Regierung Obama: Die Entwicklungspolitik der USA ist zurück
Ernährung, Gesundheit, Demokratieförderung: Unter Präsident Obama ist mit Initiativen in der Entwicklungshilfe zu rechnen. Die US-Außenpolitik wird da kräftig mitmischen.
© Ahmad Al-Rubaye/AFP/Getty Images

Mit Hilfe von USAID wieder aufgebaut: Ein US-Soldat bei der Eröffnung des Shuhada-Fischmarktes in Bagdad
Der 6. Januar dieses Jahres markiert den Kurswechsel in der US-amerikanischen Entwicklungspolitik. US-Außenministerin Hillary Clinton strich an diesem Tag in einer programmatischen Rede im Center for Global Development in Washington das nationale Interesse an nachhaltiger globaler Entwicklung und die politisch-strategische Rolle der Entwicklungspolitik deutlich hervor: Es gehe nicht nur um humanitäres Engagement, sondern um die Sicherung politischer und wirtschaftlicher Stabilität und die Lösung globaler Probleme. Entwicklungspolitik mit dieser Zielsetzung sei gleichrangig in einer Reihe mit der Außen- und Sicherheitspolitik (diplomacy-defense-development), sie haben einen whole of government approach. Entwicklungspolitik ist demnach nicht Aufgabe eines Fachressorts, sondern der gesamten Regierung. Man wird sehen, wie dieser Ansatz etwa beim Wiederaufbau von Haiti umgesetzt werden wird.
Wer allerdings geglaubt hatte, die neue Regierung würde einen stärkeren multilateralen Akzent setzen, sieht sich getäuscht. Es gehe um "…American Know-how, American dollars, American values..." (Clinton), nur mit diesem vorrangig bilateralen Anspruch könnten die notwendigen Mittel im Kongress zu mobilisieren sein werden. Das hat seinen Grund: der amerikanische Steuerzahler ist nicht mit Zuwendungen zu multilateralen Organisationen oder koordinierten Aktionen der Gebergemeinschaft zu gewinnen.
Unter der Bush-Administration noch war Entwicklungspolitik kein wichtiges Thema. Doch ist das Entwicklungsbudget in dieser Periode angestiegen, und das nicht nur zugunsten von Afghanistan und Irak. Auch die Hilfe für Afrika wurde deutlich gesteigert, nicht zuletzt auch um ein Gegengewicht zur öffentlichen Wahrnehmung der USA als dominante Militärmacht zu schaffen. Die Anti-AIDS-Initiative PEPFAR und der Millennium Challenge Account waren entwicklungspolitische Initiativen, mit denen die US-Entwicklungspolitik in dieser Periode hervorgetreten ist. Beide mit dezidiert nationalem Akzent und kaum mit anderen Gebern koordiniert. Die staatliche US-Entwicklungshilfebehörde USAID war in dieser Zeit weitgehend von der internationalen Bildfläche verschwunden.
Dagegen soll USAID heute wieder eine weltweit führende Entwicklungsagentur werden und eng mit der Diplomatie und dem Militär zusammenarbeiten. Die außenpolitischen Einflussmöglichkeiten sollen mobilisiert werden, um Entwicklungsprogramme gegenüber Widerständen in den Partnerländern durchzusetzen. Die Förderung von Demokratie und guter Regierungsführung durch die Entwicklungspolitik soll die amerikanischen außenpolitischen Ziele unterstützen. In fragilen Staaten arbeiten Militär und Entwicklungshilfe eng zusammen. Dass die USA einen derart integrierten außenpolitischen Kurs fährt, ist sicher nicht neu. Neu ist aber, dass die Entwicklungspolitik eine prominentere Rolle erhält und der Nexus zwischen Entwicklung und Sicherheit deutlich stärker herausgestellt wird.
Zum whole of government- Ansatz gehört auch die Koordinierung der internationalen Aktivitäten der Fachressorts, beispielsweise Umwelt, Landwirtschaft, Gesundheit. Dem Außenministerium und USAID wird die Aufgabe zugeschrieben, die internationale Zusammenarbeit in allen Feldern zu führen, zu koordinieren und zu unterstützen. Hierfür wird das Personal im Außenministerium und bei USAID massiv aufgestockt. Es ist damit zu rechnen, dass die USA mit groß angelegten Initiativen in den Bereichen Ernährungssicherung, Gesundheit, Demokratieförderung hervortreten wird. Die Frage nach Arbeitsteilung und Koordinierung unter den Gebern wird sich dann eher für die anderen Geber als für die USA stellen.
