US-Energiepolitik Ölbohrungen für den Klimaschutz

Mit seinem Ja zu Ölbohrungen vor der US-Küste empört Präsident Obama Umweltschützer. Doch der will Zugeständnisse der Republikaner beim Klimaschutz erreichen.

US-Präsident Barack Obama will erstmals Öl- und Gasbohrungen vor der amerikanischen Küste genehmigen. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews im Bundesstaat Maryland kündigte Obama neue Wege an, um die heimischen Energiequellen auszuschöpfen. Dabei werde er auch die Interessen des Naturschutzes berücksichtigen, sagte der Präsident und rechtfertigte damit seine energiepolitische Kehrtwende. "Wir werden neue Technologien einsetzen, um die Auswirkungen der Ölförderung zu mindern." Obama versprach: "Wir schützen Gebiete, die wichtig für den Tourismus, die Umwelt und unsere nationale Sicherheit sind."

Seine Regierung lasse sich dabei nicht von einer politischen Ideologie leiten, sondern von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Erschlossen würden daher Küstengebiete im mittleren und südlichen Atlantik und im Golf von Mexiko. Ökologisch besonders gefährdete Regionen wie Alaskas Bristol Bay sollten dagegen verschont bleiben.

Anzeige

Mit der Ölbohr-Ankündigung schwenkt Obama teilweise auf einen Plan seines Vorgängers George W. Bush ein. Der hatte sich immer für die umstrittenen Bohrungen vor den Küsten ausgesprochen. Obama, stets Verfechter des Ausbaus grüner Energien, hatte diese Pläne zu Beginn seiner Amtszeit jedoch zunächst auf Eis gelegt, um sie zu überprüfen. Doch im Januar kündigte er in der  Rede zur Lage der Nation "harte Entscheidungen über die Erschließung neuer Gebiete vor der Küste für Öl und Gas" an.

Obamas Hauptziel ist es, Unterstützung für ein neues Energiesicherungsgesetz zu gewinnen, nachdem das geplante Klimaschutzgesetz im Kongress gescheitert ist. Es soll die Abhängigkeit von Ölimporten, etwa aus dem arabischen Raum, verringern und die weitgehende Versorgung aus heimischen Energiequellen sicherstellen, aber auch Klimaschutzklauseln enthalten. Mit dem Kompromiss, den manche Medien in den USA als ausgewogen, andere als widersprüchlich bewerten, versucht Obama, sowohl die Ölindustrie als auch Umweltschützer zufriedenzustellen.

Die aber übten deutliche Kritik an Obama. Der Präsident der Umweltvereinigung Sierra Club, Michael Brune, zeigte sich "sehr enttäuscht" von der Entscheidung. "Wir stellen die letzten unserer geschützten und unberührten Küstenstreifen den Ölkonzernen zur Verfügung, damit diese weitere Rekordgewinne einfahren können", sagte Brune.

Die von Obama erstmals erlaubten Probebohrungen am südlichen Atlantik stehen unter dem Vorbehalt, dass die Regierung zuvor in geologischen Studien das Risiko für die Umwelt abschätzt und die Förderung gegebenenfalls verbietet. Die New York Times schreibt, bei heutigen Energiepreisen könne die Industrie Öl und Gas vor der Küste Nordfloridas, Georgias, South und North Carolinas und Virginias nicht gewinnbringend fördern. Deshalb habe Obamas Zugeständnis auf absehbare Zeit wohl keine praktische Auswirkung.

An der Ostküste hingegen soll es schon bald losgehen. Geplant sind Probebohrungen 80 Kilometer vor der Küste Virginias. Für diese Region war vor 20 Jahren ein Bohrstopp verhängt worden. Damals sollten Ölbohrungen aus Umweltschutzgründen grundsätzlich auf die Mitte und den Westen des Golfs von Mexiko begrenzt bleiben. Obamas jetziges Signal dürfte die konservativen Politiker des Kohlestaats nun freuen, Umweltschützer hingegen schütteln den Kopf.

"Das Signal dieser Ankündigung ist energiepolitisch rückwärtsgewandt"

Arne Jungjohann, Klimaexperte der Heinrich-Böll-Stiftung in Washington

"Das Signal dieser Ankündigung ist energiepolitisch rückwärtsgewandt", sagt Arne Junjohann, Klimaexperte der Heinrich-Böll-Stiftung in Washington. Doch dies sei nur ein Teil der Wahrheit, schränkt er ein. "Obama erhöht damit den Druck, das im Senat stockende Klimagesetz zu verabschieden. Es ist der vielleicht letzte Versuch, endlich auch ein paar republikanische Senatoren dafür zu gewinnen", meint der Umweltexperte.

