Der Umgangston zwischen den USA und Israel ist derzeit alles andere als herzlich. Präsident Barack Obama geht Premierminister Benjamin Netanjahu zwar nicht aus dem Weg, wenn nun zufälligerweise doch beide zugleich in Washington sind: Netanjahu wegen der Konferenz des American Israel Public Affairs Committee (Aipac), der einflussreichsten Pro-Israel-Lobby des Landes. Und Obama, weil er seine Asienreise wegen der historischen Abstimmung über die Gesundheitsreform abgesagt hat.

Aber die Umstände des Empfangs im Weißen Haus am späten Dienstagnachmittag Ortszeit sind aufschlussreich. "Closed Press" vermerkt Obamas Terminkalender. Bilder, die freundliches Einvernehmen im Oval Office zeigen, werden Partnern vorbehalten, die der Präsident ehren möchte. Netanjahu gehört momentan nicht dazu.

Die New York Times, ein zuverlässiges Barometer für den Stand der Beziehungen, druckte am Dienstag auf der Titelseite das Foto eines Anti-Obama-Plakats in Jerusalem. Darauf hängt ein arabischer Führer eine Verdienstmedaille um Obamas demütig geneigtes Haupt, samt dem hebräischen Schriftzug: "Warnung! PLO-Agent im Weißen Haus". Der Konflikt war vor zwei Wochen eskaliert. Während Vizepräsident Joe Biden Israel besuchte, um in Obamas Auftrag die Friedensgespräche mit den Palästinensern wieder in Gang zu bringen, kündigte ein Regierungsmitglied den Bau weiterer 1600 Wohnungen im arabischen Ostjerusalem an.

Obama empfand das als Provokation. Biden verurteilte das Vorhaben noch während seines Besuchs. Außenministerin Hillary Clinton übernahm wenig später den Auftrag, Netanjahu in einem 43-minütigen Telefonat das Ausmaß der Verärgerung im Weißen Haus deutlich zu machen. Sie stellte drei Forderungen: Netanjahu müsse das Bauprojekt stoppen, jede weitere Provokation, die eine Anbahnung der Friedensgespräche stören könne, unterlassen und seine Bereitschaft erklären, in den Verhandlungen substanzielle Zugeständnisse zu machen. Israels Botschafter in den USA, Michael Oren, sagte, dies sei die schärfsten Krise seit 35 Jahren.

Am Montag traten Clinton und Netanjahu nacheinander bei der Aipac-Konferenz auf. Beide beharrten in ihren Reden auf den unterschiedlichen Sichtweisen des Siedlungsbaus in Ostjerusalem, betonten aber zugleich das enge Einvernehmen in anderen Fragen wie der Verhinderung des iranischen Atomprogramms.

Zuerst sprach Clinton vor den 7000 Israel-Freunden, die oft irrtümlich als "jüdische Lobby" bezeichnet werden. Im Aipac sind überwiegend konservative christliche Gruppen vertreten. Zahlreiche Politiker der beiden großen Parteien, Demokraten und Republikaner, sind Mitglied, aber nur zu einem kleineren Anteil jüdische Repräsentanten. Beifall erhielt Clinton, als sie schärfere Sanktionen gegen Teheran forderte, die "Biss" haben müssten. Dabei war das eine Abmilderung gegenüber Reden im vergangenen Jahr, als sie ein Embargo verlangte, das Irans Wirtschaft "lähmen" solle.