Gaza-Blockade "Jeder westliche Politiker trägt hier Mitverantwortung"

Israels Blockade des Gaza-Streifens schadet Hamas nicht, für die Bewohner ist sie aber ein Desaster, sagt J. Ging vom UN-Hilfswerk in Gaza im Interview. Die Welt habe Gaza vergessen

Seit 2007 kontrolliert Israel die Zugänge zum Gaza-Streifen und lässt kaum Waren hinein. Die humanitäre Lage der überwiegend jungen Bevölkerung ist schlecht.

Seit 2007 kontrolliert Israel die Zugänge zum Gaza-Streifen und lässt kaum Waren hinein. Die humanitäre Lage der überwiegend jungen Bevölkerung ist schlecht.

Frage: Die neue EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton wird bei ihrem Antrittsbesuch in Nahost diese Woche auch nach Gaza reisen. Sie ist damit die erste hochrangige Politikerin, der Israel seit Langem die Einreise nach Gaza erlaubt. Wie wichtig ist das?

John Ging: Ich begrüße es sehr, dass Ashton Gaza besuchen wird. Ich ermutige jeden Politiker, selbst nach Gaza zu kommen. Denn Sehen ist Verstehen.

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Frage: Niemand spricht mehr von der andauernden Blockade des Gaza-Streifens. Ist alles in Ordnung?

Ging: Absolut nicht. Das beherrschende Thema in Gaza ist die Blockade. Von den viereinhalb Milliarden Dollar, welche die Weltgemeinschaft zum Wiederaufbau Gazas nach dem Krieg vor einem Jahr zur Verfügung stellte, ist kein Dollar in Gaza angekommen. Weil es durch die Abriegelung keinen Zugang für die Materialien gibt.

Frage: Geht denn wirklich nichts rein und raus in und aus dem Gaza-Streifen?

Ging: Es ist ein Missverständnis, dass die Blockade allumfassend ist. Blockiert werden die Arbeit der Vereinten Nationen, legaler Handel sowie die Zivilbevölkerung. Es gibt aber keine Blockade des Schwarzmarktes, der die wirtschaftliche Infrastruktur Gazas verändert: War die wirtschaftliche Elite früher auf Zusammenarbeit mit der israelischen Wirtschaft ausgerichtet, so ist durch die Abriegelung der Grenzübergänge für Personen und Güter dieser gesamte legale Handel zum Erliegen gekommen. Die Schwarzmarktwirtschaft dagegen wird organisiert von Hamas in einem rechtsfreien Raum. Es gibt also nur eine Blockade rechtmäßigen Wirtschaftsverkehrs.

Frage: Was hat das für Folgen?

Ging: Die Abriegelung hat nicht nur desaströse humanitäre Folgen. Sie verändert und beschädigt auch die Mentalität und das Wertesystem einer zivilisierten Gesellschaft und ihre Funktionsweise. Die Hälfte der Bevölkerung Gazas sind Kinder, deren Erfahrungen geprägt werden von Verzweiflung, Ungerechtigkeit und Eingesperrtsein – das ist extrem destruktiv. Man braucht keinen Doktor in Psychologie, um zu verstehen, dass Feindseligkeit neue Feindseligkeit hervorbringt.

Frage: Bekommen die Vereinten Nationen ihr Material in den Gaza-Streifen?

Ging: Wir können Nahrungsmittel und Medikamente einführen. Wollen wir aber 8000 neue Pulte für unsere Schulen bauen, die aus allen Nähten platzen, dann müssen wir vier Monate mit den Israelis verhandeln, ob wir Holz und dünne Stahlrohre einführen dürfen. Das hat von September bis Januar gedauert – da waren bereits vier Monate des Schuljahres um.

Frage: Warum ist das so schwierig?

Ging: Es wird mir verboten mit dem falschen Argument: Wenn die UN diese Materialien einführen dürfen, fallen sie in die Hände der Hamas, die den Gazastreifen beherrscht. Doch die Unredlichkeit dieses Arguments wird deutlich, wenn man sieht, dass durch die Tunnelwirtschaft, die Hamas kontrolliert, alles in den Gaza-Streifen gelangen kann.

