Energiepolitik USA planen neue Atomkraftwerke
Erstmals seit drei Jahrzehnten sollen in den USA wieder neue Atomreaktoren gebaut werden. Die Kernenergie soll die Abhängigkeit der USA von Ölimporten verringern.
© dpa

Das Kernkraftwerk von Three Mile Island, in dem es 1979 zu einer Kernschmelze kam
US-Präsident Barack Obama will mit einem Milliardenkredit für die Atomindustrie den Kongress für seine Klimaschutzpläne gewinnen. Obama kündigte an, 8,3 Milliarden Dollar für den Bau von zwei Reaktoren im Bundesstaat Georgia bereitzustellen. Das wäre der erste Bau neuer US-Atomkraftwerke seit fast drei Jahrzehnten.
Der Ausbau der Atomenergie sei nötig, um die Abhängigkeit der USA von Ölimporten zu verringern und den Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen zu verringern, sagte Obama. "Um unseren wachsenden Energiebedarf zu decken und den schlimmsten Folgen des Klimawandels vorzubeugen, müssen wir unser Angebot an Nuklearenergie vergrößern, so einfach ist das", sagte Obama. Die Atomenergie habe aber auch "ernsthafte Nachteile". Als Beispiel nannte er die ungelöste Frage der Lagerung atomarer Abfälle.
Zugleich warb Obama für sein von der Opposition kritisiertes Vorhaben, den Treibhausgas-Ausstoß der Industrie zu begrenzen und den Ausbau erneuerbarer Energiequellen zu fördern. Nach seiner Einschätzung gebe es einige Gemeinsamkeiten mit den Republikanern in der Klimapolitik, auf denen es aufzubauen gelte, sagte der Präsident. Seine Energie- und Klimaberaterin Carol Browner forderte Republikaner und andere Atomkraftbefürworter auf, die Zugeständnisse der Regierung beim Bau neuer Kernkraftwerke zu würdigen.
Bislang decken die USA etwa ein Fünftel ihres Strombedarfs durch Atomkraft. Obama will die Nutzung von "sauberer" Energie, wie Wind- und Sonnenkraft, aber auch modernen Kohletechnologien und Atomkraft in den nächsten Jahren verdoppeln und damit rund 700.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Im Senat hängt derzeit sein Klimaschutzgesetz fest, mit dem er neben der Reduzierung von Treibhausgasen auch einen Handel mit Emissionsrechten nach europäischem Vorbild einführen will.
Der Sierra Club – die älteste und größte Naturschutzorganisation der USA – kritisierte Obamas Pläne zum Ausbau der Kernenergie. "Um den Kohlendioxidausstoß zu verringern, müssen wir den saubersten, billigsten, schnellsten und sichersten Wegen Vorrang einräumen", so die Organisation in einer Erklärung. "Atomkraft ist weder sauber noch billig, schnell oder sicher."
Der US-Präsident hatte vor zwei Wochen eine neu geschaffene Kommission damit beauftragt, binnen zwei Jahren Vorschläge für einen besseren Umgang mit Nuklearabfällen zu erarbeiten. Ende Januar hatte er sich in seiner Rede zur Lage der Nation überraschend deutlich für Nuklearenergie ausgesprochen und betont, Atomstrom und die Erschließung von Ölvorkommen vor der US-Küste sollten Teil eines umfassenden Energiegesetzes sein. Obama hatte Atomenergie in der Vergangenheit nie komplett abgelehnt, aber wegen des Entsorgungsproblems erhebliche Vorbehalte geäußert.
Weltweit gibt es nach Angaben der Atomwirtschaft mehr als 430 Reaktoren, davon allein mehr als 100 in den USA. Auslöser für die Abkehr von der Atomkraft in den Vereinigten Staaten war der Nuklearunfall im Atomkraftwerk Three Mile Island vor 30 Jahren, dem schwersten in der amerikanischen Geschichte.
- Datum 16.02.2010 - 19:22 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa
- Kommentare 12
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... daraus?
Richtig: Nicht mal in den USA, fast frei von jeglicher Konkurrenz durch Erneuerbare Energien und fast frei von jeglichen Gedanken an Umweltschutz, sind AKW wirtschaftlich ohne massive Subventionen tragfähig.
...Sicherlich ist eine Garantie eine Subvention. Andererseits werden große Energieprojekte mit Garantien regelmäßig subventioniert. Kürzlich sah ich ein mittleres Projekt aus der Kohleverstromung, das von der KFW und der JDB auf diese Weise unterstützt wurde. Kohle ist aber die billigste Art Strom zu erzeugen.
So ist Ihr Schluss nicht zwingende Mutmaßung.
...Sicherlich ist eine Garantie eine Subvention. Andererseits werden große Energieprojekte mit Garantien regelmäßig subventioniert. Kürzlich sah ich ein mittleres Projekt aus der Kohleverstromung, das von der KFW und der JDB auf diese Weise unterstützt wurde. Kohle ist aber die billigste Art Strom zu erzeugen.
