Gesandte aus Russland und China verlangen im Streit um das Nuklearprogramm Irans ein Einlenken: Anfang des Monats hätten sie an die Regierung in Teheran appelliert, den Vorschlag der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA anzunehmen und spaltbares Material für einen Forschungsreaktor im Ausland anreichern zu lassen, sagten westliche UN-Diplomaten. Aber weder Russland noch China hätten bislang eine Antwort erhalten.

Beide Länder hatten bislang Forderungen der Verhandlungspartner USA, Frankreich, Großbritannien und Deutschland nach schärferen Sanktionen der Vereinten Nationen abgelehnt.

Russland zeigte sich zuletzt aber offener dafür. Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete Teherans starre Haltung kürzlich als Hindernis für Verhandlungen über das Atomprogramm. Präsident Dmitrij Medwedjew sprach von einer Situation, in der Sanktionen "unvermeidlich" würden. Strafmaßnahmen dürften allerdings nicht "lähmend" sein. Es müsse vielmehr "intelligente" Sanktionen "ohne negative humanitäre Auswirkungen auf die Bevölkerung" geben.

China hatte sich in der vergangenen Woche erstmals besorgt über Teherans Verhalten in der Atomfrage gezeigt und Sanktionen nicht mehr ausdrücklich ausgeschlossen. Das Land macht sich seit einiger Zeit zudem zunehmend unabhängig vom iranischen Erdöl. Während es bei allen wichtigen Lieferländern mehr Erdöl bezog, sanken die Importe aus der Islamischen Republik.

Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms den Bau von Nuklearwaffen vorzubereiten. Die Islamische Republik bestreitet dies, verweigert aber internationale Kontrollen seiner Atomanlagen.

Die sogenannte Sechsergruppe (USA, Russland, Großbritannien, China, Frankreich und Deutschland) wird voraussichtlich am Mittwoch über Sanktionen gegen Iran beraten. Eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrats vor Juni ist aber Diplomaten zufolge unwahrscheinlich.