Um dem Gesetz noch vor den anstehenden Zwischenwahlen eine Chance zu geben, müssten die Demokraten es rechtzeitig vor der Sommerpause auf den Weg bringen. Das Klimagesetz stand erst monatelang in der Warteschlange hinter der Gesundheitsreform. Dann wurde es totgesagt. Doch inzwischen steht fest: Hinter den Kulissen ringt die Obama-Partei weiter um einen überparteilichen Kompromiss zur CO2-Reduzierung und zum Emissionshandel. Anfang März kündigte der demokratische Senator John Kerry an, dass entgegen der gängigen Meinung ein umfassender Gesetzentwurf in Kürze vorliegt. Wie er aussieht, ist unbekannt.

In einer am Mittwoch vom Sender CNN veröffentlichten Umfrage gaben 51 Prozent der Befragten in den USA an, für sie hätten die Interessen der Wirtschaft Vorrang vor jenen des Umweltschutzes. Nur 45 Prozent sahen den Umweltschutz als vordringlich.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Ich bezweifle das der Plan aufgeht. Ich lebe zurzeit in Kalifornien und habe die vielen Abstimmungen mitverfolgt. Die Republikaner haben so gut wie jedes Mal mit "Nein" abgestimmt. Diese Partei will nichts anderes als dass Obama verliert.

  2. Ölbohrungen für den Klimaschutz!!!

    Deutlicher kann man nicht zeigen, dass der Klimahype Religion ist und nichts mehr mit Realitäten dieser Welt zu tun hat.

    Eins muss man Obama aber lassen. Er verkauft seine Realpolitik gut. Sachlich haben ihm seine Fachleute erklärt, dass mehr eigene Ölförderung der richtige Weg ist, also macht er es.

    Und weil er im Wahlkampf noch das Gegenteil gesagt hat, nennt er Ölförderung einfach Klimaschutz. Wahre Gläubige nehmen ihm das ab und sind glücklich.

    Obama glaubt doch nicht ernsthaft, dass der Senat jemals irgendein Klimaabkommen absegnet. Gerade in den USA ist die Church of Global Warming so was von tot, das man da auch nichts wiederbeleben kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Julia schreibt:
    "Wahre Gläubige nehmen ihm [Obama] das ab und sind glücklich."

    Hm, Julia, glücklich sind doch eigentlich nur die Mineralölkonzerne und ihre Aktionäre, wenn Sie den Artikel gelesen haben.

    Engstirniges, dogmatisches Denken kann ich übrigens nur bei einigen Skeptikern erkennen. Wissenschaft ist sich ihrer Grenzen durchaus bewusst, das IPCC nennt z.B. eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90%, dass der gegenwärtige Klimawandel von Menschen verursacht wird.

    Woher nehmen die Skeptiker eigentlich ihre 100%ige Gewissheit, dass alles nur Schwindel und Verschwörung ist? Sie haben nicht ein Krümelchen eines Beweises (der britische Parlamentsausschuss hat heute Phil Jones und das CRU von allen Vorwürfen einer wissenschaftlichen Manipulation entlastet), ihre Überzeugungen lassen sich nur auf eine merkwürdige Art von Glauben gründen.

    Julia schreibt:
    "Wahre Gläubige nehmen ihm [Obama] das ab und sind glücklich."

    Hm, Julia, glücklich sind doch eigentlich nur die Mineralölkonzerne und ihre Aktionäre, wenn Sie den Artikel gelesen haben.

    Engstirniges, dogmatisches Denken kann ich übrigens nur bei einigen Skeptikern erkennen. Wissenschaft ist sich ihrer Grenzen durchaus bewusst, das IPCC nennt z.B. eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90%, dass der gegenwärtige Klimawandel von Menschen verursacht wird.

    Woher nehmen die Skeptiker eigentlich ihre 100%ige Gewissheit, dass alles nur Schwindel und Verschwörung ist? Sie haben nicht ein Krümelchen eines Beweises (der britische Parlamentsausschuss hat heute Phil Jones und das CRU von allen Vorwürfen einer wissenschaftlichen Manipulation entlastet), ihre Überzeugungen lassen sich nur auf eine merkwürdige Art von Glauben gründen.

  3. sagte der Präsident: "Wir schützen Gebiete, die wichtig für den Tourismus, die Umwelt und unsere nationale Sicherheit sind." und rechtfertigte seine energiepolitische Kehrtwende.
    Harte Entscheidungen über die Erschließung neuer Gebiete vor der Küste für Öl und Gas - klar Verrat am eigenen Gefolge ist immer hart, selbst wenn man ihn als Führungskraft verbrämt.

