Iranisches AtomprogrammWarum China mit Sanktionen zögertSeite 2/2

Blockiert China am Ende tatsächlich die bevorstehenden Sanktionen, würde es dafür nicht nur einen hohen politischen Preis zahlen, sondern auch einige seiner bedeutsamsten Interessen gefährden. Trotz der jüngsten Reibungen mit den USA wegen der Waffenlieferungen an Taiwan und wegen Obamas Treffen mit dem Dalai Lama, dem Oberhaupt der Tibeter, will China nicht ernsthaft seine wichtigste bilaterale Beziehung gefährden.

Vorerst steht China noch auf dem Siegertreppchen. Das Beharren auf eine diplomatische Lösung verlängert den Zeitraum, indem alle Parteien um Pekings Unterstützung buhlen. Gleichzeitig steigert China seine Hebelwirkung. Je feindlicher sich der Westen gegen Iran verhält, umso mehr Macht gewinnt Peking in Richtung Teheran. Iranische Beamte versuchen bereits, China in eine verbindlichere, engere Beziehung im Energiebereich zu locken. Anreize wie etwa Steuersenkungen für chinesische Ölunternehmen sollen dabei helfen.

Sieht sich China jedoch mit einer einstimmigen Unterstützung für Sanktionen von allen anderen ständigen Sicherheitsratsmitgliedern konfrontiert, wird es nicht mehr sein Veto einsetzen. Dabei ist die Position Russlands ein wesentlicher Faktor bei Chinas Berechnungen. Traditionell arbeitet Peking mit Moskau zusammen, um im Sicherheitsrat nicht isoliert zu werden. Moskaus wahrscheinliche Unterstützung der Iran-Sanktionen schrumpft daher drastisch das Potenzial eines chinesischen Einspruchs. Viel eher wird China versuchen, die Zwangsmaßnahmen so weit wie möglich zu schwächen und letztlich wirkungslos zu machen.

Stephanie Kleine-Ahlbrandt ist China-Beraterin und Nordostasien-Projektleiterin der International Crisis Group.

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Leserkommentare
  1. Man kann nur hoffen, dass endlich vernünftig verhandelt wird, anstatt Drohungen auszusprechen. Und damit meine ich nicht das Verhalten des Irans, sondern das der Westmächte. Was bitte will den der Iran mit einer oder drei Atombomben anrichten? Will er Ching Chang Chong spielen, um auszulosen auf welches Land diese abgeschossen werden soll, um anschließend seiner totalen Vernichtung beizuwohnen?

    Die gefährlichsten Länder sind doch derzeit immer noch Russland und die USA. Deren Atomwaffenarsenal reicht aus, um die Erde mehrfach zu zerstören. Eigentlich müsste man sich vor diesen Ländern eher fürchten.

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    ....... ich stimme ihnen in jedem Punkt zu. Bei der amerikanischen, traditionellen Kriegspolitik denke ich, dass die USA sehr gefährlich ist, insbesondere gegenüber militärisch grundsätzlich eher schwache Entwicklungsländer.
    Ich weiß nicht ob ich Russland als gefählich bezeichnen würde, ich denke eher nicht. Die Atomwaffen hat es ja nur in diesem Umfang als Pendant zu den Amis und nach der Geschichte des Kalten Krieges und den Plänen, Raketen in Europa stationieren zu wollen, angeschafft.
    Ich stehe Russland gegenüber sehr positiv und immer positiver. Ich befürworte sogar eine volle EU-Mitgliedschaft des Landes. Aber eher in 20 Jahren, in dem Land muss sich innenpolitisch und wirtschaftlich noch einiges an Reformen apspielen.

  2. Es wäre schon, wenn Europa sich ein Scheibchen von China abschneiden würde, was die Außenpolitik (ausgenommen Tibet und Taiwand-verhältnis) betrifft. Die USA sind Kriegstreiber, und China erkennt das sehr Weise.

  3. ....... ich stimme ihnen in jedem Punkt zu. Bei der amerikanischen, traditionellen Kriegspolitik denke ich, dass die USA sehr gefährlich ist, insbesondere gegenüber militärisch grundsätzlich eher schwache Entwicklungsländer.
    Ich weiß nicht ob ich Russland als gefählich bezeichnen würde, ich denke eher nicht. Die Atomwaffen hat es ja nur in diesem Umfang als Pendant zu den Amis und nach der Geschichte des Kalten Krieges und den Plänen, Raketen in Europa stationieren zu wollen, angeschafft.
    Ich stehe Russland gegenüber sehr positiv und immer positiver. Ich befürworte sogar eine volle EU-Mitgliedschaft des Landes. Aber eher in 20 Jahren, in dem Land muss sich innenpolitisch und wirtschaftlich noch einiges an Reformen apspielen.

    Antwort auf "Vernunft gefordert."
  4. Über den direkten Interessen (damit meine ich wirtschaftliche Interessen oder das Ausspielen bzw. erzeugen einer für China günstigen Situation, vor allem in Hinblick auf das Verhältnis U.S. - China) schwebt meiner Auffassung nach immer der Gedanke einer multilateralen Weltordnung. China erzeugt diese und positioniert sich durch solches Verhalten darin quasi gleichzeitig.