Leser-Kommentare
  1. Seltsamerweise halten es auch die muslimische Brüder aus Ägypeten nicht mit den Bewohnern des Gazastreifens aus, was sie dazu bewegte die Grenze zu schließen. Wenn selbst innerhalb der muslimischen Welt, die ja immer so mitleidig auf die palestinensischen Araber schaut, der Rückhalt für diese verschwindet sollte man vielleicht aufhören die Fehler nur bei den anderen zu suchen.
    Es kann nicht reichen immernur auf das Leid der Zivilbevölkerung hinzuweisen. Die Bewohner Gazas hätten die Möglichkeit langfristig und friedlich auf eine Grenzöffnug hinzuarbeiten. Leider versuchen sie das mit feindlichem Raketenbeschuss oder unterstützen diesen zumindest.
    Ich wüsste keinen Grund warum Israel oder Ägypten diese Grenze öffnen sollten.

  2. "Von den viereinhalb Milliarden Dollar, welche die Weltgemeinschaft zum Wiederaufbau Gazas nach dem Krieg vor einem Jahr zur Verfügung stellte, ist kein Dollar in Gaza angekommen."
    Ich würde doch gerne wissen, wo diese viereinhalb Milliarden Dollar geblieben sind?

  3. klar ist die Lage im Gazastreifen unerträglich, aber trägt nicht auch die Hamas einen guten Teil der Verantwortung dafür? Nähme man da die militärische Option gegenüber Israel vom Tisch, so wäre es mit der Blokade bald vorbei, ob die ggw. Isaelische Regierung nun will oder nicht. Stattdessen bleibt es dabei, dass Hamas die Bevölkerung in Gaza als Geisel in einem Krieg nimmt, den man militärisch nie und nimmer gewinnen kann.
    Der Vergleich mit dem geteilten Berlin illustriert genau das, was Herr Ging nicht sagt: Dass es der Hamas am Willen zu einer politischen Lösung fehlt. Deprimierend.

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    "klar ist die Lage im Gazastreifen unerträglich, aber trägt nicht auch die Hamas einen guten Teil der Verantwortung dafür?"
    Ja, sie haben Recht. Aber gehen sie mal auf den Kern der Ursache hierfür ein. Warum bekam eine radikale Partei auftrieb?
    Durch die Besetzung und Unterdrückung durch Israel.
    Und würde Israel endlich konstruktive Schritte in Richtung eine Zweistaatenlösung machen, würde der Hamas WInd aus den Segeln genommen.
    "Die Hälfte der Bevölkerung Gazas sind Kinder, deren Erfahrungen geprägt werden von Verzweiflung, Ungerechtigkeit und Eingesperrtsein"
    Das liegt nicht an Gaza,sondern daran, dass die Israelis keine Waren,keine Medikamente in das Land lassen.

    Dieser Konflikt wird sich weiter zuspitzen wenn es so weitergeht.

    "klar ist die Lage im Gazastreifen unerträglich, aber trägt nicht auch die Hamas einen guten Teil der Verantwortung dafür?"
    Ja, sie haben Recht. Aber gehen sie mal auf den Kern der Ursache hierfür ein. Warum bekam eine radikale Partei auftrieb?
    Durch die Besetzung und Unterdrückung durch Israel.
    Und würde Israel endlich konstruktive Schritte in Richtung eine Zweistaatenlösung machen, würde der Hamas WInd aus den Segeln genommen.
    "Die Hälfte der Bevölkerung Gazas sind Kinder, deren Erfahrungen geprägt werden von Verzweiflung, Ungerechtigkeit und Eingesperrtsein"
    Das liegt nicht an Gaza,sondern daran, dass die Israelis keine Waren,keine Medikamente in das Land lassen.

    Dieser Konflikt wird sich weiter zuspitzen wenn es so weitergeht.

  4. öffnet die Grenze nicht, weil Ägypten eine nachhaltige Lösung möchte und den Druck auf Israel nicht verringern will. Dies wäre nicht konstruktiv für eine Zwei-Staaten-Lösung.
    Deshalb bürgert Ägypten auch die zahlreichen paläst. Flüchtlinge nicht ein und erhält die Flüchtlingslager aufrecht, so wie der Libanaon. Das hier Menschen in Faustpfand gehalten werden, ist schrecklich, die Israelis kümmert es sicher nicht.
    Aber das soll es auch nicht. Diese Menschen werden sich wohl irgendwann für das Leid an Israel rächen. Es gibt nicht nur in Israel Industrie, Wachstum gibt es überall.

