Terrorismus Indien unter dem Schock der Maoisten
76 Polizisten haben sie niedergemetzelt, ihre blutigste Tat jemals: Die Mao-Guerilla in den Wäldern Indiens halten viele für kaum bezwingbar.
© PRAKASH SINGH/AFP/Getty Images

Neu Delhi: Letzte Ehre für die von Maoisten ermordeten Polizisten
76 Särge aus billigem Sperrholz sind jetzt in ganz Indien unterwegs. Am Mittwochmorgen salutierte der indische Innenminister P. Chidambaram vor ihnen. Auf jeden der Särge legte er rote Nelken. Sie bergen die Leichen von 76 Polizisten, die am Dienstag dieser Woche von maoistischen Rebellen in einem Dschungel-Hinterhalt im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh zerbombt oder erschossen wurden. Es war der blutigste Angriff der indischen Maoisten seit Beginn ihres bewaffneten Widerstands vor über 30 Jahren. Nun trauert der indische Staat um die Opfer.
Die getöteten Polizisten kamen aus zahlreichen Bundesstaaten. Manche sagen, sie seien der Herausforderung der Guerilla nicht gewachsen, unterbezahlt und zu schlecht ausgebildet gewesen. Mehr als einen Sperrholzsarg konnte man ihnen vor Ort im Dschungelstädtchen Dantewada nicht zimmern. Im Laufe der nächsten Tage sollen die Särge zu den über ganz Indien verteilten Angehörigen zurückgebracht werden.
Der Tod so vieler Polizisten schockt ganz Indien. Im Fernsehen, in den Zeitungen, überall sind die Bilder von den Leichenbergen der Polizisten in ihren vom Kampf zerrissenen Uniformen zu sehen. "Es ist Krieg", titelte die Tageszeitung Times of India in Delhi. Der Premierminister rief in der Hauptstadt seinen Nationalen Sicherheitsrat zusammen. Aber neue Maßnahmen bleiben aus. Ruhe bewahren, der Kampf gegen die Maoisten gehe weiter, die Antwort des Staates werde bald umso härter ausfallen, lautet der Tenor der Regierungserklärungen.
Den Medien reicht das nicht. Sie senden Aufrufe, endlich auch die reguläre Armee gegen die Rebellen einzusetzen. Ein wenig gibt Innenminister Chidambaram Mitte der Woche nach: Die Regierung werde noch einmal den möglichen Einsatz der Luftwaffe gegen die Maoisten untersuchen lassen, sagt er. Doch die Luftwaffe sagt prompt ab. Man sei nicht für begrenzte Aktionen im eigenen Land trainiert, sondern für die Zerstörung des äußeren Feindes, sagt der Luftwaffenchef in Delhi.
Das alles sind nur die ersten Reaktionen auf ein möglicherweise folgenschweres Ereignis. Der Streit um die richtige Antwort auf die "größte Bedrohung für die innere Sicherheit" des Landes (Premierminister Manmohan Singh) währt in Indien seit Jahren. Die oppositionellen Hindu-Nationalisten um die Bhanata Jawata Partei mahnen auch jetzt wieder strengere Sicherheitsmaßnahmen an. Doch genauso unüberhörbar sind die Stimmen von Intellektuellen und Nicht-Regierungsorganisationen, die einen militärischen Sieg gegen die Maoisten für unmöglich halten.
Die Kritiker verweisen auf den jahrhundertelangen Kampf der indischen Ureinwohner (Adivasis) um ihre Dschungelwälder, den sich die Maoisten heute zu eigen gemacht hätten. "Adivasis und Maoisten lassen sich heute nicht mehr voneinander unterscheiden", sagt die Schriftstellerin Arundhati Roy und meint damit: Der Staat kann sie nicht alle bekämpfen. Indien zählt mindestens 50 Millionen Ureinwohner. Millionen von ihnen sind über riesige Waldgebiete in mehreren Bundesstaaten in den Kampf der Rebellen verstrickt.
Bisher gab es in der regierenden Kongresspartei beide Ansichten: Die einen wollten die Maoisten mit Gewalt bekämpfen, die anderen soziale Lösungen. Ob sich das nach dem größten militärischen Erfolg der Maoisten nun ändert? "Maoisten Schlächter", titelte der sonst eher liberale Indian Express. "Maoisten erklären den totalen Krieg", schrieb der konservative Pioneer. Es hörte sich an, als sei in Indien Bürgerkrieg. Ein bisschen stimmt das auch. Der ständige blutige Kampf zwischen Rebellen und Polizei ist eine alltägliche Wirklichkeit, die in Indien oft ausgeblendet wird. Aber schnelle Lösungen gibt es für ihn nicht.
- Datum 08.04.2010 - 06:51 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
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im politischen, wirtschaftlichen wie privaten Bereich haben Mahatma Ghandi vergessen. Die Versäumnisse der Vergangenheit wiegen schwer.
hoffentlich haben die inder ihre atombomben gut weggesperrt.
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nun, mit irgendeinem auftakt muss man diesen artikel ja beginnen lassen.
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auch wenn ich dem restlichen (im übrigen nicht gerade rosigen inhalt) des kommentars nun wirklich nichts nehmen will:
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warum teuer, wenn's auch billig geht?
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in indien werden tote nicht in eine grabmulde auf dem friedhof eingelassen, sondern nach den rituellen gebeten verbrannt. ihre asche wird dann, wenn möglich, in den GANGES gestreut ...
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da nützen särge aus teakholz auch nichts!
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http://www.thehindu.com/2...
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