Sicherheitskonferenz Russland sieht Nato-Osterweiterung als Bedrohung

Der russische Außenminister Lawrow hat in München eine einheitliche Sicherheitspolitik in ganz Europa gefordert. Die Politik der Nato stehe dem jedoch entgegen.

Verstimmt in München: Der russische Außenminister Lawrow (l.) im Gespräch mit dem US-Sicherheitsberater Jones

Verstimmt in München: Der russische Außenminister Lawrow (l.) im Gespräch mit dem US-Sicherheitsberater Jones

Russland drängt auf einen neuen Sicherheitspakt: Außenminister Sergej Lawrow sprach sich auf der Sicherheitskonferenz in München dafür aus, das Blockdenken zu beenden und einen "einheitlichen militärpolitischen Raum" zu schaffen, in dem kein Land seine Sicherheit auf Kosten eines anderen Landes gewährleiste.

Lawrow warf dem Westen vor, eine Verteidigungspolitik zu Russlands Lasten zu betreiben. Wesentlich sei hierbei die Nato, die ihre Grenzen immer weiter nach Osten verschoben habe. Lawrow folgte mit seinen Äußerungen der neuen russischen Militärdoktrin, die Präsident Dmitrij Medwedjew am Vortag abgezeichnet hatte. Demnach stellt die Nato-Osterweiterung eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit des Landes dar. Die Doktrin kritisiert insbesondere, dass die "militärische Infrastruktur" der Nato durch die Erweiterung immer näher an die russischen Grenzen heranrücke.

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Lawrow sagte, nach dem Ende der Sowjetunion habe eine "echte Chance" bestanden, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu einer "vollwertigen Organisation" zu machen. Leider habe der Westen damals aber den Weg der Nato-Osterweiterung eingeschlagen.

Der russische Außenminister sprach sich in München für einen Ausbau des sogenannten Korfu-Prozesses aus. Auf der griechischen Mittelmeerinsel Korfu hatten sich die Außenminister der OSZE im vergangenen Juni darauf verständigt, die Beratungen über eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa vertiefen. Russlands Präsident Medwedjew hatte wiederholt eine neue paneuropäische Sicherheitsarchitektur vorgeschlagen, was vom Westen jedoch zurückhaltend registriert wurde.

Lawrow wies Kritik an Medwedjews Vorstellungen zurück. Er widersprach der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton, die am Vortag in einem Zeitungsbeitrag dafür plädiert hatte, keine neuen Institutionen zu schaffen, sondern vorhandene zu nutzen. Lawrow sagte, Medwedjews Vorschläge zielten lediglich darauf ab, sich rechtsverbindlich zu dem Grundsatz zu bekennen, dass kein Land seine Sicherheit auf Kosten eines anderen Landes verbessern dürfe. "Wir wollen verbindlich machen, was bereits oft gesagt wurde", sagte Lawrow. "Wir wollen das Blockdenken des Kalten Krieges in Europa überwinden und eine neue Qualität gegenseitigen Vertrauens schaffen."

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) plädierte für "eine substanzielle Diskussion der Vorschläge" des russischen Präsidenten. "Die strategische Partnerschaft mit Russland ist nicht nur unverzichtbar für die europäische Sicherheit, sondern auch für die Lösung globaler Probleme", sagte er.

Leser-Kommentare
    • knuham
    • 06.02.2010 um 13:43 Uhr

    Wie das atlantische Bündnis (NATO), auf dessen Abschreckung gerade D-Land angewiesen ist, durch eine parallele europäische Verteidigungsgemeinschaft ergänzt werden kann, ist eine offene Frage.

    Wenn Russland immer noch Blockdenken unterstellt, erscheint das mehr als obsolet, erinnert aber daran, dass Russland als "global player" angesehen werden will.

    So wird es aber sicher nichts. Nur gut, dass meist ein überschaubarer Pragmatismus (z.B. wie in den ehemaligen GUS-Staaten nördlich Afganistans) die Vernunft des Tages leitet.

  1. zur deutschen Einheit, gab es von Seiten der NATO das Versprechen sich nicht über die deutsche Grenze (wozu dann auch die ehemaige DDR gehörte) weiter nach Osten auszudehnen.
    Heute sieht man, wie sich die NATO an Versprechen hält. Absolut nicht vertrauenswürdig.

    Ich kann die Russen gut verstehen, sollen sie doch nicht gleichberechtigt zur Lösung internationaler Probleme herangezogen, sondern isoliert und ihr Einfluss auf die Ressourcen im eurasischen Becken ausgeschaltet werden. Anders ist der beabsichtigte NATO-Beitritt Georgiens nicht zu erklären.

    MfG
    AoM

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    Genau das ist das Problem, die NATO hält ihre versprechen nicht ein. Und wenn man die Entwicklung der letzten 15 Jahre ansieht, ist die NATO eine Bedrohung für den Weltfrieden.

