parlamentarier "verroht".

27. Juli

Die neue Taschenkarte der Bundeswehr, auf der die Einsatzregeln der Bundeswehr zusammengefasst sind, erlaubt nun das offensive Vorgehen gegen Aufständische. Deutsche Soldaten dürfen nun auch zu erst schießen, um Angriffe abzuwehren.

6. August

Bei einem Sprengstoffanschlag auf einer Bundeswehr-Kolonne wird ein Soldat lebensgefährlich verletzt. Die Zahl der Attentate auf deutsche Soldaten in der Region Kundus nimmt dramatisch zu.

10. August

Der neue Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal warnt, dass die Taliban immer stärker würden. Sie bedrohten nun auch den Norden Afghanistans, der nicht mehr komplett als sicher gelte.

27. August

Aufständische beschießen einen US-Konvoi mit Panzerfäusten. Die Soldaten müssen ein beschädigtes Fahrzeug zurücklassen, vier Männer werden verletzt. Die Amerikaner alarmieren die Verbündeten. Im Feldlager Kundus lenkt Oberfeldwebel Markus W. einen Lufteinsatz der Amerikaner. Ein US-Bomber erreicht mit seiner Hilfe den Ort des Überfalls und sichtet das brennende Militärflugzeug und mehrere Bewaffnete. Laut Stern befiehlt Oberst Klein die Bombardierung – obwohl der Pilot seine Bedenken geäußert hat, weil in der Nähe eines Hauses steht.

Nach Informationen von ZEIT ONLINE aus Kreisen der Verteidigungspolitiker war der amerikanische Luftschlag in deutschem Befehl bis dahin der vierte, den allein "Red Baron" lenkte. Der fünfte von ihm gesteuerte Lufteinsatz wird wenige Tage später zwei Tanklaster bei Kundus treffen.

Ende August

Bei einem Anschlag mit zwei Tanklastwagen sterben in der Region Kandahar mindestens 40 Menschen. Der Bundesnachrichtendienst (BND) informiert die Bundeswehr über Attentatspläne der Taliban gegen das PRT Kundus. Mit Lkws und Autos voller Sprengstoff wollten die Aufständischen Betonbarrieren und Wälle um das Lager zerstören, dann sollten Kämpfer in das Camp eindringen. Oberst Klein soll von diesen Plänen gewusst haben.

Die Militäroperation "Aragon" beginnt in der Region Kundus. Zwei deutsche Kompanien und die afghanische Armee gehen gegen Taliban vor. Die Bundeswehr wird mit Panzerabwehrraketen und Schnellfeuerwaffen beschossen. Die Soldaten töten mindestens drei Aufständische, zwei Deutsche werden verletzt. Kommandeur Oberst Klein sorgt sich um die Sicherheit des Feldlagers.

 

Die Sicherheitslage in der Provinz Kundus ist feindselig und nicht beruhigt, die Aufständischen sind sehr aktiv

2. September

Eine Bedrohungsanalyse der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) erscheint. Sie warnt: "Die Sicherheitslage in der Provinz Kundus ist feindselig und nicht beruhigt, die Aufständischen sind sehr aktiv." Die Isaf-Analyse ergänzt ähnlich lautende Geheimdienstberichte. Die Regionalführung der Bundeswehr befürchtet einen Angriff auf das Feldlager.

Deutscher und afghanischer Geheimdienst, das deutsche Kommando Spezialkräfte (KSK) und andere Nato-Eliteeinheiten haben die Taliban-Gruppe von Maulawi Schamsuddin als größte Gefahr für die Isaf ausgemacht. Schamsuddin führt die Taliban im Norden. Er steht auf einer Nato-Liste von Zielpersonen, die gefangen genommen oder eliminiert werden sollen.

kundus-tanklaster
Zehn Stunden nach dem Luftangriff erreichen Ermittler der Bundeswehr den Kundus-Fluss. An  der Abwurfstelle finden sie keine Leichen mehr, nur noch verbrannte Esel

Zehn Stunden nach dem Luftangriff erreichen Ermittler der Bundeswehr den Kundus-Fluss. An der Abwurfstelle finden sie keine Leichen mehr, nur noch verbrannte Esel

3. September

Gegen 12.30 Uhr brechen zwei Fahrer mit ihren Tanklastern in Kundus-Stadt auf. Ihr Ziel ist die Hauptstadt Kabul. Sie haben Benzin für die amerikanische Armee geladen. Kurz nach dem Verlassen der Stadt hat einer der Fahrer, Abdul Malek, eine Panne. Die Reparatur dauert.

Währenddessen bereiten Taliban-Gruppen in der Region Kundus mehrere Hinterhalte vor. In der Nähe des Dorfes Angor Boch bei Kundus bauen sie eine Straßensperre auf. Die Aufständischen wissen, dass eine Treibstofflieferung unterwegs ist, und wollen die Laster abfangen. 

Am frühen Nachmittag werden die beiden Tanklastwagen bei Angor Boch gestoppt. Zwei Dutzend Taliban, bewaffnet mit Kalaschnikows und Panzerfäusten, entführen die Lkws. Die Fahrer werden gezwungen, auf der engen Straße zu wenden und wieder in Richtung Kundus-Stadt zu fahren. Bald befehlen die Entführer ihnen jedoch, auf eine schmale Piste abzubiegen. Die Strecke ist schwierig, auf engen Dorfdurchfahrten müssen Abdul Malik und sein Kollege mehrfach vor- und zurücksetzen. Die Taliban drohen ihnen, sie zu erschießen.

Die Entführer dirigieren die Laster zu einer Furt am Kundus-Fluss. "Die Taliban zeigten uns eine Strecke über eine Sandbank. Die Taliban wurden böse, schrieen uns an, schlugen uns mit ihren Kalaschnikows", berichtete Abdul Malik Spiegel Online. "Meinen Kollegen in dem anderen Truck erschossen sie."

Die Taliban wurden böse, schrieen uns an, schlugen uns mit ihren Kalaschnikows

Abdul Malik, Fahrer eines entführten Laster

An der Furt, rund sechs Kilometer vom deutschen Feldlager entfernt, endet die Fahrt. Gegen 20.00 Uhr stecken die beiden Tanklaster endgültig im Sand fest, es geht nicht mehr vor und zurück.

Im Feldlager weiß die geheime deutsche Spezialeinheit Taskforce 47 längst über die Entführung Bescheid. Sie habe bereits am Morgen Informationen über die Straßensperren der Taliban erhalten, erfährt ZEIT ONLINE. Die Pläne der Aufständischen seien vielleicht sogar noch länger bekannt gewesen sein. Der lokale Anführer der Taliban, Mullah Abdul Rahman, wird vom BND und vom afghanischen Geheimdienst überwacht, sein Handy soll abgehört worden sein.

