EU-Richtlinie Angst vor Überwachung – kein deutsches Phänomen
Proteste, Gerichtsverfahren, unschlüssige Regierungen – die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung sorgt auch in anderen EU-Ländern für Streit.
© Sean Gallup/Getty Images

Die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung wird von vielen europäischen Bürgern mit Misstrauen betrachtet – sie fürchten den gläsernen Bürger
Es war die größte Verfassungsklage in der Geschichte Deutschlands. 35.000 Menschen hatten vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung geklagt – und Recht bekommen. Es war der vorläufige Höhepunkt einer jahrelangen heftigen Debatte um die Umsetzung der EU-Richtlinie 2006/24/EG.
Doch war der Streit keineswegs ein deutsches Phänomen. Auch in anderen EU-Ländern gab es Debatten, Proteste und Gerichtsurteile gegen die Vorratsdatenspeicherung. In etlichen Ländern verschleppten die Regierungen beispielsweise die Umsetzung der Richtlinie. Andere hingegen gingen weit über die EU-Vorgaben hinaus oder mussten auf Geheiß ihrer Verfassungsgerichte ihre Gesetze ändern.
Große Vorbehalte gegen ein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung gibt es in Schweden, Belgien, Irland, Griechenland und Österreich. Schwedens Regierung weigerte sich bislang die EU-Richtlinie umzusetzen. Man habe sich noch kein abschließendes Urteil zu dem Thema gebildet, heißt es zur Begründung. Diese Blockadehaltung führte kürzlich dazu, dass die EU-Kommission Schweden vor dem Europäischen Gerichtshof erfolgreich verklagte. (Die Klagen gegen die anderen vier Länder laufen noch.) Von einer Verhängung von Strafzahlungen wurde jedoch abgesehen. Beobachter gehen davon aus, dass die Situation sich nicht vor den Parlamentswahlen im September ändern wird. Denn würde die Regierung das Gesetz vorantreiben, wäre dies ein willkommenes Wahlkampfthema für die in Schweden populäre Piratenpartei – und vielleicht sogar ihr Ticket ins Parlament.
Auch die Regierungen in Belgien und Österreich konnten sich noch auf kein Gesetz einigen. Belgien wird jedoch wahrscheinlich noch im Juni ein Gesetz verabschieden. Und das hat einen Grund: Das Land übernimmt in der zweiten Jahreshälfte den EU-Vorsitz. Im gleichen Zeitraum steht die Überprüfung der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung an. Belgiens Regierung möchte sich nicht die Blöße geben den Vorgang zu leiten, ohne das Gesetz im eigenen Land umgesetzt zu haben.
Eines der Länder, in denen das Gesetz vom Verfassungsgericht zurückgewiesen wurde, ist Rumänien. Das Gericht sah das grundrechtlich geschützte Briefgeheimnis, sowie die Privatsphäre der Bürger verletzt. Auch den demokratischen Grundsatz der Unschuldsvermutung sahen die Richter in Gefahr: "Die Vorratsdatenspeicherung richtet sich gleichermaßen an alle die dem Gesetz unterstehen, ungeachtet dessen ob sie ein strafbares Verbrechen begangen haben oder nicht". Das Gericht wies den Gesetzgeber an, ein neues verfassungsgemäßes Gesetz zu verabschieden. Wann dies geschieht ist angesichts der andauernden Regierungskrise jedoch ungewiss.
Auf dem anderen Ende der Datenschutzskala liegen Länder wie Ungarn, Italien, Frankreich und Bulgarien.
Ende 2008 hatte das bulgarische Verfassungsgericht ähnlich wie im Nachbarland das Datenspeicherungsgesetz zunächst abgelehnt. Auf Druck der EU verabschiedete die Regierung jedoch ein neues Gesetz. Es erhielt Ende 2009 im Eilverfahren einen Zusatz, der es zum weitgehendsten in der EU machte. Das Innenministerium erhält dadurch direkten Zugriff auf alle gespeicherten Daten, ohne den Umweg über Internetprovider und Gerichte. Das Ministerium kann in Echtzeit auf die Daten aller Bürger zugreifen, Bürgerrechtler sind empört. Sogar der bulgarische Innenminister Tsvetan Tsvetanov wird auf der Datenschutzwebsite www.unwatched.org mit den Worten zitiert, dass "es keinen anderen EU-Mitgliedsstaat gibt, der seinen Polizeikräften einen solchen Zugang gewährt; es (das Gesetz) verstößt gegen Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention sowie gegen die bulgarische Verfassung". Die Gegner des Gesetzes sind deshalb überzeugt, dass auch dieses Gesetz vom Verfassungsgericht gestoppt wird.
