Ein neuer Parteiskandal droht den Wahlkampf des britischen Premierministers Gordon Brown zu belasten. Seine Labour-Partei setzte die Mitgliedschaft von drei Ex-Ministern aus, die vor versteckter Kamera politische Einflussnahme gegen Bargeld angeboten haben sollen. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Verkehrsminister Stephen Byers, Ex-Gesundheitsministerin Patricia Hewitt und den früheren Verteidigungsminister Geoff Hoon sowie eine weitere Abgeordnete. Wie guardian.co.uk berichtet, geht die Maßnahme auf Labour-Premierminister Gordon Brown und Generalsekretär Ray Collins zurück. Weitere Parlamentarier meldeten sich freiwillig für Kontrollen.

Eine Undercover-Recherche des britischen Senders Channel 4 und der Zeitung Sunday Times zeigt, – wenige Monate vor der Parlamentswahl – wie führende Labour-Politiker offensichtlich versprachen, gegen Geld ihren Einfluss für Unternehmen geltend zu machen.

Veröffentlichte Aufnahmen zeigen, wie der Labour-Politiker und frühere Verkehrsminister Stephen Byers einem Reporter sagt, er stehe wie ein "Miettaxi" zur Verfügung – der Tarif liege bei bis zu 5000 Pfund (5500 Euro) für einen Tag. Er brüstete sich außerdem mit einer geheimen Übereinkunft mit dem aktuellen Verkehrsminister Andrew Adonis über das Auslaufen eines Lizenzvertrages der Bahn. Die Bahngesellschaft National Express und das Verkehrsministerium wiesen die Behauptung zurück. Der Reporter hatte sich als Geschäftsmann ausgegeben.

Byers und andere Labour-Politiker wie Ex-Verteidigungsminister Geoff Hoon, von dem den Berichten zufolge ähnliche Äußerungen kamen, bestritten später jegliches Fehlverhalten. Byers sagte, er habe seinen politischen Einfluss übertrieben dargestellt. In Wahrheit habe er "nie Druck auf Minister zugunsten geschäftlicher Interessen" ausgeübt.

Byers forderte das Aufsichtsgremium des Parlaments auf, die Vorwürfe zu untersuchen. Es werde sicher bestätigen, "dass ich den Verhaltenskodex der Parlamentarier eingehalten habe".

Auch der Chef der oppositionellen Konservativen, David Cameron, hatte zuvor eine Untersuchung gefordert. Er sprach im Fernsehsender Sky News von "schockierenden" Enthüllungen, die "ins Herz der Frage nach der Integrität der Regierung" treffe.

Außenminister David Miliband äußerte sich "entsetzt" über die Berichte. Die Labour-Partei versprach für den Fall einer Wiederwahl schärfere Gesetze gegen die Beeinflussung von Politikern durch Interessenvertreter. In den Meinungsumfragen zur Parlamentswahl liegt die Labour-Partei deutlich hinter den Konservativen. Gewählt werden soll spätestens Anfang Juni.

Im vergangenen Jahr hatte der sogenannte Spesen-Skandal das Parlament in eine Glaubwürdigkeitskrise gestürzt. Damals kam heraus, dass Abgeordnete aller Parteien Kosten wie zum Beispiel für die Reinigung von Swimmingpools geltend machten.