Internationale Zusammenarbeit Aufbruchstimmung am Mittelmeer

Mit der Ernennung des ersten Generalsekretärs nimmt die Mittelmeerunion endlich ihre Arbeit auf. Wenn es gut läuft, kann sie sogar den Nahost-Friedensprozess voranbringen.

Ahmed Massade, der neue Generalsekretär der Mittelmeerunion, während der Ernennungszeremonie in Barcelona

Ahmed Massade, der neue Generalsekretär der Mittelmeerunion, während der Ernennungszeremonie in Barcelona

Stolz tritt Ahmed Massade ans Rednerpult und ergreift das Wort. "Wir haben jetzt schon Geschichte geschrieben. Für die Menschen im Mittelmeerraum beginnt heute ein neues Kapitel. Der Süden und Norden kommen sich näher." Seit Donnerstag ist der Jordanier offiziell der erste Generalsekretär der Mittelmeerunion (UpM).

Lautes Klatschen erfüllt den Empfangssaal im Pedralbes-Palast in Barcelona. Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos, seine Amtskollegen aus Frankreich und Jordanien, Bernard Kouchner und Nase Joda, sowie der Generalsekretär der Arabischen Liga und Ägyptens ehemaliger Außenminister Amr Moussa strahlen vor Begeisterung – vielleicht auch, weil diese Veranstaltung den mühsamen Weg bis zu diesem vergessen lässt.

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Fast zwei Jahre sind vergangen, seitdem die von Frankreichs Ministerpräsident Nicolas Sarkozy initiierte "Union für das Mittelmeer“ gegründet wurde. Fast zwei Jahre passierte wenig. Die unterschiedlichen Interessen der 43 Mitgliedsstaaten, Finanzierungsstreitigkeiten, der Nahostkonflikt und auch die von Frankreich angestrebten Ziele verzögerten den Start der Mittelmeerunion immer wieder. Misstrauisch beäugt wurde insbesondere Sarkozys durchsichtiger Versuch, durch die Mittelmeerunion vor allem den Einfluss Frankreichs im nordafrikanischen Maghreb zu stärken und seine ehemalige Vormachtstellung in der Region wiederherstellen zu wollen.

Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte Sarkozy hier nicht einfach freie Hand lassen. Sie bestand darauf, dass die Mittelmeerunion nicht nur ein Projekt Frankreichs und der Mittelmeeranrainer sein dürfe, sondern ein Projekt aller EU-Staaten sein müsse. Nach monatelangem Streit hattte Merkel Sarkozy schließlich davon überzeugt, nicht die Spaltung der EU zu riskieren und sein Lieblingsprojekt für alle zu öffnen. So gehören der UpM heute die 27 EU-Mitgliedsstaaten, die balkanischen EU-Beitrittskandidaten Albanien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien, die Türkei, die 15 Mittelmeeranrainerstaaten in Nordafrika und dem Nahen Osten sowie die Palästinensische Autonomiebehörde, Mauretanien und Jordanien an. 

Ein weiterer Rückschlag für das Projekt war der Gaza-Krieg im Dezember 2008. Die Mittelmeerunion lag brach, so wie bereits auch der sogenannte Barcelona-Prozess von 1995 immer wieder ins Stocken geriet. Zwischendurch einigten sich 15 EU-Mitgliedstaaten mit 12 südlichen Mittelmeeranrainern auf die Gründung der euro-mediterranen Partnerschaft (EUROMED). Doch auch hier verhinderte in den meisten Fällen der Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten ein Zusammenwachsen.

Auch jetzt, nach der Ernennung des ersten Generalsekretärs und der Einweihung des UpM-Hauptsitzes in Barcelona, finden Pessimisten viele Gründe, warum die Mittelmeerunion noch scheitern könnte. Doch der Elan und Optimismus des erst 41-jährigen Jordaniers Massade steckte am Donnerstagabend immerhin auch die alten Hasen an.

Massades Tatendrang ist überwältigend, obwohl er sich wohl noch ein wenig zurückhalten muss. In seinem Büro im linken Seitenflügel der ehemaligen Sommerresidenz des spanischen Königs stehen erst drei Stühle und ein großer Schreibtisch. Es fehlt noch an allem. Die katalanische Regionalregierung muss dem UpM-Generalsekretär sogar ihre Presseabteilung zur Verfügung stellen, bis er sein eigenes Team zusammengestellt hat. Auch seine insgesamt sechs Stellvertreter aus Griechenland, Italien, Malta, der Türkei, Israel und Palästina müssen noch bis Ende März gewählt werden.

Leser-Kommentare
  1. Nun ja, es ist sicher kein Fehler ein paar Millionen für Reisekosten und Bankette auszugeben.
    In der Krise sollen die Staaten sich ja nicht kaputtsparen

    Wie man allerdings bei 43 Mitgliedstaaten (darunter die 27 der EU) auf die Idee kommen kann, diese Union könne irgendwelche Erfolge erzielen ist mir ein Rätsel. Die Mittelmeerunion kann nicht "noch scheitern", sie ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.

  2. Die Fragen von "kraut61" sind absolut berechtigt, allerdings unbedingt an die deutsche Regierung zu stellen. Ein Vergleich belegt, warum:

    Der „Ostseerat“ wurde 1992 in Kopenhagen gegründet mit dem Ziel der Kooperation der Anrainerstaaten der Ostsee sowie Norwegens und Islands. Als Initiatoren gelten die Außenminister Deutschlands und Dänemarks, Hans-Dietrich Genscher und Uffe Ellemann-Jensen. Mitglieder: Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Russland, Schweden und die Europäische Kommission.

    Der Vorschlag zu einer „Mittelmeerunion“ war Sarkozys Idee als Möglichkeit, zum Friedensprozess zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn beizutragen und zudem eine Alternative zum Beitritt der Türkei zur Europäischen Union darstellen. Der Vorschlag stieß bei den EU-Mittelmeerländern Spanien, Italien und Griechenland, auf Zustimmung. Die nördlichen EU-Mitgliedstaaten, darunter vor allem Deutschland zeigten sich hingegen deutlich reservierter. Ein wichtiger Kritikpunkt war, dass die Mittelmeerunion ursprünglich nicht die ganze EU, sondern nur die Mittelmeeranrainer umfassen sollte. Nach einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im März 2008 wurde vereinbart, dass das Projekt alle EU-Mitgliedstaaten umfassen soll. Der Türkei wurde eine Garantie angeboten, dass die Gründung der Mittelmeerunion die Beitrittsverhandlungen mit der EU nicht beeinflussen werde; daraufhin erklärte sie sich zur Teilnahme daran bereit.

    • bheese
    • 28.03.2010 um 14:17 Uhr

    Die euro-mediterrane Partnerschaft nimmt Fahrt auf. Zum Hintergrund: http://www.lit-verlag.de/...

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