Auch in Italien, Frankreich und Ungarn gibt es Gesetze, die über die EU-Vorgaben hinausgehen. In Italien wird die Gesetzgebung vor allem für lange Speicherungsfristen kritisiert. Die Regierung lässt die Gesprächsdaten ihrer Bürger für bis zu 29 Monate speichern. Die EU hatte eine Obergrenze von 24 Monaten vorgesehen. Darüber hinaus müssen sich Besucher von Internetcafes ausweisen. Auch beim Kauf einer Prepaid-Karte fürs Handy muss ein amtlicher Ausweis vorgelegt werden. Durch diese Maßnahmen soll anonymes Internetsurfen und Mobiltelefonieren unmöglich sein.
Ungarns Gesetzgebung zu dem Thema ähnelt der bisherigen deutschen: Die Ermittler dürfen auf die gespeicherten Daten zugreifen, ohne die Genehmigung eines Gerichts zu haben. Auch hier läuft eine Verfassungsklage.
Angesichts der Umsetzungsprobleme und Proteste in den Mitgliedsländern verbreiten sich mittlerweile sogar in Brüssel langsam Zweifel am Sinn und Nutzen der Vorratsdatenspeicherung.
Die Skepsis der Deutschen gegenüber der Vorratsdatenspeicherung ist also kein Einzelfall. Die Vorbehalte gegen die Überwachung durch den Staat teilen sie viel mehr mit einer ganzen Reihe von Menschen in europäischen Ländern.
- Datum 03.03.2010 - 19:57 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Denn so scheint es wenn sie mit Gesezten daherkommt die keiner will - und man überwiegend auch nicht braucht.
Kriegen wir jetzt eine Demokratie a la Sovietunuion?
Das Zentralkomitee regiert - natürlich offiziell mit der "Zustimmung de Volkes" - von oben herab wird realitätsfern regiert...
England macht es schon vor - seltsam dass manche in diesem Land anti-EU sind...
Die EU ist nicht undemokratischer als die BRD.
Ob die Lobbykraten nun EU-Kommissare, Minister oder Parlamentarier (neben Medienkonzernen) einkaufen müssen, um eine Regierung in ihrem Sinne zu erhalten, macht keinen wesentlichen Unterschied.
Das Volk ist so oder so angeschmiert.
Moin,
ich kann mich hier nur, wie in Kommentaren zu anderen Artikeln auch, wiederholen. Die EU-Kommission ist ein Organ, das in erster Linie die Interessen der nationalen Regierungen der Mitgliedsstaaten durchboxt, die Kommissare werden ja von den nationalen Regierungen gestellt (bestellt), sie agieren quasi als EU-Regierung (etwas schräg überspitzt) im Auftrag ihrer Regierungen, auch wenn sie nach ihrer Stellung weisungsunabhängig sein sollen. Nach den geltenden EU-Verträgen hat die Kommission alleinig das Initiativrecht, also das Recht Gesetzentwürfe (nicht ganz exakt ausgedrückt) zu verfassen und die Gesetzgebung auf EU-Ebene zu starten. Weder der Rat (schräg mit dem Bundesrat auf deutscher Ebene vergleichbar) und das Parlament (schräg wie Bundestag) haben dieses Recht immer noch nicht. Wir sind zwar mit dem Vertrag von Lissabon ein Stückchen weiter an einem wirklich demokratischen Europa, aber immer noch viel zu weit davon entfernt. Man sollte daher nicht über ein undemokratisches oder besser teildemokratisches Europa jammern; viel besser ist es, für ein demokratisches Europa einzutreten, um nicht zu sagen: zu kämpfen.
Beste Grüße
Grabert
Die EU ist nicht undemokratischer als die BRD.
