Afghanistan Obama will Ergebnisse sehen
Weniger Korruption, weniger Drogenhandel: Präsident Obama macht bei seinem afghanischen Amtskollegen Karsai Druck. Doch der weicht aus, indem er China und Iran hofiert.
© JIM WATSON/AFP/Getty Images

Empfang: Afghanistans Präsident Karsai und US-Präsident Obama am Sonntag in Kabul
US-Präsident Barack Obama hat bei einem Überraschungsbesuch in Afghanistan seinen Kollegen Hamid Karsai in ungewöhnlich offenen Worten kritisiert und ihn aufgefordert, konsequenter gegen Korruption und Drogenhandel vorzugehen. Sicherheitsberater James Jones sagte Journalisten, Obama habe Karsai "klargemacht, dass es Probleme gibt, denen er seit Beginn seiner zweiten Amtszeit keine Aufmerksamkeit geschenkt hat". Karsai "muss begreifen, wie wichtig diese Dinge (für die USA) sind".
Es war Obamas erste Reise nach Afghanistan als Präsident. Aus Sicherheitsgründen war sie bis zur Landung in Kabul am Sonntagabend (Ortszeit) geheim gehalten worden. Bis dahin hatte das Weiße Haus verbreitet, er verbringe das Wochenende mit seiner Familie auf dem Landsitz Camp David. Obama besuchte auch US-Soldaten auf dem Militärstützpunkt Bagram und Verwundete im Krankenhaus. Die Truppen feierten ihren Oberbefehlshaber mit Ovationen, als er ihnen für ihren Dienst und die Opferbereitschaft dankte. Am Montag früh war er bereits auf dem 13-stündigen Rückflug.
Vor laufenden Kameras wählte Obama in Kabul höflichere Worte. "Das amerikanische Volk ist ermutigt durch die Fortschritte", sagte er zu den militärischen Erfolgen im Kampf gegen die Taliban, als er neben Karsai vor dem Präsidentenpalast in einer stark befestigten und streng bewachten Zone stand. Es gebe aber noch viel zu tun beim Aufbau einer ordentlichen Regierung. "Wir wollen weiter Fortschritte auf dem zivilen Sektor machen."
Gegenüber den Medien verhehlt das Weiße Haus seinen Ärger über Karsai nicht und droht mit der Kürzung von Aufbauhilfe. Karsai dürfe keine Politiker in die Regierung berufe, die als korrupt gelten, und müsse das Wahlgesetz ändern. Bei seiner Wiederwahl im Sommer 2009 hatte es beträchtliche Manipulationen gegeben. Daraufhin wurde die Beschwerdekommission reformiert, doch Karsai bestand darauf, dass er die fünf Mitglieder selbst ernenne. Zuvor hatte die UN drei der fünf Mitglieder nominiert. Bei der Afghanistankonferenz in London im Januar waren die Frustration und der Ärger des Westens über Karsais selbstherrliche Amtsausübung ebenfalls unübersehbar.
Karsai versucht sich dem wachsenden Druck zu entziehen, indem er China und Iran hofiert. In der vergangenen Woche reiste er drei Tage durch China. Peking investiert in die Förderung der wenigen afghanischen Bodenschätze, wie zum Beispiel Kupfer, und streicht damit aus US- Sicht die Vorteile der verbesserten Sicherheit ein, für die Amerika und andere Nato-Staaten mit dem Blut ihrer Soldaten und Milliarden Hilfsgeldern bezahlt haben.
Anfang März empfing Karsai Irans Präsidenten Mahmud Ahmadineschad, obwohl der Westen ihn isolieren möchte, und machte am vergangenen Wochenende einen Gegenbesuch in Teheran. Von dort kehrte er erst wenige Stunden, bevor Obama landete, nach Kabul zurück. Obama hat die US-Truppen in Afghanistan bereits zwei Mal aufgestockt, auf demnächst 100.000 Soldaten. Seinem Vorgänger George W. Bush warf er vor, der habe den Konflikt wegen Irak vernachlässigt. Er dagegen werde den Afghanistankrieg erfolgreich beenden.
Aus dem Tagesspiegel
- Datum 29.03.2010 - 19:19 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
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25 Stunden Flug für ein unangemeldetes 20-Minuten-'Gespräch' mit Karzai, der es gewagt hatte, am Wochenende mit Ahmadinejad vor Kameras in Tehran zu posieren. Nachdem er denselben kürzlich in Kabul empfangen hatte, obwohl Bob Gates auch da war.
http://aliqapoo.wordpress...
Da wurde wohl einem tüchtig der Marsch geblasen. Gezeigt, wo der Hammer hängt, sagt man wohl.
Bitte vermeiden Sie beleidigende Bemerkungen. Die Redaktion/sh
Eigentlich sind die Taliban ja nachts die Beherrscher der Lage. Damit hat der amerikanische Präsident gründlich aufgeräumt. Genau in tiefster Dunkelheit hat er dem Widerstand getrotzt. Er hat klare Weisungen an Karsai gegeben und dem US-Fernsehen ermöglicht Siegestimmung vom Hindukusch ins Heimatland zu transportieren. Da haben sich die 25 Stunden in der "Airforce one" gelohnt.
Unsere Afghanistan-Besucher (Innenminister de Maiziere) haben uns im gleichen Atemzug verklickert, dass die Polizei-Formierung acht Jahre Selbstbetrug darstellte und auch heute damit gerechnet werden muss, dass Waffen und Funkgerät letztlich bei den Taliban landen. Unser Minister war tagsüber vor Ort. Ob das eine Rolle spielte?
....sich zusammenbraut ist ein altes und bekanntes. Wenn Leute in Machtpositionen kommen wie Karzai, dann wollen sie die Position für sich sichern. Daher funktioniert es oft nicht eine Demokratie zu installieren und dann die Macht zu schnell zu übergeben. Man muss weiterhin eingreifen in den politischen Prozess, bis seine Regeln und Institutionen sich stabilisiert haben.
Wie will man aber nun mit Karzai verfahren? Immerhin droht er damit das Wahlverfahren zu ergreifen oder alternativ selbst zur Taliban über zu laufen. In der Vergangenheit mussten die Amerikaner mit diesen Dingen alleine umgehen. Jetzt aber ist Deutschland mit im Boot. Wollen wir eine Diktator ins Amt gehievt haben? Was sollte man tun. Alle Alliierten sind gefragt.
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