Westafrika Nigerias Staatskrise eskaliert

Unruhen mit vielen Toten, ein aufgekündigter Waffenstillstand und ein erkrankter Präsident – Nigerias Krise wird zur Bedrohung für Westafrika. Von L. Arbour und A. Obe

In der Stadt Jos starben im Januar während Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen mehr als 350 Menschen. Erst als die Armee einrückte, kehrte etwas Ruhe ein

In der Stadt Jos starben im Januar während Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen mehr als 350 Menschen. Erst als die Armee einrückte, kehrte etwas Ruhe ein

Seit zwei Monaten haben die Nigerianer ihren Präsidenten Umaru Yar'Adua nicht mehr gesehen. Nun haben der Senat und das Repräsentantenhaus Vizepräsident Goodluck Johnson bis zur Genesung Yar’Aduas die Führung übergeben. Doch schon werden Stimmen laut, die die Rechtmäßigkeit dieser Bestimmung bezweifeln. Wenn Nigeria nicht bald seine Regierungskrise beendet, wird es zu einer Katastrophe kommen.

Das gegenwärtige System der Korruption und Straflosigkeit verhindert, dass die zentrale Regierung Konflikte bewältigen, geschweige denn lösen kann. Die Gewalt brodelt konstant im Niger-Delta und bricht immer wieder im Norden des Landes aus. Das haben die blutigen Unruhen in der Stadt Jos im Januar nur allzu deutlich gemacht. Mehrere Hundert Menschen starben damals bei Auseinandersetzungen christlicher und muslimischer Gruppen. 40.000 Menschen flohen aus der Region.

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Nun verschärft die Verfassungskrise die Probleme um ein Zehnfaches. Der lange Krankenhausaufenthalt von Präsident Umaru Yar'Adua in Saudi-Arabien seit Ende November, das Täuschungsmanöver der Regierung gegenüber der Öffentlichkeit über seinen wahren Gesundheitszustand, aber vor allem die Tatsache, dass er seinem Vizepräsidenten nicht die Macht übergeben hat, sind eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit und den Frieden sowohl Nigerias als auch der Region Westafrika.

Erstens vertieft die Führungskrise Nigerias die politische Nord-Süd-Rivalität im Land. Der Konflikt zwischen verfassungsrechtlichen Bestimmungen, die Jonathan, einen Südländer, bei Ausfall des Präsidenten zum Nachfolger machen, und die politische Einigung, die Yar'Adua, einen Nordländer, an die Macht brachte, birgt das Risiko einer Spannungseskalation.

Zweitens läuft der Friedensprozess des Niger-Delta Gefahr zu scheitern. Das Regierungsprogramm für die Rehabilitation und Umschulung der Delta-Kämpfer ist ins Stocken geraten. Ölanlagen  werden wieder angegriffen und kriminelle Banden entführen erneut ausländische Ölarbeiter für Lösegeld. Erst kürzlich kündigte die militante Gruppe „Bewegung für die Emanzipation des Niger-Deltas“ (MEND) ein Ende des dreimonatigen Waffenstillstandes an. Die Ölgesellschaften müssten sich auf einen "Totalangriff" auf Mitarbeiter und Einrichtungen einstellen, ließen die Rebellen verbreiten. Die Zeichen könnten wahrlich nicht bedrohlicher sein.

Drittens existiert keinerlei Rechenschaftspflicht mehr. Der föderale Exekutivrat – das Kabinett der Bundesminister – handelt ohne Aufsicht und biegt die Regeln nach Lust und Laune. Staatsausgaben laufen weiterhin unter einem dubiosen Nachtragshaushalt, im Widerspruch zu früheren Zusagen des Präsidenten.

Freie Hand für Korruption und fehlende Ordnung führen zur vierten Gefahr: sollte sich die verfassungsrechtliche Verwirrung vertiefen, bietet das ehrgeizigen Offizieren einen idealen Vorwand für einen Putsch. Der wiederum würde jegliche demokratische Errungenschaft des Landes mit einem Schlag zunichte machen.

Leser-Kommentare
  1. Ich war mal in Nigeria vor 8 jahren. Die Stadt Jos habe ich zwar nicht besucht, aber damals war das so eine Art Safari-Stadt, wo man mit Jeeps an Löwen vorbeifährt etc., sprich eine der Orte in Nigeria die für Touristen gedacht waren.