Ihr Wissen gibt die Elitetruppe nicht an den Kommandeur des PRT Kundus, Oberst Klein, weiter. Die Taskforce besteht zur Hälfte aus Männern des Kommando Spezialkräfte (KSK). 120 Mann der Taskforce sind seit Anfang September in Kundus stationiert. Alle Mitglieder sind absolute Spezialisten, die Truppe fühlt sich als die Front-Elite der Bundeswehr. Die Taskforce verfügt über mehrere afghanische Informanten. Eine von ihnen ruft am Vormittag seinen Nachrichtenoffizier, einen KSK-Mann, an und meldet, dass Talibankämpfer die Laster entführt haben und diese feststecken. Sieben Mal telefoniert ein KSK-Offizier in der Nacht mit dem Informanten. Doch der Afghane befindet sich nicht in Sichtweite der Furt. Alles was er in den Gefechtsstand der Taskforce meldet, erfährt er selbst nur per Telefon von Bekannten am Kundus-Fluss.

Am späten Abend informiert die Taskforce 47 Kommandeur Klein über den Vorfall. Die Taskforce untersteht nicht Klein sondern dem Regionalkommandeur Nord, General Vollmer in Masar-i-Sharif. Der höchstrangige Deutsche in Nordafghanistan erfährt jedoch erst am nächsten Tag von der Entführung.

21.14 Uhr: Auf Anforderung des deutschen PRT trifft ein amerikanischer B1-Bomber, Codename "Bone 22", ein. Oberst Klein kommt um 21:51 Uhr in den Gefechtsstand der Taskforce. Doch die Angaben des afghanischen Informanten über die festgefahrenen Laster sind zu ungenau. Der amerikanische Pilot findet die Fahrzeuge zunächst nicht.

Im Gefechtsstand sollen sechs Männer Klein "beraten" haben. Darunter seien Personen gewesen, die Klein nicht kannte und über deren Aufgabe er nicht informiert wurde. Ein Mann habe Zivil getragen und gehörte vermutlich zum Bundesnachrichtendienst, schreibt der Stern.

Gegen 22.00 Uhr fährt ein grüner Polizei-Pickup an der Furt vor. Er wird von zwei Motorrädern eskortiert. Dem Wagen entsteigt Abdul Rahmann. Der Taliban-Anführer begreift, dass das Benzin für seine Männer verloren ist. Er befiehlt seinen Männern, den Treibstoff an Gefolgsleute und Sympathisanten in der Gegend zu verteilen. Dann fährt er mit dem erbeuteten Polizeiauto davon.

Einige der Entführer rufen Verwandte und Freunde an, andere gehen in die umliegenden Dörfer und informieren die Bewohner. Es ist Ramadan, der Fastenmonat, die Männer in den Dörfern warten gemeinsam auf das abendliche Fastenbrechen. Sie haben den Tag über nichts gegessen, sie haben Hunger, viele junge Männer brechen dennoch zur Furt auf.

Im Ort Yaqob Bai verlangen die Taliban von einigen Bauern, mit ihren Traktoren zur Furt zu fahren. Sie sollen mit den Schleppern die Tanklaster frei ziehen. Die Aufständischen versprechen ihnen dafür Benzin als Bezahlung. Ablehnen können die Bauern den Wunsch nicht. 

Der Schüler Dschan Mohammed erfährt kurz vor dem letzten Abendgebet von der Aktion. Im Dorf Hadschi Amanullah ruft ein Freund ihm gegen 23.00 Uhr zu: "Komm mit, die Taliban verteilen Benzin".

Komm mit, die Taliban verteilen Benzin

Assadullah, ein junger Mann aus dem Dorf Hadschi Amanullah im Magazin Stern

Die beiden jungen Männer rennen mit Kanistern zur Furt. Das Magazin Stern hat recherchiert, was Assadullah und Dschan Mohammed dort erlebten: Die Jugendlichen mischen sich in die Menschenmenge, die sich um die Tanklaster gebildet hat. Mehr als 200 Personen halten sich an der Furt auf. Mindestens Zweidrittel von Ihnen sind unbewaffnet. Mit Eimern und Trichtern zapfen Männer das Benzin aus den Tanks. Einige sind Sympathisanten der Taliban, andere wollen einfach den kostenlosen Treibstoff ergattern, um im Winter nicht frieren zu müssen.

Um Mitternacht wird der US-Bomber fündig und sendet Schwarzweiß-Aufnahmen der Laster und der darum stehenden Menschen an das Feldlager. Klein und ein Offizier der KSK schauen sich auf einem speziellen Laptop der Taskforce, dem so genannten Rover-Gerät, die übermittelten Bilder an.

Die Tanklaster befinden sich immer noch in der Furt. Alle Versuche, die Fahrzeuge wieder flott zu bekommen, sind gescheitert. Einige Taliban ziehen sich zurück, andere versuchen die Treibstoffverteilung zu regeln. Der Fahrer Abdul Malik muss sich abseits der Laster mit seinen Bewachern ins Gras setzen. Die Männer hören die Geräusche von Flugzeugen. Die Taliban warnen die Menschen, dass es einen Luftangriff geben werde. Sie sollen verschwinden. Doch diejenigen, die noch keinen Treibstoff erhalten haben, harren aus.

4. September

Dem B1-Bomber, der die Furt beobachtet, geht das Kerosin aus. Um 0.48 Uhr meldet "Bone 22" sich deshalb bei der Einsatzzentrale der Nato und fragt, ob er in der Luft betankt werden soll. Doch die Zentrale fordert die Rückkehr zur Basis. "Bonne 22" dreht ab und kehrt zu seinem Stützpunkt zurück.

Oberst Klein bricht damit die wichtigste Informationsquelle weg. Um 0.50 Uhr bittet "Red Baron" die Nato-Luftzentrale in Kabul um weitere Luftunterstützung. Die Luft-Einsatzplaner sehen dafür aber keine Notwendigkeit. Sie funken an das Feldlager Kundus, dass für die Anforderung weiterer Kampfflugzeuge eine Feindberührung Voraussetzung sei. Der deutsche Fliegerleitfeldwebel meldet daraufhin: "troops in contact". Doch weder deutsche Soldaten noch afghanische Polizisten oder Soldaten befinden sich in der Nähe der Furt.

Die Isaf reagiert sofort auf die deutsche Meldung. Zwei F-15-Jagdbomber steigen auf und treffen um 1.08 Uhr über Kundus ein. "Dude 15" und "Dude 16" lauten die Einsatznamen der amerikanischen Piloten. Sie liefern erneut Live-Bilder an den Gefechtsstand. Einer der Piloten fragt bei "Red Baron" an, ob das Zielgebiet klar für einen Angriff sei. Die Deutschen antworten, dass sich keine "friendly forces" in der Nähe der Tanklaster aufhalten. "Dude 16" meldet, dass er rund 50 Menschen an der Furt ausgemacht habe. "Red Baron" weist die US-Piloten an, sechs Bomben fertigzumachen. Das geht den Piloten jedoch zu schnell. Sie halten sich an die Isaf-Einsatzbestimmungen. Streng ist darin geregelt, unter welchen Bedingungen ein Luftangriff erfolgen darf. Die Gefährdung von Zivilisten muss ausgeschlossen sein, es darf zur Bombardierung keine Alternative geben.

"Dude 15", der 28-jährige Offizier Jeremy D. vom 335th Fighter Squadron aus North Carolina, schlägt um 1:22 Uhr einen Tiefflug über die Tanklaster vor. Mit dieser "Show-of-Force", einer Machtdemonstration, vertreibt die Isaf häufig feindliche Kräfte, ohne sie zu bombardieren. "Negativ", antwortet "Red Baron". Er fordert die Piloten auf, ihre bisherige Flughöhe nicht zu verlassen.

