Abtreibungsgegner ins Visier genommen
Und dennoch votierte nur eine äußerste knappe Mehrheit für dieses Jahrhundertgesetz. Gerade einmal 219 stimmten dafür, 212 dagegen. Der republikanischen Opposition schlossen sich 34 Demokraten an. Es war ein Tauziehen und eine Zitterpartie, bis zum Schluss.
Am Wochenende stießen die Meinungen noch einmal unerbittlich aufeinander. Eine Mehrheit für die Gesundheitsreform war keineswegs sicher, zu viele Demokraten hatten Bedenken; sie zögerten und fürchteten die Rache der Wähler. Am vergangenen Sonnabend trat Präsident Obama noch einmal mit einer aufrüttelnden Rede vor die demokratischen Abgeordneten. Er drängte sie, die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben, nicht wieder leichtfertig zu verspielen.
Niemand wisse, ob der Wähler den Wandel honorieren werde, sagte Obama. Doch es gehe in dieser historischen Stunde nicht darum, nach der nächsten Wahl zu schielen, sondern das Richtige für das Land und seine Menschen zu tun. Was er nicht sagte, aber zwischen den Zeilen stand: Dieses Gesetz, diese Abstimmung entschied auch über Wohl und Wehe der Obama-Präsidentschaft.
Zuerst überzeugten die Demokraten die Sparkommissare in ihrer Partei, denn die fürchteten, das Gesetz würde den riesigen Schuldenberg weiter anhäufen. Doch die überparteilichen Haushaltskommissare beruhigten mit ihrem jüngsten Bericht: Auf lange Sicht, heißt es da, würde die Reform die Schulden senken – um 1,2 Billionen Dollar.
Dann wurden die Abtreibungsgegner ins Visier genommen. Ihre Bedenken: Abtreibungswillige könnten mit den geplanten staatlichen Prämienzuschüssen solche Versicherungen kaufen, die auch für die Kosten einer Abtreibung aufkommen. In letzter Minute versicherte Barack Obama ihnen in einer Erklärung: Es bleibt bei der alten Politik – keine Abtreibung auf Staatskosten.
Am Sonnabend, als der Präsident sprach, zogen Tausende Reformgegner vor den Kongress und machten ihrer Wut Luft. Sie riefen: "Kill the bill" und "Wer mit Ja stimmt, dem werden wir es zeigen. Die Rache des Wählers ist gewaltig." Demokratische Abgeordnete, die an ihnen vorbeizogen, wurden abwechselnd als Nazis, als Sozialisten, als Diktatoren oder Mehrheitstyrannen beschimpft. Schwarzen Politikern schleuderte man das furchtbare N-Wort entgegen. "Nigger" – so habe ihn seit den Bürgerrechtsprotesten niemand mehr genannt, empörte sich der Abgeordnete John Lewis aus dem US-Bundesstaat Georgia.
Bei der Abstimmung im Repräsentantenhaus lagen die Nerven dann blank. Monatelang hatten sich die Parteien befehdet. Als klar wurde, dass die demokratischen Abtreibungsgegner sich mit Obamas Klarstellung zufrieden geben und der Gesundheitsreform über die Klippe helfen würden, brüllte ein aufgebrachter Republikaner: "Babykiller".
Im Weißen Haus fiel man sich danach in die Arme. Das Gesetz wird noch in dieser Woche in den Senat gehen. Denn kompliziert, aber wahr: Das Repräsentantenhaus hat der vom Senat verabschiedeten Gesundheitsreform am Sonntagabend nur unter einer Bedingung zugestimmt: dass der demokratisch dominierte Senat seinerseits in den nächsten Tagen Ja zu den Änderungswünschen der Abgeordneten sagt. Der demokratische Mehrheitsführer hat es versprochen.
Erleichtert trat Obama kurz vor Mitternacht vor die Kameras und rühmte die Gesundheitsrevolution. Ein Jahr hat er sich ihr gewidmet, sie wird nun kommen. Doch der Streit darüber wird bleiben.
- Datum 22.03.2010 - 06:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...seiner Vorgänger scheiterten."
Was genau er erreicht hat bleibt abzuwarten.
Hier wurde eine an sich gute Sache dermaßen zerfleddert, daß außer Kosten nichts mehr zu sehen ist.
Obama hat an dieser [...] festgehalten, nur um der Welt weiszumachen, er könne etwas bewegen.
Die Büchse der Pandora war eine Wohltat gegenüber dem, was jetzt auf die Amerikaner zukommt.
Bismarck würde sich totlachen, wenn er es nicht schon wäre.
[Bitte bleiben Sie mit Ihrer Wortwahl auf einem geschmackvollen Niveau. Danke, die Redaktion/vv]
Präsident Obama hat mit dem Durchwinken seiner Gesundheitsreform, diese Nacht im Repräsentantenhaus, formell einen Sieg errungen. Das ist nicht zu bestreiten, genauso wie vorhersehbar ist, dass er ihm bei den Herbstwahlen auf die Füße fallen wird.
