Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat Konsequenzen aus dem herben Verlust seiner konservativen UMP bei den Regionalwahlen gezogen und sein Kabinett umgebildet. Unter anderem entließ er Arbeits- und Sozialminister Xavier Darcos aus der Regierung. Als Spitzenkandidat einer der Listen des Regierungsbündnisses hatte Darcos besonders schlecht abgeschnitten. Sein Nachfolger wird der bisherige Haushaltsminister Eric Woerth, der nun die umstrittene Rentenreform angehen soll.

Neuer Haushaltsminister wird der frühere Übersee- und Innenminister François Baroin, ein enger Vertrauter von Ex-Staatschef Jacques Chirac. Mit seiner Ernennung will Sarkozy offenbar Kritik im eigenen Lager begegnen: Baroin hatte den Präsidenten zuletzt offen vorgeworfen, zu viele linke Politiker auf Regierungsposten gesetzt zu haben. Dagegen muss neben Darcos auch der für Armut und Jugend zuständige Hohe Kommissar Martin Hirsch die Regierung verlassen. Er war einer derjenigen, die für jene "Öffnung nach links" standen.

Neben dem UMP-Abgeordneten Marc-Philippe Daubresse, der neuer Jugendminister wird, holt Sarkozy auch Georges Tron in sein Kabinett, der sich als Staatssekretär um den öffentlichen Dienst kümmern soll. Tron ist ein Mitglied aus dem Lager des parteiinternen Sarkozy-Rivalen Dominique de Villepin. Dieser will Angaben seines Umfelds zufolge am Donnerstag die Gründung einer neuen Partei ankündigen, die bis zu den kommenden Präsidentenwahlen im Jahr 2012 eine Alternative zum Bündnis von Sarkozy werden solle. Jüngsten Umfrageergebnissen zufolge sähen 16 Prozent der Befragten Villepin gerne als Präsidentschaftskandidaten der Rechten – der amtierende Staatschef kommt derzeit lediglich auf 14 Prozent.

Sarkozys Stabschef hatte am Wochenende angekündigt, dass nach dem Urnengang nur eine kleinere, "technische" Regierungsumbildung zu erwarten sei. Offenbar veranlasste das schlechte Wahlergebnis den Präsidenten zu drastischeren Schritten. Der scheidende Minister Darcos war in der Region Aquitaine in der entscheidenden zweiten Wahlrunde mit nur 28 Prozent der Stimmen den Sozialisten unterlegen, die auf 56 Prozent kamen. Darcos sagte kurz vor Bekanntgabe der Regierungsumbildung, er sei stolz auf seine bisherige Arbeit. In seinem Umfeld hieß es, es sei unverständlich, dass der Minister gehen müsse; offenbar brauche Sarkozy "einen Sündenbock".

Die linke Opposition hatte den zweiten Durchgang der Wahl mit gut 54 Prozent der Stimmen klar gewonnen. Sozialisten, Grüne und andere Linksparteien hängten die konservative UMP in 21 der 22 Regionen im Mutterland ab; landesweit kamen die Konservativen nur auf gut 35 Prozent. Die Konservativen konnten sich im europäischen Teil Frankreichs lediglich im Elsass an der Grenze zu Deutschland halten. Ihre zweite Bastion Korsika ging an die Opposition. Die Rechtsextremen schnitten mit landesweit gut neun Prozent überraschend stark ab.

Ihren Kurs ändern will die regierende UMP trotz des Ergebnisses nach eigenem Bekunden nicht. Die Wähler hätten "aber nicht Nein zu den Reformen" gesagt, sagte Parteichef Xavier Bertrand. Eine Umfrage zeigte hingegen, dass sich 40 Prozent der Franzosen wünschen, Sarkozy möge bei den Reformen eine Pause einlegen. Allerdings sind zugleich mehr als die Hälfte überzeugt, dass er sich durch das Wahlergebnis nicht beirren lässt. Sein nächstes großes Projekt ist die Rentenreform. Bereits Mitte April soll ein Entwurf vorliegen.