Um 1:35 gibt Oberst Klein über den Fliegerleitfeldwebel "Red Baron" den Befehl, die Bomben abzuwerfen. Die Piloten der F15-Kampfjets versuchen, Zeit zu gewinnen. Erneut fragen sie, ob ein demonstrativer Überflug nicht sinnvoller sei. Die Deutschen verneinen. "Dude 15", der amerikanische Pilot, hat dennoch Zweifel. Er fragt kritisch nach, ob tatsächlich Bodentruppen eine Feindberührung hätten. "Red Baron bestätigt das.

Noch trauen die Piloten der Sache nicht. 1.46 Uhr: "Dude 16" fragt per Funk, ob die Personen um die Tanker eine "unmittelbare Bedrohung" darstellen. "Red Baron" bestätigt die Anfrage wahrheitswidrig und legitimiert damit den Angriff. Oberst Klein will den Funkverkehr zwischen "Red Baron" und den amerikanischen Piloten nicht verfolgt haben.

Die amerikanischen Piloten glauben den Angaben aus dem Gefechtsstand schließlich. "Dude 15" fliegt den Angriff von Norden, "Dude 16" gibt Feuerschutz. Der Waffenoffizier hinter "Dude 15" macht zwei Bomben vom Typ GBU-38 scharf. Waffen "HOT", meldet der Kampfjet in den Gefechtsstand der Taskforce 47.

1:51 Uhr – Die Bomben fallen. 227 Kilogramm Sprengstoff explodieren über den Tanklastern. "Erst war da grelles Licht, dann eine Explosion, eine furchtbare Wucht", sagt Assadullah dem Stern. Der junge Mann verliert das Bewusstsein, als er wieder aufwacht, sieht er nur noch Rauch, der Fluss steht in Flammen. "Ich rief nach meinem Bruder, alles brannte, die Laster, ganze, halbe Leiber von Menschen."

Dschan Mohammeds Vater hört die Explosion, er ahnt Schlimmes, rennt zum Kundus-Fluss. Er findet seinen Sohn nicht. Er findet nicht einmal eine Leiche. "Ich habe ein Stück Fleisch gegriffen, mitgenommen, es meinen Sohn genannt, in eine Plastiktüte getan", sagte der Vater den Rechercheuren vom Stern. "Dann haben wir die Tüte bestattet."

Ich habe ein Stück Fleisch gegriffen, mitgenommen, es meinen Sohn genannt, in eine Plastiktüte getan

Vater eines getöteten Jugendlichen im Magazin Stern

1:52: Oberst Klein, "Red Baron" und ein KSK-Offizier verfolgen im Gefechtsstand der Taskforce 47 auf dem Rover-Gerät die Bombardierung. Ein Hauptfeldwebel von der KSK protokolliert: "task closed" – Fall abgeschlossen. Eine Überwachungskamera filmt vom Feldlager aus, wie kurz vor der Explosion zwei Pick-Ups vom Flussufer wegrasen. Solche Fahrzeuge dienen den Taliban häufig als Transportmittel.

Um 2:28, nachdem der Rauch über der Furt verzogen ist, klären die F15-Kampfjets die Bombardierungsstelle auf. Sie sichten getötete und fliehende Menschen.

Erst um 3:15 Uhr verfassen Soldaten in Kundus die "Vorfallsmeldung Nr. 001" und senden sie nach Masar-i-Scharif in das Regionalkommando Nord. Dort erfährt Brigadegeneral Jörg Vollmer kurz vor 8.00 Uhr von der Bombardierung. Kurz darauf klingelt sein Telefon. Die Isaf-Zentrale in Kabul will wissen, was im Norden los sei. Vollmer lässt ein Ermittlungsteam zusammenstellen, das aus Feldjägern besteht.

Nach Sonnenaufgang treffen afghanische Sicherheitskräfte am Tatort ein. Angehörigen der Opfer haben die Leichen und die meisten abgetrennten Körperteile aber bereits geborgen.

7.00 Uhr: Eine Drohne der Bundeswehr überfliegt die Bombenabwurfstelle. Außer den beiden Bombenkratern ist jedoch auf den aufgenommenen Bildern nicht viel zu sehen, schreibt Spiegel Online.

Gegen 12.00 Uhr, rund zehn Stunden nach der Bombardierung,  erreichen Feldjäger aus Kundus den Tatort. Ein Offizier notiert später in einem Bericht; "Es sind nur noch minimalste Spuren von Humanmaterial zu finden." Oberst Klein ordnet an, dass keine Ermittler aus anderen Dienststellen zur Furt fahren dürfen. Das schreibt der Autor des Feldjägerberichts später. Klein überschreitet seine Kompetenz damit deutlich. Es wirkt so, als wolle er weitere Ermittlung verhindern. Die Miltärpolizisten aus Masar-i-Scharif erreichen erst am Nachmittag die Sandbank. Im Feldlager Kundus weigert sich "Red Baron", ohne Freigabe von Klein mit den Ermittlern des Regionalkommandos zu sprechen. Der Autor des Feldjägerberichts notiert, dass vieles lückenhaft bleibt.

16.30 Uhr: Isaf-Kommandeur McChrystal lässt sich in einer Videokonferenz von Brigadegeneral Vollmer auf den neusten Stand bringen. Er kritisiert das deutsche Vorgehen und ist entsetzt, dass erst so spät deutsche Soldaten zur Abwurfstelle ausgerückt sind. Und er ist empört, dass im ersten Isaf-Statement nur von getöteten Gegnern gesprochen wurden: "Das aus der Luft zu erkennen ist unmöglich! Das kann nicht korrekt sein, ich bin zutiefst enttäuscht. Spekulieren sie nicht über etwas, was sie nicht wissen. Stellen Sie sicher, dass dies nicht noch mal passiert!", zitiert der Stern McChrystal.

Das Regionalkommando Nord soll den Vorfall aufklären. Auch aus Berlin erreichen General Vollmer nun drängende Fragen. Er teilt in einem Schreiben an das Einsatzführungskommando bei Potsdam mit, dass mehrere Pickup-Fahrzeuge bei den Tanklastern festgestellt wurden. Dies habe – so zitiert die Süddeutsche Zeitung – zu der Einschätzung geführt, "dass es sich um das versuchte Verbringen der Tankladungen zugunsten folgender INS-Op handelte". INS steht für Insurgents, Aufständische, Op für Operation, gemeint sind Anschläge.

5. September

Oberst Klein verfasst einen Bericht über die Bombardierung für die militärische Führung im Berliner Bendlerblock. Darin schreibt der Offizier: "Am 4. September um 1.51 Uhr entschloss ich mich, zwei am Abend des 3. September entführte Tanklastwagen sowie an den Fahrzeugen befindliche INS durch den Einsatz von Luftstreitkräften zu vernichten." Sein  Ziel sei gewesen: "Gefahren für meine Soldaten frühzeitig abzuwehren". Die Schilderung der Tatnacht geht an Generalinspekteur Schneiderhan. Die Einschätzungen des Kundus-Kommandeurs leitet das Ministerium zunächst nicht an andere Ministerien, auch nicht an das Kanzleramt, weiter.