Schwerpunkte werden sicherlich bei der Einführung neuer Technologien gesetzt werden wie green revolution oder mobile banking. Außenministerin Clinton machte klar, dass es sich bei diesen Technologien, auch im Umweltbereich, vorrangig um amerikanische Technologien handeln soll, weil nur so im Kongress die Unterstützung mobilisiert werden kann, um die neue Strategie im Haushalt abzusichern. Dazu soll dem Kongress und den Steuerzahlern auch ein positives Image über die globale Rolle der US-Entwicklungspolitik vermittelt werden.
Ob die Finanzmittel für Klimapolitik in Entwicklungsländern – also der amerikanische Anteil an den in Kopenhagen in Aussicht gestellten 100 Mrd. US Dollar bis 2020 – zusätzlich zu den Mitteln für Entwicklungshilfe aufgebracht werden, ist zweifelhaft. Es ist abzusehen, dass etwa die Aufwendungen für ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung sowohl entwicklungs- als auch klimapolitisch begründet werden. Die USA werden dann Klima- und Entwicklungsfinanzierung nicht mehr klar voneinander trennen – gegen den Protest der Entwicklungsländer.
Das entwicklungspolitische Establishment in Washington hat Clintons Grundsatzrede mit großem Enthusiasmus aufgenommen. Es wird jetzt aber nicht nur auf den Kongress ankommen, sondern auch auf die Fähigkeit der Regierung, ihr Konzept – etwa die Aufwertung von USAID – effektiv umzusetzen. Immerhin hat man ein ganzes Jahr gebraucht, um dieses Konzept zu entwickeln. In seiner jüngsten State of the Union- Rede hat Obama die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA zu seiner obersten politischen Priorität gemacht. Angesichts der schwierigen Haushaltslage werden sicherlich nicht mehr Mittel für die Entwicklungspolitik mobilisiert werden können. Möglicherweise wird das die USA dazu bewegen, doch über eine Stärkung multilateraler Institutionen und eine stärkere Arbeitsteilung mit anderen Geberländern nachzudenken.
Dr. Peter Wolff ist Leiter der Abteilung Weltwirtschaft und Entwicklungsfinanzierung im Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE).
Das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) zählt weltweit zu den führenden Forschungsinstituten und Thinktanks zu Fragen globaler Entwicklung und internationaler Entwicklungspolitik. Das DIE berät auf der Grundlage unabhängiger Forschung öffentliche Institutionen in Deutschland und weltweit zu aktuellen Fragen der Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.





der Steuerereinsparungen in den nächsten 3 Jahren, hier ein Bereich, der nicht beschnitten werden soll. Kann sich die US-Kasse das wirklich leisten? Vordergündig wohl die Bewahrung der Vormachtsstellung ... Clever oder verschwenderisch? Ich glaube, es kostet viel mehr, als dass es bringt Denn Konfliktfälle werden extra abgerechnet...
Reden wir doch einfach einmal Klartext:
Es geht um amerikanische Interessen - sonst nichts - die Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln - sozusagen.
Ziel ist nicht eine gesundene, zufriedene, Weltbevölerung - oder die Hilfe zur Selbsthilfe - sondern die Abhängigkeit von AMERIKANISCHEN Technologien und Hilfen.
Kurz - es kann mit dieser Politik niemals gelingen wirkliche Entwicklungshilfe - im Sinne der Entfaltung der eigenen Kräfte des Entwicklungslandes - geben. Mobile Banking und Co. haben sich in den ärmsten Ländern dieser Welt auch ohne (oder gerade wegen?) US Unterstützung entfaltet.
Es geht um Interessen und Machtpolitik - das ist vollkommen legitim, nur sollte dies auch beim Namen genannt werden und nicht so getan werden, als ob die Hilfe im Fordergrund steht. Ziel ist es die US Interessen mit anderen Mitteln als IMF, Flugzeugträgern usw. durchzusetzen.
Ob das US Interesse sich allerdings mit einer gerechten Weltvorstellung überschneidet und am Ende wirklich nachhaltig ist, bezweifle ich entscheidend - mit altem Denken kann man nicht die Zukunft gestalten.
auf Kosten der übrigen Welt einfach mehr USD und leisten Entwicklungshilfe ,für Monsanto brechen goldene Zeiten an,schliesslich gibt noch viele genmanipolierte Nahrungsmittel weltweit an- den Mann zu bringen-,um danach auch noch die aller Ärmsten -lizensiert-abzukassieren.Wie gehabt werden sie weitere Länder mit ihren Getreideprodukten überschwemmen,dort die Märkte ruinieren,danach Monokulturen anbauen lassen,damit die so belieferten -Ärmsten der Armen- ihre US-Einfuhren bezahlen können.
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