Demonstrationen Bangkok in rot
Mit Mopeds gegen die Regierung: Mit einem mehr als 20 Kilometer langen Protestzug haben Zehntausende Regierungsgegner den Verkehr in Bangkok teilweise lahmgelegt.
© Christophe Archambault/AFP/Getty Images

Bunter Protest der Rothemden genannten Anhänger des gestürzten Premiers Thaksin Shinawatra
In der thailändischen Hauptstadt herrschte an einzelnen Orten Ausnahmezustand. Das Oppositionsbündnis UDD brachte nach Schätzung der Lokalmedien das zweite Wochenende in Folge mehr als 100.000 Demonstranten auf die Straße. Die "rote Karawane" – benannt nach den typischen roten T-Shirts der Opposition – bestand aus mehr als zehntausend Mopeds, Tausenden Autos und Kleinlastern, die hupend durch die Straßen fuhren. Die Demonstranten verlangen den Rücktritt der Regierung, die ihrer Ansicht nach nicht legitim im Amt ist.
"Wir wollen den Einwohnern von Bangkok Tribut zollen, und erklären, worum es uns geht", sagte einer der Anführer, Wenig Tojirakarn. "Bangkok hat sechs bis sieben Millionen Einwohner, wenn wir die Hälfte zu unserer Kundgebung bekommen, wären das schon drei Millionen."
Regierungschef Abhisit Vejjajiva ist ihnen ein Dorn im Auge, weil er sein Amt nicht an der Wahlurne, sondern im Parlament mit Stimmen von Überläufern der Vorgängerregierung gewann. Hinter ihm stehen aber das Militär, die Monarchisten und die alt eingesessenen Bangkoker Eliten.
Die meisten Regierungsgegner sind Anhänger des 2006 unter Korruptionsvorwürfen gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Der hatte sich die Loyalität der armen Massen mit günstiger Krankenversicherung und Kleinkrediten gesichert. Die einflussreichen Schichten sahen ihren Einfluss schwinden.
Die von Thaksin weitgehend finanzierte UDD verlangt Neuwahlen. Sie brachte vergangenes Wochenende schon 100.000 Menschen nach Bangkok, überwiegend aus den armen Provinzen im Nordosten. Ihr Ultimatum zum Rücktritt verstrich am Montag.
Am Dienstag hatten die Demonstranten selbst gespendetes Blut literweise vor dem Regierungssitz und dem Haus Abhisits verschüttet. "Der Regierungschef ist offen für Gespräche", bekräftigte Regierungssprecher Panitan Wattanagagorn am Samstag. Die UDD will nur verhandeln, wenn Abhisit vorher verspricht, das Parlament aufzulösen.
- Datum 20.03.2010 - 20:00 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Sei es Zeit, Economist, Spiegel, BBC - leider lassen die Berichte ueber Thailand viel zu wuenschen uebrig. Viele Reporte scheinen vom Syndrom Kurzzeitgedaechtnis oder Zeitdruck (mal schnell was machen) zu leiden. Warum ist es denn damals zum Coup gekommen? War der, wage man es zu sagen, sogar richtig? War die vorherige Regierung denn Legal?
Heute war ein Artikel in der BkkPost in dem vorgeschlagen wurde, das sich die "Roten" von Thaksin trennen muessen um etwas zu erreichen. Hinter der jetzigen Regierung stehen auch grosse Teile der Bevoelkerung, aber fuer einen demokratischen Sieg bei einer Wahl reicht es wohl noch nicht. Momentan wuerde die Wage zwischen laendlicher Unzufriedenheit/Stimmenkauf durch Bargeld auf der einen Seite und Zustimmungskauf durch Dezentralisierung und gute (nachhaltigen) Projekten auf der anderen Seite noch gegen sie schlagen. Die Herausforderung fuer die jetzige Koalition ist (die vor allem von Ihrem Bestreben Thaksin nicht wieder an die Macht zu lassen vereinigt wird): wie schafft sie es, gute Policies/Projekte – vor allem in den Regionenen - durchzusetzen (und diese dann auch gut zu erklaeren/vermarkten).