Am Vormittag trifft sich Klein mit afghanischen Vertretern und den Ermittlern aus Kabul. Der lokale Armeechef und der Vertreter des afghanischen Geheimdienstes loben das deutsche Vorgehen. Es habe die richtigen Personen erwischt, sagt Gouverneur Mohammad Omar.


6. September

Generalinspekteur Schneiderhan verbringt das Wochenende im heimischen Bad Soden in Hessen. Während deutsche und internationale Medien über die Bombardierung berichten, nimmt Schneiderhan sich eine Auszeit. Er trifft sich in Siegburg mit alten Offizierskameraden eines Panzerbatallions zum Grillen. 

Gegen 19.30 Uhr erreicht den Vier-Sterne-General zu Hause ein Fax. Der Inhalt des Schreibens vom Einsatzführungskommando in Potsdam-Geltow ist brisant: Auf fünf Seiten liefert ein deutscher Oberst einen Bericht über die Recherche des Initial Action Teams der Nato ab, das sich in Kundus ein Bild der Lage verschafft hat. Der Offizier, der das Team begleitet hatte, berichtet von zivilen Opfern, darunter drei Jungen im Alter von zehn und 14 Jahren, die von einem US-Admiral befragt wurden. Klein habe erklärt, dass er, um die Unterstützung der amerikanischen Luftwaffe zu erhalten, eine "akute Bedrohungslage" angegeben habe. Diese begründete er allerdings mit Ereignissen aus den vergangenen Wochen und nicht mit einer Bedrohung durch die Tanklaster.

Schneiderhan leitet den Bericht noch am selben Abend an seinen Minister Franz Josef Jung weiter. Das Kanzleramt erhält diese Informationen nicht, obwohl der Generalinspekteur offiziell der wichtigste militärische Berater der Bundesregierung ist.

Kanzlerin Merkel, so berichten Spiegel und Stern, klaubt sich selber per Mobiltelefon im Internet die der Öffentlichkeit vorhandenen Informationen über den Luftschlag zusammen. 

7. September

Das Verteidigungsministerium erhält vertrauliche Isaf-Informationen über die Bombardierung. Darin heißt es, dass es zahlreiche zivile Opfer gegeben habe und militärisches Fehlverhalten vorliege. Der damalige Sprecher des Verteidigungsministers, Thomas Raabe, nennt den Bericht von Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal dennoch einen "Reisebericht".

Die Unterabteilung "Gruppe 22", im Kanzleramt zuständig für militärische Fragen, versucht mehrfach vergeblich, Schneiderhan zu erreichen. Eine Regierungserklärung der Kanzlerin zur Kundus-Bombardierung im deutschen Bundestag steht unmittelbar bevor, doch Merkels Berater bekommen nur sehr spärliche Informationen aus dem Bendlerblock. Im Berliner Amtssitz des Verteidigungsministers hat Staatssekretär Peter Wichert längst die relevanten Informationen auf seinem Schreibtisch liegen. Er hat den Vorbericht der Nato-Ermittler erhalten, der als "Nato/Isaf Secret" gezeichnet ist. Die Autoren schreiben, dass es "keine Frage" sei, dass die Internationale Schutztruppe "für die zivilen Opfer verantwortlich ist".

Wicher lässt daraus eine sehr kurze Zusammenfassung für den Verteidigungsausschuss erstellen, die er auch an das Kanzleramt weiterleitet. Darin soll stehen, dass durch die Bomben ausschließlich Gegner der Isaf starben.

8. September

Das Ministerium informiert die Obleute des Verteidigungsausschusses über den Bericht der Isaf. Das Dokument wird  ihnen aber nicht ausgehändigt.

Die Kanzlerin gibt ihre Regierungserklärung vor dem Bundestag ab. Sie bedauert die unschuldigen Opfer des Luftschlages und verspricht eine lückenlose Aufklärung. "Ich stehe dafür ein, dass wir nicht beschönigen werden", sagt Merkel. Kritik, vor allem aus dem Ausland, verbittet sie sich im scharfen Tonfall.

9. September

Aus den Unterlagen geht nicht hervor, welcher Personenkreis zur nächtlichen Entscheidung des Kdr PRT KDZ (Oberst Klein) beigetragen hat

Auszug aus dem Feldjägerbericht

Der Feldjägerbericht wird fertig gestellt und an das Verteidigungsministerium übersandt. Der Autor nennt Zweifel an dem Vorgehen von Oberst Klein und verheimlicht nicht, wie schwierig die Ermittlungen waren. "Aus den Unterlagen geht nicht hervor, welcher Personenkreis zur nächtlichen Entscheidung des Kdr PRT KDZ (Oberst Klein) beigetragen hat", schreibt der Verfasser.

10. September

Kanzleramtsminister Thomas de Maizière telefoniert mit Staatssekretär Wichert und erbittet nachdrücklich die fehlenden Informationen. Das Kanzleramt erhält daraufhin vom Verteidigungsministerium den zwei Seiten langen Bericht von Oberst Klein und das 24-seitige Dokument der Nato-Ermittler.

Ein Militärberater fasst die Informationen für die Kanzlerin zusammen und trägt in deren Büro die Fakten vor. "Die Kanzlerin kann ihren Ärger kaum verbergen", schreibt der Stern. Die Berater und Merkel diskutieren über die brisante Lage. Vor der Wahl will sich Merkel dazu nicht öffentlich äußern, sie wartet ab.

13. September

Generalinspekteur Schneiderhan fliegt nach Kundus. Im Feldlager spricht er mit Klein. Vorwürfe macht er dem Offizier angeblich nicht. Der Generalinspekteur stellt sich vor seinen Soldaten.

Ende September:

Oberst Kleins Dienstzeit als Kommandeur des PRT Kundus endet. Er kehrt nach Deutschland zurück und soll wie vor seinem Einsatz in Afghanistan als Chef des Stabes der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig dienen. Er tritt zuerst jedoch eine Kur an, die langfristig geplant war.


28. Oktober

Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) tritt sein Amt als Bundesverteidigungsminister an.

Am Abend trifft der geheime Untersuchungsbericht der Nato per Flugzeug in Berlin ein. Fast zeitgleich verabschiedet Guttenberg seinen Amtsvorgänger Franz Josef Jung mit einem Großen Zapfenstreich. Jung ist an die Spitze des Arbeitsministeriums gewechselt. Guttenberg, mit 37 Jahren der jüngste Verteidigungsminister in der Geschichte der Bundesrepublik, trägt keine Verantwortung für die Bombardierung.

29. Oktober: Generalinspekteur Schneiderhan tritt vor die Presse und bewertet den Isaf-Bericht. Er sieht Klein entlastet. Schneiderhan verweist auf die problematische Sicherheitslage in der Region Kundus. Der General berichtet, dass von Januar bis August sechs Lastwagen und Tanklaster von Aufständischen zu Anschlägen benutzt worden seien.