    Bloß mal ein paar Erlebnise aus diesem Land, die paar Einblicke geben und evtl. erklären werden, wieso diese Land vorprogrammiert ist, für Konflikte dieser Art. Der Norden ist muslimisch geprägt, der Süden christlich. Die Leute im Süden haben teilweise gesagt der Norden, ist nicht Nigeria. Ich war in Lagos (der alten Hauptstadt) und in Abuja (der neuen Hauptstadt) welche ca. genau in der Mitte des Landes liegt, sowie in einer kleineren Stadt Agbor auch im Süden. In Abuja gibt es Straßenbeleuchtung und mir schien es als würde es ein wenig nach amerikanischen Städtemuster aufgezogen werden. Es ist im übrigen die einzigste Stadt, in der eine Müllabfuhr existiert und ausländische Restaurants und sowie ausländische Hotelketten sich breit gemacht haben. In Lagos gibt es das auch ein wenig mit den ausländischen Ketten. Im rest des Landes wird der Müll, welcher an den Staßenseite sich anhäuft, wenn er zuviel wird einfach abgebrannt.

    Die Polizisten haben natürlich einen geringen Lohn, deshalb ist es gang und gebe, dass einfach mal Straßensperren aufgebaut werden, wo man dann einen kleinen Betrag abgibt, um weiter Fahren zu können. Das ist übriegn auch beim Flughafen, bei der Passkontrolle so. Wer schnell weiter muss einfach ein bisl Geld geben.

  2. Die Autobahnen sind sehr beschädigt oft, sodass es nicht unüblich ist das die Fahrer auf der schlechteren Seite einfach eine Spur nehmen von der anderen Richtung. An extrem beschädigten Stellen stehen zumeist junge Menschen die einem Wasser sowie Gebäck verkaufen. Man hält hierfür noch nicht einmal an, sondern fährt in Schritttempo einfach weiter und die Leute laufen nebeneinem her. Mehrere sodass sogar noch gehandelt wird, wer am besten verkauft. ( Ist eigentlich recht traurig, mir taten die sehr leid)

    Weiter sind an den Straßen alle paar Kilometer, kleine Werkstätten, wenn man so will. Dort gibt es zuhauf Reifen, sowie kleinere Ersatteile. Als ich dort war, hatten wir einen Platten und aufgrund der Werkstätten, waren wir recht schnell wieder unterwegs.

    In der Haupstdt Abuja gibt es einen engeren Zirkel. Sogesehen eine kleine "grüne Zone" wenn man so will. Dort kommen nur Regierungsmitglieder und andere "wichtigere" Personen hinein, mit einem Ausweis. Dort befinden sich auch die genannten Hotels. Aufgrund eines Bekannten von mir, konnte ich dort rein. Dieser im übrigen kannte, den damaligen Sicherheitsberater vom Präsidenten, den wir auch besucht haben. Hatte einen eigenen kleinen Privatzoo, wo ich mich leider angesteckt hatte von den Affen, welche sofort erkannten, dass ich als weißer etwas anderes bin und mir an der Hand kratzen um dann an den Hautpartikel zu richen.

  3. Durch diesen Kontakt mit den Affen lag ich zurück in D aber leider 1 Woche im Krankenhaus mit sehr hohem Fieber. Die Ärzte wussten nicht was ich hatte. Weiss es auch nicht mehr, aber zum Glück hab ichs überstanden.

    Weiter gibt es dort bzw. gab es dort eine einzigste Bahnverbindung, welche jeodch lediglich nur für den Öltransport zuständig war.

    Die Dörfer weiter ausserhalb der Städte werde im übrigen von soegnannten "Chiefs" regiert. Dies sind dann meistens die reichsten oder die ältesten im Dorf oder einflussreichsten. Wie die Bahnverbindung fürs Öl und das abgesperrte Regierungviertel zeigen, besteht eigentlich kein Kontakt zwischen der Bevölkerung und den reichen in der Hauptstadt, welche sich eh abgrenzen wollen und lieber Geld ausgeben, um sich um die Bevölkerung kümmern. Die Bevölkerung ist zumeist auch null interessiert an der Politk, die eh nur korrpute Personen hervorbringt. das einzigste was diese Leute oft vereint ist die Fußballnationalmannschaft. In der Stadt Agbor, wo ich war gab es ein Gefägnis ein kleines und vielleicht zwei Polizisten, für schätzungsweise 10000 Menschen. Sprich es herrscht Anarchie. Was mich jedoch fasziniert hat, da die Leute im großen und ganzen von alleine für die Grundordnung soregn. Jedoch kann sich dies nun natürlich rächen, wenn die Bevölkerung entzweit wird.

    Mein Besuch Nigerias liegt zwar schon etwas zurück, jedoch denke ich ist das alles immer noch repräsentativ für heute.

    Hoffe diese einblicke helfen ein wenig für Verständis

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    Schöne Beschreibung!
    Oft sind die Kommentare um ein Vielfaches aussagekräftiger als die Inhalte. Hierbei eine wirklich sinnvolle Ergänzung zum besseren Verständnis!
    Besser als kalte Fakten sind immer noch lebendige Erfahrungen!

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  4. 4. Danke!

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    Antwort auf "Erfahrungsbericht 3"

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