219 bei 216 notwendigen Stimmen: Aber was ist das für eine Mehrheit und unter welchen Umständen wurde sie herbeigeführt? Sie beruht auf den Stimmen von Abgeordneten, die feige eine namentliche Abstimmung verweigern und sich hinter einem elektronischen Wahlverfahren verstecken, das es ihnen ermöglicht, in Washington mit dem Präsidenten zu stimmen und sich im Wahlkreis als Abtreibungsgegner und Widerständler gegen das Gesetz hinzustellen. Täuschung, Lug und Betrug des Wählers waren schon immer Kennzeichen obrigkeitsstaatlicher Allmachtsfantasien - ein Pyrrhussieg, denn der Wähler wird das alles nicht vergessen.
...der Amerikaner ist aber für die Versicherung:
http://www.forum-gesundhe...
Und das trotz massiver Propaganda, Lügen und Panikmache der mächtigen Versicherungs- und Krankheitsindustrie.
Klar hätte ich mir gewünscht, er hätte das mit einem Volksentscheid gemacht. Aber ein derart rückständiges und korruptes Parlament wird sowas nie durchgehen lassen. Genau genommen geht es ja auch nicht um Sozialismus und Co, sondern fast ausschliesslich um Profite und Pfründe. Kein geistig gesunder und moralisch verantwortlicher Mensch kann es gut heißen, wenn jemand wegen Krankheit keine Versicherung mehr findet.
[Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende und pauschale Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv]
Aber eines haben die Republikaner und Gegner erreicht: einmal mehr konnte alle Welt sehen, was für ein primitives Land die USA in Wirklichkeit noch sind, kaum den Cowboystiefeln entwachsen, nur die Knarren sind mittlerweile Hightech...
...der Amerikaner ist aber für die Versicherung:
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Und das trotz massiver Propaganda, Lügen und Panikmache der mächtigen Versicherungs- und Krankheitsindustrie.
Klar hätte ich mir gewünscht, er hätte das mit einem Volksentscheid gemacht. Aber ein derart rückständiges und korruptes Parlament wird sowas nie durchgehen lassen. Genau genommen geht es ja auch nicht um Sozialismus und Co, sondern fast ausschliesslich um Profite und Pfründe. Kein geistig gesunder und moralisch verantwortlicher Mensch kann es gut heißen, wenn jemand wegen Krankheit keine Versicherung mehr findet.
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Aber eines haben die Republikaner und Gegner erreicht: einmal mehr konnte alle Welt sehen, was für ein primitives Land die USA in Wirklichkeit noch sind, kaum den Cowboystiefeln entwachsen, nur die Knarren sind mittlerweile Hightech...
Allen notorischen, schwarzsehenden und wortgewaltigen Theoretikern zum Trotz, hat es Obama gegen eine riesige Lobby geschafft. Millionen Amerikaner mit schlechterer Ausgangsbasis bekommen eine "kleine Chance" am Gesundheitswesen teilzuhaben. Glückwunsch an alle Demokraten die sich "getraut" haben.
Glückwunsch!
Glückwunsch!
Bis das Gesetz in Kraft (2014) tritt werden ca. 180000 Amerikaner sterben, weil sie sich keine KV leisten können, keine Diagnose oder Behandlung bekommen.(Harvard Medical School researchers)
"This bill does not provide universal, comprehensive or affordable care to the American people. It shovels hundreds and billions of dollars of taxpayer money into the worst corporations who’ve created this problem: the Aetnas, the CIGNAs, the health insurance companies."(Ralph Nader)
"Täuschung, Lug und Betrug des Wählers waren schon immer Kennzeichen obrigkeitsstaatlicher Allmachtsfantasien - ein Pyrrhussieg, denn der Wähler wird das alles nicht vergessen"
Eine staatliche Versicherung wäre besser gewesen.
Ich finde auch, dass der erzwungene Kompromiss fehlerhaft ist, aber Ihre dümmlichen Tiraden über Obamas obrigkeitsstaatliche Allmachtsfantasien sind neuraler Müll.
Man glaubt es kaum, der Anfang ist gemacht.
Wenn Sie jetzt noch irgendwann vernünftige Waffengesetze erlassen sind die USA kein Entwicklungsland mehr.
.... der sich in einigen Jahren auch in der Lebenserwartung des Durchschnittsamerikaners,die zuletzt unter die Jordaniens gesunken war, niederschlagen wird (siehe CIA-Factbook).
Die neoliberalen Ideologen hierzulande, die gerne den Sozialstaat herabwürdigen und jetzt auch am Gesundheitswesen herumdoktern wollen, müssen sich vielleicht langfristig ein anderes Utopia als die USA suchen. Wie wäre es mit dem Folterstaat des 'liberalen Diktators' (Hayek) Pinochet?
...und wir lassen uns unsere solidarischen Systme von den Neoliberalen abschwatzen?
Nur gemeinsam sind wir stark!
Deshalb:Weg mit den Versicherungsgrenzen für die Sozialversicherungen und alle zahlen in die Rentenversicherung, in eine Krankenversicherung und eine Pflegeversicherung. eine Streuung der erwirtschafteten Mittel aus diesen Versicherungen schafft Arbeitsplätze für viele und Sicherheit für den Einzelnen.
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