5. November

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden teilt mit, dass sie die Prüfung des Luftangriffs an die Bundesanwaltschaft abgebe. "In Afghanistan könnte ein bewaffneter Konflikt im Sinne des Völkerstrafgesetzbuchs vorliegen, mit dem der Luftangriff vom 4. September im Zusammenhang stand", erklärt die Behörde. 

6. November

Verteidigungsminister Guttenberg informiert die Fraktionen des Bundestages über den geheimen Nato-Bericht. Der Report wurde unter Leitung des kanadischen Generals Duff Sullivan erstellt. Er umfasst 73 Seiten Haupttext und 500 Seiten Anhang. Vor Reportern spricht Guttenberg von einer "sehr guten und wichtigen Unterredung".

ich selbst komme zum Schluss, dass ich keinen Zweifel an der Einschätzung des Generalinspekteurs hege, nämlich dass die Militärschläge und die Luftschläge vor dem Gesamtbedrohungshintergrund als militärisch angemessen zu sehen sind.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Wenig später bezeichnet er auf einer Pressekonferenz den Luftschlag als "militärisch angemessen". "Selbst wenn es keine Verfahrensfehler gegeben hätte, hätte es zum Luftschlag kommen müssen." Guttenberg sagt, er habe sich sein Urteil nach der Lektüre des Isaf-Berichts gebildet.

In einer Unterredung mit Spitzenbeamten aus dem Verteidigungsministerium erfahren die Mitglieder des Untersuchungsausschusses erstmals von der geheimen Taskforce 47, die es bereits seit zwei Jahren gibt. Dass die Hälfte der Taskforce aus KSK-Männern besteht, teilt den Parlamentariern niemand mit.

12. November

Guttenberg besucht die Truppe in Afghanistan. Er fliegt zunächst nach Kabul und spricht dort im Hauptquartier mit Vertretern der Isaf, darunter auch dem Kommandeur Stanley McChrystal. Dann fliegt er nach Masar-i-Sharif weiter. In dem dortigen Feldlager hält er eine Rede vor mehreren hundert Soldaten. Er sagt: "Afghanistan wird uns sicher noch eine Weile fordern."

13. November

Am Freitagmorgen trifft Guttenberg in Kundus ein. Der Minister will sich selbst ein Bild von der Lage in der Region machen. Erneut spricht er mit Soldaten.

25. November

Im Bendlerblock. dem Berliner Amtssitz des Verteidigungsministers, bittet Guttenberg den Staatssekretär Peter Wichert und den Generalinspekteur, Wolfgang Schneiderhan, zum Gespräch. Über dessen Verlauf gibt es verschiedene Versionen. Der Minister behauptet, beide Spitzenbeamte mehrfach gefragt zu haben, ob es weitere Berichte gebe. Beide hätten verneint.

Schneiderhan bestritt gegenüber der ZEIT die Version Guttenbergs. Er habe dem Minister die wesentlichen Berichte genannt. Guttenberg habe die Dokumente angefordert und erhalten. Oberst Klein befindet sich währenddessen zur Kur in Malente in der Holsteinischen Schweiz.

26. November

Die Bild-Zeitung berichtet über den Feldjägerbericht. Der Verteidigungsminister entlässt Generalinspekteur Schneiderhan und den Staatssekretär Wichert. Seine Begründung: Ihm seien Informationen vorenthalten worden. Schneiderhan selbst habe um die Entlassung gebeten, teilt zu Guttenberg im Bundestag mit. Auch Staatssekretär Wichert scheide freiwillig aus.

Der ehemalige Verteidigungsminister Jung rechtfertigt sich vor dem Bundestag. "Für mich gilt Offenheit und Ehrlichkeit", sagt der Arbeitsminister. Einige Abgeordnete lachen darüber.

27. November

Arbeitsminister Franz Josef Jung tritt zurück.


Der Verteidigungsausschuss des Bundestages wandelt sich am 16. Dezember in einen Untersuchungsausschusss zur Kundus-Affäre um. Dessen Vorsitzende Susanne Kastner hat bislang keine Erfahrung in der Verteidigungspolitik

Der Verteidigungsausschuss des Bundestages wandelt sich am 16. Dezember in einen Untersuchungsausschusss zur Kundus-Affäre um. Dessen Vorsitzende Susanne Kastner hat bislang keine Erfahrung in der Verteidigungspolitik

1. Dezember

Merkel sagt vor Journalisten, dass Guttenberg an einer Neubewertung der Ereignisse arbeite.

2. Dezember

Der Verteidigungsausschuss beschließt, sich in einen Untersuchungssauschuss umzuwandeln, um die Vorgänge um die Bombardierung aufzuklären. Die Parteien streiten darüber, wie der Ausschuss arbeiten soll. Die Opposition möchte die Verantwortlichen aus der Politik zuerst befragen. Die Regierungsparteien wollen mit der Aufklärung der Sachfragen beginnen.

3. Dezember

Guttenberg revidiert bei einer Rede im Bundestag seine Einschätzung des Luftschlages. Die Bombardierung sei nicht angemessen gewesen. Aber Oberst Klein habe seiner Meinung nach "nach besten Wissen und Gewissen" gehandelt. "Ich darf in aller Klarheit sagen, dass er angesichts kriegsähnlicher Zustände um Kundus (...) subjektiv von der militärischen Angemessenheit seines Handelns ausgegangen ist", sagte der Minister. "Dafür hat er mein Verständnis. Und ich zweifle nicht im geringsten daran, dass er gehandelt hat, um seine Soldaten zu schützen."

4. Dezember

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagt, die Kanzlerin könne "die Neubewertung gut nachvollziehen". Im Kanzleramt sei es nie zu einer Gesamtbewertung gekommen.

7. Dezember

Die Bundeswehr teilt dem Bremer Anwalt Karim Popal mit, der Opfer der Kundus-Bombardierung vertritt, dass Deutschland die Familien getöteter Zivilisten entschädigen will.

10. Dezember

Die Bild-Zeitung berichtet, dass das KSK in der Tatnacht eine viel größere Rolle spielte, als bisher vermutet wird. Von der Beteiligung der Spezialkräfte erfahren die Abgeordneten aus der Zeitung, nicht vom Minister.

11. Dezember

Verteidigungsminister zu Guttenberg reist erneut nach Afghanistan. Im Feldlager Kundus redet er vor den Soldaten und verspricht  ihnen Rückhalt – auch für Oberst Klein. Er versucht ihnen seine Kehrtwende bei der Bewertung der Bombardierung zu erklären. Noch am selben Tag fliegt er zurück nach Deutschland.

Die Leipziger Volkszeitung berichtet, Klein habe nicht die Tanklaster, sondern die umstehenden Menschen treffen wollen. Bisher hatte das Verteidigungsministerium stets angegeben, die Tanklaster seien angegriffen worden, um ein Angriff auf deutsche Soldaten abzuwenden.

13. Dezember

Die Opposition fordert nach neuen Erkenntnissen die Regierung auf, Parlament und Öffentlichkeit umgehend zu informieren. Guttenberg bestreitet, die Unwahrheit im Fall Schneiderhan gesagt zu haben: "Ich bin also bis zum 6. November weder korrekt noch umfassend informiert worden."


Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg während einer Kundus-Debatte im Bundestag am 16. Dezember

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg während einer Kundus-Debatte im Bundestag am 16. Dezember

16. Dezember

Der Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf. Die Obleute der Opposition stellen gemeinsam 93 Beweisanträge. Darin fordern sie alle Berichte an, die im Verteidigungsministerium vorliegen, Organigramme der Befehls- und Meldewege, die Terminkalender von Angela Merkel und Jung sowie zahlreiche weitere Beweismittel. Und SPD, Grüne und Linkspartei verlangen die Vernehmung zahlreicher Zeugen, die von Merkel bis zum Fliegerleitfeldwebel reichen. Guttenberg, Jung, Wichert, Schneiderhan und Klein sind neben der Kanzlerin die wichtigsten Zeugen.

17. Dezember

Erneut erfahren Abgeordnete und die Öffentlichkeit aus der Bild-Zeitung neue Details der Kundus-Affäre. Vom Luftangriff am Kundus-Fluss ist ein bisher unbekanntes Video aufgetaucht. Die Aufnahmen stammten von einer Überwachungskamera im deutschen Feldlager.  Sie zeigen zwei fliehende Pick-Ups, kurz danach explodiert eine Bombe.

18. Dezember

Um 7.30 Uhr kommen die fünf Obleute des Verteidigungsausschusses in den Bendlerblock. In Anwesenheit von Guttenberg berichtet Vize-Generalinspekteur Johann-Georg Dora, dass der Luftschlag keine Aktion der Taskforce 47 war.

Guttenberg beruft als neuen Generalinspekteur Generalleutnant Volker Wieker. Der Heeresgeneral ist zu diesem Zeitpunkt noch in Kabul, dort leitet er den Generalstab von Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal.

19. Dezember

23. Dezember

Die Liste der prominenten Zeugen, die vor dem Untersuchungsausschuss aussagen sollen, wird immer länger. Der Obmann der Grünen, Omid Nouripour, fordert, McChrystal vorzuladen. Auch die beiden Piloten der Kampfflugzeuge, die die Bomben abwarfen, sollen von den Abgeordneten befragt werden.

27. Dezember

Guttenberg kündigt an, den Untersuchungsausschuss umfassend über die Entlassungen Schneiderhans und Wicherts zu informieren. "Wenn der Ausschuss es für notwendig erachtet, werde ich meine Aussagen selbstverständlich auch unter Eid machen."


5. Januar

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums soll sich vier Monate nach der Bombardierung ein Oberstleutnant gemeldet haben, der in der Nacht zum 4. September in Kontakt mit dem Fliegerleitfeldwebel in Kundus stand. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass der Offizier im Regionalkommando Masar-i-Scharif eingesetzt wurde. Das Verteidigungsministerium gibt an, dass der Oberstleutnant nicht in die Entscheidung über die Bombardierung eingebunden gewesen sei.

13. Januar

Die Vereinten Nationen teilen in Kabul mit, dass 2009 das bislang blutigste Jahr in Afghanistan seit dem Einmarsch der internationalen Truppen 2001 war. Die Zahl der toten Zivilisten stieg im Vergleich zu 2008 um 14 Prozent auf mehr als 2400. Gut zwei Drittel seien von den Taliban und anderen Aufständischen getötet worden. Ein Viertel der zivilen Toten gehe auf das Konto der afghanischen und internationalen Truppen.

21. Januar

Der Untersuchungsausschuss setzt seine fort. Die Abgeordneten erfahren aus der Süddeutschen Zeitung, dass es ein weiteres bisher unbekanntes Papier aus dem Verteidigungsministerium zur Bombardierung gibt. Das Dokument wurde vom Einsatzführungsstab erstellt und trägt das Datum 3. November. Darin fassen Stabsoffiziere den Nato-Untersuchungsbericht zusammen. Die Autoren stellen fest, dass es Verfahrensfehler gegeben habe und das Klein vor allem die Taliban bekämpfen wollte. Deshalb habe er den Vorschlag der amerikanischen Piloten abgelehnt, die Aufständischen zu vertreiben. Das Papier lag Guttenberg vor, bevor er am 6. November den Luftschlag als "militärisch angemessen" bezeichnete.

 

9. Februar

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagt, dass zu Guttenberg auf eine ausführliche Aussage von Oberst Klein vor dem Ausschuss hofft. Es sei im Interesse des Ministers, dass "größtmöglichste Transparenz" herrsche.

10. Februar

Außenminister Guido Westerwelle spricht in einer Regierungserklärung erstmals von einem "bewaffneten Konflikt" in Afghanistan. Die Bundesregierung nimmt damit eine Neubewertung des Einsatzes vor, die für die Soldaten bedeutende Folgen hat: Falls gegen sie ermittelt wird, müssen sie sich nicht mehr nach dem Stafrecht, sondern dem Völkerrecht verantworten.

Kurz darauf tritt der Rechtsbeistand von Oberst Klein vor die Mikrofone. "Jeder Tote ist einer zu viel", sagte Anwalt Bernd Müssig. Sein Mandant bedaure die Opfer. Es stehe jedoch fest, dass seine Entscheidung für den Befehl zur Bombardierung "auf Grundlage der in der Nacht vorhandenen Informationen und Ressourcen rechtmäßig war".

Am Mittag tritt Oberst Klein als erster Zeuge vor den Untersuchungsausschuss. Er beeindruckt die 31 Abgeordneten mit seiner umfassenden Aussage. "Hätte ich gewusst, dass Kinder vor Ort sind, hätte ich den Angriff nicht befohlen", sagte Klein. Er übernimmt die volle Verantwortung.

Rainer Arnold, Obmann der SPD im Verteidigungsausschuss, sagt, dass sich nach der Aussage viele neue Fragen stellen: "War es Oberst Klein, oder hat die Taskforce 47 den Einsatz zumindest vorbereitet. Wurde tatsächlich niemand anderes einbezogen?"

25. Februar

Der Untersuchungsausschuss vernimmt weitere Zeugen, die in der Tatnacht involviert waren. Unter anderem ist Brigadegeneral Vollmer, der damalige deutsche Kommandeur für Nordafghanistan, geladen.

Interessant wird auch, was die KSK-Männer und Mitglieder der Taskforce 47 aussagen. Sie haben vom Verteidigungsministerium wie Klein die Erlaubnis erhalten, auszusagen. Auch der Autor des Feldjägerberichts gehört zu den geladenen Zeugen.

 
Leser-Kommentare
  1. nicht "materialistisch"?

    Natürlich bin ich in die Informationen zu dem Vorfall nicht richtig eingearbeitet, bzw. sie stehen mir auch nicht alle zur Verfügung und selbst dann bräuchte man sicher viele Tage oder Wochen, um wirklich einen Überblick zu bekommen, was da los war.
    Dennoch kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass direkt nach der Bombardierung gezielt Ermittlungen behindert wurden und der Tatort aufgeräumt wurde, und zwar so lange es irgend ging.

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    • joG
    • 26.02.2010 um 9:50 Uhr

    .....und ob sie geschönt dargestellt wurde das eigentlich interessante.

