US-Presse Warten auf Merkel
Die Kanzlerin hat es erneut auf den Titel eines großen US-Nachrichtenmagazins geschafft. Wurde sie früher gefeiert, sind die Kommentatoren heute entnervt und enttäuscht.

Wenige europäische Politiker schaffen es so häufig wie Bundeskanzlerin Merkel auf die Titelblätter von Newsweek & Co.
Wo steht die Wiege des Marketings? Na klar, in Amerika. Und wie lautet ein ehernes Grundgesetz? Ob bad news oder good news – sieh zu, dass Du im Gespräch bleibst. So viel zur Theorie.
Praktisch steht danach fest: Die Strategen im Kanzleramt sollten zufrieden sein. Schon zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen hat es die Regierungschefin auf den Titel eines renommierten englischsprachigen Nachrichtenmagazins geschafft. Kein anderer "political leader" steht so im Rampenlicht.
Letzten September: Angela Merkel im goldenen Käfig auf dem Cover vom Economist, der der Welt für die Zeit nach der Bundestagswahl eine vom großkoalitionären Joch befreite Kanzlerin prophezeite, die das Land mit eisernem Besen von allem Sozialmuff befreit. Anfang Januar dann kürt das Time- Magazin eine vollkommen in Schwarz gewandete Merkel zur "Frau Europa", attestiert ihr, eine Schlüsselposition unter den "world-leadern" zu besetzen.
Und nun? Nun fragt Newsweek entnervt, wann denn endlich die Welt das leading der Angela Merkel zu spüren bekommen wird. „Waiting for Merkel“ titelt die Zeitschrift enttäuscht vom Regierungsstil der Deutschen und zoomt zur Untermauerung ihre Leser ganz nah an Merkels Hände heran – vor dem Körper zum Dreieck gefaltet, wie es ihre Art ist, und gezeichnet vom Leben einer Fünfzigjährigen, in deren Alltag Maniküre offensichtlich keinen herausgehobenen Platz einnimmt. Will sagen: Was ist schon zu erwarten von so einer Frau?
Was sie erwartet hatten? Eine Führungsrolle der Deutschen in Afghanistan, Führung in Europa und bei der Bewältigung der Weltwirtschaftskrise. Und natürlich: scharfe Reformen des deutschen Steuer- und Sozialsystems. Merkel als Feldherrin am Hindukusch, als Basta-Kanzlerin zu Hause und eisenhart in Brüssel?
Jeder hierzulande weiß längst, dass das weder zum deutschen Europa- noch zu Merkels Politikverständnis passen würde. Bleibt dennoch die Frage: Ahnen die Amerikaner in Merkel eine Strategie-Armut, die ihr hierzulande noch als taktischer Reichtum ausgelegt wird? Oder erfüllt sich am Ende nur ein zweites Mediengesetz, wonach lustvoll mit den gleichen Argumenten vom Sockel geholt wird, wer immer zuvor hinaufgewuchtet wurde.
Dieser Artikel erschien im Tagesspiegel
- Datum 10.03.2010 - 11:39 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 11
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Barack Obama: Komm, wir gehen!
Nicolas Sarkozy: Wir können nicht.
Barack Obama: Warum nicht?
Nicolas Sarkozy: Wir warten auf Merkel.
Barack Obama: Ach ja.
Wahrscheinlich haben dasselbe auch die waehler von Schwarz-Gelb erwartet.
"Eine Führungsrolle der Deutschen in Afghanistan, Führung in Europa und bei der Bewältigung der Weltwirtschaftskrise. Und natürlich: scharfe Reformen des deutschen Steuer- und Sozialsystems."
Dies mag zwar alles geboten sein, doch dem liegt ein Missverstaendnis zugrunde, wie der gesamten Schwarz-gelben Koalition.
Merkel denkt gar nicht mehr daran, ein solche Programm zu vertreten nach der Niederlage 2005.
Und die FDP gab nur vor, ein solches Programm vertreten zu wollen, entlarvte sich jetzt in der regierung aber als krakelende Klientelpartei.
Der Dumme ist dabei der Waehler.
Die Herausforderungen werden wegen kurzfristiger Popularitaet ignoriert, die Linie fehlt, die enttaeuschung waechst.
Man muss aber bemerken: Die Probleme werden durch Nichthandeln nur groesser, nicht kleiner.
Mit einem klaren reformkurs haette die Koalition aktuell sicher mehr Zustimmung im Volk als mit diesem Nichthandelspakt.
Dies sollte auch die Strategin Merkel endlich erkennen, bevor es zu spaet ist.
...Dr Merkel ist der beliebteste Politiker der Deutschen Erwachsenen.
..oder Ernst gemeint?
"Dr. (!) Merkel ist DER beliebteste Politiker Deutschlands"... Verzweifelter Versuch einer Wahrnehmensbegradigung oder misslungener Ironieanflug? Man weiß es nicht, fehlt doch auch die Quelle, WO denn Dr. Merkel als beliebtesteR Politiker gelistet sein soll...
...Dr Merkel ist der beliebteste Politiker der Deutschen Erwachsenen.
..oder Ernst gemeint?
"Dr. (!) Merkel ist DER beliebteste Politiker Deutschlands"... Verzweifelter Versuch einer Wahrnehmensbegradigung oder misslungener Ironieanflug? Man weiß es nicht, fehlt doch auch die Quelle, WO denn Dr. Merkel als beliebtesteR Politiker gelistet sein soll...
Sie haben nicht erkannt, dass Frau Merkel nach den weisen Grundsätzen von Laotse tätig ist: "Es ist besser nichts zu tuen, als mit vieler Mühe nichts zu schaffen". Es ist ein Glück für unser Land, Frau Merkel als Kanzlerin zu haben bei den Krakeelern um sie herum.
Sieh an. Das Legendentrickzeug gebar einen Laotse.
Vielen Dank für Ihren wunderbaren Beitrag. Habe mir schon große Sorgen um die Lethargie im Bundeskanzleramt gemacht, aber dann ist ja doch alles in Ordnung.
Sieh an. Das Legendentrickzeug gebar einen Laotse.
Vielen Dank für Ihren wunderbaren Beitrag. Habe mir schon große Sorgen um die Lethargie im Bundeskanzleramt gemacht, aber dann ist ja doch alles in Ordnung.
... dass Frau Merkel groteskt überschätzt wird. Die Medien haben in ihr gesehen, was sie sehen WOLLTEN , nicht was den Tatsachen entsprach. Die Kanzlering war geschickt genug diesen Anfangsbonus so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, in dem sie schlicht nix tat, und somit auch nix verkehrtes, was diesem Bonus geschadet hätte.
Und selbst jetzt gelingt es ihr immer noch die MEdien zu ihren Gunsten zu steuern. Ich meine WER bringt die Themen auf den Tisch, an denen sich die Gesellschaft im Diskurs reibt? Die Kanzlerin? Ähhh, neee, es ist die FDP. Wäre es aber nicht ihre aufgabe? JA! Und wer steht beim Wähler trotzdem am höchsten im Kurs bzw. wem werden die daraus resultierenden Meinungsverschiedenheiten NICHT angelastet? Richtig: Merkel!
Wenigsten die MEdien merken soooo laaannngsam , daß sie da ne Luftnummer in die Meinungswelt gesetzt haben und fangen langsam an diesen Fehler zu korrigieren.
Immerhin .....
Schwarz-gelb ist angetreten eine geistig moralische Wende in
Deutschland einzuleiten!
Nach 100 Tagen Stillstand sind die Nichtstuer u.Krakeeler ein Armutszeichen für Deutsche Politik!
Macht weiter so!!!!
...geistig-moralisch war der Dicke. Nicht verwechseln, wenngleich beide Begriffe zum verwechseln ähnlich, weil bar jeder Inhaltlichkeit sind.
...geistig-moralisch war der Dicke. Nicht verwechseln, wenngleich beide Begriffe zum verwechseln ähnlich, weil bar jeder Inhaltlichkeit sind.
Wann werden Autoren in Deutschland endlich verstehen, dass US-Magazine wie Time oder Newsweek Europaausgaben produzieren, deren Titel auf Leser in der alten Welt zugeschnitten sind? In den USA gibt es andere Interessen und andere Titel, da taucht Frau Merkel nicht auf. Zu behaupten, die Kanzlerin sei "innerhalb weniger Wochen" 3 Mal auf ausländischen Titeln gewesen, ist überdies kühn, wenn der Economist sein Merkel-Stück "letzten September" brachte. Wir haben März 2010!
... dass Newsweek in den USA ohne weiteren Grund Merkel auf dem Cover bringt, gibt es doch immer was interessanteres für US-Leser, wie z.B. in der US-Ausgabe von der int. Ausgabe mit Merkel drauf:
Why We Must Fire Bad Teachers
http://www.newsweek.com/
...Dr Merkel ist der beliebteste Politiker der Deutschen Erwachsenen.
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