So ist Ihr Schluss nicht zwingende Mutmaßung.
Basierend auf den Daten der Andasol Solarkraftwerken (300mio€ für 50MW Leistung) ließen sich mit den 8,3 Milliarden Dollar an Krediten immerhin 1,4GW an Elektrischer Leistung installieren (Wenn in den USA produziert, entfällt der Wechselkurs €-Dollar).
Zwei Atomkraftwerke haben auch nur geschätzte 2-3GW an Leistung.
So viel höher wären die Kosten für die solare Lösung also gar nicht. Bei gleicher Zuverlässigkeit, Grundlastfähigkeit, und ähnlichen Betriebskosten. Ohne die Atommüllfrage und das Sicherheitsproblem und den Umweltschäden durch Uran Bergbau.
... bei den Andasol Kraftwerk(en) gewissermaßen noch um Prototypen handelt, die kostenmäßig deutlich teurer sind als dies für Großprojekte à la DeserTec veranschlagt wird.
Studien für eine umfassende ökologische Energieversorgung der USA gibt es ja schon ("Solar Grand Plan"), unter der Annahme einer nur konservativer Technologieentwicklungen bei der Solarenergie und des politischen Willens. Kostenpunkt, ca. 400-450 Mrd. Dollar bis 2050, was angesichts der Größenordnung selbst im Vergleich mit konventionellen und atomaren Kraftwerken nicht besonders viel ist.
Am Willen mangelt es halt, obwohl die Windenergie, Solarenergie und Biomasse in den USA boomen.
Übrigens liegen die günstigsten massengefertigten Dünnschichtzellen bereits bei ca. 1$ pro Watt, was also auch deutlich günstiger als Andasol wäre (der Solar Grand Plan rechnet für PV mit 1,2$/W).
...aufzuarbeiten, will ich darauf hinweisen, dass Ihre Rechnung unstimmig scheint. Selbst Ihre "So viel höher wären die Kosten für die solare Lösung also gar nicht." ist verwegen, sind doch 2-3GW immerhin zwischen 40 und 110 Prozent mehr als 1.4GW. Das mag wenig erscheinen, wenn es einem egal ist, welche Industriezweige schließen. Für einen Ministerialbeamten, ZDF Intendanten oder Oberlehrer ändert das wenig. Aber für ganze Mannschaften ist dieser Unterschied existentiell.
Nun muss man auch anfügen, dass die Kraftwerke nicht $ 8,3 Mrd kosten. Die Japaner geben auch Garantien. Wenn ich mich recht erinnere sind die projizierten Gesamtkosten bei $12 Mrd. Diese sind über vielleicht 60 Jahre abzuschreiben. Kurz gesagt: Sie können so einfach nicht rechnen, wie Sie tun.
... bei den Andasol Kraftwerk(en) gewissermaßen noch um Prototypen handelt, die kostenmäßig deutlich teurer sind als dies für Großprojekte à la DeserTec veranschlagt wird.
Studien für eine umfassende ökologische Energieversorgung der USA gibt es ja schon ("Solar Grand Plan"), unter der Annahme einer nur konservativer Technologieentwicklungen bei der Solarenergie und des politischen Willens. Kostenpunkt, ca. 400-450 Mrd. Dollar bis 2050, was angesichts der Größenordnung selbst im Vergleich mit konventionellen und atomaren Kraftwerken nicht besonders viel ist.
Am Willen mangelt es halt, obwohl die Windenergie, Solarenergie und Biomasse in den USA boomen.
Übrigens liegen die günstigsten massengefertigten Dünnschichtzellen bereits bei ca. 1$ pro Watt, was also auch deutlich günstiger als Andasol wäre (der Solar Grand Plan rechnet für PV mit 1,2$/W).
...aufzuarbeiten, will ich darauf hinweisen, dass Ihre Rechnung unstimmig scheint. Selbst Ihre "So viel höher wären die Kosten für die solare Lösung also gar nicht." ist verwegen, sind doch 2-3GW immerhin zwischen 40 und 110 Prozent mehr als 1.4GW. Das mag wenig erscheinen, wenn es einem egal ist, welche Industriezweige schließen. Für einen Ministerialbeamten, ZDF Intendanten oder Oberlehrer ändert das wenig. Aber für ganze Mannschaften ist dieser Unterschied existentiell.
Nun muss man auch anfügen, dass die Kraftwerke nicht $ 8,3 Mrd kosten. Die Japaner geben auch Garantien. Wenn ich mich recht erinnere sind die projizierten Gesamtkosten bei $12 Mrd. Diese sind über vielleicht 60 Jahre abzuschreiben. Kurz gesagt: Sie können so einfach nicht rechnen, wie Sie tun.
... bei den Andasol Kraftwerk(en) gewissermaßen noch um Prototypen handelt, die kostenmäßig deutlich teurer sind als dies für Großprojekte à la DeserTec veranschlagt wird.
