Wiederaufbau HaitisGeschacher um Milliarden und um Zeltplanen

Wenn Wiederaufbau-Helfer miteinander konkurrieren: In Port-au-Prince mehren sich die Spannungen zwischen der Regierung, Weltgemeinschaft und NGOs. Von Sandra Weiss von 

Die EU-Außenministerin Catherine Ashton zu Besuch in Port-au-Prince (Bild vom 3. März)

Die EU-Außenministerin Catherine Ashton zu Besuch in Port-au-Prince (Bild vom 3. März)  |  © dpa

Auf den Hügeln über den Ruinen von Port-au-Prince wird derzeit an der neuen haitianischen Hauptstadt gebastelt. Experten der UNO und der USA, haitianische Funktionäre und in- und ausländische Architekten und Stadtplaner hetzen im Vorort Pétionville von einem Meeting zum nächsten, um darüber zu diskutieren, wie die Stadt wieder aufgebaut werden kann, wer die Hilfsgelder verwaltet, wer die Aufträge verteilt und die Pläne entwirft.

Mittendrin Tourismusminister Patrick Delatour, ein in den USA ausgebildeter Architekt, der aus dem urbanen Chaos, das Port-au-Prince vor dem Beben war, eine Modellstadt machen will mit einer ausgeklügelten Verteilung von Wohn- und Geschäftsvierteln, Parks und öffentlichem Nahverkehr. Der Wiederaufbau soll die Stadt endlich mit der nötigsten Infrastruktur wie Straßenbeleuchtung und Abwasserkanälen versehen. Der Plan soll Ende März bei der UNO in New York auf einer Geberkonferenz vorgelegt werden.

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Was sich verlockend anhört, zieht tatsächlich eine riesige bürokratische Maschinerie nach sich. Es geht um viel Geld: Auf 14 Milliarden hat die Interamerikanische Entwicklungsbank (BID) die Kosten für den Wiederaufbau veranschlagt. Hunderte von Unternehmen überwiegend aus den USA stehen bereits in den Startlöchern, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Teilweise nimmt das Geschachere makabre Formen an, etwa wenn ein Prothesenvertreter mit einem künstlichen Bein unter dem Arm in den Krankenhäusern Visitenkarten verteilt.

Auch die Opposition will auf den Zug aufspringen und verlangt Mitspracherecht beim Wiederaufbau. Die aus Intellektuellen, Ex-Diplomaten, Ex-Militärs und Wirtschaftsbossen zusammengewürfelte Opposition will sicherstellen, dass die Gelder auch in Wirtschaftsförderung und Dezentralisierung fließen. "Je mehr der neun Millionen Haitianer am Wiederaufbau beteiligt werden, desto positiver ist es", sagt der rechte Ex-Militär Himmler Rebu.  

Doch die Bevölkerung bekommt von diesen Diskussionen und den hochtrabenden Plänen in klimatisierten Büros wenig mit. "Hier sind noch nicht einmal alle Trümmer weggeräumt", sagte eine Passantin dem lokalen Radio. "Und uns fehlt es an Jobs, Krankenhäusern, Schulen und öffentlichen Verkehrsmitteln, nicht an Prachtboulevards."

Während die Funktionäre und Hilfsorganisationen noch darüber diskutieren, wo die Notunterkünfte am besten errichtet werden sollen, haben die Betroffenen längst zur Selbsthilfe gegriffen. Das Ergebnis dürfte die Beamten allerdings nicht wirklich zufrieden stellen: Auf Plätzen wie dem Champs de Mars ist ein chaotischer Slum entstanden aus Zelten, Plastikplanen, Betttüchern und Wellblech.

Die Spannungen zwischen den verschiedenen Akteuren belasten den Wiederaufbau. Er habe die Nase voll von Berichten über Korruption, sagte Präsident Rene Preval vor Kurzem. Die Korruption war schon immer ein Handicap der haitianischen Regierungen. Ineffizienz und politische Instabilität haben dazu geführt, dass die Internationale Gemeinschaft seit Jahren ihre Hilfe bevorzugt über Nicht-Regierungs-Organisationen abwickelt.  

Leserkommentare
  1. ist nicht übertrieben.
    Seit Papa Doc und Baby Doc haben Hilfsgelder nie ihre Bestimmung erreicht.
    Viele Milliarden Dollar wurden von der Oberschicht abgeschöpft.
    Die Bevölkerung wird mit Voodoo in Schach gehalten.
    Die UNO und die Hilfsorganisationen stehen vor einer gewaltigen Aufgabe.
    Drücken wir ihnen die Daumen für gutes Gelingen.

  2. interessantes foto übrigens.

    erinnert mich an pauschalreisende auf exkursion in einem exotischen basar.

    und die haitianischen kinder sehen im arm der guten weißen tante ungefähr so glücklich aus wie der ruandische minenarbeiter beim "gespräch" mit dem moppeligen niebel.

    mir scheint, als wüssten die slumbewohner dieser welt mehr über den zustand dieser welt als die jubelperser, die der kanzlerin beim schweinegrillen auf rügen zuschauen durften.

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  • Schlagworte UN | Hillary Clinton | Geberkonferenz | Hilfsorganisation | Korruption | USA
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