Präsidentschaftswahl in der Ukraine
Der Antiheld Janukowitsch ist zurück
In dem verzweifelten Wunsch nach Stabilität haben die Ukrainer den dubiosen Wiktor Janukowitsch gewählt. Politisch ruhigere Zeiten verspricht das nicht.
© Genya Savilov/AFP/Getty Images

Politiker mit dubioser Vergangenheit: Wiktor Janukowitsch (M.), neuer Präsident der Ukraine
Zwischen dem politischen Tod und der Auferstehung des Wiktor Janukowitsch liegen fünf für die Wirtschaft der Ukraine katastrophale Jahre. Nur diese Leidensjahre können erklären, warum die Ukrainer am Sonntag jenen Mann zum Präsidenten gewählt haben, den sie während der Orangen Revolution im Winter 2004 noch als von Moskau protegierten Wahlfälscher verflucht hatten. Janukowitsch gewann denkbar knapp vor seiner Gegnerin, der amtierenden Premierministerin Julija Timoschenko, die ihrem Konkurrenten wie schon 2004 Wahlfälschung vorwirft und das Ergebnis wohl nicht akzeptieren wird.
Wiktor Janukowitsch ist kein strahlender Hoffnungsträger. Der rhetorisch ungelenke 59-Jährige saß wegen Raubüberfalls im Gefängnis, hat seinen Doktor der Wirtschaftswissenschaften vermutlich käuflich erworben und die Demonstranten, die in der Nacht auf dem Maidan-Platz für ihn jubelten, bezahlt. Dass die Ukrainer nun trotzdem in einer nach Angaben von Beobachtern einigermaßen sauber abgelaufenen Wahl für ihn gestimmt haben, hat weniger mit Überzeugung zu tun, als mit Verzweiflung.
Das Land steht am Rande des Bankrotts. Wer nicht zu den zehn Prozent Arbeitslosen gehört, bekommt einen Hungerlohn, der sich mit einer Inflationsrate von wiederum mehr als zehn Prozent rasant entwertet. Entscheidende Reformen der maroden Wirtschaft hat der amtierende Präsident Wiktor Juschtschenko verschlafen und sich stattdessen mit seiner ehemaligen Partnerin Julija Timoschenko gegenseitig zerfleischt. Dieses jahrelange Intrigentheater hat die begabte Populistin in der Stichwahl am Sonntag wahrscheinlich die entscheidenden Stimmen gekostet. Die Premierministerin konnte die Schuld für die Versäumnisse doch nicht allein Juschtschenko, dem gefallenen Helden der Orangen Revolution, in die Schuhe schieben.
Die Ukrainer, die vor fünf Jahren in Kiew noch wochenlang für Demokratie und Freiheit demonstrierten, wünschen sich inzwischen nichts mehr als Stabilität und einen starken, zur Not auch autoritären Präsidenten, der sie aus der Krise führt. Wegen des knappen Wahlausgangs könnten nun aber Streit und Chaos andauern. Während Janukowitsch sich bereits in der Nacht zum Präsidenten erklärte und Timoschenko zum Rücktritt aufforderte, denkt die machtbewusste Premierministerin nicht daran einzuknicken. Sie will das Wahlergebnis anzweifeln und um jede Stimme kämpfen. Und auch wenn Janukowitschs Sieg anerkannt wird, geht das Hickhack sehr wahrscheinlich weiter.
Die Machtbefugnisse zwischen Präsident und Regierungschef sind in der Ukraine so schlecht geregelt, dass im Falle einer Kohabitation endlose Konflikte vorprogrammiert sind. Experten schließen auch vorgezogene Parlamentswahlen nicht aus, die das Machtgewicht zugunsten eines der Lager verschieben könnten. Spätestens dann könnte der Drittplatzierte des ersten Wahlgangs, der ehemalige Chef der Nationalbank, Sergei Tigipko, als möglicher Premierminister ins Spiel kommen.
Janukowitsch wird alle diese politischen Querelen hinter sich bringen müssen, bevor er die wirklichen Probleme des Landes anpacken kann. Der Politiker aus dem russischsprachigen Osten des Landes, hat angekündigt, sich wirtschaftlich und politisch stärker an die Russen anzulehnen, mit denen er eine Freihandels- und Zollunion eingehen will. Ein Konsortium aus EU, Russland und Ukraine soll sich des maroden Gastransportsystems annehmen.
- Datum 8.2.2010 - 15:02 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 25
- Empfehlen E-Mail verschicken | Facebook, Twitter, Buzz …
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







...Unsinn in deutschen Blättern geschrieben wird, hat Rußland der Ukraine sicher mehr zu bieten, als eine EU, die außer einer gemeinsamen Währung nicht gerade viele Attraktionen zu bieten hat.
Janukowitsch hat dafür die richtigen Verbindungen und die nötige Akzeptanz innen wie außen.
Ob er gemeinsam mit den Ukrainern etwas daraus machen kann, warten wir doch einfach mal ab.
Recht viele Textpassagen in diesem Artikel deuten darauf hin, dass die Autorin nicht wirklich über die realen politischen und gesellschaftlichen Zustände in der Ukraine Bescheid weiß. Von der Einseitigkeit der Betrachtungsweise ganz zu schweigen.