    Genau das ist das Problem, die NATO hält ihre versprechen nicht ein. Und wenn man die Entwicklung der letzten 15 Jahre ansieht, ist die NATO eine Bedrohung für den Weltfrieden.

  2. 3. Hmm...

    Meine lieben russischen Freunde:

    Hört doch endlich auf herum zu heulen. Ihr habt das flächenmäßig größte Land dieser Erde, fast endlose Vorkommen von Rohstoffen und habt tausende Nuklearwaffen.

    Überwindet eure Paranoia und Großmannssucht, reformiert euren Staat und sitzt zusammen mit uns gleichberechtigt an einem Tisch.

    Uups. Hab ich vergessen. Länder wie Litauen, Estland, Polen etc. etc. hätten niemals der Nato beitreten dürfen. Die hätten erstmal den großen Bruder Russland fragen müssen, ob sie als souveräne Staaten Teil einer internationalen Sicherheitsorganisation sein dürfen. Moskau hätte dann schon für diese Staaten entschieden...

  3. Genau das ist das Problem, die NATO hält ihre versprechen nicht ein. Und wenn man die Entwicklung der letzten 15 Jahre ansieht, ist die NATO eine Bedrohung für den Weltfrieden.

  4. Wie wäre es denn hiermit:

    Auf die Auflösung des Warschauer Paktes hätte sich auch die NATO aufgelöst. Im Zuge der europäischen Einigung wäre es möglich gewesen, ein europäisches Sicherheitsbündnis zu bilden, ohne USA und Russland.

    Die zynischen Ansichten von US Militärs sind bekannt:
    "Die NATO ist das einzige Staatenbündnis, welches funktioniert, da es von den USA angeführt (kommandiert wäre passender) wird."

    MfG
    AoM

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    Angesichts des Krampfes der europäischen Sicherheitspolitik mit divergierenden Interessen...

    "Die NATO ist das einzige Staatenbündnis, welches funktioniert, da es von den USA angeführt (kommandiert wäre passender) wird."

    Finde ich obige Aussage eigentlich recht passend.

    Angesichts des Krampfes der europäischen Sicherheitspolitik mit divergierenden Interessen...

    "Die NATO ist das einzige Staatenbündnis, welches funktioniert, da es von den USA angeführt (kommandiert wäre passender) wird."

    Finde ich obige Aussage eigentlich recht passend.

  5. 6. Tja...

    Angesichts des Krampfes der europäischen Sicherheitspolitik mit divergierenden Interessen...

    "Die NATO ist das einzige Staatenbündnis, welches funktioniert, da es von den USA angeführt (kommandiert wäre passender) wird."

    Finde ich obige Aussage eigentlich recht passend.

    Antwort auf "@tiwalodika"
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    wie stark man sich einer hierarchischen, undemokratischen Struktur unterordnen will. Ich will es nicht und ich will auch nicht, dass Europa einzig Erfüllungsgehilfe von hegemonialen Interessen der USA bleibt.

    MfG
    AoM

    wie stark man sich einer hierarchischen, undemokratischen Struktur unterordnen will. Ich will es nicht und ich will auch nicht, dass Europa einzig Erfüllungsgehilfe von hegemonialen Interessen der USA bleibt.

    MfG
    AoM

  6. wie stark man sich einer hierarchischen, undemokratischen Struktur unterordnen will. Ich will es nicht und ich will auch nicht, dass Europa einzig Erfüllungsgehilfe von hegemonialen Interessen der USA bleibt.

    MfG
    AoM

    Antwort auf "Tja..."
  7. Ich verstehe nicht: Nachdem in Rußland die Marktwirtschaft eingeführt und die Demokratie versucht wurde, warum nimmt man das Land nicht in die NATO auf? Die Türkei z.B. ist schon lange dabei. Kanada ist auch ein riesiges Flächenland und Russland hat weniger als halb so viel Einwohner als allein die USA. Man könnte die NATO ggf. in Nordatlantisch-Pazifische Verteidigungsgemeinschaft (NAPDO) umtaufen oder kurz Pol-Club, könnte noch den militärisch-industriellen Komplex bedienen (strategische Abwehrsysteme an beliegigen Ecken installieren) - und wäre dann glänzend gegen internationale Bedrohungen gewappnet.
    Ich verstehe das nicht.

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    Die NATO wird von der USA kommandiert, wenn Russland in die NATO kommen sollte, muss es den befehlen aus den USA unterwerfen, das wird aber Russland niemals akzeptieren. Kurz gesagt, die NATO besteht nur aus Amerikanischen Vasallenstaaten.

    Die NATO wird von der USA kommandiert, wenn Russland in die NATO kommen sollte, muss es den befehlen aus den USA unterwerfen, das wird aber Russland niemals akzeptieren. Kurz gesagt, die NATO besteht nur aus Amerikanischen Vasallenstaaten.

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