    Vielleicht sollte die Welt eine Mauer um Israel bauen und sämtlichen Warenverkehr unterdrücken, wäre das gut?

    Wo das Geld geblieben ist, weiß man wohl nicht. Aber offenbar nicht im Gazastreifen. Leider lassen die Israelis die Waren nicht rein.

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    "Ägypten öffnet die Grenze nicht, weil Ägypten eine nachhaltige Lösung möchte und den Druck auf Israel nicht verringern will. Dies wäre nicht konstruktiv für eine Zwei-Staaten-Lösung."

    Lachhaft! Wo haben sie das denn gehört? Dann sind also die Ägypter erst seit der Machtübernahme der Hamas an einer Zweistaatenlösung interessiert. Dieser Grenzübergang wurde nämlich komischerweise erst nach deren Wahl geschlossen. Oder könnte es vielleicht doch damit zu tun haben, dass ein Land wie Ägypten ebenfalls einer akuten Bedrohung durch islamistischen Terror gegenübersteht und mit dem Gazastreifen nicht eine Basis für im Inland operierende Terrorggruppen à la Muslimbruderschaft schaffen will? Denken sie mal drüber nach!
    Die Palästinensischen "Flüchtlinge" sind in anderen Staaten auch durchaus garnicht an einer Staatsbürgerschaft interessiert, um den Status Quo als Flüchtling beizubehalten. Denn wenn sie diesen aufgeben, könnte man keinen weiteren Druck auf Israel ausüben ein Rückkehrrecht für die Vertriebenen zu installieren (deren Vertreibung nun soweit wie die vertreibung der Deutschen aus dem heutigen Polen zurückliegt. Konsequenterweise sollte man für diese auch ein Rückkehrrecht fordern).
    Möglichweise wurde auch die von Jordanien vollzogenen Massaker an Zivilisten im schwarzen September nur verübt um Druck auf die Weltöffentlichkeit auszuüben an einer Zweistaatenlösung zu arbeiten. Dieser Argumentation werden Sie vielleicht sogar zustimmen, da/obgleich sie genauso abwegig ist.
    MfG

    "Ägypten öffnet die Grenze nicht, weil Ägypten eine nachhaltige Lösung möchte und den Druck auf Israel nicht verringern will. Dies wäre nicht konstruktiv für eine Zwei-Staaten-Lösung."

    Lachhaft! Wo haben sie das denn gehört? Dann sind also die Ägypter erst seit der Machtübernahme der Hamas an einer Zweistaatenlösung interessiert. Dieser Grenzübergang wurde nämlich komischerweise erst nach deren Wahl geschlossen. Oder könnte es vielleicht doch damit zu tun haben, dass ein Land wie Ägypten ebenfalls einer akuten Bedrohung durch islamistischen Terror gegenübersteht und mit dem Gazastreifen nicht eine Basis für im Inland operierende Terrorggruppen à la Muslimbruderschaft schaffen will? Denken sie mal drüber nach!
    Die Palästinensischen "Flüchtlinge" sind in anderen Staaten auch durchaus garnicht an einer Staatsbürgerschaft interessiert, um den Status Quo als Flüchtling beizubehalten. Denn wenn sie diesen aufgeben, könnte man keinen weiteren Druck auf Israel ausüben ein Rückkehrrecht für die Vertriebenen zu installieren (deren Vertreibung nun soweit wie die vertreibung der Deutschen aus dem heutigen Polen zurückliegt. Konsequenterweise sollte man für diese auch ein Rückkehrrecht fordern).
    Möglichweise wurde auch die von Jordanien vollzogenen Massaker an Zivilisten im schwarzen September nur verübt um Druck auf die Weltöffentlichkeit auszuüben an einer Zweistaatenlösung zu arbeiten. Dieser Argumentation werden Sie vielleicht sogar zustimmen, da/obgleich sie genauso abwegig ist.
    MfG