Studien für eine umfassende ökologische Energieversorgung der USA gibt es ja schon ("Solar Grand Plan"), unter der Annahme einer nur konservativer Technologieentwicklungen bei der Solarenergie und des politischen Willens. Kostenpunkt, ca. 400-450 Mrd. Dollar bis 2050, was angesichts der Größenordnung selbst im Vergleich mit konventionellen und atomaren Kraftwerken nicht besonders viel ist.
Am Willen mangelt es halt, obwohl die Windenergie, Solarenergie und Biomasse in den USA boomen.
Übrigens liegen die günstigsten massengefertigten Dünnschichtzellen bereits bei ca. 1$ pro Watt, was also auch deutlich günstiger als Andasol wäre (der Solar Grand Plan rechnet für PV mit 1,2$/W).
http://www.zeit.de/2004/3...
Die Referenz hat mir den verschollenen Link auf Rolf Linkohr geliefert.
Herzlichst Crest
...Sicherlich ist eine Garantie eine Subvention. Andererseits werden große Energieprojekte mit Garantien regelmäßig subventioniert. Kürzlich sah ich ein mittleres Projekt aus der Kohleverstromung, das von der KFW und der JDB auf diese Weise unterstützt wurde. Kohle ist aber die billigste Art Strom zu erzeugen.
So ist Ihr Schluss nicht zwingende Mutmaßung.
... das z.B. die offshore Windparks in den Genuß der selben luxuriösen Garantien wie AKW kommen. Gleiches gilt übrigens auch für viele Kohlekraftwerke.
... das z.B. die offshore Windparks in den Genuß der selben luxuriösen Garantien wie AKW kommen. Gleiches gilt übrigens auch für viele Kohlekraftwerke.
...aufzuarbeiten, will ich darauf hinweisen, dass Ihre Rechnung unstimmig scheint. Selbst Ihre "So viel höher wären die Kosten für die solare Lösung also gar nicht." ist verwegen, sind doch 2-3GW immerhin zwischen 40 und 110 Prozent mehr als 1.4GW. Das mag wenig erscheinen, wenn es einem egal ist, welche Industriezweige schließen. Für einen Ministerialbeamten, ZDF Intendanten oder Oberlehrer ändert das wenig. Aber für ganze Mannschaften ist dieser Unterschied existentiell.
Nun muss man auch anfügen, dass die Kraftwerke nicht $ 8,3 Mrd kosten. Die Japaner geben auch Garantien. Wenn ich mich recht erinnere sind die projizierten Gesamtkosten bei $12 Mrd. Diese sind über vielleicht 60 Jahre abzuschreiben. Kurz gesagt: Sie können so einfach nicht rechnen, wie Sie tun.
Vielleicht haben die USA erkannt, dass es bis zur Nutzung der Energie aus Kernfusion und der Schadstoffreien Verbrennung Fossiler Brennstoffe keine Alternative zur Nutzung der Kernenergie gibt.
So schnell wie möglich, denn die Klimabombe tickt unaufhaltsam.
siehe jeremy rifkin: die h2 revolution.
"wenn es kein öl mehr gibt ...
rifkin prognostiziert den aufstieg einer globalen und gerechten energiewirtschaft basierend auf wasserstoff-brennstoffzellen: die h2-revolution. wasserstoff ist sauber, unbegrenzt verfügbar und - wenn richtig genutzt - die "ewige energie".
die h2-revolution beendet die macht der ölkartelle und ist augangspunkt für eine gerechte weltwirtschaft"
(waschzettel zum buch: die h2 revolution)
riffkin, einer der derzeit bekanntesten und streitbarsten wissenschaftler amerikas, schließt sein buch mit dem aussagekräftigen fazit:
wasserstoff ist ein verheißungsvoller anfang für die zukunft der menschheit auf erden. es liegt an uns, ob das versprechen in fehlgeschlagene unternehmungen und verpassten chancen verschleudert oder zum nutzen der menschheit und unserer mitgeschöpfe weise genutzt wird.
siehe jeremy rifkin: die h2 revolution.
"wenn es kein öl mehr gibt ...
rifkin prognostiziert den aufstieg einer globalen und gerechten energiewirtschaft basierend auf wasserstoff-brennstoffzellen: die h2-revolution. wasserstoff ist sauber, unbegrenzt verfügbar und - wenn richtig genutzt - die "ewige energie".
die h2-revolution beendet die macht der ölkartelle und ist augangspunkt für eine gerechte weltwirtschaft"
(waschzettel zum buch: die h2 revolution)
riffkin, einer der derzeit bekanntesten und streitbarsten wissenschaftler amerikas, schließt sein buch mit dem aussagekräftigen fazit:
wasserstoff ist ein verheißungsvoller anfang für die zukunft der menschheit auf erden. es liegt an uns, ob das versprechen in fehlgeschlagene unternehmungen und verpassten chancen verschleudert oder zum nutzen der menschheit und unserer mitgeschöpfe weise genutzt wird.
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