Armenien-Votum Türkei ruft Botschafter aus USA zurück
Trotz Protesten von Obama und Clinton: Ein US-Kongressausschuss hat die Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet. Die Türkei ist verstimmt.
© Jewel Samad/AFP/Getty Images

Angespannte Diplomatie? US-Präsident Barack Obama mit dem türkischen Premierminister Tayyip Erdogan (Ende 2009)
Trotz scharfer türkischer Proteste und der Intervention von Außenministerin Hillary Clinton wie auch Präsident Barack Obama hat der auswärtige Ausschuss im US-Kongress die Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet. Die türkische Regierung reagierte umgehend – und verstimmt. Sie rief ihren Botschafter aus Washington, Namik Tan, für Konsultationen nach Ankara. "Wir verurteilen diese Resolution, die die türkische Nation eines Verbrechens beschuldigt, das sie nicht begangen hat", erklärte die Regierung in Ankara.
Die Abstimmung in dem auswärtigen Ausschuss im US-Kongress fiel mit 23 gegen 22 Stimmen denkbar knapp aus. "Deutschland hat die Verantwortung für den Holocaust akzeptiert", sagte der Ausschussvorsitzende Howard Berman. "Für die Türkei ist es jetzt Zeit, die Realitäten des Genozids an den Armeniern zu akzeptieren". Das werde am Ende auch die Demokratie in der Türkei und die amerikanisch-türkischen Beziehungen stärken.
Ob Ankara außer dem Rückzug des Botschafters weitere Schritte plant, war zunächst unklar. Außenminister Ahmet Davutoglu meinte vor dem Votum: "Alle Möglichkeiten liegen auf dem Tisch." Türkische Medien spekulierten, es könnten etwa Rüstungsprojekte im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar gekündigt werden.
In der nicht bindenden Erklärung fordert der Ausschuss Präsident Obama auf, die "systematische und vorsätzliche Auslöschung von 1,5 Millionen Armeniern klar als Völkermord zu qualifizieren". Außerdem solle er sicherstellen, dass die Erinnerung an diese Ereignisse im Ersten Weltkrieg Teil der Außenpolitik sei. Das Votum des Ausschusses könnte den Weg zu einer Plenarabstimmung im Repräsentantenhaus freimachen.
Das Washingtoner Außenministerium hatte den Abgeordneten ausdrücklich von der Verabschiedung des Textes abgeraten. Es fürchtet sowohl Spannungen im bilateralen Verhältnis der USA zum NATO-Partner Türkei als auch eine Behinderung der jüngsten diplomatischen Annäherung zwischen der Türkei und Armenien.
Ähnlich äußerte sich auch der Sprecher im Weißen Haus, Robert Gibbs. Obama habe im Vorfeld der Abstimmung mit seinem türkischen Kollegen Abdullah Gül telefoniert. Im Wahlkampf hatte Obama noch angekündigt, als Präsident ebendies tun zu wollen. Dieser Zusage kam er allerdings nicht nach, er hatte sich vielmehr gegen eine solche Resolution stark gemacht.
Zu ähnlicher Verstimmung war es bereits 2007 gekommen, als derselbe US-Kongressausschuss ebenfalls eine "Völkermord-Resolution" verabschiedete. Nach heftigem internen Widerstand wurde das Dokument aber nicht im Plenum verhandelt. Nach Einschätzung türkischer Interessengruppen könnte es diesmal anders sein. Sie werfen Obama vor, im Unterschied zu seinen Vorgängern nehme er nicht zugunsten Ankaras Stellung. Als Obama und Clinton noch dem Senat angehörten, hatten beide für eine "Völkermord-Resolution" plädiert.
Armenien, mehrere westliche Staaten und ein Großteil der internationalen Forschung sehen es als erwiesen an, dass bei den Massakern zwischen 1915 und 1917 bis zu 1,5 Millionen Menschen starben, und sprechen von Völkermord. Ankara dagegen weist den Völkermord-Vorwurf zurück, setzt die Zahl der Opfer weit niedriger an und argumentiert, die Armenier seien im Zuge einer Umsiedlungsaktion unter Kriegsbedingungen ums Leben gekommen. Die Türkei ist Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs und ein wichtiges NATO-Mitglied. Die USA nutzen unter anderem Stützpunkte in der Türkei, um ihre Truppen im Irak zu versorgen.
- Datum 05.03.2010 - 07:42 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
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Es wurde Zeit! Die Reaktion der türkischen Regierung ist mal wieder typisch!
"...die Armenier seien im Zuge einer Umsiedlungsaktion unter Kriegsbedingungen ums Leben gekommen. ..."
