Iranisches Atomprogramm : Warum China mit Sanktionen zögert

Das Regime in Peking lehnt aus verschiedenen Gründen Sanktionen gegen Iran ab. Im Streit um das Atomprogramm versucht China zuvörderst, die eigene Position zu stärken.
Gute Freunde: Chinas Präsident Hu Jintao (r) empfängt seinen iranischen Kollegen Mahmud Ahmadineschad in Peking. China stellt sich im Weltsicherheitsrat bisher gegen Sanktionen wegen des iranischen Nuklearprogramms © Guang Niu/Pool/Getty Images

Seit Monaten üben die USA diplomatischen Druck auf China aus, um erneut Sanktionen gegen Iran zu bewirken. Diese Bemühungen fördern jedoch weniger eine echte Lösung der iranischen Nuklearfrage, als dass sie den chinesischen Interessen in die Hände spielen. Gegenwärtig plädiert China für eine Auseinandersetzung auf dem diplomatischen Wege. Die Strategie des "Verzögern und Schwächen" der Sanktionen ermöglicht China, sowohl den Westen als auch Iran auszuspielen und somit von beiden Zugeständnisse zu bekommen.

Peking will aus gleich mehreren Gründen starke Sanktionen vermeiden: Erstens ist Iran Chinas zweitgrößter Öllieferant. China und Iran teilen eine starke Abneigung gegen westlich-imperialistisches Verhalten. Das geht zum einen auf historische Gründe zurück, hat aber auch mit der aktuellen amerikanischen Haltung gegenüber deren Innenpolitik zu tun. Sowohl China als auch Iran empfinden diese als Einmischung. Pekings starke Verbundenheit mit Teheran soll also auch ein Gegengewicht zu amerikanischen Interessen innerhalb einer Region bilden, die China als Teil seiner "weiteren Peripherie" auffasst.

Zweitens sieht Peking, im Gegensatz zu den USA und Europa, in der Frage der iranischen Atompolitik keine dringende Notwendigkeit zum Handeln. Die meisten chinesischen Analysten sind nicht davon überzeugt, dass Iran in absehbarer Zeit in der Lage sein wird, Uran so anzureichern, dass es Nuklearwaffen produzieren könnte.

Drittens hat Peking keine Angst vor einem israelischen Luftangriff auf iranische Atomanlagen. Es ist der Meinung, dass die USA motiviert und stark genug sind, um ihren Verbündeten zu zügeln. Es macht den Chinesen auch wenig aus, dass dieses Thema amerikanische Ressourcen und Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

Viertens: Peking steht der Zweckmäßigkeit von Sanktionen skeptisch gegenüber. Bereits drei Mal hat der Westen Sanktionen gegen Iran verhängt, ohne großen Erfolg. Sanktionen, so China, werden viel wahrscheinlicher nur mehr Widerstand bewirken. Peking vermutet, dass die westliche Fixierung auf Zwangsmaßnahmen Teil eines umfassenderen Plans ist, der einen Regimewechsel in Teheran fördern soll. Bei solchen Themen handelt China immer vorsichtig.

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Kommentare

27 Kommentare Seite 2 von 5 Kommentieren

interessant

Der Artikel beschreibt gut und nachvollziehbar das chinesische Kalkül in der Iranfrage. Es scheint so, als hätte Peking im Atompoker das mit Abstand beste Blatt auf der Hand.
Der Westen kann China nur wenig anbieten, um Zustimmung zu erkaufen. So wird es wohl am Ende - falls überhaupt - auf windelweiche Sanktionen hinauslaufen.
Dann werden sich die Europäer dem amerikanischen und israelischen Druck beugen und einseitig zu Strafmaßnahmen gegen den Iran greifen. Im Ergebnis werden die europäischen und besonders die deutschen Exporteure ihre Positionen im Iran an die chinesische Konkurrenz verlieren und der Iran wird trotzdem zur nuklearen Schwellenmacht.
So wiederholt sich im mittleren Osten die Entwicklung in Afrika - China kippt den Westen aus den Märkten.

Zwei Kulturvölker !

Zur Zeit ist Frau Rodham in Brasilien , um die Unterstützung von da Silva für Sanktionen gegen de Iran zu gewinnen. Vorher war sie in Katar und wer weiss wo sie morgen sein wird.
Wozu der ganze Aufwand ? Iran ist und bleibt dem weltweiten Hegemonialstreben der USA ein Dorn im Auge . Irak , Afghanistan Pakistan hat man schon ' ausgeschaltet ' ; der selbsternante 'Schurkenstaat' Iran braucht eine ordentliche Tracht Prügel , um endlich in die Knie zu gehen , wenn nur diese aufmüpfigen Chinesen mit ins Boot steigen würden.
Die beiden Kulturvölker China und Iran wollen dieses primitive Spiel nicht mitspielen und diese Haltung passt nicht zum Weltdiktat der USA.
Um es Mal sehr deutlich auszudrücken , der USA ist das iranische Volk völlig egal und all die Krokodilstränen die man in den Mainstream Medien für das ach so arme iranische Volk vergiesst , sind nur schäbige Propagandamittel.
Das Endziel ist es entweder den Iran in Schutt und Asche zu legen , oder eine Shah ähnliche Marionette zu installieren , damit die Welt aus imperialistischer Sicht wieder in Ordnung ist. Der nahe und mittlere Osten wäre unter voller Kontrolle der Westmächte und China würde einen seiner wichtigsten strategischen Partner verlieren. Diese Strategie wird nicht aufgehen , da sie von Habgier und primitivster Logik bestimmt ist.

"Schäbige Propagandamittel "

Die Aussenministerin hillary rodham-clinton wird am 10. März der iranischen Menschenrechts - Aktivistin Shadi Sadr den
Preis "Woman courage award 2010" überreichen.
Darüber hinaus lassen Ihre letzten Statements erkennen, das Sie über die Situation der Menschenrechte im Iran bestens informiert ist.
Im Kommentar Nr. 7 ist demgegenüber "der alte deutsche tiefbraune Schleim" zu besichtigen, der offensichtlich den nachlassenden Frost dazu benutzt, mal wieder an das Tageslicht zu kommen. Das Statement Nr.7 ist eine Beleidigung der getöteten und gefolterten Opfer der Auseinandersetzung um Demokratie im Iran.
Nie wieder.. oder gibt es schon wieder Leute, welche diese gemeinsame Plattform verlassen haben ?

Brauner Schleim?

Ich verstehe ihren Bezug zum braunen Schleim nicht so ganz...
Ich bin nicht der Meinung, dass der USA der Iran ein Dorn im Auge ist, weil dort die Gefahr einer Diktatur besteht. Die USA verfolgen seit jeher ureigene Interessen -auch wenn uns diese als selbstlos verkauft werden-. Wenn ein Land gegen den Willen der US- Wirtschaft handelt wird dort eingegriffen (siehe z.B. Chile, Bolivien, Irak...). Dabei wurden zahllose Tote in Kauf genommen. Was ist also falsch an der Annahme, dass die USA auch im Bezug auf Iran lediglich ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgen?

Eine Ehre die keine ist !

An Stelle von Frau Sadr würde ich den Preis ablehnen , speziell wenn dieser von Frau Rodham überreicht wird. Die US Aussenministerin ist keine Person , der man iregendwelche Friedensabsichten nachsagen kann , speziell nicht in Bezug auf den Iran.
Wenn diese Dame öffentlich von der Auslöschung des Irans spricht meint sie natürlich ganz Iran , also den gesamten Menschen , Frau und Mann und Kinder.

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