  5. "klar ist die Lage im Gazastreifen unerträglich, aber trägt nicht auch die Hamas einen guten Teil der Verantwortung dafür?"
    Ja, sie haben Recht. Aber gehen sie mal auf den Kern der Ursache hierfür ein. Warum bekam eine radikale Partei auftrieb?
    Durch die Besetzung und Unterdrückung durch Israel.
    Und würde Israel endlich konstruktive Schritte in Richtung eine Zweistaatenlösung machen, würde der Hamas WInd aus den Segeln genommen.
    "Die Hälfte der Bevölkerung Gazas sind Kinder, deren Erfahrungen geprägt werden von Verzweiflung, Ungerechtigkeit und Eingesperrtsein"
    Das liegt nicht an Gaza,sondern daran, dass die Israelis keine Waren,keine Medikamente in das Land lassen.

    Dieser Konflikt wird sich weiter zuspitzen wenn es so weitergeht.

    Antwort auf "Verantwortung?"
  6. in den Flüchtlingslagern in Syrien, Ägypten und dem Libanon leben etwa 1. Mio Palästinenser.
    Nur Jordanien hat die Palästinenser eigebürgert und der König versucht nun, keine Palästinenser mehr aufzunehmen. Damit hat er aber Schwierigkeiten. Das Problem liegt darin, das die Jordanier keine Bevölkerungsmehrheit mehr haben, 50% sind Palästinenser.

  7. "Ägypten öffnet die Grenze nicht, weil Ägypten eine nachhaltige Lösung möchte und den Druck auf Israel nicht verringern will. Dies wäre nicht konstruktiv für eine Zwei-Staaten-Lösung."

    Lachhaft! Wo haben sie das denn gehört? Dann sind also die Ägypter erst seit der Machtübernahme der Hamas an einer Zweistaatenlösung interessiert. Dieser Grenzübergang wurde nämlich komischerweise erst nach deren Wahl geschlossen. Oder könnte es vielleicht doch damit zu tun haben, dass ein Land wie Ägypten ebenfalls einer akuten Bedrohung durch islamistischen Terror gegenübersteht und mit dem Gazastreifen nicht eine Basis für im Inland operierende Terrorggruppen à la Muslimbruderschaft schaffen will? Denken sie mal drüber nach!
    Die Palästinensischen "Flüchtlinge" sind in anderen Staaten auch durchaus garnicht an einer Staatsbürgerschaft interessiert, um den Status Quo als Flüchtling beizubehalten. Denn wenn sie diesen aufgeben, könnte man keinen weiteren Druck auf Israel ausüben ein Rückkehrrecht für die Vertriebenen zu installieren (deren Vertreibung nun soweit wie die vertreibung der Deutschen aus dem heutigen Polen zurückliegt. Konsequenterweise sollte man für diese auch ein Rückkehrrecht fordern).
    Möglichweise wurde auch die von Jordanien vollzogenen Massaker an Zivilisten im schwarzen September nur verübt um Druck auf die Weltöffentlichkeit auszuüben an einer Zweistaatenlösung zu arbeiten. Dieser Argumentation werden Sie vielleicht sogar zustimmen, da/obgleich sie genauso abwegig ist.
    MfG

    Antwort auf "Ägypten"
    • tower
    • 16.03.2010 um 14:39 Uhr

    der Israelies im Gazastreifen,wird die Hamas doch erst richtig gestärkt und damit auch der radikale Flügel.Es scheint den Machthabern in Israel ins Kalkül zu passen,daß sie auf diese Weise eine lfd.für sie scheinbare kontrollierbare Gewaltspirale aufrecht erhalten.Sie pokern sehr hoch und halten sich an keine internationalen Regeln,ich befürchte eines Tages wird ihnen das teuer zu stehen bekommen.

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    denn die [...] sind selbst dafür verantwortlich, dass es überhaupt zu ihrer "Isolation" im Gazastreifen kam.

    [Gekürzt. Bitte sehen Sie vom Gebrauch diskriminierender Begriffe ab. Danke. /Die Redaktion pt.]

    denn die [...] sind selbst dafür verantwortlich, dass es überhaupt zu ihrer "Isolation" im Gazastreifen kam.

    [Gekürzt. Bitte sehen Sie vom Gebrauch diskriminierender Begriffe ab. Danke. /Die Redaktion pt.]

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