Man kann Ukraine im zwei Teile spalten. Nord-Ukraine und Sud-Ukraine. Das wäre nicht etwas neues, und jeder bekommt was er glaubt das er nötig hat...
@Black Judge
Das, was Sie rauchen, das hätte ich auch gern ;-)
Wenn man schon den Gegensatz "West <--> Ost-Süd" mit "Nord <--> Süd" verwechselt.. oder wo haben Sie ausgerechnet dieses Spaltungsszenario her?
@Black Judge
Das, was Sie rauchen, das hätte ich auch gern ;-)
Wenn man schon den Gegensatz "West <--> Ost-Süd" mit "Nord <--> Süd" verwechselt.. oder wo haben Sie ausgerechnet dieses Spaltungsszenario her?
Lk 15,7:
"So wird mehr Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen."
Bei diesem Wort hatte ich eklatante Leseschwierigkeiten, aber keine sündhaften: "Gastransportsystem".
Ich las, ungeniert und erfreut ob des Lese-Gastraums Ukraine (Kurkow z.B. ): Gas-tran-sport... - " da gab ich's auf mit leisen Missbehagen und setzte zu einem neuen Leseschub an, eben: Gast.
*
P.S.:
'Und so richtete ich, der kleine, blinde Gerechte, vor dem Großdenkmal "Mutter Heimat" in Kiew meinen Blick nach oben, gegen den grauen Winterhimmel.
Da sah ich jemanden, der mehr als alle anderen der wahre ukrainische Held sein oder werden wollen mochte. Ich sah ihn wie einen Kutschma-Präsident.
Und von ihm gingen 99 Sonnenstrahlen (oder ähnliche herz- und lanzenförmige Lichtgebilde) aus, die das frierende Land mehr erwärmen wollten als das ganze russische Gas.
> Oh, das ist ja eine quasis-allegorische Neuübersetzung von Lk 15,7 geworden. <
Werte Frau Boy,
Sie gestatten mir hoffentlich ein paar ergänzende Bemerkungen zu Ihrem Artikel.
1.
Die von Ihnen angedeutete kriminelle Vergangenheit von Janukowitsch besteht aus zwei Verurteilungen wegen Diebstahls und Körperverletzung aus den Jahren 1969 und 1970. Beide Vorstrafen wurden bereits 1978 gestrichen.
Wir reden also von längst verjährten Jugendsünden.
2.
Frau Timoschenko war 2001 wegen Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung unter Anklage und in Haft. Auch wenn diese Vorwürfe nie ganz geklärt wurden bleibt es doch unbestritten, dass ihr riesiges Vermögen in den 90er Jahren unter überaus dubiosen Umständen entstand. Sichwort Gasprinzessin.
Sie dürfte damit in Sachen krimineller Vergangenheit Herrn Janukowitsch um einiges übertrumpfen.
3.
Die Anhänger der Blauen auf dem Maidan wurden also fürs Jubeln bezahlt. Das ist durchaus möglich, da in der Ukraine üblich.
Oder wollen Sie behaupten, dass 2004 die wochenlangen Demonstrationen der orangen Revolution, die Logistik, das Zeltlager, die Versorgung der Massen, ihr Handgeld, das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit - das alles ohne massive Millionenspritzen möglich gewesen wäre?
Wer Zweck und Hintergrund von Revolutionen verstehen will, muss danach fragen wer sie bezahlt hat.
zu einem dilettantischen Artikel.
Dieser schreibt in seinen Büchern zur Geopolitik, dass die Ukraine eine zentrale Rolle in dem Streben der ver. Blöcke nach Vorherrschaft darstellt. Ohne die Ukraine wäre Russland "nur" auf seine asiatischen Regionen beschränkt und hätte keinen Fuss mehr in der europäischen Tür. Daher versucht der "Westen" die Ukraine einzubinden.
"Noch lebt die junge ukrainische Demokratie: Am Sonntag stürmten vier barbusige junge Demonstrantinnen das Wahllokal des Wiktor Janukowitsch und protestierten gegen beide Kandidaten. "Schluss mit der Vergewaltigung unserer Demokratie", stand auf ihrem Transparent."
Dann würden bestimmt mehr Menschen zu den Wahlen gehen.
Versteht den die Autorin nicht, dass diese Argumentationsweise aus jeder Lächerlichkeit eine demokratische Bewegung zu machen lachhaft ist.
Wäre recht gut wenn einige Journalisten zur objektiven Berichterstattung solche Themen aus mehreren Perspektiven (z. B.: www.opiar.com) betrachten würden.
Auch in der Ukraine wurden diese Mädchen von der Polizei abgefürt, was man natürlich vergessen hat zu sagen. Ist ja schließlich die demokratische Ukraine und nicht das totalitäre Russland.
Beweis: Min. 00:40
http://www.vesti.ru/video...
Ich habe mir ein paar Plakate angeschaut. Verstanden habe ich nur "Heute beginnt der Krieg". Da Demokratie auf russisch auch nur demokratia heisst, habe ich glaube ich auch nix überlesen. Kyrillisch kann man ja noch.
Die Mädels waren also wieder nur Projektionsfläche von Vorurteilen.
zu einem dilettantischen Artikel.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren