Neujahr im IranObama richtet sich zum persischen Neujahrsfest an iranisches Volk

Der US-Präsident hat in einer Nachricht an Iran seine Dialogbereitschaft unterstrichen. Iranern solle ein Internetzugang "ohne Angst vor Zensur" ermöglicht werden

Teheraner auf einem geschmückten Markt am Tag vor dem persischen Neujahrsfest

Teheraner auf einem geschmückten Markt am Tag vor dem persischen Neujahrsfest   |  © Atta Kenare/AFP/Getty Images

Anlässlich des persischen Neujahrsfestes hat sich US-Präsident Barack Obama an das iranische Volk gerichtet und der Führung in Teheran vorgeworfen, sich selbst zu isolieren. Zugleich bekräftigte er seine Dialogbereitschaft gegenüber Teheran. Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ali Chamenei, erklärte wiederum, sein Land habe "den Feind" im abgelaufenen Jahr durch "außergewöhnlichen Widerstand" besiegt.

"Auch wenn wir weiterhin Differenzen mit der iranischen Regierung haben, werden wir uns weiterhin für eine hoffnungsvollere Zukunft für das iranische Volk einsetzen", erklärte Obama in einer am Samstag vom Weißen Haus veröffentlichten Botschaft zum Neujahrsfest Newroz.

Anzeige

Er werde sich für einen Internetzugang "ohne Angst vor Zensur" für die Iraner engagieren. Die iranische Bevölkerung müsse Zugang zu Internetsoftware und -technologie erhalten, damit sie "miteinander und mit der Welt" kommunizieren könne. Die Opposition im Iran hatte während der Proteste nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen ausgiebig den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter und Sozialnetzwerke wie Facebook oder das Internetportal Youtube genutzt, um sich zu organisieren.

Zugleich bekräftigte Obama, sein Dialogangebot von vor einem Jahr gelte immer noch. Teheran müsse jedoch dafür verantwortlich gemacht werden, dass es seine Verpflichtungen in Nuklearfragen nicht eingehalten habe. "Es ist die iranische Regierung, die sich dafür entschieden hat, sich selbst zu isolieren, einen selbstzerstörerischen Fokus auf die Vergangenheit zu richten, statt sich des Aufbaus einer besseren Zukunft zu verschreiben." Vor einem Jahr hatte Obama Teheran einen "Neubeginn" in den bilateralen Beziehungen vorgeschlagen.

Ajatollah Chamenei, der im Iran in nationalen Fragen das letzte Wort hat, sagte in einer im Fernsehen übertragenen Botschaft zum Newroz-Fest, "der Feind der Islamischen Republik" habe seine ganzen Anstrengungen darauf gerichtet, die Revolution von Innen zu zerschlagen". Doch die iranische Nation habe ihn durch "außergewöhnlichen Widerstand, Wachsamkeit und Entschlusskraft" besiegt. Chamenei hatte wiederholt die USA und Großbritannien für die gewaltsamen Proteste nach der Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadineschad im Juni verantwortlich gemacht.

Ahmadineschad selbst warnte in einer Neujahrsbotschaft, jedem, der seinem Land schaden wolle, werde "die Hand abgehackt". Seine Wiederwahl sei ein "echtes" Beispiel der Demokratie für die Welt, sagte er.

Nach den regierungskritischen Protesten gegen die Wiederwahl von Ahmadineschad im Juni vergangenen Jahres waren mehrere tausend Demonstranten festgenommen worden. Einige Regierungskritiker wurden bereits hingerichtet.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. "Er werde sich für einen Internetzugang "ohne Angst vor Zensur" für die Iraner engagieren. Die iranische Bevölkerung müsse Zugang zu Internetsoftware und -technologie erhalten, damit sie "miteinander und mit der Welt" kommunizieren könne."

    Dumm nur, dass 70% des iranischen Volkes, nämlich genau die die Achmadinedschad gewählt haben, die Bauern, die Armen, das Wort Internet in ihrem Leben noch nie gehört haben.

    Obamba versucht eine kleine (studentische) Elite in den Grossstädten gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten aufzuwiegeln. Dies wird scheitern.

    Uns Bürgern wird von korrupten Medien vorgegaukelt, der ganze Iran verabscheue das System und hasse Achmadinedschad...das ist nicht wahr!!

    Genausowenig wie die 68er Demonstranten die Mehrheit in Deutschland abbildeten! [...]

    Bitte bleiben Sie bei einer respektvollen Wortwahl. Die Redaktion/sh

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Schön, dass 70% der Iraner Bauern und ungebildete Arme sind? Wo haben Sie denn Ihre Zahlen her? Von der iranischen Botschaft?
    Und übrigens, wenn Sie es nicht mitbekommen haben, die geistige (und damit meist ehemalige) Elite leitet eine Gesellschaft!!

    Frohes neues Jahr dem mutigen iranischen Volk! noruze iranie shoja piruz bad! Happy New year to all the brave iranians!

    ich wahr im iran und habe die menschen gesehen und mit ihnen gesprochen.
    zeigt mir ein glückliches gesicht unter dem volk, nach dem ergebnis der wahlen.
    es gibt noch immer aufstände;
    wir wissen das die wahlen in diesem land leider seit langer zeit manipuliert und getürkt werden und das volk kann sich nicht wehren, denn das religiöse oberhaupt hat das einzige wort wie wir sehen - denn wer sich wehren sollte, hand ab!

    ausserdem sind auf alle fälle nicht 70% der bevölkerung bauern ect. die das wort internet nicht kennen; dies ist wohl wirklich eine lächerliche aussage. das iranische volk ist ein sehr zivilisiertes und fortschrittliches volk, auch wenn man die positiven eigenschaften dieses landes in den medien leider nicht erwähnt.

  2. Schön, dass 70% der Iraner Bauern und ungebildete Arme sind? Wo haben Sie denn Ihre Zahlen her? Von der iranischen Botschaft?
    Und übrigens, wenn Sie es nicht mitbekommen haben, die geistige (und damit meist ehemalige) Elite leitet eine Gesellschaft!!

    Frohes neues Jahr dem mutigen iranischen Volk! noruze iranie shoja piruz bad! Happy New year to all the brave iranians!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "ehemalige studentische Elite" sollte es heißten!

    Wie die Vergangenheit gezeigt hat, "leitet" die selbsternannte Elite nur so lange eine Gesellschaft, wie ihr Machtanspruch sie nicht blind macht für Ungerechtigkeit und unverschämter Selbsdarstellung.

  3. "ehemalige studentische Elite" sollte es heißten!

  4. Ja, es gibt auch Demonstrationen FÜR Achmadineschad, und die sind unglaublich zahlreicher, gewaltiger und emotionaler als die Gegenseite.

    http://www.youtube.com/wa...

    Aber is klar, die wurden alle bezahlt, und ihr Enthusiasmus ist nur gespielt, etc.

  5. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, "leitet" die selbsternannte Elite nur so lange eine Gesellschaft, wie ihr Machtanspruch sie nicht blind macht für Ungerechtigkeit und unverschämter Selbsdarstellung.

  6. ich wahr im iran und habe die menschen gesehen und mit ihnen gesprochen.
    zeigt mir ein glückliches gesicht unter dem volk, nach dem ergebnis der wahlen.
    es gibt noch immer aufstände;
    wir wissen das die wahlen in diesem land leider seit langer zeit manipuliert und getürkt werden und das volk kann sich nicht wehren, denn das religiöse oberhaupt hat das einzige wort wie wir sehen - denn wer sich wehren sollte, hand ab!

    ausserdem sind auf alle fälle nicht 70% der bevölkerung bauern ect. die das wort internet nicht kennen; dies ist wohl wirklich eine lächerliche aussage. das iranische volk ist ein sehr zivilisiertes und fortschrittliches volk, auch wenn man die positiven eigenschaften dieses landes in den medien leider nicht erwähnt.

    • Soruz
    • 21. März 2012 22:03 Uhr

    "Anlässlich des persischen Neujahrsfestes hat sich US-Präsident Barack Obama an das iranische Volk gerichtet".

    1. Das Fest ist nicht nur ein persisches Fest, sondern ein Fest der iranischen und turanischen Völker. Ca. 21 Völker und Völkerschaften, seit willkürlicher Grenzziehung lebten in zahlreichen Staaten innerhalb des damaligen persischen Reiches, das in vorgeschichtlicher Zeit "Ariana" bzw. "Aryana" und in der neupersischen Sprache, auch Dari genannt, hieß.

    2. Das Deutsche gehört zu germanischen Sprachen. Aber die germanischen Sprachen sind nicht alle deutsch. Genauso die persische Sprache gehört zu den iranischen Sprachen. Hier wäre gewisse Sensivilität von Nöten, zumal z.B. die US-Soldaten und ihre Offiziere in Irak und Afghanistan stationiert sind und sie durch die zentralasiatischen Staaten versorgt werden, die ebenso Neujahrfest am Frühlingsanfang bzw. am 1. Widder bzw. Tag-Nachtgleiche des Frühlings feiern.

    3. Obama weiß wahrscheinlich noch nicht, dass Nauroz-Fest, also das iranische Neujahrfest ein internationales Fest ist von mindestens 21 Staaten. Bei Kurden z.B. feiern sie gleich mindetsns in vier Staaten: Iran, Irak, Syrien und Türkei

    4. In Baktra, heute Balch, soll Zoroaster geboren worden sein. Jamschid bzw. Yama übernahm die Lehre des Zarathustra

    5. Der Präsident von Putin hat eben auch Afghanistan und zentralasiatischen Staaten zum Nauroz gratuliert.

    http://www.youtube.com/wa...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Barack Obama | Iran | Mahmud Ahmadinedschad | Bevölkerung | Beziehung | Botschaft
Service