Vertrag von Lissabon Machtkampf um Europas DiplomatieSeite 2/2

Ashton selbst zeigte sich offen für Verbesserungsvorschläge und wertete die Kritik als positiv: "Es ist wichtig, dass wir von verschiedenen Seiten Ideen vorgelegt bekommen." Auf diese Weise werde es möglich, eine Synthese zu schaffen und den bestmöglichen Dienst aufzubauen. Den Beschwerden der Minister hielt sie aber entgegen, dass auch die Kommission dem Plan für den Dienst zustimmen müsse. 

Ashton wurde in den vergangenen Wochen vor allem von Frankreich und Schweden angegriffen. Die Wahl der Britin in das Amt war eine Überraschung, da die ehemalige  EU-Handelskommissarin keine Erfahrungen in der Außenpolitik mitbrachte. Sie hat keine einfache Position, denn sie ist zugleich Repräsentantin der EU-Mitgliedstaaten und Vize-Chefin der Kommission.

Der EU-Ratspräsident und spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos äußerte sich zuversichtlich, dass es eine Einigung geben werde. "Wir sind alle sicher, dass die  EU-Außenbeauftragte uns ein umfassendes, koordiniertes und effizientes Konzept vorlegen wird, das auch die Zustimmung der EU-Kommission und des Europaparlaments finden wird." Der britische Außenminister David Miliband sagte, es sei Sache der Außenminister, "über ein klares Mandat für die europäische Außenpolitik der neuen Institutionen und der neuen Außenbeauftragten zu entscheiden". Miliband möchte nicht von einem Machtkampf der europäischen Institutionen sprechen: "Dies ist keine Schlacht zwischen den Mitgliedstaaten und der Kommission", sagte er.

Die Kommission verfügt bereits jetzt über rund 5000 Beamte, die sich um Außenbeziehungen kümmern. Diese sollen Teil des neuen Dienstes werden, der unter Ashtons Leitung stehen soll. Die Außenminister von Lettland, Litauen, Slowenien und Zypern warnten davor, beim Aufbau des EAD die kleineren EU-Staaten zu übergehen.

Einige Minister warnten davor, das gemeinsame Projekt mit Grabenkämpfen zu schwächen. Mit dem auswärtigen Dienst will die EU weltweit mit stärkerem Gewicht auftreten. Er ist eine wichtige Neuerung des seit Dezember geltenden EU-Vertrages von Lissabon.

Ashton selbst zeigte sich überzeugt, doch noch die gewünschten Erfolge liefern zu können. "Ende April sollen die Vorschläge fertig sein, und sie werden fertig sein", sagte sie nach dem ersten Tag der Beratungen, die am Samstag fortgesetzt werden sollten.

 
Leser-Kommentare
  1. kallewestrich - Eine EU-Behörde, die 8000 Beamte und zig Niederlassungen braucht, die bezahlt werden wollen. Der öffentlich-rechtliche Arbeitgeber sichert wieder Pöstchen. Ich möchte nicht wissen, mit wie vielen Hundert Millionen das Budget geplant wird. Dafür zahlen wir ja dann auch. Oder brauchen wir dann weniger deutsches Außenministerium?

    • joG
    • 06.03.2010 um 12:53 Uhr

    ....: Soll Lady Ashton Deutschland vertreten oder Herr Westerwelle?
    Wenn sie es beide tun, gibt es ein Durcheinander.

    • A-Z
    • 06.03.2010 um 14:09 Uhr

    wie im britischen Straßenverkehr - aus unserer Sicht falsch herum!

  2. Die so verführerische Sicherheit einer zentralen Bürokratie wird jetzt schnell zum Ärgernis, wenn die Provinzfürsten merken, dass sie ihren Hebeln nicht mehr gehorcht. Dieses Europa wird sich bis zur Lächerlichkeit zerstreiten, bevor es auch nur einen ernsthaften Versuch machen kann, zu einer geachteten Stimme in der internationalen Gemeinschaft zu werden.
    Für das in vielen Nationen schon zum Ärgernis gewordene Politik-Theater ist inzwischen schon genug Geld versenkt worden. Wo bleiben die Repräsentanten, die für ein höheres Ziel auch große Opfer bringen können. Hier streiten sich Erwachsene wie Kinder um den Lenker und beachten nicht, dass so nichts in Fahrt kommen wird.
    Was wohl besser ist - schwer zu sagen.

  3. Aber man hilft ja der Arbeitslosigkeit. Und in NY kann man vielleicht nun einen neuen EU Sitz in der UN verlangen.

    Dort hat man in der UN ja kaum eine Stimme........ im Vergleich mit Russland, China, der USA, Brasilien, India us usw, deren Abgeordnete ja so viel mehr Buerger vertreten als die Europaer.

    Natuerlich wissen wir, warum das so ist: Es ist ja die Qualitaet der Buerger die vertreten werden muessen, nicht deren Zahl.

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