Das Oberhaus des indischen Parlaments hat ein Gesetz zur Einführung einer Frauenquote in den Volksvertretungen verabschiedet. In Zukunft sollen 33 Prozent der Sitze in den Parlamenten in Neu Delhi und in den Bundesstaaten für weibliche Abgeordnete reserviert sein.

Die Entscheidung gilt als wichtiger Meilenstein: Seit 13 Jahren war über die Frauenquote debattiert worden. Bevor sie umgesetzt werden kann, müssen noch das Unterhaus mit einer Zweidrittelmehrheit und die Hälfte der Parlamente in den Bundesstaaten zustimmen.

Das Gesetz wird von der Kongress-Partei, die die Regierungskoalition führt, und von der wichtigsten Oppositionspartei, der hindu-nationalistischen BJP unterstützt. Die nötige Zweidrittelmehrheit in der Rajya Sabha kam jedoch erst nach mehrfacher Unterbrechung der Sitzung im Oberhaus zustande. Eine Anzahl kleinerer Parteien forderte innerhalb der Quote zudem noch reservierte Sitze für Frauen aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Gruppen.

Abgeordnete aus diesen Parteien hatten eine Abstimmung bereits am Montag – dem Internationalen Frauentag – mit Störungen verhindert. Am Dienstag schloss der Präsident des Oberhauses, der indische Vizepräsident Hameed Ansari, nach chaotischen Szenen in der Rajya Sabha sieben Abgeordnete aus der Sitzung aus.

Premierminister Manmohan Singh, bedauerte die "ungewöhnlichen Vorfälle" in der Parlamentskammer. Er dankte der Opposition für die Unterstützung des Gesetzes. "Das Gesetz ist ein historischer Schritt, ein riesiger Schritt vorwärts, um den Prozess der Stärkung der Emanzipation der indischen Frau zu fördern." Die BJP verwies darauf, dass Frauen zwar 50 Prozent der indischen Gesellschaft ausmachten, in den Parlamenten aber nur etwa zehn Prozent der Sitze innehätten.

Im Unterhaus – der Lok Sabha – stellen Frauen nur 59 der insgesamt 545 Abgeordneten, also etwa elf Prozent. In der Rajya Sabha sind nur 21 der 250 Sitze von Frauen besetzt, was einer Quote von etwa acht Prozent entspricht. Würden ein Drittel der Sitze in den indischen Parlamenten besetzt, hätte die aufstrebende Regionalmacht eine der höchsten Frauenquoten weltweit. An der Spitze stehen Island und Südafrika, in beiden Ländern stellen Frauen über 40 Prozent der Abgeordneten.