Mir stehen die Haare zu Berge bei der Vorstellung, als Europäer mit diesen Leuten (sprich den Vertretern oben angeführten Zitats) in einen Topf geworfen zu werden.
Und übrigens Mr. Präsident, jetzt können Sie mal zeigen, ob und was sie wirklich drauf haben!
In der E.U. ist Leugnen von Völkermord geächtet, in der Türkei wird Benennen von Völkermord bestraft. Das Dt. Reich hat übrigens eine unrühmliche Rolle beim armenischen Holokaust gespielt, die BRD täte gut daran, dies in aller Offenheit aufzuarbeiten.
Bravo, ... ihr Kommentar ist wohl aussagekräftiger, als Sie ihn beabsichtigt haben. In der EU ist das Leugnen des Völkermordes sicherlicdh geächtet, das Verüben scheint es aber nicht zu sein. Die 90er Jahre beweisen dies mit einer unmissverständlichen Aussagekraft.
Bravo, ... ihr Kommentar ist wohl aussagekräftiger, als Sie ihn beabsichtigt haben. In der EU ist das Leugnen des Völkermordes sicherlicdh geächtet, das Verüben scheint es aber nicht zu sein. Die 90er Jahre beweisen dies mit einer unmissverständlichen Aussagekraft.
Wäre es nicht endlich an der Zeit in Ankara verbindlich nachzufragen, was seitens der "westlichen Wertegemeinschaft" über die Türkei berichtet werden soll/darf ??
Das würde einem harmonischen Miteinander doch sehr hilfreich sein !!
Nie in Geschichte sind geziehlt so viele Millionen Angehörige bestimmter Völker so systematisch ausgerottet worden, wie in Nord- und Südamerika. Nennt es Assimilation, nennt es indianischen Fortschritt... Wann gab es doch gleich eine Völkermord-Resolution gegen die Verbrechen an den Ureinwohnern Amerikas?
Wie denn will die " laiizistische " Türkei die Vertreibung
und damit Ausrottung der c h r i s t l i c h e n Armenier
nennen - Umsiedlung mit kleineren Verlusten?!?! Und die
wollen Europäer werden - da sei Gott und der europäische
Verstand vor.
Das große Interesse in Deutschland an den Völkermorden anderer Nationen lässt sich wohl nur damit erklären, dass dies weitaus bequemer ist, als sich mit den eigenen Verfehlungen auseinander zusetzen. Wo bleibt die Diskussion über den Völkermord der Deutschen an den Namibiern?
Das große Interesse in Deutschland an den Völkermorden anderer Nationen lässt sich wohl nur damit erklären, dass dies weitaus bequemer ist, als sich mit den eigenen Verfehlungen auseinander zusetzen. Wo bleibt die Diskussion über den Völkermord der Deutschen an den Namibiern?
Es wäre ein Segen und ein Akt von Hygiene, wenn sich die Türkei endlich zu den (Un)Taten des Osmanischen Reiches bekennen würde. Man kann nicht einerseits die großen kulturellen Errungenschaften, die Integrationsleistung und imperiale Größe vergangener Zeiten würdigen und andererseits die Verbrechen unter den Tisch kehren wollen.
Das führt zu Denk- und Sprechverboten, vergiftet die Beziehungen zum Nachbarland Armenien und ist generell eines souveränen Umgangs mit der eigenen Identität unwürdig.
Also liebe türkische Freunde, rafft euch auf und anerkennt die Schuld eurer Urgroßeltern - auch im Gedenken der Opfer.
Was ich allerdings nicht verstehe, ist die Haltung der USA. In den USA haben wir Holocaust-Gedenkstätten, demnächst vieleicht auch Armenierdenkmäler - aber wo ist eigentlich das Memorial für den eigenen, gigantischen Genozid an den indigenen Völkern, wo ist das Museum der mörderischen Sklaverei-Schande?
Die Amerikaner sitzen derart im Glashaus, dass sie tunlichst die Finger von jeglichem Stein lassen sollten...
Diesbezüglich eine ernstgemeinte Frage an alle:
Wurde der Massenmord an den Indianern und ihre Vertreibung in die "Reservate" ... jemals von USA-Authorities rechtlich eingestuft, oder sogar als "Volkermord" an Ureinwohnern Nordamerikas anerkannt?
Gespannt auf die ebenso ernstgemeinten und mit Quellangaben gespickten Antworte...
Zack34
Innocent.
Natuerlich ist was Amerika macht nie Voelkermord hoechstens
Collateral Demage "
Viel Spass bei der Suche nach Quellen- es gibt keine.
Innocent.
Natuerlich ist was Amerika macht nie Voelkermord hoechstens
Collateral Demage "
Viel Spass bei der Suche nach Quellen- es gibt keine.
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