    Interessant ist die Frage, ob die Bundeswehr diese Art Einsatz überhaupt durfte. Sollte die BW mit kriegsähnlichen Mitteln gegen Taliban vorgehen? War es also doch ein Marschbefehl zum Krieg? Wie waren die Einsatzvorgaben aus Berlin? Wer hatte den Befehl Krieg zu machen gegeben? War es das Parlament oder war es das Kabinett?

    Redaktion

    Da haben Sie natürlich Recht. Ich habe die Stelle korrigiert. Dank für den Hinweis.

    • joG
    • 26.02.2010 um 9:50 Uhr

    .....und ob sie geschönt dargestellt wurde das eigentlich interessante.

    Interessant ist die Frage, ob die Bundeswehr diese Art Einsatz überhaupt durfte. Sollte die BW mit kriegsähnlichen Mitteln gegen Taliban vorgehen? War es also doch ein Marschbefehl zum Krieg? Wie waren die Einsatzvorgaben aus Berlin? Wer hatte den Befehl Krieg zu machen gegeben? War es das Parlament oder war es das Kabinett?

    Redaktion

    Da haben Sie natürlich Recht. Ich habe die Stelle korrigiert. Dank für den Hinweis.

  2. ZEIT: "Eine Delegation deutscher Verteidigungspolitiker besucht das Feldlager Kundus."

    Realität: "Eine Gruppe Gefechtsfeldtouristen aus dem dt. Bundestag nutzt die Gelegenheit, einmal auf Steuerzahlerkosten in Afghanistan Abenteuerurlaub zu machen."
    Erläuterung: Ein Phänomen das 1995 mit IFOR begann. Ein großer Teil des Bundeswehr-Flugsprits wurde damals verblasen, um für diese Klientel Rundflüge zu den Sehenswürdigkeiten Bosnien-Herzegowinas zu organisieren, also Vukovar, Sarajevo, Osijek, etc. Je kaputter, desto interessanter.
    Verteidigungspolitiker nennt man übrigens jene Abgeordnete, deren Hauptsponsor die Rüstungslobby ist. Sie sorgen dafür, daß viel Geld aus dem knappen Wehretat an die Industrie fließt, die dafür im Gegenzug unbrauchbare Produkte wie EF2000, NH90, TIGER oder A400M den Soldaten auf den Hof stellt.

    Soldaten sind für diese Leute eher unwichtig, deswegen waren sie auch überrrascht, keine gutgelaunten Entwicklungshelfer vorzufinden, sondern "martialisch" aussehende Soldaten. Daß man mit Gefechtshelm, Schutzweste, Waffe und Munition nun mal so aussieht...

    ZEIT: "Andere Soldaten wirkten auf die Parlamentarier "verroht"".
    Realität: Aufgrund des ständigen Beschusses, eigener Verluste und der Diskrepanz zwischen Realität und Ministerworten waren die Soldaten eher unwillig, den Politikerphrasen mit der erwarteten Ehrfurcht zu begegnen.

    Ansonsten fällt ihre "Chronologie" lediglich durch zahlreiche Rechtschreibfehler auf.

    MfG

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    • M.M.
    • 26.02.2010 um 12:36 Uhr

    Herzlichen dank für Ihren Beitrag, er spricht mir voll aus dem Herzen.
    Als Soldat in Afghanistan wäre ich über die lauwarme Unterstützung (?) der profilneurotische Aussen- und Sicherheitspolitiker im Bundestag zutiefst empört.

    • M.M.
    • 26.02.2010 um 12:36 Uhr

    Herzlichen dank für Ihren Beitrag, er spricht mir voll aus dem Herzen.
    Als Soldat in Afghanistan wäre ich über die lauwarme Unterstützung (?) der profilneurotische Aussen- und Sicherheitspolitiker im Bundestag zutiefst empört.

  3. Vukovar und Osijek liegen natürlich in Kroatien, waren aber von bosnisch-serbischen Kräften erobert und dabei weitgehend zerstört worden. Erst in der Operation "Sturm" zur Rückeroberung der Krajina durch kroatische Truppen wurde die frühere Grenzziehung wiederhergestellt.

    MfG

  4. Die Strecke zwischen dem Bundeswehrstützpunkt
    36°39'41.04"N 68°54'22.03"E
    und dem Bombardierungspunkt
    36°36'48.20"N 68°52'35.51"E
    beträgt 7 km Luftlinie.

    Nach Angaben des Spiegel
    http://www.spiegel.de/pol...

    wurden die LKW 2 km vom BW-Stützpunkt entführt
    36°39'39.16"N 68°53'10.40"E

    und fuhren dann Richtung SSO -in Richtung Kabul.

    Von der Straße nach Kabul sind die LKW dann wohl nach 5.7 km in ein unbezeichnetes Dorf ( 36° 37' 7.59", 68° 53' 18.54" )abgebogen um die Furt durch den Kundusfluß zu erreichen.

    Warum und wo die LKW auf der Straße nach Kabul "gewendet" haben sollen geht aus dem Artikel nicht hervor.

    Der Ort "Angor Boch" ist weder Google Earth noch Microsofts Bing bekannt.

    Folge ich Ihrem Artikel, dann wurden die LKW auf der Straße nach Kabul entführt, ob vor - oder nach dem Abbiegpunkte - spielt keine Rolle.

    Zitat:
    "Gegen 20.00 Uhr stecken die beiden Tanklaster endgültig im Sand fest.."

    "Die Taskforce verfügt über mehrere afghanische Informanten. Eine von ihnen ruft am Vormittag seinen Nachrichtenoffizier, einen KSK-Mann, an und meldet, dass Talibankämpfer die Laster entführt haben und diese feststecken."

    Zu diesem Zeitpunkt - und mit der Information, daß die beiden LKW versuchen sich von der Hauptstraße weg und über die unsichere Furt zu bewegen - hätte jedem Strategen klar sein müssen, daß es sich hier nicht mehr um einen geplanten Angriff handeln kann - sondern ein simpler Treibstoffdiebstahl vorliegen muß.

  5. Ich möchte den interessierten Zeit-Online Leser bitten sich das Lagebild einmal auf einer Karte anzuschauen.
    ( Geben Sie in Google Maps oder Earth oder Microsoft Bing einfach die Koordinaten o.a. ein )

    Zweite Frage:
    Im Bundeswehrstützpunkt waren zum Zeitpunkt des Diebstahls mehrere hundert gut ausgerüstete Soldaten stationiert.

    Der um 20:00 gemeldete vergebliche Fluchtversuch der beiden LKW in einer Furt kann nicht lokalisiert werden.

    Erst gegen 24:00 werden die LKW im Kundus-Fluß lokalisiert ?

    Ich möchte an die Entfernung des BW Stützpunktes erinnern.
    Es sind 7 km.

    Der angebliche Informant hätte vielleicht doch den Dorfnamen an der Furt erwähnen können.

    Es sind 10 Minuten Fahrzeit vom Stützpunkt aus.

    Der Ort der Furt war anhand der Angaben des sogenannten Informanten und der Karte sofort erkennbar.

    Meiner Vorstellung nach verfügt die BW und die KSK über gepanzerte Fahrzeuge und Nachtsichtgeräte.