Ob die Lobbykraten nun EU-Kommissare, Minister oder Parlamentarier (neben Medienkonzernen) einkaufen müssen, um eine Regierung in ihrem Sinne zu erhalten, macht keinen wesentlichen Unterschied.
Das Volk ist so oder so angeschmiert.
Moin,
ich kann mich hier nur, wie in Kommentaren zu anderen Artikeln auch, wiederholen. Die EU-Kommission ist ein Organ, das in erster Linie die Interessen der nationalen Regierungen der Mitgliedsstaaten durchboxt, die Kommissare werden ja von den nationalen Regierungen gestellt (bestellt), sie agieren quasi als EU-Regierung (etwas schräg überspitzt) im Auftrag ihrer Regierungen, auch wenn sie nach ihrer Stellung weisungsunabhängig sein sollen. Nach den geltenden EU-Verträgen hat die Kommission alleinig das Initiativrecht, also das Recht Gesetzentwürfe (nicht ganz exakt ausgedrückt) zu verfassen und die Gesetzgebung auf EU-Ebene zu starten. Weder der Rat (schräg mit dem Bundesrat auf deutscher Ebene vergleichbar) und das Parlament (schräg wie Bundestag) haben dieses Recht immer noch nicht. Wir sind zwar mit dem Vertrag von Lissabon ein Stückchen weiter an einem wirklich demokratischen Europa, aber immer noch viel zu weit davon entfernt. Man sollte daher nicht über ein undemokratisches oder besser teildemokratisches Europa jammern; viel besser ist es, für ein demokratisches Europa einzutreten, um nicht zu sagen: zu kämpfen.
Beste Grüße
Grabert
Die EU ist nicht undemokratischer als die BRD.
Ob die Lobbykraten nun EU-Kommissare, Minister oder Parlamentarier (neben Medienkonzernen) einkaufen müssen, um eine Regierung in ihrem Sinne zu erhalten, macht keinen wesentlichen Unterschied.
Das Volk ist so oder so angeschmiert.
Moin,
ich kann mich hier nur, wie in Kommentaren zu anderen Artikeln auch, wiederholen. Die EU-Kommission ist ein Organ, das in erster Linie die Interessen der nationalen Regierungen der Mitgliedsstaaten durchboxt, die Kommissare werden ja von den nationalen Regierungen gestellt (bestellt), sie agieren quasi als EU-Regierung (etwas schräg überspitzt) im Auftrag ihrer Regierungen, auch wenn sie nach ihrer Stellung weisungsunabhängig sein sollen. Nach den geltenden EU-Verträgen hat die Kommission alleinig das Initiativrecht, also das Recht Gesetzentwürfe (nicht ganz exakt ausgedrückt) zu verfassen und die Gesetzgebung auf EU-Ebene zu starten. Weder der Rat (schräg mit dem Bundesrat auf deutscher Ebene vergleichbar) und das Parlament (schräg wie Bundestag) haben dieses Recht immer noch nicht. Wir sind zwar mit dem Vertrag von Lissabon ein Stückchen weiter an einem wirklich demokratischen Europa, aber immer noch viel zu weit davon entfernt. Man sollte daher nicht über ein undemokratisches oder besser teildemokratisches Europa jammern; viel besser ist es, für ein demokratisches Europa einzutreten, um nicht zu sagen: zu kämpfen.
Beste Grüße
Grabert
Ich weis nicht, ob das noch Demokratie ist oder eine neue Diktatur werden wird, was die EU da abzieht.
Vor allem unsere Kanzlerin.
Wir werden immer mehr in unserer Freiheit beschnitten.
Was mir Angst macht, sind vor allem Nachrichten, die nicht über die bekannten Medien laufen.
Ist es so, das dies falsche Nachrichten sind, oder eben bestimmte Nachrichten nicht von den algemeinen Medien gemeldet werden?
Es wird immer nur von landespolischen Dingen geredet, aber was ist mit der Soverenität der einzelnen Mitgliedsländer der EU?
Wer schützt unser Land vor der EU?
Kanzlerin Merkel?
http://www.youtube.com/wa...
Ist das eine Finte, oder die Warheit?
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