    @ploync.de: "Die gefährlichsten Länder sind doch derzeit immer noch Russland und die USA. Deren Atomwaffenarsenal reicht aus, um die Erde mehrfach zu zerstören. Eigentlich müsste man sich vor diesen Ländern eher fürchten."

    Die Gefahr von Atomwaffen birgt nur bis zu einem relativ (im Verhältnis zu den Arsenalen in den Vereinigten Staaten und Russland) militärischen Nutzen/Gefahr. Der Abschreckungsfaktor geht noch ein Stück darüber hinaus - Wirklich gefährlich wird es, wenn das Arsenal so groß ist, dass die Wahrscheinlichkeit für mangelnder Kontrolle, Fehlzündungen, illegalem Verkauf etc. steigt. Insofern ist die Größe nur indirekt die wirkliche Bedrohung.

  5. doch selbst die meisten Atombomben. Warum wollen die Amis die Atommacht Isear nicht sanktionieren? solche ungleichberechtigte Behandlung von Iran und Isear sollte verhindert werden.

    • colca
    • 03. März 2010 9:25 Uhr

    Der Artikel beschreibt gut und nachvollziehbar das chinesische Kalkül in der Iranfrage. Es scheint so, als hätte Peking im Atompoker das mit Abstand beste Blatt auf der Hand.
    Der Westen kann China nur wenig anbieten, um Zustimmung zu erkaufen. So wird es wohl am Ende - falls überhaupt - auf windelweiche Sanktionen hinauslaufen.
    Dann werden sich die Europäer dem amerikanischen und israelischen Druck beugen und einseitig zu Strafmaßnahmen gegen den Iran greifen. Im Ergebnis werden die europäischen und besonders die deutschen Exporteure ihre Positionen im Iran an die chinesische Konkurrenz verlieren und der Iran wird trotzdem zur nuklearen Schwellenmacht.
    So wiederholt sich im mittleren Osten die Entwicklung in Afrika - China kippt den Westen aus den Märkten.

  6. Zur Zeit ist Frau Rodham in Brasilien , um die Unterstützung von da Silva für Sanktionen gegen de Iran zu gewinnen. Vorher war sie in Katar und wer weiss wo sie morgen sein wird.
    Wozu der ganze Aufwand ? Iran ist und bleibt dem weltweiten Hegemonialstreben der USA ein Dorn im Auge . Irak , Afghanistan Pakistan hat man schon ' ausgeschaltet ' ; der selbsternante 'Schurkenstaat' Iran braucht eine ordentliche Tracht Prügel , um endlich in die Knie zu gehen , wenn nur diese aufmüpfigen Chinesen mit ins Boot steigen würden.
    Die beiden Kulturvölker China und Iran wollen dieses primitive Spiel nicht mitspielen und diese Haltung passt nicht zum Weltdiktat der USA.
    Um es Mal sehr deutlich auszudrücken , der USA ist das iranische Volk völlig egal und all die Krokodilstränen die man in den Mainstream Medien für das ach so arme iranische Volk vergiesst , sind nur schäbige Propagandamittel.
    Das Endziel ist es entweder den Iran in Schutt und Asche zu legen , oder eine Shah ähnliche Marionette zu installieren , damit die Welt aus imperialistischer Sicht wieder in Ordnung ist. Der nahe und mittlere Osten wäre unter voller Kontrolle der Westmächte und China würde einen seiner wichtigsten strategischen Partner verlieren. Diese Strategie wird nicht aufgehen , da sie von Habgier und primitivster Logik bestimmt ist.

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    Die Aussenministerin hillary rodham-clinton wird am 10. März der iranischen Menschenrechts - Aktivistin Shadi Sadr den
    Preis "Woman courage award 2010" überreichen.
    Darüber hinaus lassen Ihre letzten Statements erkennen, das Sie über die Situation der Menschenrechte im Iran bestens informiert ist.
    Im Kommentar Nr. 7 ist demgegenüber "der alte deutsche tiefbraune Schleim" zu besichtigen, der offensichtlich den nachlassenden Frost dazu benutzt, mal wieder an das Tageslicht zu kommen. Das Statement Nr.7 ist eine Beleidigung der getöteten und gefolterten Opfer der Auseinandersetzung um Demokratie im Iran.
    Nie wieder.. oder gibt es schon wieder Leute, welche diese gemeinsame Plattform verlassen haben ?

  7. 8. Aha...

    "...ist Iran Chinas zweitgrößter Öllieferant...."

    Könnte dieser Aspekt ein Teil der Motivation der USA bei der Bedrohung des Iran sein?
    Will man einer aufkommenden Weltmacht eine Ölquelle verstopfen?

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    Und dreimal können Sie raten wer der grösste Öllieferant der USA ist ? Etwa Saudi Arabien ? Nein !!!
    Die Antwort lautet Kanada.
    Jetzt können Sie sich ausrechnen , was die Überpräsenz der USA in der ölreichen NMO-Region zu bedeuten hat.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte China | Atomprogramm | Iran | Beziehung | Lama | Sanktion
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