    Die Aufklärung vor Ort hätte innerhalb einer Viertelstunde durch BW oder KSK erfolgen können.

    Es waren genügend BW und KSK Truppen vor Ort, den mißlungenen Treibstoffdiebstahl innert 30 Minuten zu verifizieren und auffällige Beteiligte festzunehmen.

  6. "Um 1:35 gibt Oberst Klein über den Fliegerleitfeldwebel "Red Baron" den Befehl, die Bomben abzuwerfen."

    "1:52*: Oberst Klein, "Red Baron" und ein KSK-Offizier verfolgen im Gefechtsstand der Taskforce 47 auf dem Rover-Gerät die Bombardierung."

    "Um 2:28, nachdem der Rauch über der Furt verzogen ist, klären die F15-Kampfjets die Bombardierungsstelle auf. Sie sichten getötete und fliehende Menschen."

    Wie gesagt - der Bombardierungspunkt ist keine 7 km Luftlinie vom Stützpunkt enfernt.
    Die BW und das KSK verfügen über gepanzerte Fahrzeuge und Nachsichtausrüstung.

    Spätestens um 02:15 hätten Bodentruppen der BW und KSK vor Ort sein können.

    Nach dem Abwurf von 227 kg Sprengstoff , anhand mehrerer Überflüge kalibriert, sollte die Gefahr von Gegenwehr recht gering sein.

    "Um 2:28, .. klären F15-Kampfjets die Bombardierungsstelle auf. Sie sichten getötete und fliehende Menschen."

    Spätestens jetzt hätte wohl jeder vernünftige Mensch wenigstens einmal einen Rotkreuzwagen zur Bombardierungsstelle hingeschickt.

    "Gegen 12.00 Uhr, rund zehn Stunden nach der Bombardierung, erreichen Feldjäger aus Kundus den Tatort."

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    1. Es sind zwar alle Soldaten bewaffnet, in Afghanistan sind aber effektiv gerade ca. 400 Soldaten der Kampftruppe. Und die sind in AF, nicht im PRT Kundus.
    2. An der Furt wurden mind. 45 bewaffnete Menschen gezählt.
    3. Um diese Stelle mit Bodentruppen zu nehmen, ist folgende rechnung aufzumachen:
    mind 100 Mann Angriffstruppe (2 fache Überzahl gegenüber demn Gegner ist Minimum, um eine Sicherheit für die eigenen Soldaten zu haben).
    mind. ein Zug (30 Mann) als Reserve
    Da der Angriff in feindliches Gebiet geht, ist Flankenschutz und Schutz des rückwärtigen Raums notwenig. Ansatz dafür: mind. weitere 120 Mann.
    Summe:
    100 30 120 = 250 Mann, das sind 62,5% aller deutschen Kampftruppen. Abgesehen davon, daß in den Lagern jeweils Schutz zurück bleiben muß (vielleicht ist so eine Aktion ein Ablenkungsmanöver) war und ist es unmöglich, diese Leute so schnell an einem Ort zusammen zu ziehen. Wichtig zu wissen ist auch, daß der Deutsche Generalstab(manche nennen ihn auch Bundestag)den Einsatz von Schützepanzern ablehnt, um nicht zu martialisch auftreten. Offensichtlich ist dem Generalsstab .. ähh Bundestag in vorauseilendem Wissen die Psyche einen Afghanen mehr wert als die Gesundheit und/oder das Leben einen eigenen Soldaten.
    Übrigens, warum sollte man das Risiko eingehen, daß die LKW's doch weider Fahrbar gemacht werden können? Müssen woir hier sportlich agieren?Weiterhin zum Thema Krankenwagen: Diese werden von den Taliban bevorzugt beschossen. Das tue ich meinen Sanis nicht an

    1. Es sind zwar alle Soldaten bewaffnet, in Afghanistan sind aber effektiv gerade ca. 400 Soldaten der Kampftruppe. Und die sind in AF, nicht im PRT Kundus.
    2. An der Furt wurden mind. 45 bewaffnete Menschen gezählt.
    3. Um diese Stelle mit Bodentruppen zu nehmen, ist folgende rechnung aufzumachen:
    mind 100 Mann Angriffstruppe (2 fache Überzahl gegenüber demn Gegner ist Minimum, um eine Sicherheit für die eigenen Soldaten zu haben).
    mind. ein Zug (30 Mann) als Reserve
    Da der Angriff in feindliches Gebiet geht, ist Flankenschutz und Schutz des rückwärtigen Raums notwenig. Ansatz dafür: mind. weitere 120 Mann.
    Summe:
    100 30 120 = 250 Mann, das sind 62,5% aller deutschen Kampftruppen. Abgesehen davon, daß in den Lagern jeweils Schutz zurück bleiben muß (vielleicht ist so eine Aktion ein Ablenkungsmanöver) war und ist es unmöglich, diese Leute so schnell an einem Ort zusammen zu ziehen. Wichtig zu wissen ist auch, daß der Deutsche Generalstab(manche nennen ihn auch Bundestag)den Einsatz von Schützepanzern ablehnt, um nicht zu martialisch auftreten. Offensichtlich ist dem Generalsstab .. ähh Bundestag in vorauseilendem Wissen die Psyche einen Afghanen mehr wert als die Gesundheit und/oder das Leben einen eigenen Soldaten.
    Übrigens, warum sollte man das Risiko eingehen, daß die LKW's doch weider Fahrbar gemacht werden können? Müssen woir hier sportlich agieren?Weiterhin zum Thema Krankenwagen: Diese werden von den Taliban bevorzugt beschossen. Das tue ich meinen Sanis nicht an

  7. "Spätestens um 02:15 hätten Bodentruppen der BW und KSK vor Ort sein können."

    "Spätestens jetzt [02:28]hätte wohl jeder vernünftige Mensch wenigstens einmal einen Rotkreuzwagen zur Bombardierungsstelle hingeschickt."

    Ihre Schlußfolgerungen sind abenteuerlich. Sie waren offensichtlich noch nie in einem Kriegs- oder Krisengebiet. Aber vielleicht sollten deutsche Kommandeure in Afghanistan tatsächlich risikofreudiger werden, denn deutsche Soldaten als Geiseln der Taliban hatten wir bislang noch nicht. Und auch die Anzahl der gefallenen deutschen Soldaten läßt sich mit Ihnen als strategischem Ratgeber sicher mühelos steigern (sagt Ihnen IED etwas?).

    Im übrigen sollten Sie die ZEIT-Chronik nicht als Grundlage für Ihre Spekulationen nutzen. Diese Mischung aus Mutmaßungen, Halbwahrheiten und Rechtschreibfehlern ist dafür nicht geeignet.

    MfG

    • joG
    • 26.02.2010 um 9:50 Uhr

    .....und ob sie geschönt dargestellt wurde das eigentlich interessante.

    Interessant ist die Frage, ob die Bundeswehr diese Art Einsatz überhaupt durfte. Sollte die BW mit kriegsähnlichen Mitteln gegen Taliban vorgehen? War es also doch ein Marschbefehl zum Krieg? Wie waren die Einsatzvorgaben aus Berlin? Wer hatte den Befehl Krieg zu machen gegeben? War es das Parlament oder war es das Kabinett?

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