  4. Julia schreibt:
    "Wahre Gläubige nehmen ihm [Obama] das ab und sind glücklich."

    Hm, Julia, glücklich sind doch eigentlich nur die Mineralölkonzerne und ihre Aktionäre, wenn Sie den Artikel gelesen haben.

    Engstirniges, dogmatisches Denken kann ich übrigens nur bei einigen Skeptikern erkennen. Wissenschaft ist sich ihrer Grenzen durchaus bewusst, das IPCC nennt z.B. eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90%, dass der gegenwärtige Klimawandel von Menschen verursacht wird.

    Woher nehmen die Skeptiker eigentlich ihre 100%ige Gewissheit, dass alles nur Schwindel und Verschwörung ist? Sie haben nicht ein Krümelchen eines Beweises (der britische Parlamentsausschuss hat heute Phil Jones und das CRU von allen Vorwürfen einer wissenschaftlichen Manipulation entlastet), ihre Überzeugungen lassen sich nur auf eine merkwürdige Art von Glauben gründen.

    Antwort auf "Satire? Change?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich wollte ihnen nur kurz mitteilen, dass ich ihren kommentar sehr gut verständlich finde, im gegensatz zu kommentar 6, welcher recht konfus wirkt.
    auch dem inhalt ihres kommentars kann ich mich anschliesen.

    ich wollte ihnen nur kurz mitteilen, dass ich ihren kommentar sehr gut verständlich finde, im gegensatz zu kommentar 6, welcher recht konfus wirkt.
    auch dem inhalt ihres kommentars kann ich mich anschliesen.

  5. Obama ist stets dabei, seine Wahlversprechen eines nach dem anderen zu erfüllen. Er versprach nie, dass er an der Küste nicht bohren wollte. Jedoch hat er versprochen, die US-Abhängigkeit von Nahostimporten zu senken. US-Ölimporte aus Saudiarabien sind bereits um 40% gefallen, im Gegenzug sind Importe aus Kanada gestiegen.

  6. "Woher nehmen die Skeptiker eigentlich ihre 100%ige Gewissheit, dass alles nur Schwindel und Verschwörung ist?"

    Diese Gewissheit "nehmen" sie zB. aus solchen Beiträgen wie Ihrem. Wenn jemand etwas von sich weißt, dessen er gar nicht beschuldigt wird, ist das erstmal mit der Tatsache verbunden, daß so jemand die Argumente die gegen ihn vorgetragen werden, nicht versteht.
    Wenn dieser dann aber weiter auf seiner Argumenationslinie bleibt, also abstreitet was ihm nicht vorgeworfen wird, muß sich dessen Vokabular wohl oder übel angepasst werden ?

    Also sind es Schwindel und Verschwörung was die Skeptiker erkennen, denn was sie eigentlich erkennen, wird von denen die sich des Vorwurfs des Schwindels und der Verschwörung erwehren, ja nicht verstanden.

    Sie sagen was Sie machen, genau das wird dann zu 100% erkannt.

    Genaugenommen ist es aber so, das Skeptiker die Grenze zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft nicht exakt definieren können, aber eine wesentlich eindeutigere Distanzierung zwischen Naturphilosophie, Chemie und Physik herstellen, und das nach der Methode "moderne Naturwissenschaft".
    Temperaturmessung zB. ist aber gar keine Wissenschaft.
    Statistik ist keine Naturwissenschaft sondern Mathematik. Die wiederum ist eine Geisteswissenschaft.

    Noch wichtiger als eine Wahrscheinlichkeit anzugeben, ist einen Grund für irgend eine Wahrscheinlichkeit angeben zu können. Dieser sollte dann möglichst naturwissenschaftlich sein, nicht nur wiederum wahrscheinlich.

  7. ich wollte ihnen nur kurz mitteilen, dass ich ihren kommentar sehr gut verständlich finde, im gegensatz zu kommentar 6, welcher recht konfus wirkt.
    auch dem inhalt ihres kommentars kann ich mich anschliesen.

    Antwort auf "Wahre Gläubige?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dann bin ich wohl nicht der einzige, der #6 nicht versteht ;-)

    dann bin ich wohl nicht der einzige, der #6 nicht versteht ;-)

  8. 8. Danke,

    dann bin ich wohl nicht der einzige, der #6 nicht versteht ;-)

    Antwort auf "@ einstein"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service