Vertrag von Lissabon Machtkampf um Europas Diplomatie

Catherine Ashton soll den Auswärtigen Dienst der EU aufbauen. Bisher bekam sie für ihre Entwürfe viel Kritik. Die Mitgliedstaaten und die Kommission streiten um Macht.

Die Außenminister von Dänemark, Spanien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland (v.l.) auf dem Treffen in der spanischen Stadt Córdoba

Die Außenminister von Dänemark, Spanien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland (v.l.) auf dem Treffen in der spanischen Stadt Córdoba

Einen gemeinsamen auswärtigen Dienst der EU-Staaten soll die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton aufbauen. Die meisten EU-Außenminister lehnten ihre bisherigen Vorschläge ab. Während eines Außenministertreffens am Freitag im südspanischen Córdoba kritisierten sie vor allem, dass die einzelnen Mitgliedstaaten zu wenig in die Außenpolitik einbezogen werden. Es herrsche "Frustration", berichtete der österreichische Außenminister Michael Spindelegger. "Momentan sind alle unzufrieden", sagte er.

Es geht um die Machtverteilung im geplanten Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD): Die Staaten der Europäischen Union ringen mit der EU-Kommission um Einfluss. Mehrere Mitgliedsstaaten befürchten, die Brüsseler Behörde könnte in der europäischen Diplomatie zu sehr den Ton angeben. "Ein europäischer Dienst, der gewissermaßen am Gängelband anderer europäischer Institutionen hängt, wird nicht den Erfolg haben, den wir uns als Deutsche für diesen Dienst auch wünschen", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Córdoba.

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Catherine Ashtons aktueller Entwurf sieht EU-Botschaften in mehr als 130 Ländern vor. Zwischen 7000 und 8000 Beamte sollen für die neue Behörde arbeiten. Diese können jeweils zu einem Drittel von den Mitgliedsstaaten, dem EU-Ministerrat und der EU-Kommission nominiert werden. Weiter plädierte sie in ihrem Papier dafür, dass die EU-Regierungen und die Kommission gleichgewichtig in dem Dienst vertreten sein sollten.

"Wir sehen noch erheblichen Diskussionsbedarf", sagte Westerwelle. Wenn die EU in der Außenpolitik "schlagkräftiger" werden wolle, so brauche sie "einen wirklich unabhängigen Europäischen Auswärtigen Dienst". Die Bundesregierung verfolgt Diplomaten zufolge kritisch, dass die Britin Ashton ihren engsten Mitarbeiterstab mit vielen Landsleuten besetzte. Westerwelles österreichischer Amtskollege meinte gar zu den Vorschlägen Ashtons: "Es ist schon klar geworden, dass es so nicht weitergeht."

Leser-Kommentare
  1. kallewestrich - Eine EU-Behörde, die 8000 Beamte und zig Niederlassungen braucht, die bezahlt werden wollen. Der öffentlich-rechtliche Arbeitgeber sichert wieder Pöstchen. Ich möchte nicht wissen, mit wie vielen Hundert Millionen das Budget geplant wird. Dafür zahlen wir ja dann auch. Oder brauchen wir dann weniger deutsches Außenministerium?

    • joG
    • 06.03.2010 um 12:53 Uhr

    ....: Soll Lady Ashton Deutschland vertreten oder Herr Westerwelle?
    Wenn sie es beide tun, gibt es ein Durcheinander.

    • A-Z
    • 06.03.2010 um 14:09 Uhr

    wie im britischen Straßenverkehr - aus unserer Sicht falsch herum!

  2. Die so verführerische Sicherheit einer zentralen Bürokratie wird jetzt schnell zum Ärgernis, wenn die Provinzfürsten merken, dass sie ihren Hebeln nicht mehr gehorcht. Dieses Europa wird sich bis zur Lächerlichkeit zerstreiten, bevor es auch nur einen ernsthaften Versuch machen kann, zu einer geachteten Stimme in der internationalen Gemeinschaft zu werden.
    Für das in vielen Nationen schon zum Ärgernis gewordene Politik-Theater ist inzwischen schon genug Geld versenkt worden. Wo bleiben die Repräsentanten, die für ein höheres Ziel auch große Opfer bringen können. Hier streiten sich Erwachsene wie Kinder um den Lenker und beachten nicht, dass so nichts in Fahrt kommen wird.
    Was wohl besser ist - schwer zu sagen.

  3. Aber man hilft ja der Arbeitslosigkeit. Und in NY kann man vielleicht nun einen neuen EU Sitz in der UN verlangen.

    Dort hat man in der UN ja kaum eine Stimme........ im Vergleich mit Russland, China, der USA, Brasilien, India us usw, deren Abgeordnete ja so viel mehr Buerger vertreten als die Europaer.

    Natuerlich wissen wir, warum das so ist: Es ist ja die Qualitaet der Buerger die vertreten werden muessen, nicht deren Zahl.

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