Die Bevoelkerung hat Thaksin nicht nur wegen ein paar Baht gewaehlt, sondern auch auch wegen der Projekte/Policies (auch wenn viele nicht nachhaltig waren oder von den eigentlichen Absichten abgelenkt haben). Thailand ist mit seinen Regierungen immer sehr ungeduldig. Vielleicht ist Abphisit genau der richtige? Aber er und Finanzminister Korn kommen aus reichen Familien und der Einfluss der alten Elite ist sicherlich da- werden sie es trotzdem schaffen gute Politik Regionalentwicklung zu betreiben, oder werden sie zu sehr in ihrem Handlungsspielraum von der “kurzsichtigen” Elite (Economist) eingeschraenkt?
Die Bevoelkerung hat Thaksin nicht nur wegen ein paar Baht gewaehlt, sondern auch auch wegen der Projekte/Policies (auch wenn viele nicht nachhaltig waren oder von den eigentlichen Absichten abgelenkt haben). Thailand ist mit seinen Regierungen immer sehr ungeduldig. Vielleicht ist Abphisit genau der richtige? Aber er und Finanzminister Korn kommen aus reichen Familien und der Einfluss der alten Elite ist sicherlich da- werden sie es trotzdem schaffen gute Politik Regionalentwicklung zu betreiben, oder werden sie zu sehr in ihrem Handlungsspielraum von der “kurzsichtigen” Elite (Economist) eingeschraenkt?
Die Bevoelkerung hat Thaksin nicht nur wegen ein paar Baht gewaehlt, sondern auch auch wegen der Projekte/Policies (auch wenn viele nicht nachhaltig waren oder von den eigentlichen Absichten abgelenkt haben). Thailand ist mit seinen Regierungen immer sehr ungeduldig. Vielleicht ist Abphisit genau der richtige? Aber er und Finanzminister Korn kommen aus reichen Familien und der Einfluss der alten Elite ist sicherlich da- werden sie es trotzdem schaffen gute Politik Regionalentwicklung zu betreiben, oder werden sie zu sehr in ihrem Handlungsspielraum von der “kurzsichtigen” Elite (Economist) eingeschraenkt?
martincvs hat ganz recht, wenn er sagt, eine Trennung von Thaksin ist seit langem ueberfaellig. Wuerden die Roten eine Protestbewegung mit demokratischen Ansichten und Zielen darstellen, koennte man sie glatt unterstuetzen. So aber entsteht weiterhin der Eindruck, dass es lediglich um Macht, Postionen und Geld geht.
Auch ich bin der Meinung, dass es sich bei Abhisit um den ersten faehigen Ministerpraesidenten seit langem handelt.
Abhisit wurde vom gleichen Parlament gewaehlt wie die Thaksin-Marionetten Samak und Somchai. Gegen diese wurde komischerweise von den Roten nicht protestiert. Ich denke, dass Jattuporn, Nattawut und Co. Thaksin auch in finanzieller Hinsicht viel zu verdanken haben (Bun khun) und sich nun revanchieren muessen. Es mag sein, dass sich nach anfaenglich ausschliesslicher Solidaritaet mit Thaksin als Protestgrund nun Teile der Roten eigene Wege gehen. Ohne Thaksin wuerde es jedoch den Protest in dieser Form nicht geben. Einen Ausweg aus dem jetzigen Schlamassel zu finden wird nicht leicht. Abhisit hat versichert, keine Gewalt anzuwenden. Auf die Polizei kann sowieso nicht gesetzt werden, dass Militaer laesst man lieber aussen vor. A) sieht das nicht gut aus und B) bestaerkt es die Kritiker in ihrem Glauben, dass das Militaer hinter allem steht.
Gefaehrlich wird es allerdings, wenn die Regierung nichts unternimmt und die Gelben (PAD) zum Sturm blasen.
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